Verehrung  beweist,  wie  groß  die  Furcht  vor  der  Armut  ist.  Das  gelobte  Land
flieht  vor  uns  wie  eine  Fata  morgana;  die  Früchte  vom  Baum  der  Erkenntnis
verwandeln  sich  in  unserer  Hand  in  Sodomsäpfel,  die  bei  der  Berührung  zu
Staub  zerfallen."
Die  Erklärung  für  diese  Mißstände  sucht  Henry  George  in  den  fehlerhaften ­
  Wirkungen  der  Bodenrente.  Die  Grundrente  steigt  auf  Kosten
des  Wertes  der  Arbeit.  Da  die  Grundrente  aber  nicht  das  Produkt  der
Tätigkeit  der  einzelnen  ist,  so  muß  sie  nach  Möglichkeit  der  Gesamtheit ­
  zugute  kommen,  was  durch  eine  radikale  Besteuerung  erfolgen,
kann.  Der  Grund  und  Boden,  ein  reines  Geschenk  der  Natur,  muß
Gemeingut  werden.
Die  Theorien  Henry  Georges  sucht  in  Deutschland  der  B  u  n  d  D  e  u  t  -
scher  Bodenreformer  sVorsitzender  Adolf  Damaschke)  in
die  Praxis  umzusetzen.  Anfang  1920  zählte  er  55  000  Einzelmitglieder,
Angehörige  aller  Parteien  und  Konfessionen,  und  einige  tausend  korporative ­
  Mitglieder.
Nach  seinem  Programm  tritt  der  Bund  dafür  ein,  „daß  der  Boden,  die
Grundlage  aller  nationalen  Existenz,  unter  ein  Recht  gestellt  werde,  das  seinen
G  e  brauch  als  Werk-  und  Wohnstätte  befördert,  das  jeden  M  i  ß  brauch  mit
ihm  ausschließt,  und  das  die  Wertsteigerung,  die  er  ohne  die  Arbeit  des  Einzelnen ­
  erhält,  möglichst  dem  Volksganzen  nutzbar  macht."
Der  regen  Propaganda  des  Bundes  (Bundesorgan:  „Bodenreform,
Deutsche  Volksstimme")  und  insbesondere  der  eifrigen  Tätigkeit  D  a  -
m  a  s  ch  k  e  s  sind  die  Bodenrechtsverordnungen  vom  Januar  1919  zu
danken;  und  auch  im  Artikel  155  der  neuen  Reichsverfassung  kommt  das
bodenreformerische  Programm  zum  Ausdruck:  „Die  Verteilung  und
Nutzung  des  Bodens  wird  von  Staats  wegen  in  einer  Weise  überwacht,
die  Mißbrauch  verhütet  und  dem  Ziel  zustrebt,  jedem  Deutschen  eine  gesunde ­
  Wohnung  zu  sichern...
16.  Der  ttnarrdismus.
Der  Anarchismus  („Herrschaftslosigkeit")  ist,  theoretisch  betrachtet,  ein
bis  auf  die  äußerste  Spitze  getriebener  Individualismus.  „Jede  Individualität ­
  erscheint  uns  als  Mittelpunkt  des  Weltalls"  (Elisee  Reclus).
Alles,  was  die  Freiheit  des  Menschen  beeinträchtigt,  vor  allem  die  politische ­
  Zwangsorganisation  des  Staates,  muß  überwunden  werden.  Über
das  „Wie"?  gehen  die  Ansichten  der  Anarchisten  weit  auseinander.
Begründer  des  Anarchismus  ist  der  Franzose  Proudhon,  über
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