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2.  D  i  e  realistische  und  sozialpolitische  Richtung.
Sie  forscht  nicht  hauptsächlich  in  der  Vergangenheit,  sondern  fragt,  wie
die  heutigen  Menschen  wirtschaften  und  warum  sie  so  wirtschaften.
Ihre  Fragen  lauten  also:  „Wie  ist  es?"  und  „Warum  ist  es  so?"  Mit
der  historischen  Richtung  bestehen  selbstverständlich  zahlreiche  Berührungspunkte. ­
  Hauptvertreter  dieser  Richtung  sind:  Lorenz  von  Stein
(1815—1890),  AlbertSchäffle  (1831—1901)  und  Adolph  Wagner ­
  (1835—1917),  der  sich  insbesondere  durch  seine  Studien  auf  dem
Gebiete  des  Finanz-  und  Bankwesens  einen  unauslöschlichen  Namen  geschaffen ­
  hat.  Über  den  positiven  Inhalt  ihrer  Lehren  s.  S.  322  ff.
3.  Die  sogenannte  exakte  Richtung  (Grenznutzentheorie). ­
  Carl  Menger,  von  Böhm-Bawerk,  Wieser
u.  a.,  hauptsächlich  Österreicher,  daher  auch  Wiener  Schule  genannt,
haben,  als  Gegenbewegung  gegen  den  „Historismus",  die  theoretischen ­
  Probleme  der  politischen  Ökonomie  wieder  mehr  in  den  Vordergrund ­
  geschoben.  Sie  gehen  hauptsächlich  deduktiv  vor.  Alle  Erscheinungen ­
  des  Wirtschaftslebens  betrachten  sie  vom  subjektiven  Standpunkt. ­
  Jeder  Mensch  hat  Bedürfnisse  verschiedener  Art  und  verschiedener
Stärke,  zu  deren  Befriedigung  er  Güter  bedarf.  Der  Wert  eines  Gutes
richtet  sich  nun  nach  der  Wichtigkeit  des  Bedürfnisses,  das  aus  einem
Gütervorrat  gerade  noch  zur  Deckung  kommt,  bevor  völlige  Sättigung  eintritt, ­
  nach  dem  Grenznutzen.  Kann  dabei  ein  Gut  durch  ein  anderes
ersetzt  werden,  so  richtet  sich  sein  Wert  nach  dem  geringeren  des  Ersatzgutes ­
  (Substitution).  Beim  Tausch  entscheidet  über  den  Preis
einer  Ware  die  Wertschätzung  der  Grenzpaare,  d.  h.  derjenigen  beiden
Käufer  und  Verkäufer,  zwischen  denen  ein  Austausch  gerade  noch  zustande
kommt.  Im  Produktionsprozeß  wird  ein  Produkt  nach  seiner
Grenzverwendung  geschätzt;  bei  freier  Konkurrenz  muß  dies  mit  den
Produktionskosten  übereinstimmen.  Der  Lohn  bestimmt  sich  nach  dem
Wert,  den  der  letzte  Arbeiter  (Grenzarbeiter),  den  der  Unternehmer  noch
mit  Gewinn  beschäftigen  kann,  erzeugt;  er  fällt  also  mit  den  Unterhaltskosten ­
  des  Arbeiters  zusammen.  Der  K  a  p  i  t  a  l  z  i  n  s  ist  der  Preis
für  die  Zeit,  er  bringt  den  Wertunterschied  zwischen  gegenwärtigem  und
künftigem  Gut  zum  Ausdruck.