schwung  genommen.  Unter  L  i  n  i  e  n  s  ch  i  f  f  a  h  r  t  versteht  man  Fahrten
mit  fahrplanmäßigen  Absahrts-  und  Ankunftszeiten  zwischen  Häfen,  die
von  vornherein  bestimmt  find,  unter  freier  Schiffahrt  Fahrten
eines  Schiffes,  dessen  Eigentümer  in  der  Wahl  des  Hafens  und  der  Abfahrtszeiten ­
  freie  Hand  hat.  Regelmäßigkeit  und  Pünktlichkeit  konnten
erst  mit  Einführung  des  Dampfes  erzielt  werden.  Mehr  als  zwei  Drittel
des  Seetransports  erfolgt  heute  durch  Dampfer  und  nicht  mehr  durch
Segelschiffe.  Die  Tarife  (Schiffsraten)  waren,  da  durch  Angebot  upd
Nachfrage  beherrscht,  zeitweise  sehr  erheblichen  Schwankungen  unterworfen. ­
  Durch  Vereinbarungen  zwischen  den  großen  Gesellschaften  und
Ausschaltung  der  Konkurrenz  durch  Fusionen  sind  sie  stabiler  und  —  höher
geworden.  Im  Schiffsbau  waren  in  den  letzten  Jahrzehnten,  insbesondere ­
  auch  in  Deutschland,  gewaltige  Fortschritte  zu  verzeichnen  (Schifsspark
  der  Hamburg-Amerika-Linie  und  des  Norddeutschen  Lloyd).
Die  Vorzüge  der  verschiedenen  Verkehrsstraßen  hat  man  an  der  Leistungsfähigkeit ­
  eines  Pferdes  gemessen.  Dieses  vermag  mit  gleicher  Anstrengung ­
  auf  wegelosem  Gelände  2—3  Zentner  auf  dem  Rücken,  im
Wagen  auf  schlechtem  Wege  etwa  5,  auf  chauffierten  Straßen  20,  auf  geschienten ­
  Wegen  200  und  auf  einem  Kanal  1200  Zentner  fortzubewegen.
Hiernach  würde  dem  Wassertpeg  der  Vorzug  zu  geben  sein.  Aber  es  ist
nicht  nur  das  Gewicht  zu  berücksichtigen,  das  auf  den  Verkehrsstraßen
bei  der  Geschwindigkeit  eines  Lasten  ziehenden  Pferdes  fortbewegt  werden
kann,  sondern  als  Vergleich  muß  die  Kilogrammeter-Leiftung  dienen,
die  sich  in  einer  Sekunde  erzielen  läßt.
„Wer  möchte  zwischen  Kanälen  und  Eisenbahnen  noch  eine  Vergleichung ­
  anstellen?  Jetzt  kann  nur  noch  die  Frage  aufgeworfen  werden,
was  schneller,  sicherer  und  dem  Handel  überhaupt  ersprießlicher  sei,  Seetransport ­
  oder  Landtransport;  und  diese  Frage  wird  zugunsten  des
letzteren  entschieden  werden  müssen  .  .  .  Schiffe  werden  oft  lange  hingehalten, ­
  bis  ihre  Ladung  vollständig  ist;  ein  Eisenbahntransport  kann
mit  der  geringsten  Ladung  abgehen.  Schiffe  können  unterwegs  keinen
Teil  der  Ladung  abgeben  und  wiederergänzen;  der  Eisenbahnwagen  kann
dies  längs  der  ganzen  Strecke,  die  er  zurücklegt,"  so  schrieb  im  Jahre
182g  F  r  i  e  d  r  i  ch  L  i  st,  der  geistige  Förderer  des  deutschen  Eisenbahnwesens. ­
  Die  Verhältnisse  sind  andere  geworden.  Schiffahrt  und  Eisenbahnen ­
  bestehen  in  Konkurrenz  nebeneinander.  Die  Bedeutung  beider
15  Obst,  Volkswirtschastrlehre.

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