5.  Oer  löandelsstanv.
Mit  der  Entwicklung  des  Handels  wuchs  die  Zahl  der  Angestellten.
Es  waren  in  Hauptbetrieben  des  Handelsgewerbes  beschäftigt:  1682:
838  392,  1895:  1  332  993  und  1907:  2  063  634  Personen.  Das  patriarchalische
  Verhältnis  zwischen  Chef  und  Angestellten,  die  Zeit,  wo  Lehrbeziehungen ­
  wie  Verwandtschaftsbeziehungen  sich  vbn  einer  Kaufmannsfamilie ­
  zu  einer  anderen  spannen,  ist  dahin.  —  Verschieden  sind  die  Verhältnisse ­
  im  Detailhandel  und  im  Großhandel.
Der  Detailhandel  setzt  an  letzte  Konsumenten  ab;  er  will  den
Bedarf  wecken  und  decken,  und  dazu  muß  er  die  Bedürfnisse  kennen,  muß  er
vielseitige  Kenntnisse  und  Erfahrungen  besitzen.  Daß  sehr  viele,  völlig
ungeeignete  Personen  als  Detailhändler  tätig  sind,  Leute,  die  keinerlei
kaufmännische  Schulung  besitzen,  ist  bekannt.  Wie  kommt  dies?  Der
kaufmännische  Nachwuchs  aus  dem  Kleinbetrieb  des  Detailhandels  zog
und  zieht  es  häufig  vor,  Angestellter  in  einem  Großbetrieb  zu  werden,
als  sich  als  Kleinhändler  selbständig  zu  machen.  Die  dadurch  entstandene
Lücke  wurde  ausgefüllt  durch  Neulinge,  denen  Berufsbildung  und  Kapital
sehr  häufig  fehlten.  Sie  werden  vom  „Kreditgrossisten"  oder  „Einrichtungsgeschäft" ­
  auf  ihren  Posten  gesetzt  und  von  diesem  gehalten,  aber  auch
streng  kontrolliert;  oft  sind  sie  dann  allerdings  nicht  mehr  als  Angestellte
ihrer  Geldgeber.  Und  eine  andere  Gruppe  (f.  I.  Hirsch,  Organisationen
und  Formen  des  Handels)  ist  aus  der  Produktion  in  den  Handel  hineingekommen: ­
  Der  Handwerker  wird  erst  Handwerker  mit  Laden,  bezieht
dann  mehr  und  mehr  die  fertigen  Waren  von  Fabriken,  bis  ihm  schließlich ­
  nur  noch  die  Reparatur  bleibt.  Viele  von  ihnen  haben  es  durch
Tüchtigkeit  und  Fleiß  zu  großem  Wohlstand  gebracht.  Im  allgemeinen
aber  ist,  teils  verschuldet,  teils  unverschuldet,  die  Lage  des  Detailhandels
keine  beneidenswerte.  Nach  Art  und  Größe  der  Betriebe,  nach  persönlichen ­
  und  lokalen  Verhältnissen,  bestehen  jedoch  wesentliche  Unterschiede.
Schär  gliedert:  fiskalischer,  kapitalistischer  und  sozialer  Detailhandel.
Bei  der  kapitalistischen  Betriebsform  des  Detailhandels  ist  Großbetrieb
und  Kleinbetrieb  zu  unterscheiden.  Beim  Großbetrieb  des  Detailhandels
wieder  sind  zu  gliedern:  Spezialgeschäfte,  Kaufhäuser  und  Warenhäuser.
Spezialgeschäfte  beschränken  ihre  Tätigkeit  auf  eine  einzige
oder  einige  wenige  Branchen;  sie  sind  entweder  reine  Spezialgeschäfte
oder  Verkaufsstellen  von  Fabriken.  Das  Kaufhaus  umfaßt  eine

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