Endlich  hat  ein  Gut  um  so  größeren  Werr,  je  mehr  seine  Beschaffung
Mühe  und  Arbeit  kostet.  Man  kann  auch  den  Faktor  Seltenheit  mit
Arbeit  gleichzustellen,  da  die  Beschaffung  eines  seltenen,  d.  h.  im  Augenblick
nicht  vorhandenen  Gutes,  die  größere  Mühe  verursacht.
Seltenheit  und  Mühe  sind  objektive,  Nützlichkeit  und  Dringlichkeit
sind  subjektive  Maßstäbe  des  Wertes.  Demgemäß  bildeten  sich  früh,
je  nachdem  welche  Momente  in  den  Vordergrund  geschoben  wurden,  eine
objektive  und  eine  subjektive  Werttheorie  heraus.
Die  objektive  Werttheorie:  Der  Altmeister  der  Volkswirtschaftslehre, ­
  Adam  Smith,  bestimmt  den  Wert  eines  Gegenstandes  nach
der  Arbeit,  die  man  dagegen  eintauschen  konnte,  bzw.  nach  der  Arbeit,  die
Zur  Herstellung  des  Gutes  notwendig  war.  Diese  Herstellungskosten-Theorie
bildete  besonders  Ricardo  aus.  Am  schärfsten  prägte  Karl  Marx
die  objektive  Werttheorie:  Eine  Ware  hat  nur  Wert,  soweit  sich  menschliche ­
  Arbeit  in  ihr  verkörpert.  Der  Wert  wird  bemessen  nach  dem  Quantum ­
  gesellschaftlich  notwendiger  Arbeitszeit  —  d.  h.  unter  den  vorhandenen ­
  gesellschaftlich  normalen  Produktionsbedingungen  und  bei  durchschnittlicher ­
  Geschicklichkeit  und  Arbeitsintensität  —,  das  zur  Herstellung
der  Ware  erforderlich  ist.  Die  qualifizierte  Arbeit  wird  aufgelöst  in  ein
Vielfaches  einfacher  Arbeit.
Die  subjektiveWerttheorie  wurde  zuerst  von  den  Physiokraten
gepflegt.  Karl  Menger,  Wieser,  Jevons,  Böhm-Bawerk
haben  sie  ausgebaut.  Sie  wird  in  ihrer  neueren  Form  als  Grenznutzen-Theorie
  bezeichnet.  Ein  Gut  wird  aufgefaßt  als  eine  Einheit ­
  aus  einem  Vorrat.  Die  Größe  seines  Nutzens  wird  entschieden  durch
die  Größe  des  Bedürfnisses,  das  jemand  nach  der  letzten  noch  verfügbaren
Teilquantität  aus  dem  Vorrat  hegt.  Das  Getreide  wird  z.  B.  nicht  geschätzt ­
  nach  dem  e  r  st  e  n  Sack,  der  vor  dem  Verhungern  schützt,  sondern
nach  dem  letzten  Sack,  der  vielleicht  der  Liebhaberei  dient,  einen  Papagei
zu  halten.  Diesen  Nutzen  nennt  man  Grenznutzen.  Die  Wichtigkeit
des  letzten  Bedürfnisses,  der  Grenznutzen,  ist  also  der  Maßstab  des
Güterwertes.
Nur  ein  Gegenstand,  der  Wert  hat,  hat  einen  Preis.  Unter  Preis
versteht  man  die  Menge  von  Gütern  oder  Arbeitsleistungen,  die  man
beim  Austausch  eines  Gutes  oder  einer  Arbeitsleistung  als  Gegenwert
(Gegenleistung)  wirklich  hingibt  oder  erhält,  oder,  da  das  Geld  allge-126
