Wert  seien.  Um  den  Produzenten  Gelegenheit  zum  Absatz  ihrer  Güter
zu  geben,  und  um  die  Konsumenten  in  die  Lage  zu  setzen,  unter  einer
Menge  von  Gütern  zu  wählen,  wurden  schon  in  den  frühesten  Phasen  der
wirtschaftlichen  Entwicklung  Versammlungen  anberaumt,  bei  denen  Angebot ­
  und  Nachfrage  sich  begegneten.  Es  entstanden  die  Märkte.  Zur
Marktzeit  war  die  Möglichkeit  größerer  Umsätze  gegeben.  Mit  Besserung
der  Verkehrsmittel  nahmen  sie  einen  größeren  Umfang  an,  und  heute,  wo
Telegraph,  Kabel  usw.  die  Willensäußerung  der  Kontrahenten  auf  die
weitesten  Entfernungen  in  kürzester  Zeit  vermitteln,  bildet  schließlich  die
Welt  einen  einzigen  großen  Markt.
Märkte  im  engeren  Sinne  sind:
1.  die  Wochen-  und  Jahrmärkte,  die  einmal  oder  mehrere
Male  in  der  Woche  bzw.  im  Jahre  stattfinden,  und
2.  die  M  e  s  s  e  n,  deren  Name  daran  erinnert,  daß  sie  sich  ursprünglich ­
  an  kirchliche  Feste  anschlossen  sSchlußwort  des  katholischen
Gottesdienstes:  „its,  missa  est“).  Die  Messen  dienten,  im  Gegensatz ­
  zu  den  Märkten,  mehr  dem  Großhandel,  und  neben  dem
Handel  in  gewerblichen  Erzeugnissen  spielte  auf  ihnen  eine  bedeutende ­
  Rolle  der  Verkehr  in  Rohstoffen.  Durch  Gründung  von
Messen  suchten  später  die  Territorialfürsten  den  Handel  in  ihr
Gebiet  zu  ziehen.
Von  den  Wochen-  und  Jahrmärkten  unterscheiden  sich  die  Messen  in
der  Regel  durch  längere  Dauer,  durch  die  Höhe  der  Umsätze  und  durch
gewisse  Formen,  die  in  den  Meßordnungen  angegeben  sind.  Die
Käufer  sind  nicht,  wie  auf  den  Märkten,  Konsumenten  (Selbstverbraucher),
sondern  Händler.  Von  internationaler  Bedeutung  sind  die  Messen  von
Nischny-Nowgorod  und  I  r  b  i  t  (für  Rauchwaren  und  Warenaustausch ­
  mit  Sibirien),  und  die  Leipziger  Messe  (wichtig  vor
allem  dort  die  Ostermesse).
Diesen  Märkten  im  engeren  Sinne  ist  gemeinsam,  daß  die  gehandelten
Waren  in  der  Regel  beim  Geschäftsabschluß  besichtigt  und  in  natura  vorhanden ­
  oder  durch  ein  Muster  (Probe)  vertreten  sind.
Anders  ist  es  bei  den  Börsen.  Diesen  werden  keine  Waren  zugeführt.
Sie  dienen  dem  Verkehr  in  vertretbaren  (fungiblen)  Waren,
d.  h.  in  solchen  Tauschgütern,  die  von  gleicher  Beschaffenheit  sind,  im
Verkehr  nach  Zahl,  Maß  oder  Gewicht  bestimmt  zu  werden  pflegen  und
196