Verzeichnisse  zusenden  mit  dem  Vermerk:  „Ziel  3  Monate"  oder  „Ziel
6  Monate".  Leichtsinnige  Personen  werden  hierdurch  angespornt,  einen
Konsumtivkredit  in  Anspruch  zu  nehmen,  ohne  sich  wegen  der  Gegenleistung
Kopfschmerzen  zu  machen.  Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  beim  Bankier,
der,  um  die  großen  Summen,  die  ihm  anvertraut  sind,  in  Zeiten  des
Geldüberflusses  nutzbringend  anzulegen,  bei  der  Einräumung  von  Krediten ­
  nicht  so  sorgfältig  vorgeht,  als  er  es  eigentlich  müßte.  Der  Unternehmer, ­
  der  das  Geld  verhältnismäßig  leicht  und  zu  billigem  Zinsfuß
erhält,  produziert  nun,  wie  man  sagt,  „drauf  los",  d.  h.  er  achtet  nicht,
-ob  Produktion  und  Absatz  im  richtigen  Verhältnis  zueinander  stehen.  Da
dies  von  zahlreichen  Unternehmern  geschieht,  erfolgt  dann  eine  Überproduktion, ­
  die  häufig  eine  allgemeine  Krisis  zur  Folge  hat.
Man  hat  den  Kreditverkehr  mit  einem  feinen,  den  Barverkehr  mit
einem  groben  Uhrwerk  verglichen.  Bei  der  billigen  Küchenuhr  kommt  es
schließlich  nicht  darauf  an,  ob  sie  in  der  Woche  einmal  drei  oder  fünf
Minuten  abweicht.  Da  sie  grob  gearbeitet  ist,  kann  sie  manchen  Stoß
-vertragen.  Anders  die  gute  Salonuhr.  Ihr  Mechanismus  ist  außerordentlich ­
  fein  gearbeitet,  sie  braucht  im  Jahre  vielleicht  nur  einmal
reguliert  zu  werden,  aber  eine  einzige  ungewohnte  Berührung,  ein  klein
wenig  Staub  schon  bringt  sie  zum  Stillstehen.  So  das  Kreditwesen:  Es
funktioniert  gut,  solange  alles  in  Ordnung  ist;  eine  einzige  Unregelmäßigkeit ­
  aber  kann  es  erschüttern.
Wer  Kredit  genommen  hat,  also  mit  fremdem  Gelde  arbeitet,  sollte
doppelt  vorsichtig  sein.  Er  darf  sich  nicht  durch  einen  augenblicklichen ­
  Erfolg  zu  gewagten  Spekulationen  hinreißen  lassen.  Häufig
verliert  aber  auch  der  Kreditgeber,  durch  einige  Erfolge  geblendet,  die
ruhige  Überlegung  und  setzt  alles  auf  eine  Karte,  indem  er  sämtliche
-ihm  zur  Verfügung  stehenden  Gelder  an  eine  einzige  Person  ausleiht.
V.  Das  Sankrvsssn.
I.  Lntrviclrlungsgsscvicdts  vss  Sankwsfsns.
Bereits  im  A  l  t  e  r  t  u  m  ist  eine  Banktätigkeit  nachweisbar.  Von  dem
Bankwesen  Babylons  haben  wir  Nachrichten  aus  dem  8.,  von  dem  Griechenlands ­
  aus  dem  5.  und  von  deni  der  Römer  aus  dem  3.  Jahrhundert
v.  Chr.  Die  Bankiers  nahmen  in  der  Hauptsache  Gelder  zur  Aufbc-158
