Doppelwährung.  Bei  der  reinen  Doppelwährung  (Bimetallismus) ­
  sind  Gold-  und  Silbermünzen  vollwertig  ausgeprägt.  Prägefreiheit
besteht  für  beide  Metalle,  und  Münzen  aus  beiden  Metallen  sind  gesetzliches
Zahlungsmittel.  Reine  Doppelwährung  herrscht  heute  nirgends  mehr.
Auch  der  mächtigste  Staat  ist  nicht  imstande,  die  Preise  der  Edelmetalle
zu  diktieren  oder  ein  einmal  festgelegtes  Wertverhältnis  aufrechtzuerhalten. ­
  Da  jeder  die  Wahl  hat,  in  Gold  oder  in  Silber  zu  zahlen,  so
wird  er  es  natürlich  in  d  e  m  Metall  tun,  das  für  ihn  vorteilhafter  ist,
und  es  wird  zu  den  Münzstätten  nur  das  Metall  gebracht  werden,  das
auf  dem  Markt  niedriger  notiert  als  das  gesetzliche  Wertverhältnis  ist.
Das  nach  der  gesetzlichen  Relation  zu  hoch  taxierte,  also  das  minderwertige
Metall,  wird  das  überwertige  Metall  aus  dem  Lande  treiben,  das  schlechte
Geld  das  gute  Geld  verdrängen.
Das  Geldwesen  Frankreichs  ist  ein  klassisches  Beispiel  hierfür:  Zur
Zeit  des  zweiten  Kaiserreichs  hatte  sich  die  gesetzlich  festgesetzte  Relation  von
1  :15Vs  geändert.  Wie  kam  dies?  Seit  1848  hatte  sich  die  Goldprodnktion
erheblich  vermehrt,  was  einen  Rückgang  des  Goldpreises  zur  Folge  hatte.  Die
gesetzliche  Wertrelation  aber  blieb  unverändet,  d.  h.  nach  dem  Gesetz  war  1  kg
Gold  soviel  wert  wie  15V2  kg  Silber.  Es  war  daher  ein  lohnendes  Geschäft
für  das  Ausland,  Gold  nach  Frankreich  zu  senden  und  sich  dagegen  Silber
kommen  zu  lassen.  Der  englische  Arbitrageur  z.  B.  sandte  der  Pariser  Münzstätte ­
  Gold,  um  daraus  französische  Goldmünzen  (Napoleons)  auszuprägen,
die  er  dann  in  Silbermünzen  umtauschen  und  sich  nach  England  senden  ließ.
Auf  dem  Weltmarkt  war  die  Weltrelation  in  den  Jahren  1851—1860  1:15,40
bis  1:15,20.  Um  100  kg  Gold  im  Austausch  gegen  Silber  zu  erhalten,
brauchte  bei  einer  Relation  von  1:15,20  der  Arbitrageur  nur  15200  kg  Silber
zu  geben,  während  er  Münzen  im  Gewichte  von  15500  kg  erhalten  hatte.  Daß
solche  Arbitragen  in  großem  Umfange  vorgenommen  wurden,  geht  daraus  hervor, ­
  daß  Frankreich  in  den  Jahren  1850—1866  für  4611  Millionen  M  Gold
ausgeprägt  und  gleichzeitig  etwa  für  1183  Millionen  M  mehr  Silber  ausals
  eingeführt  hat.  Das  Silber  wanderte  meist  über  London  nach  Indien,
wo  es  in  den  dortigen  Münzstätten  in  Rupien  umgeprägt  wurde.  So  hatte
Frankreich  tatsächlich  nicht  Doppel-,  sondern  bald  Gold-,  bald  Silberwährung,
indem  das  unterwertige  Geld  das  überwertige  aus  dem  Verkehr  drängte.
Die  reine  Doppelwährung,  die,  wie  das  Beispiel  Frankreichs  zeigt,
tatsächlich  zur  monometallistischen  Währung  wird,  hat  heute  nur  noch
historisches  Interesse.  Ihre  Wiedereinführung  wäre  nur  möglich,  wenn
alle  großen  Länder  der  Welt  ein  internationales  Abkommen  träfen,  was
aber  nach  den  Mißerfolgen  der  Doppelivährung  ausgeschlossen  erscheint.

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