Bewegt  sich  der  Lohn  eine  Zeitlang  über  dem  Stand  der
natürlichen  Lohnhöhe,  und  tritt  dadurch  ein  gewisser  Wohlstand
  ein,  so  wird  dies  zur  Folge  haben,  daß  die  Geburten  steigen  und
die  Todesfälle  sich  dank  der  besseren  Lebenshaltung  verringern  werden;
eine  Bevölkerungszunahme  wird  erfolgen.  Hat  die  Arbeiterzahl  zugenommen, ­
  so  wird  auch  der  Lohn  wieder  auf  seinen  natürlichen  Preis  und
(wegen  der  Gegenwirkung)  bisweilen  sogar  darunter  sinken.
Hieraus  zieht  Ricardo  den  Schluß,  daß  der  Lohn  die  Tendenz  hat,  sich
auf  die  Dauer  gleich  dem  notwendigen  Lebensunterhalte  zu  gestalten.
Das  Maß  dieses  „notwendigen"  Unterhalts  ist  aber  nicht  ein  für  allemal
bestimmt,  es  wechselt  nach  Zeiten  und  Ländern  und  hängt  wesentlich
von  Sitten  und  Gebräuchen  des  Volkes  ab.  „In  einem  Lande  sind
die  Arbeiter  mit  Kartoffeln  und  einer  schmutzigen  Hütte  zufrieden,  in
einem  anderen  verlangen  sie  eine  anständige  Wohnung  und  Weizenbrot."
Der  Marktpreis  der  Arbeit  kann  also  über  dem  natürlichen  Lohn  stehen,
wenn  durch  Kapitalansammlung  mehr  Arbeitskräfte  beschäftigt  werden.
Ricardo  schränkt  damit  sein  Lohngesetz  in  gewisser  Weise  ein,  was  von
den  Sozialisten  (Ferdinand  Lassalle)  übersehen  wurde.
Thomas  Robert  Malthus  (1766—1834),  Geistlicher  der  englischen  Hofkirche,
  suchte,  ebenso  wie  Ricardo,  die  Ursachen  des  Massenelends,  das
in  England,  besonders  bei  wirtschaftlichen  Fortschritten, ­
  sich  bemerkbar  gemacht  hatte,  zu  ergründen.  Seine  Ideen
legte  er  in  seinen  zwei  Hauptwerken  nieder:  „An  essay  on  the  principle
of  population“  (Ein  Versuch  über  das  Gesetz  der  Bevölkerung,  1798  bis
1804)  und  „Lrineiplss  of  political  economy“  (Grundzüge  der  Nationalökonomie). ­

Berühmt  geworden  ist  er  hauptsächlich  durch  seine  Bevölkerungstheorie. ­
  „Verschwenderisch",  sagt  er,  „sät  die  Natur  in  allen
organischen  Reihen  den  Samen  des  Lebens  aus;  unverhältnismäßig
karg  aber  ist  sie  mit  dem  Raum  und  der  notwendigen  Nahrung.  Die
Keime,  die  die  Erde  jährlich  gebiert,  vermöchten,  wenn  ihnen  eine  allseitige ­
  Entwicklung  gestattet  wäre,  im  Laufe  weniger  tausend  Jahre
Millionen  von  Welten  zu  erfüllen;  aber  das  eiserne  Szepter  der  Notwendigkeit ­
  zeichnet  ihnen  beengende  Grenzen  vor,  und  auch  der  Mensch
vermag  durch  keine  Anstrengung  seines  Verstandes  diese  Schranken
niederzureißen."

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