Wohltätigkeit  dem  Armen  zur  Hilfe."  Die  Reichsverfassung  von  1919  verspricht
  im  Art.  163,  daß  jedem  Deutschen  die  Möglichkeit  gegeben  werden
soll,  „durch  wirtschaftliche  Arbeit  seinen  Unterhalt  zu  erwerben.  Soweit
ihm  angemessene  Arbeitsgelegenheit  nicht  nachgewiesen  werden  kann,  wird
für  seinen  notwendigen  Unterhalt  gesorgt.  Das  Nähere  wird  durch  besondere ­
  Reichsgesetze  bestimmt".  Gedacht  ist  dabei  an  die  Bestimmungen  der
Erwerbslosenfürsorge.
V.  Störungen  des  SleicKgswickls
zwiscdsn  Produktion  und  Konsumtion  (Krisen).
I.  vegrikk  und  Wesen  der  Krisis.
Das  Wort  „K  r  i  s  i  s",  das  im  medizinischen  Sinne  im  Verlauf  einer
Krankheit  deren  Höhe-  und  Wendepunkt  bezeichnet,  wird  auf  nationalökonomischem ­
  Gebiete  zur  Bezeichnung  der  Erkrankung  des  Wirtschaftskörpers ­
  überhaupt  gebraucht.  Die  Krisis  ist  eine  vorübergehende  Störung ­
  im  Wirtschaftsleben,  die  aus  verschiedensten  Gründen
eingetreten  sein  kann,  schließlich  aber  doch  immer  ihren  Grund  in  einer
Nichtübereinstimmung  von  Produktion  und  Konsumtion,  von  Angebot  und
Nachfrage  hat.
Das  ganze  Geschäftsleben  unserer  Zeit  vollzieht  sich  in  einem  kreisartigen ­
  Auf-  und  Niedergang:  Auf  Perioden  des  Aufschwunges  folgen
in  Zeiträumen  von  etwa  6—16  Jahren  Perioden  des  Niederganges.
Aufschwung  sHausse),  Krisis,  Niedergang  (^Depression)  sind  die  drei  Stationen ­
  des  wirtschaftlichen  Kreislaufes.  Nicht  als  plötzliche  Krankheit
tritt  meistens  die  Krisis  auf,  sondern  sie  ist,  wie  Schmoller  es  ausdrückt,
„der  akute  Ausdruck  des  Umschwunges  vom  Wellenberg  zum  Wellental
der  wirtschaftlichen  Bewegung".
Der  Krisis  voraus  gehen:  Gesteigerte  Unternehmungslust  infolge  der
günstigen  Konjunktur,  starke  Vertrauensseligkeit  des  großen  Publikums,
Festlegung  von  Geldern  in  industriellen  Unternehmungen,  erhebliche  Umsätze, ­
  Spekulation  in  Dividendenpapieren,  Steigen  des  Zinsfußes  usw.
—  Symptome  des  Umschwunges  sind:  Abnehmen  der  Reserven  an
Metallgeld,  Anziehen  des  Bankdiskonts,  Forderung  und  Gewährung
größerer  Bankkredite  usw.  Es  treten  Zusammenbrüche  von  Unternehmungen ­
  ein,  Buch-  und  Bilanzfälschungen,  Unterschlagungen  und  Ver275 ­
