und  den  gewaltig  gestiegenen  Umsatz  war  die  Form  des  Lokohandels
jedoch  nicht  mehr  ausreichend.  Die  Waren  werden  zum  Zweck  des  Verkaufs ­
  nicht  mehr  an  den  Marktplatz  gebracht,  sondern  es  erfolgt  ein
Handel  n  a  ch  P  r  o  b  e:  Auf  Grund  von  Mustern  werden  Geschäfte
abgeschlossen.  Die  Ware  wird  ab  Fabrik  (oder  direkt  aus  dem  Produktionsland) ­
  an  einem  oft  weit  hinaus  liegenden  vereinbarten  Termin  geliefert. ­
  Die  Vorteile  liegen  auf  der  Hand:  Der  Fabrikant  produziert
nicht  aufs  Ungewisse,  und  der  Verkäufer  braucht  kein  großes  Lager
zu  halten.
Diese  neue  Marktform,  die  Musterlagerinesse,  entwickelte  fickst
im  Anschluß  an  die  noch  vorhandenen  Reste  des  Meßverkehrs.  Die  größte
Entwicklung  hat  dieser  Verkehr  auf  der  Leipziger  Ostermesse  sEngros-Messe)
  erfahren.  Die  Mehrzahl  aller  Aussteller  befindet  sich  in  Räumen,
die  eigens  für  den  Meß-Musterlager-Verkehr  erbaut  und  eingerichtet
worden  sind  und  ihm  fast  ausschließlich  dienen,  so  daß  sie  außerhalb  der
Meßzeit  leerstehen  und  höchstens  zur  Aufbewahrung  der  „Kollektionen"
von  einer  Messe  zur  anderen  benutzt  werden.
Werfen  wir  einen  Blick  in  einen  dieser  „Paläste",  die  diesen  Namen  in  der
Tat  verdienen.  Ein  großes  Plakat  an  den  Eingangstüren  besagt,  daß  der
Eintritt  nur  den  Ausstellern  und  Einkäufern  gestattet  ist.  Uber  500  Aussteller
haben  sich  in  diesem  Gebäude,  und  zwar  meist  auf  Jahre  hinaus,  Ausstellungsräume ­
  gesichert;  teils  sind  es  abschließbare  Zimmer,  teils  offene  Ausstellungsstände. ­
  Die  Ausstellungszimmer,  die  in  jeder  Größe  vorhanden  sind,  haben
Schiebetüren  und  nach  den  Gängen  zu  gelegene  große  Glasschaufenster.  Die
Trennungswände  der  Zimmer  werden  von  Holzwänden  gebildet,  die  mit  farbigen ­
  Leinenrupfen  bespannt  sind.  Vier  Ausstellungsgeschosse  sind  vorhanden,
die  von  einem  einzigen  Zentraltreppenhaus  zu  erreichen  sind,  in  dem  sich  drei
Personenfahrstühle  zur  Bewältigung  des  großen  Meßverkehrs  befinden.  Im
obersten  Geschoß  sind  die  Garderoben,  Frisier-  und  Baderäume,  und  Ruhezimmer ­
  für  solche  Meßbesucher,  die  in  den  anstrengenden  Geschäftstagen  ein
wenig  Erholung  bedürfen.
Die  großen  Vorzüge  dieser  Form  des  Handelsverkehrs  (leichte  Vergleichsmöglichkeit ­
  über  den  Stand  ganzer  Industrien,  die  Wahrscheinlichkeit, ­
  bei  der  großen  Zahl  der  Verkäufer  und  Käufer  geeignete  Gegenkontrahenten ­
  zu  finden)  haben  dazu  geführt,  daß  neuerdings  derartige
Organisationen  auch  an  anderen  größeren  Plätzen,  wie  z.  B.  Breslau  —
bort  bestand  ein  „Maschinenmarkt"  bereits  seit  langem,  eine  Mustermesse ­
  im  kleinen  —  und  Frankfurt  a.  M.,  geschaffen  worden  sind.
14  Obst,  Volkswirtschaftslehre.

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