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Die  Attentate  von  Hödel  und  Nobiling  auf  Kaiser  Wilhelm  I.
(11.  Mai  bzw.  2.  Juni  1878)  führten  zur  Reichstagsauflösung  und  zum
Erlaß  des  „S  o  z  i  a  l  i  st  e  n  g  e  s  e  tz  e  s"  („Gesetz  gegen  die  gemeingefährlichen ­
  Bestrebungen  der  Sozialdemokratie").  Dieses  verbot  Vereine,  Abhaltung ­
  von  Versammlungen,  Veröffentlichungen  von  Drucksachen,  die
durch  sozialdemokratische,  sozialistische  oder  kommunistische  Bestrebungen
den  Umsturz  des  bestehenden  Staates  und  der  Gesellschaftsordnung  bezwecken. ­

Nach  Aufhebung  des  Sozialistengesetzes  (1890)  änderte  die  Partei
ihren  Namen  in  „Sozialdemokratische  Partei  Deutschland ­
  s".  Auf  dem  im  nächstfolgenden  Jahre  in  Erfurt  abgehaltenen
Parteitage  erfolgte  eine  Revision  des  Gothaer  Programms.  Das  E  r  -
furter  Programm  (1891)  enthält  nichts  mehr  von  der  von  Lassalle
gestellten  Forderung,  Produktivgenossenschaften  mit  Staatsmitteln  zu  begründen, ­
  nichts  mehr  vom  „ehernen  Lohngesetz".  Die  Forderungen
Lassalles  und  seine  Ideen  sind  zurückgetreten  vor  der  Lehre  von  Karl
Marx.  Das  Parteiprogramm  ist  von  jetzt  ab  von  marxistischem  Geist  diktiert.
Als  Ziel  wird  ausgestellt:
„Verwandlung  des  kapitalistischen  Grundeigentums  an  Produktionsmitteln
—  Grund  und  Boden,  Gruben  und  Bergwerke,  Rohstoffe,  Werkzeuge,  Maschinen,
Verkehrsmittel  —  in  gesellschaftliches  Eigentum,  und  die  Umwandlung  der
Warenproduktion  in  sozialistische,  für  und  durch  die  Gesellschaft  betriebene
Produktion."  —  —  r—
„Der  Kampf  der  Arbeiterklasse  gegen  die  kapitalistische  Ausbeutung  ist  notwendigerweise ­
  ein  politischer  Kampf.  Die  Arbeiterklasse  kann  ihre  ökonomischen
Kämpfe  nicht  führen  und  ihre  ökonomische  Organisation  nicht  entwickeln  ohne
politische  Rechte.  Sie  kann  den  Übergang  der  Produktionsmittel  in  den  Besitz
der  Gesamtheit  nicht  bewirken,  ohne  in  den  Besitz  der  politischen  Macht  gekommen ­
  zu  sein.  Diesen  Kampf  der  Arbeiterklasse  zu  einem  bewußten  und  einheitlichen ­
  zu  gestalten  und  ihm  sein  naturnotwendiges  Ziel  zu  weisen  —  das
ist  die  Aufgabe  der  Sozialdemokratischen  Partei."
„Die  Sozialdemokratische  Partei  Deutschlands  kämpft  also  nicht  für  neue
Klassenprivilegien  und  Vorrechte,  sondern  für  die  Abschaffung  der  Klassenherrschaft ­
  und  der  Klassen  selbst  und  für  gleiche  Rechte  und  gleiche  Pflichten  aller
ohne  Unterschied  des  Geschlechts  und  der  Abstammung.  Von  diesen  Anschauungen ­
  ausgehend,  bekämpft  sie  in  der  heutigen  Gesellschaft  nicht  bloß  die
Ausbeutung  und  Unterdrückung  der  Lohnarbeiter,  sondern  jede  Art  der  Ausbeutung ­
  und  Unterdrückung,  richte  sie  sich  gegen  eine  Klasse,  eine  Partei,  ein
Geschlecht  oder  eine  Rasse."