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9.  Jobn  Stuart  Milt  und  Sisnionvi.
(Oer  Verfall  der  klassischen  Schule.)
John  Stuart  Mill  (1806—1873)  als  Wunderkind  erzogen,  veröffentlichte ­
  mit  23  Jahren  seine  ersten  volkswirtschaftlichen  Essais.  1848  erschien
sein  berühmtestes  Werk  „Urs  Principles  of  political  Economy“.  Er
bekleidete  später  eine  angesehene  Stellung  an  der  Ostindischen  Kompanie,
und  war  auch  Mitglied  des  Unterhauses.  Seine  Frau  hat  an  seinen
Werken  mitgearbeitet.  Er  starb  an  ihrem  Begräbnisplatze  in  Avignon.
Charakteristisch  für  Mill  ist,  daß  er  zwischen  zwei  Schulen,  der  bürgerlichen ­
  und  der  sozialistischen,  steht.  Bon  der  klassischen  Ökonomie  übernimmt
  er  die  individualistische  Richtung.  Er  ist  durchdrungen  vom  Gesetz
der  freien  Konkurrenz,  dem  Gesetz  von  Angebot  und  Nachfrage,  des  Freihandels, ­
  der  Bodenrente.  Er  formuliert  das  Malthussche  Bevölkerungsgesetz ­
  und  die  Ricardosche  Lohnfondstheorie  sogar  noch  schärfer.
Er  unterscheidet  sich  jedoch  von  der  klassischen  Schule,  indem  er  nicht
die  wirtschaftlichen  „Naturgesetze",  sondern  den  menschlichen  Willen  in
den  Vordergrund  stellt,  und  daher  soziale  Reformen  befürwortet,  ohne
damit  freilich  das  individualistische  Prinzip  antasten  zu  wollen:  die
Produktivgenossenschaft  soll  das  Lohnsystem  ersetzen.  Durch  eine  Grundsteuer ­
  will  er  die  Allgemeinheit  an  der  Bodenrente  teilhaben  lassen.  Die
Ungleichheit  der  Vermögen  soll  durch  Beschränkung  des  Erbrechts  wettgemacht ­
  werden,  da  das  verschiedene  Kräfteverhältnis  der  Beteiligten  das
Gesetz  der  freien  Konkurrenz  zu  durchbrechen  scheine.
Einen  Mittelweg  zwischen  der  liberalen  Schule  und  dem  neu  aufkommenden ­
  Sozialismus  suchte  auch  Simon  de  Sismondi  (1773—1842).  Er  beschäftigte ­
  sich  vornehmlich  mit  dem  Wesen  der  Überproduktion  und  der
Krisen  und  betont  dabei,  daß,  wenn  vielleicht  auch  einmal  ein  Zustand
des  Ausgleiches  eintrete,  so  doch  die  unmittelbare  Wirkung  der  Maschinen
für  die  Arbeiterklasse  stets  furchtbar  wäre.  Damit  begründet  er  die
Sozialpolitik.  Rückhaltlos  verurteilt  er  auch  den  Profit,  den  er  als  Beraubung ­
  und  Diebstahl  bezeichnet.  Alle  seine  Argumente  gehen  von  einer
ethischen  Einstellung  aus,  und  dadurch  unterscheidet  er  sich  von  den  Sozialisten, ­
  die  überall  die  materielle  Notwendigkeit  sehen.