Careys  Wertlehre  geht  davon  aus,  daß  mit  fortschreitender  Technik ­
  die  Güter  immer  billiger  werden.  Der  Wert  bestimmt  sich  also  nicht
nach  den  Herstellungskosten,  sondern  nur  nach  den  Reproduktionskosten,
der  ersparten  Arbeit.  Die  Lage  des  Arbeiters  sieht  er  optimistisch
an:  Durch  die  Kapitalanhäufung  sinke  der  Zinsfuß  und  steige  der
Arbeitslohn.  Gegen  die  Malthussche  Bevölkerungs-  und  die  Ricardosche
Grundrententheorie  wendet  er,  sich  ss.  S.  236)  mit  dem  Argument,  daß  der
Produktionsertrag  ständig  wachse.  Carey  hat  auch  ein  in  sich  geschlosienes
Schutzzollsystem  geschaffen.  England  dürfe  nicht  die  „einzige
Werkstatt  der  Welt"  bleiben,  sondern  die  Nationen  sollten  sich  gegenseitig ­
  als  Absatzgebiete  dienen.  Im  Gegensatz  zu  List  vertritt  er  nicht
zeitweiligen,  sondern  dauernden  Schutzzoll.  Man  sieht,  alle  seine
Behauptungen  sind  auf  die  Verhältnisse  des  neu  erschlossenen,  immer
reicher  werdenden  Amerika  zugeschnitten.
8.  Srlevrick  List.
Nach  merkantilistischer  Lehre  sollte,  hatten  wir  gesehen,  ein
Staat  hohe  Abgaben  fordern,  Schutzzölle  erheben,  um  die  Einfuhr
fremder  Fabrikate  zu  verhüten.  Die  Physiokraten  hingegen  erklärten ­
  sich  gegen  Schutzzölle,  weil  man,  wenn  man  die  fremde
Konkurrenz  abschließe,  sich  selbst  damit  schade,  unter  Umständen  sich  sogar
zugrunde  richten  könne  —  wie  die  Venetianer  und  Spanier.  Abschaffung ­
  der  Schutzzölle  forderte  auch  Adam  Smith  auf  Grund  seiner
Lehre  von  den  Vorzügen  der  Arbeitsteilung,  die  sich  auch  auf  die  Staaten
untereinander  zu  erstrecken  habe.  Er,  und  noch  mehr  seine  Schüler,
traten  für  einen  völlig  freien  internationalen  Güteraustausch  ein.  Besteht ­
  ein  solcher,  sagt  Ricardo,  so  wird  jedes  Land  sich  auf  die  Produktionszweige ­
  verlegen,  für  die  es  verhältnismäßig  am  meisten  geeignet
ist.  Die  Anhänger  der  extremen  individualistischen  Wirtschaftspolitik,  die
absoluten  Freihandel  fordern  und  jedes  Eingreifen  des  Staates,  „der
nur  die  Nachtwächteraufgabe  habe,  groben  Unfug  und  ruhestörenden  Lärm
zu  verhüten",  grundsätzlich  verwerfen,  nennt  man  heute  Manchesterl
  e  u  t  e.
Im  Gegensatze  zu  den  Anhängern  der  Freihandelsschule  fordern  die
Schutzzöllner  Schutz  der  heimischen  Industrie,  der  heimischen  Produktion
gegen  ausländische  Konkurrenz  durch  hohe  Zölle.  Als  Vertreter  des

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