Neben  der  Wertlehre  und  der  bereits  geschilderten  Grundrententheorie
ss.  S.  235)  ist  als  dritte  Lehre  zu  erwähnen  die  Ricardosche  Theorie  des
Arb  e  i  t  s  loh  n  es.  Die  Arbeit,  sowie  alle  anderen  Dinge,  die  gekauft
oder  verkauft  werden,  und  deren  Quantität  vermehrt  oder  vermindert
werden  kann,  hat  einen  natürlichen  Preis  und  einen  Marktpreis. ­
  Der  natürlichePreis  der  Arbeit  ist  der,  der  die  Arbeiter
in  den  Stand  setzt,  zu  leben  und  ihr  Geschlecht  fortzupflanzen.  Die  Ernährung ­
  des  Arbeiters  und  seiner  Familie  wird  nicht  durch  die  Menge
Geld  bedingt,  die  er  als  Arbeitslohn  empfängt,  sondern  durch  die  Menge
Lebensmittel  und  andere  Dinge,  an  die  er  sich  gewöhnt  hat,  und  die  er
für  seinen  Arbeitslohn  einkaufen  kann.  Der  natürliche  Preis  der  Arbeit
hängt  also  vom  Preise  der  Lebensmittel  und  sonstiger  Bedürfnisse  ab,
die  zum  Unterhalt  des  Arbeiters  und  seiner  Familie  erforderlich  sind.
„Ein  Steigen  oder  Fallen  im  Preise  dieser  Gegenstände  erhöht  oder  verringert ­
  den  natürlichen  Preis  der  Arbeit.  Der  Marktpreis  der
Arbeit  wird  bestimmt  von  dem  Verhältnis  des  Angebots  zur  Nachfrage.
Die  Arbeit  ist  teuer,  wenn  keine  Hände  zu  finden  sind,  und  wohlfeil,
wenn  ein  Überfluß  daran  vorhanden  ist.  Wie  groß  auch  die  Abweichung
des  Marktpreises  vom  natürlichen  Preis  der  Arbeit  sein  mag  —  er  pflegt
auch  hier,  wie  bei  allen  anderen  Dingen,  sich  immer  wieder  letzterem
zu  nähern."
Nach  Ricardo  gehen  die  Fortschritte  der  „Gesellschaft"  die  Arbeiter
nichts  an:  Sie  haben  Profit,  Rente,  Reichtum  nur  für  die  Besitzer,  nicht
für  sich  selbst,  zu  produzieren.  Zu  seinen  Schlüffen  kommt  er  auf  folgendem
  Wege:  Der  Lohn,  den  die  Arbeiter  erhalten,  wird  zunächst  von  den
Unternehmern  vorgeschoffen,  d.  h.  aus  dem  Kapital  der  Unternehmer
ausgelegt.  Da  dieses  Kapital  aber  in  einem  bestimmten  Zeitpunkt  eine
feste  Größe  hat,  so  richtet  sich  die  Höhe  des  Arbeitslohnes  nach  dem
zur  Entlohnung  der  Arbeiter  zur  Verfügung  stehenden  Kapital,  dem
„L  o  h  n  f  o  n  d  s",  und  nach  der  Zahl  der  Arbeiter,  die  hieraus  ihr  Einkommen
  beziehen  müssen.  Können  z.  B.  täglich  9  Millionen  M  diesem
Lohnfonds  entnommen  werden,  so  wird  bei  3  Millionen  Arbeitern  der
durchschnittliche  Tagelohn  in  diesem  Lande  3  M  betragen.  Eine  Erhöhung ­
  des  Tagelohns  wäre  nur  möglich  bei  einer  Verminderung  der
Arbeiterzahl  oder  bei  einer  Vermehrung  des  Nationalvermögens,  von
dem  der  Lohnfonds  einen  Teil  bildet.

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