teil,  daß  bann  jeder  die  Freiheit  zu  allem  Guten  hätte,  und  der  soziale
Instinkt  die  Menschen  schon  zur  „gegenseitigen  Hilfe"  führe.  Anwendung
von  Gewalt  wird  von  anarchistischen  Theoretikern  wie  Benjamin  Tucker,
Elisee  Roclus  und  Mackay  verworfen.
Da  die  anarchistischen  Bestrebungen  und  Attentate  eine  internationale ­
  Gefahr  bilden,  denen  gegenüber  das  Vertrauen  des  einzelnen
Staates  in  die  eigenen  Machtmittel  und  die  Wirksamkeit  seiner  nationalen
Institutionen  nicht  mehr  ausreichend  ist,  haben  die  Kulturvölker  miteinander
Vereinbarungen  über  Auslieferung  derartiger  Verbrecher  getroffen.
Attentate  gegen  den  Souverän  oder  ein  Mitglied  einer  souveränen  Familie
sollen  nicht  als  politische  Delikte  angesehen  werden  und  die  Verbrecher  der  Auslieferung ­
  unterworfen  sein,  so  etwa  lautet  die  in  zahlreichen  Verträgen  aufgenommene ­
  Attentatsklausel.
17.  neue  Richtungen  und  Schulen  der  bürgerlichen  Nationalökonomie. ­

Drei  Richtungen  der  wissenschaftlichen  Forschung  unterscheidet  man
allgemein  in  der  heutigen  Nationalökonomie:
1.  D  i  e  h  i  st  o  r  i  s  ch  e  R  i  ch  t  u  u  g.  Man  spricht  von  der  hauptsächlich ­
  durch  Wilhelm  Roscher  (1817—1894),  Karl  Knies  und  Bruno
H  i  l  d  c  b  r  a  n  b  vertretenen  älteren  und  von  der  vor  allem  durch
G  u  st  a  v  S  ch  m  o  l  l  e  r  (1838—1917)  und  seine  zahlreichen  Schüler  vertretenen ­
  jikngercn  Schule.  Die  Anhänger  der  historischen  Schule  wenden
sich  gegen  eine  Aufstellung  allgemein  gültiger  „natürlicher"  Gesetze.  Sie
gehen  davon  aus,  daß  es  nicht  genügt,  die  heutigen  wirtschaftlichen  Verhältnisse ­
  und  Einrichtungen  zu  kennen,  sondern  man  müsse  auch  die  Vergangenheit ­
  erforschen.  Betrachtet  man  genau  den  Werdegang  der  Verhältnisse, ­
  so  wird  auch  das  Bestehende  leicht  erklärlich  und  verständlich
werden.  Sie  möchten  Parallelismen  in  der  Geschichte  finden  und  so
wirtschaftliche  Entwicklungsgesetze  für  die  einzelnen  Nationen  aufstellen.
Auf  Grund  dieser  hofften  sie,  die  zukünftige  Gestaltung  vorauszusehen.
Schmoller,  der  hervorragendste  und  einflußreichste  Vertreter  dieser  Schule,  sagt:
„Sic  verlangt  zunächst  wirtschaftsgcschichtliche  Monographien,  Verknüpfung
jeder  modernen  Spezialuntersuchung  mit  ihren  historischen  Wurzeln:  sie  will
lieber  zunächst  den  Werdegang  der  einzelnen  Wirtschaftsinstitutionen,  als  den
der  ganzen  Volkswirtschaft  und  der  universellen  Weltwirtschaft  erklären.  Sie
knüpft  an  die  strenge  Methode  rechtsgeschichtlichcr  Forschung  au,  sucht  aber
ebenso  durch  Reisen  und  eigenes  Befragen  das  Bücherwissen  zu  ergänzen,  die
philosophische  und  psychologische  Forschung  heranzuziehen."

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