231

verstehen  —  erhält  Lohn,  Gehalt,  Honorar,  Gebühren  usw.  Leiht
jemand  sein  Kapital,  das  er  geschaffen,  geerbt  oder  sonstwie  erhalten  hat,
aus,  so  empfängt  er  dafür  Zinsen.  Der  Einkommenszweig,  der  aus
der  produktiven  Verwendung  von  Kapital  entspringt,  wird  Unternehmergewinn ­
  genannt.  Er  ist  die  Differenz  zwischen  dem  Verkaufspreise ­
  der  Güter  und  ihren  Produktionskosten  bzw.  dem  Einstandspreise. ­

Das  Einkommen  wird  entweder  direkt  von  dem  bezogen,  dem  ein
Dienst  geleistet  wird  —  dies  trifft  z.  B.  zu  bei  Handwerkern,  beim  ArK,
beim  Dienstboten  —,  oder  durch  Vermittlung  einer  Person,  die  die
Güterproduktion  für  fremden  Bedarf  auf  eigene  Rechnung  und  Gefahr
besorgt,  den  Unternehmer.  Dieser  zahlt  dem  Grundbesitzer  die  Rente
oder  Miete,  dem  Kapitalbesitzer  den  Zins  und  dem  Arbeiter  den  Lohn.
In  früheren  Zeiten  und  in  einfachen  Verhältnissen  find  alle  vier  Einkommenszweige ­
  in  einer  Person  vereinigt  gewesen:  Eigentümer,  Kapitalist, ­
  Unternehmer,  Arbeiter  oder  Angestellter  waren  ein  und  dieselbe
Person.  Noch  heute  findet  sich  mitunter  eine  Verbindung  dieser  Zweige,
so  im  landwirtschaftlichen  Selbstbetrieb  (ber  Bauern,  bzw.  der  Kleinund
  Mittelbauern)  und  im  Kleinhandel.  Geht  das  von  den  Bauern  bisher
selbst  bestellte  Land  in  die  Hand  eines  großen  Grundbesitzers  über,  der
zur  Bestellung  andere  Arbeitskräfte  benötigt,  so  erfolgt  mit  der  Trennung ­
  des  Arbeiters  von  den  sachlichen  Produktionsmitteln  eine  Ausscheidung ­
  des  Arbeitslohnes.  Wer  kein  eigenes  Grundstück  besitzt,  sondern
ein  Grundstück  zur  Bewirtschaftung  pachten  muß,  oder  wer  in  der  Stadt
zur  Miete  wohnt,  zahlt  Grundrente,  die  immer  mehr  ein  selbständiger
Einkommenszweig  wird.  Will  man  die  Bevölkerung,  die,  um  mit  Adam
Smith  zu  reden,  den  jährlichen  Gesamtertrag  des  Bodens  und  der  menschlichen ­
  Arbeit  unter  sich  verteilt,  gemäß  den  vier  Haupteinkommensquellen
in  vier  Klassen  scheiden,  so  kann  dies,  da  sehr  viele  an  der  Güterverteilung
in  zwei  oder  mehr  der  angeführten  Eigenschaften  teilnehmen  —  der
Arbeiter  bezieht  z.  B.  in  vielen  Fällen  nicht  nur  Lohn,  sondern  auch
Kapitalzins  aus  seinen  in  der  Sparkasse  oder  in  Wertpapieren  angelegten ­
  Ersparnissen  —,  nur  in  der  Weise  erfolgen,  daß  die  Einnahmequelle ­
  maßgebend  ist,  die  den  Hauptteil  des  Einkommens  bildet.
Alles  Einkommen  beruht  in  letzter  Linie  auf  Verwertung  der  Arbeitskraft ­
  oder  des  Vermögens.  Man  spricht  demgemäß  von  einem  Arbeits»