Die  nächste  Krisis  hatte  ihren  Hauptsitz  in  Deutschland  und
Ö  st  e  r  r  e  i  ch.  Der  glücklich  verlaufene  Krieg  und  der  „Milliardensegen",
der  sich  über  Deutschland  ergossen  hatte,  weckte  die  Unternehmungslust
in  ganz  hervorragendem  Maße.  Die  Industrie  nahm  einen  gewaltigen
Aufschwung,  Neugründungen  aller  Art  —  1870  bis  1873  entstanden
960  Gesellschaften  mit  etwa  3V 2  Milliarden  M  —  fanden  statt.  In  der
Sucht,  schnell  reich  zu  werden,  stürzte  sich  das  Publikum  leichtsinnig  auf
Börsenspekulationen,  und  machte  Betrügern  und  Schwindlern  den  Gimpelfang ­
  leicht.  Da  trat  im  Mai  1873  an  der  Wiener  Börse  der  Krach  ein.
Angst,  Hoffnungslosigkeit  und  Mißtrauen  pflanzten  sich  schnell  von  Land
zu  Land  fort.  Viele  Rentiers  und  zahlreiche  „kleine  Leute"  verloren  ihr
ererbtes  oder  erspartes  Vermögen,  die  Arbeiter  zum  großen  Teil  ihre
Beschäftigung.
Frankreich,  das  noch  die  Wunden,  die  der  Krieg  geschlagen,  zu
heilen  hatte,  nahm  an  dem  allgemeinen  Aufschwung  nicht  teil  und  wurde
daher  auch  von  dieser  Krisis  nicht  betroffen.  Dagegen  hatte  es  1882  eine
Börsenkrisis  durchzumachen.  B  o  n  t  o  u  x  hatte,  um  die  Macht  der  Rothschilds ­
  in  Frankreich  zu  brechen,  1879  die  Union  Aonoralo  gegründet,  von
der  wieder  zahlreiche  andere  Gesellschaften  ins  Leben  gerufen  worden
waren.  Ihre  Aktien  waren  von  500  auf  3080  (1881)  gestiegen,  um  dann
als  Folge  starker  Überspekulation  auf  335  zu  fallen.  Große  Summen
wurden  auf  allen  Gebieten  verloren.
1893  brach  eine  große  Eisenbahnkrisis  in  den  Vereinigten
Staaten  aus,  die  auch  wieder  eine  Bankkrisis  zur  Folge  hatte.
Der  Schauplatz  der  nächsten  Krisis  war  wieder  Deutschland.  Ein
Alarmsignal,  die  Unternehmungslust  einzudämmen,  war  die  im  Dezember
1899  erfolgte  Erhöhung  des  Bankdiskonts  auf  7%.  Der  Zusammenbruch
  der  Leipziger  Bank,  der  Dresdner  Kreditanstalt,  der  Preußischen
Hypothekenbank  und  der  Pommerschen  Hypothekenbank  mit  ihren  Tochtergesellschaften ­
  ließ  den  Eintritt  einer  weite  Dimensionen  annehmenden
Krise  befürchten.  Doch  das  deutsche  Wirtschaftsleben  war  widerstandsfähiger ­
  als  in  früheren  Zeiten,  und  die  Krisis  von  1901  erstreckte  sich
erfreulicherweise  nur  auf  wenige  Branchen.
Die  Jahre  1905/06  brachten  bereits  wieder  eine  Hochkonjunktur,  die
aber  1908  als  Rückwirkung  der  amerikanischen  Spekulationskrisis  von
1905  einer  Baisse  wich.