4.  iäandelsftatistik  und  iZandelsbilanz.
Unter  Handelsbilanz  versteht  man  die  rechnungsmäßige  Vergleichung ­
  des  Wertes  der  Warenausfuhr  und  Wareneinfuhr  eines  Landes
innerhalb  einer  gewissen  Zeit.  Die  Ermittlung  der  Handelsbilanz  stützt
sich  auf  die  H  a  n  d  e  l  s  st  a  t  i  st  i  k:  die  Grundlagen  bilden  die  Deklarationen ­
  der  Werte  der  ein-  und  ausgeführten  Waren  oder
Schätzungen.  Die  Handelsstatistik  der  meisten  Staaten  unterscheidet
Generalhandel  und  Spezialhandel.  Die  deutsche  Handelsstatistik ­
  versteht  unter  Generalhandel  den  gesamten  über  die  Grenzen  des
deutschen  Wirtschaftsgebietes  ein-  und  ausgehenden  Warenverkehr,  also
auch  die  Waren,  die  nur  in  Niederlagen  oder  zum  Zwecke  der  Veredlung
ein-  oder  ausgeführt  werden.  Der  Spezialhandcl  dagegen  umfaßt  nur  die
Bewegung  derjenigen  Waren,  die  im  Jnlande  in  den  Verkehr  kommen
oder  die  aus  dem  Jnlande  stammen  und  ins  Ausland  ausgeführt  werden.
Die  Durchfuhr  ist  also  abgesondert.
G  ü  n  st  i  g  (aktiv)  nennt  man  die  Bilanz,  wenn  die  Ausfuhr,  u  n  -
g  ü  n  st  i  g,  wenn  die  Einfuhr  überwiegt.  Diese  Ausdrücke  entstammen  der
Lehre  der  Merkantilisten.  Eine  „ungünstige"  (passive)  Handelsbilanz  ist
aber,  wie  das  Beispiel  Englands,  Deutschlands,  Frankreichs  vor  dem
Weltkriege  zeigt,  keineswegs  ein  Zeichen  für  eine  Abnahme  des  Nationalreichtums
  oder  eines  zurückgegangenen  bzw.  mangelnden  Wohlstandes.
Wenn  ein  Land  jahraus  jahrein  mehr  importiert  als  exportiert,  so  müßte
nach  merkantilistischer  Auffassung  der  entsprechende  Betrag  an  Gold  und
Silber  aus  dem  Lande  herausgehen  und  das  Land  nach  und  nach  verarmen.
Daß  dies  nicht  der  Fall  war,  läßt  sich  leicht  durch  die  Statistik  nachweisen.
Wie  löst  sich  nun  das  Rätsel?
Einmal  ist  eine  genaue  zahlenmäßige  Feststellung  der  Handelsbilanz
nicht  möglich,  weil  den  eingeführten  Waren  zumeist  ihr  ursprünglicher
Wert  zugrunde  gelegt  wird,  d.  h.  ein  Preis,  bei  dem  Fracht,  Versicherungsgebühren
  usw.  nicht  einbegriffen  sind,  dann  erstreckt  sich  die  Abwicklung ­
  von  Zahlungsverbindlichkeiten  oft  über  Jahre  hinaus,  vor  allem
aber  entstehen  zwischen  den  Völkern  noch  andere  Schuldforderungen  als
aus  dem  Warenverkehr,  mit  anderen  Worten:  Die  Handels-  (Warenverkehrs-) ­
  Bilanz  ist  nur  ein  Teil  der  Zahlungsbilanz.