Freilich  schon  Mitte  1909  besserte  sich  die  Lage  zusehends.  Reiche
Ernten  1912  führten  der  Industrie  zahlreiche  Aufträge  zu.  Ende  1913
sank  die  Konjunktur,  und  der  Weltkrieg  1914  führte  zu  einer  neuen  Krisis.
3.  Arten,  Ursachen  und  wirtschaftliche  Bedeutung  der  Krisen,
Krisentheorien.
Je  nach  dem  Ausgangspunkt  und  der  Ausdehnung  der  Störungen  im
wirtschaftlichen  Leben  unterscheidet  man:
Bedarfskrisen.  Die  Produktion  steht  hinter  dem  notwendigen
Bedarf  zurück,  infolgedessen  tritt  eine  Verteuerung  des  betreffenden
Artikels  ein.  Da  die  ganze  Welt  heute  e  i  n  großer  Markt  ist,  so  haben
diese  Krisen  fast  nur  noch  historisches  Interesse.
Produktionskrisen  oder  Handelskrisen  im  engeren
Sinne.  Die  Produktion  ist  erheblich  größer  als  der  Bedarf.  Der  Grund,
daß  ein  Teil  der  produzierten  Waren  keine  Abnehmer  findet,  kann  sowohl
auf  seiten  der  Konsumenten  wie  auf  der  der  Produzenten  liegen.  Es
kann  die  Kaufkraft  der  Konsumenten  durch  Krieg,  Revolutionen,
Epidemien,  Mißernten  oder  wirtschaftliche  Verluste  irgendwelcher  Art
quantitativ  erhebliche  Einbuße  erlitten,  vielleicht  auch  die  Qualität  sich
bei  den  der  Mode  unterworfenen  Artikeln  geändert  haben,  oder  aber
die  Produzenten  haben  sich.in  übertriebene  Spekulationen  eingelassen, ­
  haben  in  ihrem  Optimismus  zu  viel  produziert.  Bei  steigender ­
  Nachfrage  entfaltet  jeder  Produzent,  sofern  es  sich  um  einen
lohnenden  Artikel  handelt,  eine  große  Unternehmungslust  und  vergrößert ­
  seine  Produktion  erheblich,  ohne  darauf  zu  achten,  ob  die
Nachfrage  nicht  kleiner  und  die  Produktion  seitens  der  Konkurrenz  nicht
größer  geworden  ist.  Neue  Unternehmungen  werden  gegründet.  Bestehende ­
  Fabriken,  Geschäfte  usw.  erhalten,  wenn  der  betreffende  Geschäftszweig ­
  für  gewinnbringend  gilt,  vielfach  Kredit,  ohne  daß  die
Banken  immer  sorgfältig  prüfen,  ob  das  Unternehmen  gut  geleitet  wird,
und  ob  auch  in  der  Zukunft  auf  große  Gewinne  zu  rechnen  ist.
Der  Umschlag  läßt  gewöhnlich  nicht  lange  auf  sich  warten.  Sind  z.  B.
erheblich  mehr  Fahrräder  produziert  worden,  als  der  Markt  aufnehmen
kann,  so  wird  die  naturgemäße  Folge  sein,  daß  die  Fahrrad-Fabrikanten
und  -Händler  in  starke  Konkurrenz  miteinander  treten  und  ihre  Ware
überhaupt  nicht  oder  nur  zu  erheblich  gesunkenen  Preisen  werden  ver280 ­

