Boisguillebert  (1646—1714)  und  Vauban  (1633—1707)
übten  an  dem  bestehenden  System  freimütig  Kritik,  traten  für  Hebung
des  Bauernstandes  ein  und  befürworteten  eine  Änderung  im  Steuer-  und
Zollsystem.
Auf  ihrer  Lehre  baute  auf:  Frangois  Quesnay  (1694—1774),  ein
Leibarzt  Ludwigs  XV.,  der  1757  in  seiner  Schrift  „Tableau  economique“
  ein  eigenes  wissenschaftliches  System  aufstellte  und  die  Nationalökonomie ­
  zum  Range  einer  Wissenschaft  erhob.  Sein  Werk  trägt  das
Motto:  pauvre  paysan,  pauvre  royaume  —  pauyre  royaume,  pauvre
roi,  d.  h.  ist  der  Bauer  arm,  so  ist's  die  ganze  Welt.  Ausgangspunkt
seiner  Lehre  ist  die  Anerkennnung  einer  natürlichen  Ordnung
der  menschlichen  Gesellschaft.  Die  (pvatg  (Natur)  muß  xgavsTv  (herrschen),
denn  sie  ist  die  Hauptquelle  des  Reichtums  einer  Nation.  Einen  Produktionsüberschuß ­
  wirft  nur  die  auf  den  Boden  verwendete
Arbeit  ab;  die  Landwirtschaft  ist  die  einzige  wirklich  produktive  Tätigkeit
in  der  Volkswirtschaft.
In  drei  Klassen  teilt  Quesnay  daher  die  Bevölkerung  ein:
1.  in  die  Grundeigentümer  (la  classe  des  propriotaires).  Sie
erhalten  von  ihren  Pächtern  den  Reinertrag.  Die  Angehörigen  dieser
vornehmsten  Klasse  sollen  für  die  Allgemeinheit  ehrenamtlich  tätig  sein;
2.  in  die  tätigen  Landwirte,  die  Pächter  (1a  dasse  productive). ­
  Sie  erhalten  für  ihre  Arbeit  nur  so  viel,  wie  sie  für  ihren  Lebensunterhalt
  gebrauchen,  den  Überschuß  des  Erwirtschafteten  müssen  sie  als
Pacht  an  die  Grundeigentümer  abgeben;
3.  in  die  unproduktive  Klasse  (1a  dasse  sterile).  Diese  von
allen  anderen  Bürgern  gebildete  Klasse,  deren  Angehörige  nicht  in  der
Landwirtschaft  tätig  sind,  erzeugt  keine  neuen  Werte,  sondern  empfängt
ihr  Einkommen  in  letzter  Linie  aus  dem  Überschuß  der  Bodenerzeugnisse.
In  diese  Klasse  gehören  Industrie  und  Handel.
Der  Reinertrag  des  Grund  und  Bodens,  der  „produit  net“,  ist
die  Quelle  des  Glücks  und  Wohlstandes,  nicht,  wie  die  Mcrkantilisten
lehren,  Gold  und  Silber.  Denn  hiermit  können  die  Menschen  ihren
Hunger  nicht  stillen,  sie  leben  nicht  vom  Golde,  sondern  von  Gütern.
Aufgabe  des  Staates  muß  es  sein,  durch  Verkehrsfreiheit  die  Erzeugnisse
der  Landwirtschaft  zu  verbilligen  und  auf  diese  Weise  den  produit  net
zu  erhöhen.  Da  die  Landwirtschaft  allein  einen  Überschuß  erzeugt,  so  muß
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