26

1.  physische  Leistungsfähigkeit  (körperliche  Arbeit),
2.  Intellekt  (geistige  Arbeit:  Fassungsgabe,  Verstand,  Gedächtnis),
3.  Charakter  (sittliche  Eigenschaften:  Fleiß,  Ausdauer,  Pflichtgefühl,
Energie).
Die  physische  Leistungsfähigkeit,  die  Arbeitskraft,  ist  bei
den  einzelnen  Menschen  sehr  verschieden  und  wird  vor  allem  durch  Rasse
und  Alter  beeinflußt.
Nicht  mehr  zutreffend  ist,  was  Roscher  schrieb:  „An  Arbeits  ener  g  ie
wird  kein  Volk  die  Engländer  und  Angloamerikaner,  an  Arbeitsverständnis ­
  die  Deutschen,  an  Arbeits  g  e  s  ch  m  a  ck  die  Franzosen  übertreffen." ­

Ein  weiterer  Faktor  sind  die  Kulturverhältnisse  des  betreffenden  Landes
und  die  Pflege  und  Ausbildung  des  Körpers.  Dem  alten  Satz  „meng
sana  in  corpore  sano“,  d.  h.  nur  in  einem  gesunden  Körper  kann  ein  gesunder ­
  Geist  wohnen,  wird  durch  entsprechendeKörperpflege
Rechnung  getragen.
Daß  die  Arbeiter,  um  gesund  und  kräftig  zu  bleiben,  gut  gelohnt
werden  müssen  und  sie  dann  in  kürzerer,  von  bestimmten  Pausen  unterbrochener ­
  Arbeitszeit  verhältnismäßig  mehr  leisten  als  schlecht  gelohnte
Arbeiter  in  längerer  Arbeitszeit  —  zu  dieser  Überzeugung  sind  einsichtige
Unternehmer  längst  gelangt.  Charakteristisch  dafür,  daß  für  höheren  Lohn
auch  mehr  geleistet  wird,  ist  ein  Ausspruch  des  bekannten  englischen  Eisenbahnbauunternehmers ­
  B  r  a  s  s  e  Y  (bei  v.  Schulze-Gävernitz,  „Zum  sozialen
Frieden"):  „Der  Bau  eines  Kilometers  Bahnlinie  kostet  in  allen  Ländern
der  Erde  etwa  das  gleiche,  gleichviel,  ob  man  den  von  einer  Handvoll  Reis
lebenden  Hindu  oder  Chinesen,  den  mittlere  Bezahlung  empfangenden
Franzosen,  Italiener  oder  Deutschen,  oder  den  höchstbezahlten  englischen,
amerikanischen  oder  australischen  Arbeiter  beschäftigt.  Sehr  häufig  sogar
war  die  Arbeit  mit  dem  höher  bezahlten  Arbeiter  als  billiger  bevorzugt
worden."  Auch  im  kaufmännischen  Betriebe  dringt  immer  mehr  die  Erkenntnis ­
  durch,  daß  die  intellektuelle  Leistungsfähigkeit
und  die  physische  Arbeitskraft  bis  zu  einem  gewissen  Grade  in  dem  Verhältnis ­
  steigt,  wie  die  Arbeitszeit  abnimmt  und  das  Gehalt  größer  wird.
Neben  dem  physischen  und  intellektuellen  Element,  neben  der  körperlichen ­
  Anstrengung  und  vernünftigen  Überlegung  muß  als  drittes  auch
das  sittliche  Element  vorhanden  sein:  Pflichtgefühl,  Ehrlichkeit  sich