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2.  Dos  Depofltengefcbäft.
Würden  die  Banken  und  Bankiers  nur  mit  ihrem  eigenen  Kapital
arbeiten,  so  würde  der  Gewinn  nur  beschränkt  sein,  und  das  Publikum
hätte  wenig  Vorteil  von  der  bankgeschäftlichen  Tätigkeit.  Eine  der  Hauptaufgaben
  der  Banken  und  Bankiers  ist  es  daher,  sich  fremde  Gelder
zu  verschaffen.  Die  Hauptform,  in  der  dies  geschieht,  ist  das  Depositengeschäft. ­
  Das  eigene  Kapital  des  Unternehmens  wird  natürlich  ebenfalls
zur  Kreditgewährung  verwendet,  es  dient  aber  zugleich  und  hauptsächlich
als  Sicherheitsfonds  für  die  übernommenen  Verbindlichkeiten.
Die  erste  Art  des  Depositums  im  alten  römischen  Reich  war  das
depositum  miserabile,  das  Depositum  zur  Zeit  eines  Notstandes.  War
irgendwo  eine  Feuersbrunst  ausgebrochen,  oder  bedrohte  ein  Volkshaufen
ein  Haus,  oder  war  ein  Schiff  gestrandet,  so  versuchten  die  von  diesen
Zufällen  Betroffenen,  ihre  bedrohten  Sachen  irgendwo  in  Sicherheit  zu
bringen,  indem  sie  sie  in  dem  Hause  eines  Freundes  oder  Nachbars  einstellten. ­
  Eigentümer  der  Sachen  blieb  selbstverständlich  der  Deponent.
Hier  handelt  es  sich  um  ein  depositum  reguläre:  Der  Deponent  darf  die
ihm  anvertrauten  Gegenstände  nicht  verkaufen,  verleihen  oder  zu  eigenem
Nutzen  verwerten.  Dieser  Art  waren  die  Depositen,  die  den  älteren  Banken
zur  Aufbewahrung  übergeben  worden  waren;  so  beschaffen  sind  noch
heute  die  Effekten-Depots,  die  den  Banken  anvertraut  werden.
Der  wesentliche  Unterschied  zwischen  dem  ehemaligen  und  dem
modernen  Depositcngeschäft  ist  der:  Die  alten  Depositenbanken
berechneten  eine  Aufbewahrungsgebühr  —  wie  sie  auch  heute  der  zahlen
muß,  der  einer  Bank  ein  Depot  (Wertpapiere)  gibt  —,  und  mit  Recht,
denn  es  handelte  sich  um  ein  depositum  reguläre,  die  Banken  hatten
keinen  Nutzen  von  der  Aufbewahrung,  sondern  nur  Mühe.  Die  heutigen
Banken  hingegen  erhalten  die  Gelder  als  depositum  irreguläre;  sie  legen
die  Gelder  produktiv  an  und  sind  daher  imstande,  auf  die  Einlagen
Zinsen  zu  vergüten.
Der  Depositenverkehr  bietet  dem  Deponenten,  der  Bank  und  der  Allgemeinheit ­
  mannigfachen  Nutzen.  Geschäftsleute  und  Private,,
die  Gelder,  die  sie  augenblicklich  nicht  benötigen,  anstatt  im  eigenen
Hause  durch  eine  Bank  aufbewahren  lassen,  genießen  folgende  Vorteile:
Sicherheit  vor  Verlusten  infolge  Feuers  oder  Diebstahls,  Zinsgenuß  und
Erleichterung  bc5  Zahlungsverkehrs.