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Die  ungleiche  Lohnhöhe  in  verschiedenen  Gewerbezweigen  ist  außer
durch  die  verschieden  große.Nachfrage  noch  zu  erklären  durch  das  Opfer
a  n  B  e  g  u  e  m  lichkeit,  das  der  Arbeiter  bringt.  Schmutzige
Arbeiten,  wie  das  Reinigen  von  Kloaken,  oder  gefährliche  Tätigkeiten,
wie  z.  B.  Dachdeckerarbeiten,  oder  Arbeiten,  die  der  Gesundheit  schädlich
sind  oder  besonders  hohe  Anforderungen  an  den  Körper  stellen,  wie  z.  B.
Transport  von  Geldschränken,  werden  naturgemäß  besser  bezahlt  als
leichte,  ungefährliche  Arbeiten  in  gesunder  Luft.  Auch  für  Tätigkeiten,  die
die  persönliche  Freiheit  einschränken,  werden  sich  Arbeiter  nur  darin
finden,  wenn  im  Lohn  ein  Äquivalent  geboten  ist,  oder  wenn,  wie  bei  den
häuslichen  Dienstboten,  andere  Annehmlichkeiten  gewährt  werden  {gute
Kost,  Wohnung,  Gelegenheit  zur  Fortbildung.
Innerhalb  einer  Branche  differiert  der  Lohn  nach  der  Qualität
der  Arbeit.  Geschickte  Arbeiter  verdienen  mehr  als  ungeschickte;  auch
die  Tarifverträge  setzen  in  der  Regel  nur  Minimallöhne  fest.  Eine  lange,
mit  Kosten  verknüpfte  Ausbildung  wird  der  Arbeiter  nur  dann  durchmachen, ­
  wenn  ihm  dafür  höhere  Löhne  in  Aussicht  gestellt  werden.
Die  älteste  Lohntheorie  ist  die  von  Ricardo  begründete,  von  Lassalle
ausgebaute  Lehre  vom  ehernen  Lohngesetz.  Unter  der  Herrschaft
von  Angebot  und  Nachfrage  kann  sich  der  Arbeiter  für  die  Dauer  niemals
zu  einem  Lohn  emporarbeiten,  der  über  den  Betrag  hinausgeht,  der  zur
dürftigen  Fristung  des  Lebens  notwendig  ist.  Denn  sobald  die  Lage  der
Arbeiterklasse  sich  bessert,  vermehrt  sie  sich  rascher,  und  dadurch  wird  automatisch
  das  Angebot  an  Arbeitskräften  gesteigert  und  der  Lohn  wiederum
gedrückt.  Demgegenüber  ist  zu  betonen,  daß  der  Bevölkerungszuwachs
erst  nach  langen  Zeiträumen  zur  Geltung  kommt,  und  außerdem  durch
Erweiterung  der  Arbeitsgebiete,  Aufkommen  neuer  Gewerbezweige  ausgeglichen ­
  wird.
Im  Anschluß  an  Ricardo  hat  I  o  h  n  S  t  u  a  r  t  M  i  l  l  die  L  o  h  n  -
fondstheorie  entwickelt.  In  jedem  Lande  bestehe  ein  bestimmter
Fonds,  aus  dem  die  Löhne  der  Arbeiter  gezahlt  werden,  so  daß  die  Zahl
der  vorhandenen  Arbeiter  sich  in  diese  Summe  zu  teilen  habe.  Würde  also
der  Lohn  einzelner  Arbeiter  erhöht  werden,  so  müßte  eine  entsprechende
Kürzung  des  Lohnes  anderer  Arbeiter  vorgenommen  werden.  —  Eine
Widerlegung  hat  diese  Theorie  u.  a.  von  Rodbertus  und  B  r  e  n«