Ein«  Vereinigung  der  Handwerker  desselben  Gewerbes,  die  alle  in  derselben ­
  Straße  wohnten,  fand  in  den  Zünften  statt.
ä)  Berlagssystem  (Hausindustrie).
AIs  im  Lauf  der  Zeit  die  Produktion  nicht  mehr  für  den  lokalen  und
nationalen  Markt,  sondern  für  den  Weltmarkt  erfolgte,  wurde  ein  großer
Teil  der  Handwerker,  weil  er  die  erforderlichen  Mittel  nicht  besaß,  konkurrenzunfähig ­
  und  verlor  damit  seine  Selbständigkeit.  Seit  dem
16.  Jahrhundert  tritt,  durch  die  Entwicklung  des  Handels  gefördert,  eine
neue  Betriebsform  auf:  das  Verlagssystem  oder  die  Hausindustrie  (Heimarbeit). ­
  Es  wird  nicht  mehr  für  den  Kunden  und  auch  nicht  mehr  für
den  Markt  gearbeitet.  Ein  Mittelglied  zwischen  Produzenten  und  Konsumenten ­
  schiebt  sich  ein:  Ein  Unternehmer  beschäftigt  eine  Anzahl
Gewerbetreibende  in  deren  Wohnungen  und  übernimmt  für  sie  den  Absatz
der  Produkte,  oft  auch  die  Besorgung  des  Rohstoffes.  Er  „verlegt"  das
Geld  und  wird  daher  auch  Verleger  genannt.  Er  ist  der  kaufmännische
Kopf,  der  für  den  Absatz  sorgt.  Die  Abhängigkeit  des  Hausindustriellen
(Heimarbeiters)  vom  Verleger  und  die  Art  des  Verkehrs  mit  ihm  ist  verschieden: ­

Liefert  der  Verleger  dem  Arbeiter  den  Rohstoff,  leiht  er  ihm  Werkzeuge ­
  und  Maschinen  und  zahlt  ihm  Lohn  (L  o  h  n  s  y  st  e  m),  dann  ist
dieser  als  Heimarbeiter  anzusehen.  Er  wird  lediglich  nach  der  Zahl
der  abgelieferten  Stücke  bezahlt.  Beim  K  a  u  s  s  y  st  e  m  hat  der  Heimarbeiter ­
  den  Rohstoff  selber  zu  beschaffen;  Werkzeuge  sind  teils  sein  Eigentum, ­
  teils  werden  sie  ihm  vom  Verleger  zur  Verfügung  gestellt.  Die
Waren  werden  zumeist  nach  Bestellung  und  Muster,  seltener  auf  Vorrat
gearbeitet;  und  für  die  fertigen  Waren  wird  ein  vereinbarter  Preis  gezahlt. ­
  Man  bezeichnet  dann  den  Heimarbeiter  als  Hausindustrie ­
  l  l  e  n.  —  Tritt  zwischen  Verleger  und  Heimarbeiter  eine  Mittels-Person
  (Faktor,  Fercher,  Zwischenmeister)  —  im  Interesse  der  Heimarbeiter ­
  wird  dieses  Amt  mitunter  vom  Lehrer  oder  Geistlichen  übernommen ­
  —,  so  nennt  man  dies  Faktorensystem.  Öfter  findet
dabei  eine  Vereinigung  der  Heimarbeiter  in  einer  Werkstatt  unter  Aufstcht
  des  Faktors  statt.  Beuten  die  Faktoren  die  Arbeiter  durch  niedrige
Löhne  und  übermäßige  Arbeitszeit,  oder  durch  hohe  Anrechnung  der  Rohmaterialien ­
  und  Druck  auf  die  Abnahmepreise  aus,  so  spricht  man  von
einem  Sweatingsystem  (Schwitzsystem).
b  Obst,  Volkswirtschaftslehre.  81