werten  kann,  ist  als  drittes,  dazwischenliegendes  Arbeitssystem  das  der
korporativen  Gebundenheit  zu  nennen,  das  in  den  Gesellenverbänden
  des  Mittelalters  bestanden  hat  und  heute  in  den  Tarifverträgen
der  Gewerkschaften  fortlebt.  Die  Arbeitstätigkeit  des  einzelnen  ist  geregelt ­
  durch  Normen  einer  Genossenschaft,  die  ihm  die  freie  Bewegung
nur  innerhalb  bestimmter,  von  ihm  mitgesetzter  Schranken  gestattet.  Durch
diese  Vertragsweise  ist  der  Arbeiter  in  wirtschaftlicher  Beziehung  wesentlich ­
  besser  gestellt.
5.  Produktive  undunproduktive  Arbeit.  Wirtschaftlich
produktiv  nennt  man  eine  Arbeit  dann,  wenn  der  Wert  des  Arbeitsproduktes ­
  größer  ist  als  die  Kosten  der  Produktion  (sie  also  neue  Werte
schafft),  unproduktiv  eine  Arbeit,  die  dies  nicht  tut.  Die  Merkant
  i  l  i  st  e  n  erklärten  allein  den  Handel,  die  P  h  y  s  i  o  k  r  a  t  e  n  nur  den
Ackerbau,  Adam  Smith  alle  Arbeit,  die  zur  Herstellung  von  S  a  ch  -
gütern  dient,  für  produktiv.  Arbeit  umfaßt  aber  körperliche  und  geistige
Tätigkeit.  So  erkennen  denn  auch  Fr.  L  i  st  und  die  Mehrheit  der  neueren
Nationalökonomen  die  p  er  s  ö  n  l  i  ch  en  D  i  en  st  l  ei  st  u  ng  e  n  und  die
g  e  i  st  i  g  e  Arbeit  als  volkswirtschaftlich  produktive  Tätigkeit  an.
Sonst,  sagt  List,  müßte  man  denjenigen,  der  Schweine  aufzieht,  ein  produktives, ­
  den,  der  Menschen  erzieht,  ein  unproduktives  Mitglied  der
Gesellschaft  nennen.
6.  Produktive  und  rentable  Arbeit.  Ist,  wie  erwähnt,
die  produktive  Arbeit  auf  sachliche  Ergiebigkeit  (für  die  Allgemeinheit)
gerichtet,  so  spricht  man  von  rentabler  Arbeit  bei  Gewinnerzielung  für
den  einzelnen.  Jene  ist  ein  volkswirtschaftlicher,  diese  ein  privatwirtschaftlicher
  Begriff.
Fragt  man:  produktiv  bzw.  unproduktiv  für  wen?,  so  lassen  sich  vier
verschiedene  Gruppen  unterscheiden:
1.  Die  Arbeit  ist  unproduktiv  für  das  Volk  und  ohne  Gewinn  für
die  Privatwirtschaft  (kommt  praktisch  wohl  kaum  vor).
2.  Die  Arbeit  ist  unproduktiv  für  das  Volk,  aber  gewinnbringend  für
die  Privatwirtschaft  (Glücksspiel,  Spekulationen).
3.  Die  Arbeit  ist  produktiv  für  das  Volk,  aber  ohne  Gewinn  für  die
Privatwirtschaft  (Ausübung  von  Ehrenämtern).
4.  Die  Arbeit  ist  produktiv  für  das  Volk  und  gewinnbringend  für  die
Privatwirtschaft  (Banken  usw.)»

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