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VI.  Organisation  vor  gewerblichen  Produktion.
I.  Stufen  öer  industriellen  Entwicklung
(gewerbliche  Betriebssysteme).
Wie  beim  Ackerbau,  so  lassen  sich  auch  beim  Gewerbe  eine  Anzahl  Belriebssysteme
  unterscheiden,  gewissermaßen  als  Typen  der  industriellen
Fortentwicklung,  als  Stufenfolge  immer  vollkommener  werdender  Lebensformen. ­
  Diese  5  Betriebssysteme  sind:  Hauswerk  (Familien-  oder  Hauswirtschaft),
  Lohnwerk,  Handwerk  im  engeren  Sinne  (Preiswerk),  Verlagssystem
  (Hausindustrie)  und  Fabrik.
a)  Hauswerk  (Familien-  oder  Hauswirtschaft).
Hauswerk  ist  gewerbliche  Bearbeitung  selbsterzeugter  Rohstoffe  für  den
Hausbedarf,  wobei  aber  der  Begriff  „Haus"  nicht  zu  eng  zu  fassen  ist.
Das  Volk  ist  in  eine  Anzahl  Gruppen  geteilt;  jede  Gruppe  —  Familie
im  weiteren  Sinne  —  produziert  das,  was  sie  verzehrt,  mit  anderen
Worten:  es  herrscht  Eigenproduktion,  die  Güter  werden  in  der  eigenen
Wirtschaft  erzeugt  und  verbraucht.  Zwischen  den  einzelnen  Hausgenossen
besteht  eine  mehr  oder  minder  große  Arbeitsteilung,  weit  ausgedehnt  vor
allem  dort,  wo  unfreie  (Sklaven-)  Arbeit  geleistet  wird,  und  bei  der
hörigen  Arbeit  in  den  Fronhöfen.
Die  Sklaven  und  Unfreien  in  den  römischen  Häusern,  deren  Zahl
häufig  mehr  als  100  betrug,  übten  teils  verschiedene  Handwerke  mit  weitgehender ­
  Arbeitsteilung  aus  (familia  rustica),  teils  leisteten  sie  persönliche  Dienste
(familia  urbana).  Bei  der  Jronhofswirtschaft  (zur  Karolingerzeit)
wurde  das  Land  von  leibeigenen  Bauern  bewirtschaftet.  Aber  diese  leibeigenen
Knechte  und  Mägde  übten  auch  sonst  gewerbliche  Produktion  aus,  sie  waren
unfreie  Handwerker.
b)  Lohnwerk.
Das  zweite  gewerbliche  Betriebssystem,  die  Lohnarbeit,  ist  dadurch
charakterisiert,  daß  der  Produzent  nicht  mehr  für  sich  und  die  größere
Familie,  sondern  für  Kunden  arbeitet.  Zwei  Formen  des  Lohnwerks
sind  zu  unterscheiden:  der  Arbeiter  zieht  entweder  von  Haus  zu  Haus  und
tritt  gegen  Lohn  und  Kost  zeitweilig  in  die  Wirtschaft  des  Kunden  ein,  wo
er  verbleibt,  bis  die  betreffende  Arbeit  vollendet  ist,  z.  B.  Tapezierer  und
Schneiderinnen  —  in  Süddeutschland  noch  heute  bekannt  unter  dem
Namen  „auf  die  Stör  gehen"  —,  oder  aber  der  Lohnwerker  besitzt  eine