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land  entwickelt  ist,  schildert  Bagehotin  seinem  Werke  Lombard  Street:
Das  englische  Geld  ist  leihfähig.  Eine  Million  im  Besitz  eines  einzigen
Bankiers  ist  eine  große  Macht;  er  kann  die  Million  verleihen,  an  wen
er  will;  wer  Geld  braucht,  kommt  zu  ihm.  Wird  dieselbe  Summe  aber
in  kleine  Beträge  hier-  und  dorthin  verstreut,  dann  ist  das  Geld  keine
Macht  mehr.  Niemand  weiß,  wer  Geld  besitzt  und  an  wen  er  sich  wenden ­
  soll.  Konzentration  des  Geldes  in  den  Banken  ist  eine  der
Hauptursachen,  die  dem  englischen  Geldmarkt  seine  Machtstellung  verliehen ­
  hat.  —  In  der  Tat,  nur  durch  Vereinigung  des  Münzvorrats  und
der  Umlaufsmittel  in  Sammelstellen,  von  denen  aus  sie  der  Volkswirtschaft ­
  stets  wieder  nutzbar  gemacht  werden  können,  durch  Konzentration
des  Geldes,  kann  Großes  in  der  Industrie  und  im  Handel  geleistet,  und
ein  Kredit  dem  gewährt  werden,  der  ihn  bedarf  und  der  die  erlangten
Mittel  voraussichtlich  zweckmäßig  verwenden  wird.
In  Deutschland  waren  als  Depositengelder  bei  den  Banken  (1911)
64,60,  als  Sparkassengeldcr  (Bei  den  Sparkassen)  258,50  M  pro  Kopf  der  Bevölkerung ­
  angelegt;  in  Frankreich  als  Depositengelder  45,  als  Sparkasiengelder ­
  114  M;  in  England  als  Depositengelder  420,00,  als  Sparkassengelder
98,25  M.  Hiernach  bringt  der  Deutsche  und  der  Franzose  Spargelder  lieber
zur  Sparkasse,  der  Engländer  lieber  zur  Bank.  In  neuerer  Zeit  aber  hat
sich  in  Deutschland  das  Verhältnis  zu  Gunsten  der  Bankdepositen  verschoben.
Nicht  jeder  Bank  und  nicht  jedem  Bankier  darf  man  Depositengelder
anvertrauen.  Handelt  es  sich  nicht  um  allererste  Bankfirmen,  so  sollte  der
Deponent  eingehende  Erkundigungen  einziehen.  Oft  geschieht  dies  nicht,
und  so  mancher  vertraut  sein  Geld  dem  Bankier  an,  der  die  höchsten
Zinsen  zu  zahlen  verspricht,  denn:  „Bankier  ist  Bankier".  Auf  den  Gedanken,
  ihr  Geld  zu  verlieren,  kommen  viele  überhaupt  nicht;  vor  allem
nicht,  wenn  der  Betreffende  gut  zu  repräsentieren  versteht.  Die  Mehrheit
ist  so  unbewandert  in  Geldsachen,  daß  sie  gar  keinen  Argwohn  schöpft,
wenn  die  versprochenen  Zinsen  unverhältnismäßig  hoch  sind.
Was  soll  der  Staat  tun,  um  Verluste  der  Depositengläubiger
  möglichst  zu  verhüten?  Zweiteilung  der  Banken  in  Depositenund
  Effektenbanken;  Banken,  die  Depositengelder  annehmen,  sollen  nicht
emittieren  und  nicht  spekulieren,  nicht  gründen  und  nicht  gewagte  Geschäfte ­
  machen  —  sagen  die  einen  und  weisen  auf  England  hin,  das
„reine"  Depositenbanken  hat,  d.  h.  Banken,  die  kein  Emissions-  und
Gründungsgeschäft  betreiben  dürfen,  bedenken  aber  nicht,  daß  diese  Depo ­