239

Paul  Voigt  schätzte  in  seinem  Buche  „Grundrente  und  Wohnungsfrage"  den
Gesamtwert  des  Bodens  von  Charlottenburg  1886  auf  45,  1897  auf  300  Millionen ­
  M.  Da  die  Bevölkerung  Charlottenburgs  in  dieser  Zeit  um  rund
100000  Köpfe  gestiegen  ist,  so  hat  jeder  neu  zuziehende  oder  neu  geborene  Mensch
den  nackten  Wert  des  Bodens  um  2500  M  vermehrt.  In  der  Kolonie  Grunewald
  (bei  Berlin)  ist  in  der  Zeit  von  1839—1899  der  Wert  der  Quadratrute
von  40  auf  700  M,  von  1899—1909  auf  1200  M  gestiegen.  In  Berlin  ist  in
der  Leipziger  Straße  der  Bodenpreis  für  den  Quadratmeter  von  340  (1881)
auf  800  (1888)  und  2250  M  (1910)  gewachsen;  Unter  den  Linden  stieg  der  Preis
von  480  (1881)  auf  1800  (1888)  auf  2250  M  (1910).  Für  Halle  hat  Steinbrück ­
  Untersuchungen  über  die  Preise  des  städtischen  Immobiliarbesitzes  Angestellt: ­
  Nimmt  man  als  Durchschnittspreis  für  Häuser,  die  baulich  keine  wesentlichen ­
  Veränderungen  erfahren  haben,  für  das  Jahrzehnt  1830/39  die  Zahl  100
an,  so  ergeben  sich  für  die  Jahre  1840/49:  142,9,  1850/59:  187,4,  1860/69:
298,1,  1870/79:  446,5,  1880/89:  752,3  und  1890/95:  843,6.  als  Indexziffern..
Das  Steigen  der  städtischen  Grundrente  kommt  naturgemäß  in  der
Art  und  in  den  Preisen  der  Wohnungen  zum  Ausdruck.  Nach  Schmoller
wohnten  in  Berlin  1700  noch  50  %  der  Bevölkerung  im  eigenen  Haus,
1786  25  %,  heute  nur  2 1 / J  %-  Der  Hausbesitz  ist  immer  mehr  zum
Vermietungsgewerbe  geworden.  Ein  Hausbesitzer  hat  mitunter  50  bis
60  Mieter,  oft  ist  er  Eigentümer  ganzer  Häuserreihen.
Adolph  Wagner  führte  über  Wesen  und  Wirken  der  Zuwachsrente  u.a.
folgendes  aus:  „Nun  kamen  unsere  Krieger  zurück.  Und  was  sahen  sie?  Gerade
in  den  Jahren  1870—73  schnellten  die  Mietspreise  und  schnellten  die  Preise  der
Baustellen,  der  bebauten  Grundstücke  und  Häuser  kolossal  empor.  Die  statistischen
Nachweise  ergeben  eine  Steigerung  von  10,  15,  20  und  mehr  Prozent  von  Jahr
zu  Jahr.  Worauf  ist  dies  zurückzuführen?  Auf  irgendwelche  Leistungen  der
Grundstücks-  und  Gebäudeeigentümer?  Was  hatten  die  getan?  Sie  hatten  hier
ruhig  gesessen.  Der  Regel  nach  werden  sie  nicht  im  Kriege  mitgedient  haben.
Sie  waren  im  Handumdrehen  durch  die  weltgeschichtlichen  Ereignisse,  die  das
deutsche  Heer  auf  französischem  Boden  durchgeführt  hatte,  ganz  bedeutend
reicher  geworden.  Als  nun  die  zurückkommenden  Soldaten  und  Landwehrmänner
  hier  einzogen,  hieß  es,  wenn  sie  eine  Wohnung  mieten  wollten:  jetzt
müßt  ihr  aber  20—30  o/o  mehr  zahlen.  Man  vergegenwärtige  sich:  da  ist  der
Soldat,  der  aus  dem  Felde  zurückgekehrt  ist  und  die  schwere  Miete  zahlen  muß,
und  da  ist  der  Hausbesitzer,  der  weit  ab  vom  Schuß  war,  und  der  nun  als  Grundbesitzer ­
  einfach  soviel  Miete  einnimmt  und  die  kapitalisierte  Miete  in  höheren
Verkaufspreisen  des  Grundstücks  ausnutzt.  Ich  sollte  meinen,  die  einfache  Tatsache, ­
  daß  einem  zurückkehrenden  Krieger  die  Miete  gesteigert  wird,  hat  zehnmal
mehr  aufhetzend  gewirkt  als  irgend  etwas,  was  die  Sozialdemokratie  theoretisch
und  praktisch  vertreten  hat."