163

Die  Höhe  der  Zinsen  richtet  sich  nach  dem  Bankdiskont  und  der
Länge  der  ausbedungenen  Kündigungsfrist.  Ist  z.  B.  der  Bankdiskont,
d.  i.  der  Satz,  zu  dem  die  Zentralnotenbank  Wechsel  ankauft  (f.  S.  187),
5X,  so  werden  die  Banken  für  „tägliches  Geld",  d.  h.  für  Geld,  das
jederzeit  ohne  vorherige  Kündigung  abgehoben  werden  kann,  vielleicht
2  %,  für  1-  und  3monatliches,  d.  h.  für  Geld,  das  1  bis  3  Monate  vor
der  Abhebung  gekündigt  sein  muß,  2%  bzw.  3  %  Zinsen  vergüten.  Gelder,
die  jederzeit  vom  Einleger  zurückgefordert  werden  können,  haben  für  die
Bank  nur  geringen  Wert,  denn  den  kurzfälligen  Forderungen  müssen
leicht  verfügbare  Deckungsmittel  gegenüberstehen,  damit  auch  in  kritischen
Zeiten  die  Bank  nicht  zahlungsunfähig  wird.
Der  Inhaber  eines  Depositenkontos  kann  sich  ferner  die  Führung
seiner  Kasse  sehr  erleichtern,  indem  er  Zahlungen  an  den
Hauswirt,  die  Steuerkasse,  an  Lieferanten  usw.  durch  seine  Bank  bewirkt ­
  und  Beträge,  die  er  zu  empfangen  hat,  nicht  an  sich,  sondern  an
seine  Bank  zahlen  bzw.  senden  läßt.  Wer  ein  Depositenkonto  besitzt,
braucht  nur  geringe  Barmittel  im  Hause  zu  halten.  Geldinstitute  und
Bankiers  werden  Kassierer  ihrer  Kunden,  und  die  mit  der  eigenen  Kassen»
führung  verbundene  Gefahr  des  Verzählens  oder  Falschherausgebens  wird
in  hohem  Maße  eingeschränkt.
Banken  und  Bankiers  haben  ein  Interesse  daran,  möglichst
viel  Depositen  zu  erlangen,  denn  je  höher  ihre  Summe,  desto  größer  ist
ihr  Nutzen  aus  Zinsdifferenzen  und  Provisionen.  Die  Gelder,  die  der
Bankier  mit  2%  verzinst,  leiht  er  zu  6X  oder  höher  aus.  Die  Differenz
stellt  aber  nicht  einen  Reingewinn  dar;  einmal  wird  der  Bankier  nicht
in  der  Lage  sein,  alle  Gelder,  die  er  erhalten  hat,  sofort  zinsbringend  anzulegen, ­
  dann  aber  muß  er  auch  einen  größeren  Kassenbestand  halten,  um
abgeforderte  Summen  auszahlen  zu  können.
Nicht  nur  für  den  einzelnen,  sondern  auch  für  die  A  l  l  g  e  m  e  i  n  h  e  i  t,
für  die  ganze  Volkswirtschaft,  ist  ein  entwickelter  Depositenverkehr
von  hohem  Nutzen:  Summen,  die  sonst  müßig  in  den  Portemonnaies  und
Schreibtischen  der  einzelnen  ruhen,  gelangen  in  die  Banken,  die  sie  dem
Verkehr  wieder  zur  Verfügung  stellen.  Dadurch  kann  an  Umlaufs»
Mitteln  gespart  werden.  Den  hohen  wirtschaftlichen  Nutzen  der
Geldkonzentration,  die  am  zweckmäßigsten  durch  Ansammlung  von  Depositengeldern ­
  erfolgt  und,  wie  bekannt,  in  hohem  Maße  vor  allem  in  Eng-