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Von  den  Hauptgrundsätzen  der  Marxschen  Lehre:
1.  Mehrwert-Theorie,
2.  Verelendungstheorie,
3.  materialistische  Geschichtsausfassung,
werden  die  beiden  letzten  heute  selbst  von  sozialistischer  Seite  sehr  stark
eingeschränkt.  Im  großen  ganzen  ist  zu  sagen,  daß  Marx  eine  bestechende
Analyse  der  Übergangszeit  zwischen  Feudalismus  und  freier  Konkurrenz
gibt.  Gerade  dadurch  aber,  daß  sein  Werk  die  Arbeiter  zum  Klassenbewußtsein ­
  erweckte,  wurde  eine  neue,  ihm  noch  unbekannte  Macht  ge--schaffen,
  die  an  der  Umgestaltung  der  Verhältnisse  mitarbeitete.  Eine
Widerlegung  seiner  einzelnen  Dogmen  erübrigt  sich  daher.
Eng  an  Karl  Marx  schloß  sich  Ferdinand  Lassalle  (1825  bis
1864)  an.  In  Breslau  als  Sohn  eines  Kaufmanns  geboren,  besuchte  er  bis
zu  seinem  15.  Lebensjahr  ein  Breslauer  Gymnasium  und  dann  die  Handelsschule ­
  in  Leipzig;  später  studierte  er  in  Breslau  und  Berlin  Philologie
und  Philosophie.  Seit  Mitte  der  fünfziger  Jahre  trat  er  publizistisch
hervor.  Vom  „System  der  erworbenen  Rechte"  (1861)  abgesehen,  sind  die
Mehrzahl  seiner  Veröffentlichungen  (wie  z.  B.  „Herr  Bastiat,  Schulze
von  Delitzsch,  der  ökonomische  Julian,  oder  Kapital  und  Arbeit"  [1864])
Streit-  und  Agitationsschriften  von  geringem  wissenschaftlichen  Wert.
Seine  Hauptbedeutung  liegt  darin,  daß  er  es  durch  scharf  geschliffene
Beredsamkeit  in  hohem  Maße  verstand,  die  Ideen  anderer  (Rodbertus,
Ricardo  und  Marx)  populär  zu  formulieren  und  zu  verbreiten.
Mit  Marx  und  Engels  erkennt  er  den  Grundgedanken  der  materialistischen ­
  Geschichtsauffassung  an.  Mit  Ricardo  agitiert  er  gegen  das
herrschende  Produktions-  und  Lohnsystem.  Zu  überwinden  sei  „das  eherne
Lohngesetz",  das  die  Arbeiter  am  Emporkommen  hindere,  nicht  durch
individuelle  Selbsthilfe,  Gründung  von  Genossenschaften,  wie  Schulze-Delitzsch
  sie  empfohlen;  der  Staat  müsse  vielmehr,  hier  schließt  er  sich
an  Louis  Blanc  an,  mit  seinen  Mitteln  Produktivgenossenschaften  der
Arbeiter  gründen.  Um  diese  Forderung  durchführen  zu  können,  müßten
die  Arbeiter  versuchen,  sich  Einfluß  auf  die  Regierung  zu  verschaffen,  eine
politische  Macht  zu  werden.  Nächstes  Ziel  sei  daher  die  Erkämpfung  des
allgemeinen  gleichen  und  direkten  Wahlrechtes.