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Conrad  schreibt:  „Ein  Kohlenbergwerk  in  England,  das  Gewinnbeteiligung
einführte,  beobachtete,  daß  die  Arbeiter  nun  nicht  mehr  bestrebt  waren,  nur
möglichst  viel  Kohle  an  das  Tageslicht  zu  fördern,  sondern  in  möglichst  großen
Stücken,  die  besser  bezahlt  werden,  unter  Vermeidung  einer  Pulverisierung  des
Restes,  wodurch  die  Kohle  am  meisten  entwertet  wird;  daß  Geräte  und  Maschinen
mit  größerer  Sorgfalt  vor  Beschädigung  behütet  und  besser  konserviert  wurden;
daß  an  Öl  und  sonstigem  Material  erheblich  gespart  wurde,  um  die  Unkosten
möglichst  zu  verringern."
Ein  Teil  der  Arbeiter  hat  sich  gegen  das  System  ausgesprochen,  weil  es
keine  Lösung  der  Interessengegensätze  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern ­
  böte.
„Der  Proletarier"  (30.  November  1918)  schreibt:  Die  Gewinnbeteiligung
wirkt  für  die  Arbeiterschaft  in  doppelter  Hinsicht  nachteilig:  sie  macht  sie  abhängig ­
  und  unfrei  und  wirkt  außerdem  im  Schlußeffekt  lohndrückend.  Die
Arbeiterschaft  braucht  nicht  Gewinnbeteiligung,  sondern  ausreichende  Löhne.
von  Zwiedineck-Südenhorst  spricht  sich  in  seiner  „Sozialpolitik"
hinsichtlich  der  Gewinnbeteiligung  wie  folgt  aus:  „Die  Aussichten  für  die  Zukunft ­
  sollen  nicht  bezweifelt  werden;  aber  erst  nach  Mäßigung  der
Klassengegensätze  und  nach  Eintritt  eines  tieferen  Vertrauens  hat  die
Gewinnbeteiligung  Aussicht  auf  allgemeinere  Erfolge;  ein  Mittel  zur  Herbeiführung ­
  sozialpolitisch  wünschenswerter  Verhältniffe,  besonders  zur  sozialen
Pazifizierung  ist  sie  nicht."
Von  den  Einwänden,  die  gegen  die  Gewinnbeteiligung  der  Arbeiter
gemacht  werden,  scheint  mir  am  stichhaltigsten,  daß  infolge  des  großen
Divisors  der  Gewinnanteil  des  Arbeiters  im  Verhältnis  zum  Lohn  so
geringfügig  ist,  daß  er  keinen  besonderen  Anreiz  bietet,  daß  am  Gewinn
fleißige  und  faule  Arbeiter  in  gleicher  Weise  beteiligt  sind,  daß  es  für
den  Arbeiter  einen  größeren  Ansporn  bieten  muß,  wenn  er  sieht,  w  o  f  ü  r
er  belohnt  wird,  und  das  kann  in  der  Hauptsache  nur  für  das  Stück
geschehen,  an  dem  er  direkt  arbeitet.
Einige  Ähnlichkeit  mit  der  Gewinnbeteiligung  hat  das  S  Y  st  e  m  der
gleitenden  Lohnskala.  Diese  hauptsächlich  in  der  Eisen-  und
Kohlenindustrie  Englands  und  Anierikas  versuchte  Form  des  Lohnvertrages ­
  —  sliding  scale  in  England,  basis  System  in  den  Vereinigten
Staaten  von  Amerika  genannt  —  will  die  Lohnhöhe  mit  den  Verkaufspreisen ­
  der  Erzeugnisse  in  eine  bestimmte  Wechselbeziehung  bringen:  Je
nach  Steigen  oder  Fallen  der  Preise  für  Kohle  bzw.  Roheisen  steigen
bzw.  fallen  die  Löhne  auf  Grund  einer  Skala.