Mittel  nicht  auf  dem  natürlichen  Wege  der  Steuer  oder  Anleihe,  sondern
schuf  durch  Aufblähung  des  Geldumlaufs  eine  künstliche  (zusätzliche) ­
  Kaufkraft.  Neue  Zahlungsmittel  wurden  in  den  Geldfonds
des  Landes  ohne  entsprechende  Vermehrung  der  Güterproduktion  eingefügt.
Diese  immense  Vermehrung  des  Papiergeldumlaufs  —  bei  Kriegsausbruch ­
  betrug  der  Notenumlauf  der  Reichsbank  2,4,  am  31.  März  1920
45,2  Milliarden  M;  rechnet  man  hierzu  die  27,8  Milliarden  M  Darlehnskassenscheine, ­
  so  ergibt  dies  73  Milliarden  M,  also  mehr  als  das
30fache  —,  ist  hauptsächlich  schuld  an  der  gegenwärtigen  gewaltigen
Teuerung,  ist  schuld  an  dem  schlechten  Stand  der  deutschen  Valuta.
Der  Preisfall  des  deutschen  Währungsgeldes  im  Auslande,  der  sich
in  einem  Disagio  der  Mark  im  Auslande,  bzw.  einem  Agio  der  fremden
Währung  in  Deutschland  äußert,  ist  im  allgemeinen  größer  als  die  Minderung ­
  der  Kaufkraft  unseres  Geldes  im  Jnlande.  Das  liegt  daran,  daß
im  Jnlande  eine  Anzahl  wichtiger  Artikel  durch  Höchstpreise,  Wuchervorschriften
  usw.  niedrig  gehalten  werden,  daß  das  Reich  zur  Verbilligung
der  aus  dem  Ausland  bezogenen  Lebensmittel  alljährlich  mehrere  Milliarden ­
  zuschießt.
Das  Maß  der  Preissteigerung  in  den  einzelnen  Ländern  steht  im
großen  ganzen  im  Verhältnis  zu  der  Vermehrung,  die  ihr  Zahlungsmittelumlauf
  erfahren  hat.  Die  scharfe  Geldentwertung  im  Inland,  die  in
Deutschland  etwa  mit  dem  Waffenstillstand  eingesetzt  hat,  liegt  weit  weniger
auf  der  Warenseite  (Mindererzeugung,  Verkehrsstockung,  Warenknappheit)
als  auf  der  Geldseite.
Durch  Einziehung  von  9—10  Millionen  kräftiger  Männer  zum  Kriegsdienst ­
  ist  die  Gesamtproduktion  Deutschlands  naturgemäß  sehr  zurückgegangen. ­
  Für  die  heimische  Industrie  bestand  die  Hauptaufgabe  in  der
Herstellung  kriegswichtiger  Artikel;  die  Deckung  des  Bedarfs  privater
Wirtschaften  kam  erst  in  zweiter  Linie.  Für  Instandhaltung  von  Ma&gt;
schinen,  Werkzeugen,  Beförderungsmitteln,  für  Düngung  des  Bodens  usw.
wurden  wenig  Aufwendungen  gemacht.  So  konnte  ein  Rückgang  aller  Erzeugnisse ­
  und  damit  deren  Verteuerung  nicht  Wunder  nehmen.  Weit  bedeutungsvoller ­
  aber  war  die  Wirkung  der  erhöhten  Einkommen.
Würde  nämlich  die  Teuerung  ihren  Ursprung  nur  auf  der  Warenseite
haben,  so  würde  der  Preissteigerung  der  Konsumgüter  eine  Preissenkung