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14.  Die  Sozialdemokratie.
Ein  von  Lassalle  im  März  1863  an  den  Leipziger  Arbeiterverein  gerichtetes ­
  „Offenes  Antwortschreiben"  war  die  erste  Veranlassung  zur
Trennung  der  Arbeiter  von  der  auf  individualistischen  Ideen  fußenden
liberalen  Partei.  Im  Mai  1863  erfolgte  auf  Lassalles  Anregung  die
Gründung  des  „Allgemeinen  deutschen  Arbeiterve  re
  i  n  s",  der  es  sich  zur  Aufgabe  stellte,  „auf  friedlichem  und  legalem  Wege,
insbesondere  durch  das  Gewinnen  der  öffentlichen  Überzeugung,  für  die
Herstellung  des  allgemeinen,  gleichen  und  direkten  Wahlrechtes  zu  wirken."
Nach  Lassalles  Tod  (31.  August  1864)  trat  im  Arbeiterverein,  der  es
trotz  Lassalles  agitatorischer  Tätigkeit  nur  auf  4600  Mitglieder  gebracht
hatte,  eine  Spaltung  ein  in  Lassalleaner  und  in  die  Anhänger  der  von
Karl  Marx  1864  in  London  gegründeten  „Internationalen
Arbeite  rassociatio  n",  kurzweg  „Internationale"  genannt.  Die
Internationale  sollte  sein  „ein  Mittelpunkt  für  den  Verkehr  und  das
Zusammenwirken  der  Arbeiter  aller  Länder,  welche  dasselbe  Ziel  verfolgen: ­
  gegenseitige  Unterstützung,  den  Fortschritt  und  die  völlige  Befreiung
  der  Arbeiterklassen".  In  ihrem  Programm  bekennt  sie  sich  zu
den  im  kommunistischen  Manifest  vertretenen  Anschauungen.
„Die  Kommunisten  arbeiten  überall  an  der  Verbindung  und  Verständigung
der  demokratischen  Parteien  aller  Länder.  Die  Kommunisten  verschmähen  es,
ihre  Ansichten  und  Absichten  zu  verheimlichen.  Sie  erklären  es  offen,  daß  ihre
Zwecke  nur  erreicht  werden  können  durch  den  gewaltsamen  Umsturz  aller  bisherigen ­
  Gesellschaftsordnung.  Mögen  die  herrschenden  Klassen  vor  einer  kommunistischen ­
  Revolution  zittern.  Die  Proletarier  haben  nichts  zu  verlieren
als  ihre  Ketten.  Sie  haben  eine  Welt  zu  gewinnen.  Proletarier  aller
Länder,  vereinigt  euch!"
Führer  der  Lassaleaner  wurde  erst  Becker  und  dann  von  Schweitzer;
Führer  der  Eisenacher  Partei  (1869,  Kongreß  in  Eisenach),  die  sich  an  die
Marxsche  Internationale  anlehnte  und  sich  nachher  als  „Sozialdemokratische
  Partei"  konstituierte,  der  Leipziger  Drechslermeister  Äugn  st
Bebel  (1840—1913)  und  W  i  l  h  e  l  m  Liebknecht  (1826—1900).
Eine  Vereinigung  der  beiden  Fraktionen  zu  einer  „Sozialistischen ­
  Arbeiterpartei  Deutschlands",  wesentlich  unter  Annahme ­
  des  Programms  der  Eisenacher  Partei,  erfolgte  1875  auf  dem
Kongreß  zu  Gotha,  der  auch  zur  Gründung  eines  Zentralorgans
der  Partei,  des  „V  o  r  w  ä  r  t  s",  führte.