II.  Besiebungen  zwischen  Konsumtion
unö  Produktion.
Die  Erzeugung  der  Sachgüter  soll  dem  Verbrauch  angepaßt  sein„
d.  H.  es  soll  jedem  Warenangebot  eine  entsprechende  Nachfrage  gegenüberstehen. ­
  In  der  kapitalistischen  Wirtschaftsordnung  ist  dies  nicht  möglich. ­
  Genau  wird  dieses  Gleichgewicht  nie  zustande  kommen.  Balb
wird  die  Quantität  der  in  einem  bestimmten  Zeitraum  produzierten
Güter  etwas  größer,  bald  etwas  kleiner  als  der  gleichzeitige  Verbrauch
sein.  Ist  das  Mißverhältnis  erheblich,  so  tritt  eine  Teuerung  oder  eine
Stockung  in  der  Produktion  ein  (Krisis).
Die  Konsumtion  der  Güter  geht  in  den  einzelnen  Haushalten
vor  sich  —  ein  Haushalt  ist  die  „Wirtschaftsführung  eines  einzelnen  öden
einer  Mehrheit  von  Personen,  unter  dem  Gesichtspunkte  einer  Ordnung
ihres  Güterverbrauches  betrachtet,  eine  Gemeinschaft  zu  Konsumtionszwecken" ­
  (Philippovich).  Nach  dem  Gegensatz  der  privaten  und  öffentlichen
Wirtschaftseinheiten  spricht  man  von  privatem  Haushalt  (Einzel-, ­
  Familien-,  Vereins-  oder  Verbandshaushalt)  und  öffentlichem
Haushalt  (Haushalt  des  Staates,  der  Kommune  usw.),  dessen  Erforschung ­
  Aufgabe  der  Finanzwissenschaft  ist.
Eines  jeden  Haushaltes  Ausgabe  ist  es,  die  Ausgaben  entsprechend
den  Einnahmen  zu  verteilen.  Obgleich  diese  Ausgaben  von  individuellen
Bedürfnissen  abhängen,  so  tritt  doch  bei  Beobachtungen  des  Konsums  der
großen  Massen  eine  ziemlich  große  Regelmäßigkeit  der  Prozentsätze,  die
für  dieselben  Zwecke  ausgegeben  werden,  hervor.  Aus  diesen  Zahlen
können  wir  u.  a.  ungefähr  ersehen,  wie  sich  die  Lebenshaltung  der  einzelnen ­
  Klassen  gestaltet,  ob  sie  im  Laufe  der  Zeit  besser  oder  schlechter
geworden  ist,  d.  h.  ob  der  Prozentsatz,  der  für  die  sog.  höheren  Lebensbedürfnisse ­
  ausgegeben  wird,  sich  gesteigert  hat  oder  nicht.  Daß  im  allgemeinen ­
  diese  Tendenz  vorherrscht,  zeigt  der  in  den  letzten  Jahrzehnten
pro  Kops  der  Bevölkerung  erheblich  gestiegene  Konsum  von  Kaffee,  Tee,
Zucker,  Kakao,  Schokolade,  Südfrüchten  usw.,  was  zum  Teil  auch  in  der
nicht  unerheblichen  Verbilligung  dieser  Genuß-  und  Nahrungsmittel
seinen  Grund  hat.  Die  bedeutende  Steigerung  des  Verbrauchs  von
Baumwolle  und  Eisen  um  das  20-  bis  30fache  in  den  letzten  siebzig
Jahren  (bis  Kriegsausbruch)  ist  ein  Zeichen  höherer  Kultur  und  gewaltiger ­
  technischer  Fortschritte.
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