untreuungen  sind  vielfach  damit  verknüpft,  die  Leichtgläubigkeit  verwandelt ­
  sich  in  größtes  Mißtrauen,  das  Publikum  hebt  seine  Depositengelder ­
  von  den  Banken  ab,  was  wieder  zur  Folge  hat,  daß  die  Banken
ihre  Außenstände  einzuziehen  versuchen  und  die  gewährten  Kredite  zum
großen  Teil  kündigen.  —  Der  Verlauf  der  Krisis  zeitigt:  Stockung  der
Unternehmungslust,  rasche  und  erhebliche  Preisveränderungen,  zunehmende ­
  Arbeitslosigkeit,  zahlreiche  Betriebseinstellungen  und  Konkurse,
Sinken  des  Zinsfußes  und  Fallen  der  Effektenkurse.
Daß  Ursachen,  Verlauf  und  Dauer  der  Krisen  nicht  stets  die  gleichen
sind,  werden  die  beiden  folgenden  Abschnitte  zeigen.
2.  Überblick  über  die  Sesckickle  ver  Krisen.
Die  erste  Krisis,  über  die  wir  Aufzeichnungen  besitzen,  ist  die  L  ü  -
beckerHandelskrisis  zu  Beginn  des  17.  Jahrhunderts.  Lübecker
Kaufleute  wollten  die  Einbuße,  die  sie  durch  die  Konkurrenz  von  Holland,
England  und  Hamburg  erlitten,  durch  umfangreiche  Wareneinkäufe  und
gewagte  Spekulationen  ausgleichen.  Die  Folge  war  eine  übermäßige
Inanspruchnahme  des  Kredits,  ein  hoher  Zinsfuß  und  endlich  die  Katastrophe,
  deren  Eintritt  durch  das  schlecht  geregelte  Münzwesen  noch  beschleunigt ­
  wurde.
In  Holland  artete  in  den  Jahren  1634—1637  der  Handel  in
Tulpenzwiebeln  zu  schwindelhafter  Spekulation  aus.  Angehörige
aller  Berufsklassen  spekulierten  (zum  Teil  in  der  Form  unserer  modernen
Zeitgeschäfte)  in  Tulpenzwiebeln,  für  die  Preise  bis  zu  1000  Gulden
bezahlt  wurden.  Um  sich  an  der  Spekulation  beteiligen  zu  können,  verkauften ­
  manche  Haus  und  Hof  zu  Schleuderpreisen.  Als  der  Taumel  am
größten  war,  trat  (1637)  plötzlich  der  Umschwung  ein:  niemand  wollte
mehr  Zwiebeln  kaufen,  was  zur  Folge  hatte,  daß  ihr  Preis  wieder  auf
die  normale  Höhe  zurückging.  Die  Krisis  verursachte  wirtschaftliche  Störungen
  schlimmster  Art,  und  lange  Zeit  hat  das  Land  unter  dem  allgemeinen ­
  Zusammenbruch  zu  leiden  gehabt.
In  Frankreich  führten  1720  die  Manipulationen  des  Schotten
John  Law  zu  einer  großen  Krisis.  Law  hatte  sich  erboten,  durch
Ausgabe  von  Papiergeld  die  Finanznot  des  Staates  zu  beseitigen,  und  es
wurde  ihm  (1716)  die  Konzession  zur  Gründung  einer  Privatnotenbank,,
der  Banque  generale,  erteilt,  die  sich  infolge  ihrer  niedrigen  Zins-276

