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müssen,  weil  zu  dem  vom  Staate  erlaubten  Zinsfuß  niemand  leihen  wolle,
während  er  zu  einem  um  2  oder  3  %  höheren  Satze  Geld  erhalten  wurde
und  sein  Verlust  minimal  wäre?  Diese  und  ähnliche  Argumente  wurden
in  immer  weitere  Schichten  getragen.  So  wurden  schließlich  in  den
1850er  und  1860er  Jahren  in  der  Mehrzahl  der  Staaten  die  Wuchergesetze ­
  aufgehoben.  Als  Mittel  zur  Bekämpfung  von  Wucherkredit  kommen
vor  allem  Hebung  der  schwachen  Produktivkreditnehmer  und  eine  zweckmäßige ­
  Ausgestaltung  der  Kreditorganisation  in  Betracht.
Auch  nachdem  sich  die  Praxis  für  Zinsfreiheit  entschieden  hatte,
wurde  in  der  Wissenschaft  die  Frage  nach  der  Berechtigung  des
Zinses  noch  weiter  erörtert.  Zahlreiche  Theorien  wurden  aufgestellt:
Die  Produktivitätstheorie  führt  den  Zins  auf  die  Produktivität, ­
  b.  h.  die  wertschaffende  Kraft  der  Arbeit  zurück,  indem  das  Kapital ­
  produktive  Arbeit  überhaupt  erst  möglich  macht  oder  ihre  Produktivität
steigert.  Die  Nutzungstheorie  lehrt:  Wer  auf  die  Verwertung
eines  Kapitals  zugunsten  eines  anderen  verzichtet,  kann  für  die  Nutzung,
die  er  in  der  Zeit  der  Kapitalverwendung  daraus  hätte  ziehen  können,  ein
Äquivalent  (Zins)  beanspruchen.  Die  Abstinenztheorie  begründet
den  Zins  als  Entgelt  für  die  Entbehrungen  (Verzicht  auf  unmittelbaren
Genuß),  die  sich  der  Kapitalist  auferlegt,  um  sich  ein  Kapital  zusammenzusparen. ­
  Nach  der  Arbeitstheorie  ist  der  Zins  Entgelt  für  die
mit  der  Verwaltung  des  Kapitals  verwendete  Arbeit.  Die  Ausbeut
  u  n  g  s  t  h  e  o  r  i  e  ist  eine  Konsequenz  der  sozialistischen  Wertlehre
(Rodbertus,  Marx).  Der  Kapitalgewinn  entsteht  dadurch,  daß  der  Arbeiter
einen  geringeren  Tagelohn  erhält,  als  seine  Arbeitskraft  während  eines
Arbeitstages  an  Wert  produziert.  Die  Zeitdifferenztheorie
von  Böhm-Bawerk  (Positive  Theorie  des  Kapitals)  geht  davon  aus,  daß
gegenwärtige  (gebrauchsfertige)  Güter  in  der  Regel  höher  geschätzt
werden,  als  künftige  Güter  derselben  Art  und  Zahl.  Durch  diese  Wertverschiedenheit ­
  erkläre  sich  der  Zins.
3.  vestimmungsgriinde  des  Zinses.
Die  ältere  Nationalökonomie  lehrt:  Der  Zinsfuß  stehe  im  allgemeinen ­
  im  umgekehrten  Verhältnis  zu  der  Zunahme  des  Nationalkapitals. ­
  So  einfach  liegen  die  Verhältnisse  nun  nicht.  Der  Zins  setzt
stch  in  der  Regel  aus  drei  Bestandteilen  zusammen:  Außer  dem  Äqui ­