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stände  und  vielfach  auch  in  den  besser  situierten  Arbeiterkreisen  ziemlich
stark  ausgeprägt.  Wenig  oder  gar  nicht  besteht  es  dagegen  bei  den
untersten  Klassen,  deren  ganzen  Lebensgenuß  vielfach  nur  Liebe  und
Branntwein  bilden  können.  Ihnen  ist  es  gleichgültig,  ob  ihre  Frauen
"durch  zu  häufige  Geburten  gesundheitlich  leiden,  und  ob  die  Kinder,  die
sie  erzeugen,  sich  durchs  Leben  schlagen.  Bis  zu  ihrer  Erwerbsfähigkeit
fallen  sie  meist  der  Gemeinde  oder  der  privaten  Armenpflege  zur  Last.
Repressive  Gegentendenzen  der  Bevölkerungszunahme  sind  Krankheit ­
  und  Elend,  Laster  und  Verbrechen  sKindesaussetzungen).  Durch
Kriege,  Revolutionen,  Seuchen  usw.  kann  eine  akute  Verminderung  der
Bevölkerung  erfolgen,  weil  gerade  die  zeugungsfähigsten  Männer  dahinsterben. ­
  In  den  darauffolgenden  Jahren  des  Aufschwunges  kann  durch
Zahlreichere  Eheschließungen  und  Geburten  ein  Ausgleich  stattfinden.

IV.  6rmenwefen  und  Armenpflege.
I.  Wesen  unv  Ursacken  ver  ttrinut.
Im  engen  Zusammenhange  mit  der  Bevölkerungsfrage  steht  auch  die
Armenversorguug.  Nach  dem  Sprachgebrauch  nennen  wir  „arm"
diejenige  Person  oder  ganze  Familie,  die  höchstens  die  Mittel  besitzt,  die
einfachsten  Existenzbedürfnisse  zu  befriedigen.  I  u  r  i  st  i  s  ch  wird  dieser
Zustand  jedoch  nur  als  „B  e  d  ü  r  f  t  i  g  k  e  i  t"  bezeichnet,  und  arm  nur
der  genannt,  der  nicht  imstande  ist,  sich  die  für  den  nötigsten  Lebensunterhalt ­
  erforderlichen  Mittel  s  e  l  b  st  zu  beschaffen  ss.  a.  S.  36s.
Arme  und  Bediirftige  hat  es  stets  gegeben.  Aber  die  Erscheinungsformen ­
  der  Armut  können  beschränkt,  ihre  Wirkungen  gelindert  werden.
Alle  Religionen  predigen  Nächstenliebe  und  fordern  auf,  die  in  Not  sind,
zu  unterstützen.  Neben  der  Gesellschaft  sind  aber  auch  der  Staat  und
die  G  e  m  e  i  n  d  e  bestrebt,  die  Armut  zu  lindern  und  ihr,  soweit  es  geht,
vorzubeugen.  Die  Ursachender  Armut  können  mannigfacher  Art  sein:
es  können  s  e  l  b  st  v  e  r  s  ch  u  l  d  e  t  e,  z.  B.  Trunksucht,  Arbeitsscheu,  oder
unverschuldete,  durch  äußere  Umstände  bedingte  sein,  z.  B.
Arbeitslosigkeit  infolge  Einschränkung  des  Betriebes,  infolge  von  Krankheit ­
  und  Alter  oder  niangels  lohnender  Tätigkeit.