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Die  Interessen  der  Produzenten  und  Konsumenten  sind  entgegengesetzt:
Des  Konsumenten  Streben  zielt  darauf  hin  ab,  möglichst  billig  zu  erwerben,
  das  des  Produzenten,  möglichst  hoch  zu  verkaufen.  Beide  wollen
günstige  Geschäfte  abschließen,  günstige  Preise  erzielen,  d.  h.  vom  Standpunkte ­
  des  Verkäufers  hohe,  vom  Standpunkt  des  Käufers  niedrige  Preise.
ä)  Die  Durchstaatlichung  der  Wirtschaft.
Im  Lauf  der  Jahre  ist  an  dem  Gesetz  vom  21.  Juni  1869  über  die  Gewerbefreiheit ­
  durch  zahlreiche  Novellen  so  viel  geändert,  so  viel  durchlöchert ­
  worden,  daß  eigentlich  nur  noch  das  Gerippe  des  alten  Gesetzes
besteht.
Grundsätzlich  ist  in  Deutschland  jedermann  berechtigt,  ein  oder  "
mehrere  Gewerbe  selbständig  zu  betreiben,  mit  Ausnahme  der  wenigen
im  Gesetz  vorgesehenen  Fälle,  wie  z.  B.  Apotheker-  und  Münzgewerbe,
Sprengstoffherstellung.  Anlagen,  die  das  Publikum  belästigen  oder  gefährden ­
  (Pulverfabriken,  Gasanstalten,  Schlachthäuser  usw.),  bedürfen
der  behördlichen  Genehmigung.  Einem  jeden  ist  Gelegenheit  gegeben,
seine  Kenntnisse  und  Fähigkeiten  in  der  ihm  am  zweckmäßigsten  erscheinenden ­
  Weise  zur  Geltung  zu  bringen  und  seine  Natur-,  Kapital-  und  Arbeitskraft ­
  zur  größtmöglichen  Ausnutzung  gelangen  zu  lassen.
Die  Gefahren  einer  Auffassung,  die  das  Wirtschaften  als  Privatsache ­
  des  einzelnen  ansah,  zeigten  sich  bald  in  vielfacher  Gestalt.  Die  Gewerbefreiheit ­
  hatte  zahlreiche  Personen  veranlaßt,  ein  Geschäft  zu  treiben,
für  das  ihr  Kapital  nicht  hinreichte.  Ihre  große  Zahl  verschärfte  die
Konkurrenz,  und  im  Kampf  ums  Dasein  unterliegen  die  weniger
Leistungsfähigen  und  sinken  wieder  zu  Kleinmeistern  oder  gar  zu  abhängigen ­
  Arbeitern  herab.  Das  Handwerk  steht  jetzt  im  Wettbewerb
mit  der  Großindustrie  und  kann  sich  nur  noch  in  einigen  Gewerbezweigen
als  die  überlegene  Betriebsform,  vor  allem  als  Reparatur-  und  Arbeitsgewerbe, ­
  halten.  Aber  nicht  nur  der  gewerbsmäßige  Mittelstand,  auch
die  Arbeiter  leiden  unter  dem  freien  Wettbewerb.  Ihre  große  Schar
verstärkt  den  Kampf  um  die  Arbeitsplätze,  vermehrt  die  Arbeitslosigkeit
und  zwingt  sie  zur  Arbeitsleistung  für  jeden  ihnen  gebotenen  Lohn.  Doch
auch  die  Fabriken  selbst  spüren  die  Schäden  eines  Systems,  aus  dem  sie
allein  Nutzen  zu  ziehen  schienen.  Die  große  Konkurrenz  nötigt  sie,  ihre
Waren  zu  immer  niedrigeren  Preisen,  ja  oft  sogar  unter  den  Selbstkosten