sich  eine  Stadt  befindet.  Je  weiter  die  Entfernung  von  der  Stadt  ist,
desto  niedrigeren  Erlös  werden  die  Produkte  erzielen.  Die  verschiedenen
landwirtschaftlichen  Produktionszweige  werden  sich  je  nach  der  Transportfähigkeit ­
  ihrer  Erzeugnisse  wie  kreisförmige  Ringe  um  die  Stadt
lagern.  Im  ersten,  der  Stadt  am  nächsten  gelegenen  Kreise  wird  die
Wirtschaft  Platz  finden,  deren  Erzeugnisse,  wie  Gemüse,  Milch,  Butter,
Eier  usw.,  keinen  weiten  Transport  vertragen.  Im  zweiten  Kreise  folgen
die  Forsten,  da  der  Holztransport  teuer  ist,  im  dritten  wird  Fruchtwechselwirtschaft ­
  getrieben  usw.  Will  der  Landwirt  den  höchsten  Reinertrag
erzielen,  so  muß  er,  sagt  Thünen,  je  nach  der  Entfernung  verschiedene
Wirtschaftssysteme  in  Anwendung  bringen.  Je  entlegener  der  Grund
und  Boden  ist,  desto  extensiver  muß  gewirtschaftet  werden.  In  einem
Kreise  wird  auch  Getreide  angebaut  werden.  Wächst  die  Bevölkerung,
und  reicht  infolgedessen  dieses  Getreide  nicht  aus,  so  wird  zur  Deckung
des  Bedarfs  auch  auf  weiter  von  der  Stadt  entfernt  liegenden  Kreisen
Getreidebau  stattfinden  müssen.  Der  Preis  des  Getreides  wird  nun
steigen,  und  zwar  um  die  Transportkosten  des  aus  dem  weiter  abliegenden
Kreise  kommenden  Getreides.  Für  diejenigen,  die  Getreide  in  dem  der
Stadt  am  Nächstliegenden  Kreise  gebaut  haben,  und  die  einen  gleich  hohen
Preis  erhalten,  bilden  die  ersparten  Transportkosten  eine  Grundrente.
Der  Franzose  Frödoric  Bastiat  (1801—1850)  und  der  Amerikaner ­
  Henry  Charles  Carey  (1793—1879)  bekämpfen  die  Ricardosche
  Grundrententheorie.  Sie  lehren,  daß  Grundrente  nicht  bestehe,  da
so  viel  Kapital  und  Arbeit  in  die  Urbarmachung  des  Landes  gesteckt  sei,
daß  der  Ertrag,  wenn  der  Arbeitslohn  abgezogen  würde,  nur  als  Verzinsung ­
  des  Kapitals  anzusehen  sei.  Grundrente  sei  also  nichts  anderes
als  Kapitalzins.  Die  Ungleichheit  der  Erträge  verschiedener  Grundstücke
erklären  Carey  und  Bastiat  aus  der  verschiedenen  Größe  des  Kapital- ­
  und  Arbeitsaufwandes.
Carey  sucht  nachzuweisen,  daß  die  Ansiedlung  und  der  landwirtschaftliche ­
  Betrieb  nicht  in  der  Weise  vor  sich  gehen,  wie  Ricardo  es  schildert,
daß  zunächst  die  fruchtbarsten  Grundstücke  besiedelt  werden  und  durch
Bebauung  schlechterer  Grundstücke  Grundrente  entsteht,  sondern  daß  in
unkultivierten  Ländern  umgekehrt  verfahren  wird.  Zunächst  wird  der
geringere  und  damit  leichter  zu  bearbeitende  Boden  und  allmählich  erst
der  fruchtbarere  Boden  in  Angriff  genommen,  denn  dieser  liegt  an  den
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