295

von  den  anderen  stark  angefeindet  wurden:  David  Ricardo  und
Robert  Malthus.  Durch  sie  erfuhr  die  Lehre  von  Adam  Smith
einen  Ausbau  und  eine  Ergänzung.  Von  dem  Gedankenfystem  des  Adam
Smith,  des  Ricardo  und  Malthus  wird  die  ganze  volkswirtschaftliche
Literatur  bis  in  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  hinein  beeinflußt.
Weil  Ricardo  und  Malthus,  im  Gegensatz  zu  der  Smithschen  o  p  t  i  -
m  i  st  i  s  ch  e  n  Beurteilung  der  Kulturentwicklung,  die  Lehre  von  den
volkswirtschaftlichen  Disharmonien  verkünden,  und  bei
ihnen  eine  pessimistische  Auffassung  überwiegt,  nennt  man  sie  auch  die
Pessimisten.
Seine  präziseste  Fortentwicklung  hat  das  Smithsche  System  durch
David  Ricardo  (1772—1823)  erfahren.  Vom  Vater  verstoßen  und  ohne
Mittel  gelassen,  weil  er  zum  Christentum  übergetreten  war,  hatte  er  als
Makler  an  der  Londoner  Börse  und  dann  später  als  Bankier  bei  Spekulationen ­
  in  Effekten,  Wechseln  und  Getreide  so  viel  Geschick  entwickelt,
daß  er  mit  25  Jahren  bereits  ein  sehr  großes  Vermögen  erworben  hatte.
Jetzt  wollte  er  sich  voll  und  ganz  der  Wissenschaft  widmen.  Das  Werk
von  Adam  Smith  begeisterte  ihn  für  die  Nationalökonomie,  deren  Lehren
er  mit  Eifer  studierte.  Aus  dem  Schüler  wurde  bald  ein  Lehrer.  1817
erschien  sein  grundlegendes  Werk:  „Prinzipien  der  politischen  Ökonomie
und  Steuerlehre"  (On  the  principles  of  the  politieal  economy  and
taxation).  Hierin  behandelte  er  hauptsächlich  die  Lehre  von  der  Grundrente, ­
  vom  Wert  und  vom  Arbeitslohn.
In  der  Wert  lehre  schließt  sich  Ricardo  Adam  Smith  insofern  an,
als  er,  wie  dieser,  Gebrauchs-  und  Tauschwert,  natürlichen  Preis  und
Marktpreis  unterscheidet.  Während  aber  Smith  den  Wert  eines  Gegenstandes ­
  nach  der  zu  seiner  Herstellung  erforderlichen  Arbeitszeit  bemißt
und  sagt,  daß  der  Wert  der  Arbeit  unveränderlich  sei,  unterscheidet
Ricardo  zwischen  den  durch  menschliche  Arbeit  nicht  vermehrbaren  und
den  beliebig  vermehrbaren  Gütern.  Er  sagt:  „Diejenigen  Dinge,  die
Nutzen  gewähren,  erhalten  ihren  Tauschwert  aus  zwei  Quellen:  aus
ihrer  Seltenheit  und  aus  der  hierfür  verwendeten  Quantität
Arbeit.  Es  gibt  Dinge,  deren  Wert  einzig  von  ihrer  Seltenheit  abhängt, ­
  ihre  Quantität  kann  nicht  durch  Arbeit  vergrößert  werden,  daher
kann  ihr  Wert  nicht  durch  ihre  wachsende  Menge  verringert  werden."