ner,  Schmoller,  Held,  Nasse,  Brentano  u.  a.s  gegebenen  Anregungen.  Den
Spitznamen  „Kathedersozialisten"  hatten  von  ihren  freihändlerischen  Gegnern ­
  seit  Beginn  der  1870er  Jahre  all  die  Universitätsprofessoren  erhalten ­
  —  und  auch  nicht  abgelehnt,  ja  sogar  öfters  selbst  gebraucht  —,
die  vom  Katheder  aus  die  extreme  Richtung  des  ökonomischen  Individualismus ­
  und  Liberalismus,  den  sog.  Manchester-Standpunkt,  bekämpften.
Vereint  sind  diese  Nationalökonomen  in  dem  1872  in  Eisenach  begründeten, ­
  von  Schmoller  lange  Zeit  in  großzügiger  Weise  geleiteten  „Verein
für  Sozialpolitik",  durch  dessen  Enqueten  und  Untersuchungen  die  nationalökonomische
  Wissenschaft  in  hoheni  Maße  gefördert  worden  ist.  Fälschlich ­
  mit  dem  Kathedersozialismus  identifiziert  wird  häufig  der  Staatssozialismus. ­

Der  eigentliche  Staatssozialismus,  sagt  Adolph  Wagner,
„nimmt  bewußt  und  mit  bestimmten  Tendenzen  und  Zielpunkten  und  gewollten
Folgen  eine  vermittelnde  Stellung  in  Theorie  und  Praxis  der  Volkswirtschaft
zwischen  Individualismus  und  Sozialismus  ein."  „Er  kommt  prinzipiell  dem
Sozialismus  entgegen,  weil  er  dessen  Kritik  teilweise  für  berechtigt  und  dessen
Forderungen  inbezug  auf  die  Eigentumsordnung  teilweise  für  erfüllbar,  und
die  Erfüllung  für  erwünscht  hält.  Insoweit  entfernt  er  sich  auch  prinzipiell
vom  Individualismus.  Aber  andererseits  hält  er  gegenüber  jenen  Forderungen
des  Sozialismus  wieder  eine  prinzipielle  Schranke  inne,  weil  er  eine  prinzipielle ­
  Berechtigung  und  Notwendigkeit  auch  des  Individuums,  und  zwar  im
Gemeinschaftsinteresse,  anerkennt.  Nur  einen  schrankenlosen  Individualismus,
nicht  einen  nach  sozialen  Rücksichten  einzuschränkenden  verwirft  er."
Der  Staatssozialismus  will  in  gewissen  Fällen  Privatwirtschaft  durch
Gemeinwirtschaft  ersetzen.  Im  Interesse  der  Gesamtheit  will  er  Überführung ­
  zahlreicher  bisher  in  Privatbetrieb  stehender  Unternehmungen  —
Eisenbahnen,  Banken,  Versicherungen,  Bergwerke  ustv.  —  in  das  Eigentum ­
  und  die  Verwaltung  des  Staates  bzw.  der  Gemeinde  sKommunalsozialismus).
  „Staatssozialismus  schließt  begrifflich  nicht  den  Gedanken
der  Übertragung  der  gesamten  Produktion  und  Verteilung  auf  den
Staat  in  sich  und  besagt  ebensowenig  den  grundsätzlichen  Ausschluß  des
privatwirtschaftlichen  Systems  aus  der  Volkswirtschaft"  sAdolph  Wagner).
  Es  muß  von  Fall  zu  Fall  geprüft  werden,  welche  Unternehmungen
sich  für  den  Staats-  bzw.  den  Gemeindebetrieb  eignen.
Die  k  o  n  s  e  r  v  a  t  i  v  e  S  o  z  i  a  l  r  e  f  o  r  m  ,  die  sich  in  vielen  Punkten
auf  die  Ideen  von  Rodbertus  stützt,  fordert  als  Grundlage  der  neuen
Wirtschaftsordnung  den  monarchischen  Staat,  in  welchem  den
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