201

b)  Zeitgeschäfte.
Wirtschaftliche  Bedeutung.  Als  Börsentermingeschäfte  bezeichnet ­
  man  die  auf  Grund  bestimmter,  gewohnheitsmäßig  feststehender
oder  ausdrücklich  festgestellter  Bedingungen  an  der  Börse  abgeschlossenen
Geschäfte,  deren  Erfüllung  nicht  sofort,  sondern  erst  an  einem  später
vereinbarten  Termin,  in  der  Regel  am  Ende  des  laufenden  oder  des
nächsten  Monats,  erfolgt.
Erfüllt  der  Terminhandel  ein  wirtschaftliches  Bedürfnis,
oder  ist  er  entbehrlich,  wirkt  er  vielleicht  gar  schädlich,  ist  er  weiter  nichts
als  ein  gemeingefährliches  Spiel,  eine  Jobberei,  und  ist  er  daher  zu  verbieten? ­
  Die  Antwort  hierauf  erfolgt  häufig  leider  nicht  von  rein  wirtschaftlichen, ­
  sondern  von  parteipolitischen  Gesichtspunkten  aus.
Wie  ist  denn  der  Terminhandel  entstanden?  Nicht  plötzlich  und  willkürlich ­
  ist  er  eingeführt  worden,  sondern  aus  praktischen  Bedürfnissen
heraus  hat  er  sich  gebildet;  und  als  er  sich  im  Warenhandel  bewährt
hatte,  ist  er  auch  auf  den  Effektenverkehr  übertragen  worden.  Hauptzweck ­
  des  Terminhandels  war  überall:  Minderung  des  Risikos  sMilderung
  der  Preisschwankungen)  und  Erweiterung  des  Marktes.  Sich  gegen
Konjunkturen  zu  schützen,  ist  das  Recht  eines  jeden.  Betrachten  wir  dies
an  einigen  Beispielen:
Ein  Mühlenbesitzer  kauft,  nehmen  wir  an,  einen  großen  Posten  Weizen.
Bis  er  das  daraus  gewonnene  Mehl  verwerten  kann,  darüber  vergehen
einige  Monate,  und  in  der  Zwischenzeit  kann  der  Mehlpreis  erheblich
herabgegangen  sein.  Um  dieses  Risiko  nicht  eingehen  zu  brauchen,  wird
er  sich  gegen  die  Gefahren  der  Preisschwankungen  versichern,  indem  er
einen  Posten  Mehl  bald  nach  Ankauf  des  Weizens  auf  Termin  verkauft.
Nehmen  wir  weiter  folgenden  Fall  an:  Ein  Kaufmann  hat  eine  große
Partie  Kaffee  gekauft,  durch  den  sein  Bedarf  für  längere  Zeit  gedeckt
werden  soll.  Statt  der  erwarteten  Preissteigerung  tritt  plötzlich  ein  Rückgang ­
  der  Kaffeepreise  ein.  Ja,  die  Nachrichten  über  eine  Kaffeernte  und
andere  Mitteilungen  lassen  sogar  einen  weiteren  Kursrückgang  befürchten. ­
  Um  sein  Risiko  zu  vermindern,  wird  er  einen  Teil  der  sich  unterwegs ­
  befindenden  Ladung  veräußern,  und  zwar  auf  Termin.
Ein  drittes  Beispiel:  Einem  Kapitalisten  kündigt  am  1.  Oktober  der
Schuldner  eine  Hypothek  über  100  000  M  für  den  1.  Januar  des  nächsten
Jahres.  Der  Gläubiger  will  das  Geld  nicht  wieder  auf  eine  Hypothek