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und  der  materialistischen  Lebensauffassung  müsse  die  durch  kirchliche  Gesinnung ­
  herbeigeführte  Nächstenliebe  treten,  dann  werde  auch  die  Not
und  das  Elend  wieder  schwinden.
Auf  die  hauptsächlich  durch  die  verschiedene  Auffassung  des  religiösen
Problems  und  die  Stellung  der  kirchlichen  Oberhäupter  bedingten  Unterschiede ­
  der  katholischen  und  der  evangelischen  Richtung  der  Sozialreform
kann  hier  nicht  näher  eingegangen  werden.  Haupt  der  katholischen  Richtung ­
  war:  von  Ketteler,  Bischof  von  Mainz  sf  1878s,  dessen  Werk
„Die  Arbeiterfrage  und  das  Christentum"  im  Jahre  1864  erschienen  war,
in  Österreich  der  Freiherr  v  o  n  V  o  g  e  l  s  a  n  g.  An  der  Spitze  der
evangelischen  Sozialreformpartei  stand  der  Hofprediger  Stöcker,
der  1877  die  „ch  r  i  st  l  i  ch  -  s  o  z  i  a  l  e  Arbeiterpartei"  gegründet ­
  hat.
Die  verschiedenen  Richtungen  der  evangelisch-sozialen  Reform  sollten  sich  begegnen ­
  im  „e  v  a  n  g  e  l  i  s  ch  -  s  o  z  i  a  l  e  n  Kongreß",  „der  die  sozialen  Zustände ­
  unseres  Volkes  vorurteilslos  untersuchen,  sie  an  dem  Maßstabe  der  sittlichen ­
  und  religiösen  Forderungen  des  Evangeliums  messen  und  diese  selbst  für
das  heutige  Wirtschaftsleben  fruchtbarer  und  wirksamer  als  bisher  machen  sollte".
In  der  Bewegung  treten  sich  zwei  Richtungen  gegenüber:  Die  eine,  repräsentiert ­
  durch  Stöcker  und  Adolph  Wagner,  lehnt  sich  an  die  konservative
Partei  an,  die  andere,  radikalere,  scharte  sich  um  den  Pfarrer  Naumann
und  den  Pastor  Göhre.  Während  dieser  sich  der  sozialdemokratischen  Partei
anschloß,  begründete  Naumann  1896  die  „nationalsoziale  Partei",
die  auf  nationalpolitischer  Grundlage  soziale  Reformen  durchzuführen  bestrebt
war.  Der  geringe  Anhang,  den  die  Partei  gefunden  hatte,  veranlaßte  ihre
Führer  im  Jahre  1903,  bald  nach  den  Reichstagswahlen,  die  Partei  aufzulösen.
Die  Mehrheit  der  Nationalsozialen  mit  Naumann  schloß  sich  der  „Freisinnigen
Vereinigung"  an.
Die  Bodenreformer  sehen  in  der  Grund-  und  Bodenfragc  den
wesentlichsten  Teil  des  sozialen  Problems.  1879  war  das  packend  geschriebene
  Werk  des  aus  dem  Arbeiterstande  hervorgegangenen  Amerikaners ­
  Henry  George,  „Fortschritt  und  Armut"  skroZress  anä
poverty),  erschienen,  das  in  den  angelsächsischen  Ländern  weiteste  Verbreitung ­
  gefunden  hat.  Der  Fortschritt  unserer  Zeit  vollzieht  sich  nach
Henry  George  in  einer  immer  stärkeren  Klassenscheidung.
„Die  ungeheure  Steigerung  der  Produktionsfähigkeit  erweitert  die  Kluft
zwischen  dem  armen  Lazarus  und  dem  reichen  Manne  und  macht  den  Kampf
ums  Dasein  noch  erbitterter....  Neben  aufgehäuften  Reichtümern  sterben
Menschen  vor  Hunger,  während  überall  die  Gier  nach  Gewinn,  die  Mammons-