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        <title>Geschichte der Firma H. F. Flemming, Leipzig-Leutzsch</title>
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        ikschriftensammlung

1957  F  863

Hamb'*
Welt-V. r '

Ei«.-6  MW  1926  *
Waren-  WuU»»..--.n-Archiv

felorigebbio^papki^ehe
  ©lallet 5

i

f  f&amp;gt;as1\oniördcb  Sachsen  ^
Kultur,  Industrie,'Handel  und  (JeWorbe

A  ,  I

Ecksteins  Biographischer  Vertag  Beruh

Chrenuorsitz  des  Redaktionskomitees
Graf  üitzthum  oon  Gckstaedt,  Cxz.
CDinister  des  Innern  und  der  Auswärtigen  Angelegenheiten
H.  F.  Flemming
Leipzig-Leutzsifi
Franz  Flemmingstrage  4

OBERLEITUNG  HOFRRT  WILLI  DOEÜQES

T/t  „  r .
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        H.  F.  Flemming,
Abteilung  1:  Flügel-  und  Pianomechanikenfabrik,
Abteilung  11:  Dampfsägewerk  und  Holzhandlung,
Leipzig-Leutzsch
Franz  Flemmingstraße  4.

[  /  "&amp;gt;(  »eit  etwa  Mitte  der  sechziger  J  ahre  des  vorigen  J  ahrhunderts  hat  die  deutsche  Industrie  bekanntlich
;  :  auf  allen  Gebieten  einen  starken  Aufschwung  genommen,  der  sie  mehr  als  je  zuvor  instand  setzte,
j  l  J  [  sich  mit  ihren  Erzeugnissen  denen  aller  übrigen  Industrieländer  ebenbürtig  an  die  Seite  zu  stellen
und  auf  das  Erfolgreichste  mit  ihnen  in  Wettbewerb  zu  treten.
Dem  Geschäftszweig,  den  die  Firma  H.  E.  Flemming,  Beipzig-Beutzsch  vertritt,  kam  dabei

Gesamtansicht
besonders  der  Umstand  zustatten,  daß  durch  die  militärische  Besetzung  Frankreichs  während  der  Kriegsj  ahre  1870
und  1871  der  geschäftliche  Verkehr  mit  diesem  Bande  längere  Zeit  hindurch  gänzlich  unterbrochen  war.  Die
deutsche  Pianoforte-Industrie  sah  sich  deshalb  genötigt,  ihren  Bedarf  an  Mechaniken  inzwischen  ausschließlich
aus  dem  eigenen  Bande  zu  beziehen,  was  zur  unmittelbaren  Folge  das  Aufblühen  dieses  Industriezweiges  hatte,
der  bis  dahin  in  Deutschland  nur  durch  einige  bedeutendere  Etablissements  vertreten  war.  Seitdem  hat  die
deutsche  Mechanikenindustrie  nicht  nur  ihre  herrschende  Stellung  im  Inlande  siegreich  behauptet,  sondern
auch  außerhalb  der  deutschen  Grenzen  mit  jedem  Jahre  neue  und  glänzende  Errungenschaften  aufzuweisen.
In  diese  Zeit  des  Aufblühens  des  genannten  Geschäftszweiges  fällt  die  Entstehung  der  Firma
H.  F.  Flemming,  die  von  dem  jetzigen  Seniorchef  des  Hauses,  Herrn  Hermann  Franz  Flemming,
im  Jahre  1874  gegründet  wurde.  Schon  im  Jahre  1876  sah  sich  die  Firma  zum  Bau  eines  eigenen
Fabrikgebäudes  genötigt.  Dieses  stellte  sich  binnen  kurzem  als  zu  klein  heraus,  so  daß  im  Jahre  1881  zu  einem
Neubau  geschritten  werden  mußte.  Es  folgten  noch  weitere  Vergrößerungen,  bis  sich  im  Jahre  1895  die  Firma
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        bedeutend  vergrößert  und  damit  die  Fabrikation  von  Schrauben  und  Metallteilen  verbunden.  Desgleichen  wurde
eine  galvanische  Anstalt  nebst  Schleiferei  geschaffen,  sowie  zum  Bau  der  erforderlichen  Spezialmaschinen  eine
eigene  Maschinenbau-Abteilung  eingerichtet,  ferner  ein  Sägewerk  erbaut,  um  die  Hölzer  selbst  einschneiden  zu

Teilansicht  des  Holzlagers

Besondere  Sorgfalt  wurde  auf  die  Duft-  und  Wärmetrockenräume  verwandt,  da  bekanntlich  ein  gut  gepflegter
Holzbestand  ein  Haupterfordernis  für  die  Mechanikenfabrikation  ist.  Von  dem  Bestreben  geleitet,  nur  bestes
Material  zu  verarbeiten  und  peinlichste  Präzisionsarbeit  zu  liefern,  wurde  zugleich  die  Nadlerei  und  Schlosserei

Maschinenraum

zum  Bau  einer  vollständig  neuen  Fabrikanlage  entschloß.  Es  wurde  eine  durchaus  einheitliche  Anlage  geschaffen
und  mit  allen  der  Neuzeit  entsprechenden  technischen  und  maschinellen  Einrichtungen  versehen.
Diese  Neuanlage  bedeckt  jetzt  mit  Holzlagerplätzen  und  Schuppen  einen  Flächenraum  von  zirka  22  000  qm.
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        können.  Das  letztere  entwickelte  sich  zu  einem  Nebenbetrieb,  aus  dem  dann  die  als  Abteilung  II  geführte
bedeutende  Holzhandlung  mit  allen  in-  und  ausländischen  Hart-  und  Weichhölzern  hervorging.
Im  Jahre  1906  trat  der  Sohn  des  Gründers,  Herr  Dr.  jur.  Walther  Flemming,  nach  gründlicher

Dampfsägewerk

technischer  und  praktischer  Ausbildung  als  Teilhaber  in  die  Firma  ein.  Ein  tatkräftiger  Mitarbeiter  ist  Herr
Prokurist  Hugo  Hüfner  —  Schwager  des  Herrn  Hermann  Franz  Flemming  —  der  seit  28  Jahren  die
Firma  vertritt.
Die  Fabrikation  besteht  in  der  Herstellung  von  Piano-  und  Flügelmechaniken  erster  Qualitäten.  Die

Schlosserei  und  Maschmcnbauanstalt
Firma  zählt  den  größten  Teil  der  bekanntesten  Pianofortefabrikanten  des  In-  und  Auslandes  zu  ihren
Abnehmern.  Der  Export  umfaßt  fast  alle  europäischen  Ränder,  vornehmlich  Schweden,  Norwegen,  Österreich,
England,  Rußland,  sowie  auch  Australien  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.
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        Die  Grundlage  zur  gesamten  Fabrikation  bildet  der  gut  gepflegte  Holzbestand,  der  einen  Wert  von  mehr
als  einer  viertel  Million  Mark  repräsentiert.  Andere  sehr  wichtige  Bestandteile  sind  die  Garnierstoffe  und  Filze,
die  in  großen  Mengen  in  nur  erstklassiger  Qualität  zur  Verarbeitung  gelangen  und  von  den  bedeutendsten

Fräserei
Firmen  Deutschlands  bezogen  werden.  Den  äußerst  wichtigen  Casimir  zum  Austuchen  der  Achsenlöcher ­
  liefert  die  bekannte  Firma  Johann  Erckens  Söhne,  Aachen,  während  die  Filze  von
J.  D.  Weickert,  Deipzig,  und  Ambr.  Marthaus,  Oschatz,  beides  erste  Firmen  ihres  Fabrikationszweiges, ­
  hergestellt  werden.

Tischlerei
Fin  großer  Teil  des  Betriebes  ist  der  Herstellung  von  Flügelmechaniken  gewidmet.  In  diesem  Artikel
ist  die  Firma,  was  Größe  der  Produktion  und  Güte  der  Herstellung  anbetrifft,  durchaus  maßgebend.
Die  Fabrikation  vollzieht  sich  in  der  Weise,  daß  die  aus  allen  Gegenden  Deutschlands,  aus  Amerika,
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        Rußland  und  Österreich  bezogenen  Hölzer  zunächst  in  dem  eigenen  Sägewerk  auf  großen  Horizontalsägen
zu  Bohlen  zerschnitten  werden.  Diese  kommen  dann  in  großen  Stapeln  zur  Aufstellung,  und  zwar,  je  nach
Eigenart  des  betreffenden  Holzes,  teils  im  Freien,  teils  unter  Schuppen.  Hier  verbleibt  es  mehrere  Jahre,

Bohrersaal
bis  es  gründlich  ausgetrocknet  ist.  Um  die  letzte  Spur  von  Feuchtigkeit  zu  entfernen,  wird  das  Holz  vor
dem  Verbrauch  noch  viele  Monate  in  den  Trockenkammern  gelagert,  wovon  die  Firma  3  besitzt,  die
ständig  1200  fm  Holz  aufnehmen.
Nach  dem  völligen  Austrocknen  werden  dann  die  Bohlen  auf  einer  großen  Anzahl  sogenannter

Montierungs-  und  Garnierungssaal
Plattensägen  in  Dickten  von  der  jeweils  benötigten  Stärke  zerschnitten.  Die  Dickten  passieren  dann  den
Maschinensaal.  Hier  werden  sie  von  den  mannigfaltigsten  Maschinen  bearbeitet,  bis  sie  ihn  als  lange,  der
Form  der  einzelnen  Glieder  entsprechende  Deisten  verlassen.  Im  Bohrersaal  werden  die  Deisten  zunächst
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        /V
in  Glieder  zerschnitten,  dann  gebohrt  und  gefräst,  bis  sie  in  der  Garnierabteilung  mit  allerhand  Tuchen,
Stoffen,  Filzen  und  Federn  versehen  werden.  Endlich  folgt  das  Zusammenfügen  und  Zusammenschrauben
der  Teile,  dem  sich  das  Montieren  der  Mechaniken  anschließt.
Die  Fabrikation  sämtlicher  Teile  wird  äußerst  sorgfältig  betrieben.  Die  Arbeiterschaft  ist  in  eine
große  Anzahl  Unterabteilungen  gegliedert,  von  denen  jede  durch  einen  Vorarbeiter  beaufsichtigt  und  geleitet
wird,  der  zugleich  der  verantwortliche  Kontrolleur  der  fertigen  Arbeit  ist.  Dieser  überliefert  sein  Erzeugnis
der  nächsten  Verarbeitungsstelle  nicht  früher,  bis  er  von  der  besten  Beschaffenheit  der  Ware  überzeugt
ist.  Es  sind  deshalb  nicht  weniger  als  zirka  40  Meister  und  Vorarbeiter  angestellt.  Auch  bevor  die  Mechaniken
die  Fabrik  verlassen,  werden  sie  wiederholt  in  mehreren  Kontrollstellen  untersucht,  die  ständig  unter
besonderer  Aufsicht  der  Chefs  stehen.  Erst  nachdem  die  Mechaniken  hier  geprüft  wurden,  kommen  sie
zum  Versand.
Hergestellt  werden  jährlich  14  bis  15000  Stück,  davon  4  bis  5000  Flügelmechaniken.  Eine  besondere
Spezialität  der  Firma  bildet  die  Fabrikation  von  Piano-  und  Flügelhammerköpfen,  die  zumeist  zu  den
Mechaniken  gleich  mitgeliefert  werden.
Die  Fabrikanlage  bedeckt,  wie  bereits  erwähnt,  einen  Flächenraum  von  zirka  22  000  qm.  Davon  sind
bebaut;  650  qm  mit  Schuppen  zur  Unterbringung  der  Holzvorräte  usw.  und  zirka  3000  qm  mit  Fabrikanlagen. ­
  18350  qm  sind  Eagerplätze.  Diese  sind  mit  Gleisanschluß  an  die  Sächs.-Thüringische  Staatseisenbahn ­
  versehen.  Zum  Entladen  der  Eisenbahnwaggons  ist  eine  Rampe  von  100  m  Eänge  vorhanden.
Ferner  durchziehen  Feldbahngleise  das  Areal  nach  allen  Richtungen.
Die  Fabrik  enthält  in  3  Stockwerken  zirka  5000  qm  Arbeitsräume  und  ist  mit  allen  technischen  Hilfsmitteln ­
  versehen.  Besonders  ist  auf  größtmöglichste  Feuersicherheit  Bedacht  genommen.  Durch  Angestellte
der  Firma  wird  auch  eine  eigene  Fabrikfeuerwehr  unterhalten.
Die  nötige  Betriebskraft  wird  durch  eine  175  PS.  Hochdruckdampfmaschine  erzeugt,  für  welche  2  Kessel
mit  200  qm  Heizfläche  den  notwendigen  Dampf  liefern.  Ferner  liefert  das  Gemeindeverbands  -  Elektrizitätswerk ­
  Feipzig-Fand  Strom  für  50  PS.  elektromotorische  Kraft.  Der  Abdampf  wird  hauptsächlichst  zur
Heizung  der  Trockenanlagen  verwendet,  in  der  kalten  Jahreszeit  außerdem  noch  zur  Erwärmung  der  Fabrikräume. ­
  Eine  eigene  Fichtzentrale  liefert  den  elektrischen  Strom  zur  Beleuchtung  des  Etablissements.  Die
Fabrik  verwendet  zirka  400  Spezialmaschinen  und  Apparate,  die  zumeist  der  eigenen  Maschinenbau  -  Anstalt
entstammen.
Das  Personal  besteht  aus  14  kaufmännischen  und  technischen  Angestellten,  den  vorerwähnten  zirka
40  Meistern  und  Vorarbeitern  und  zirka  300  Arbeitern.  Von  diesen  konnten  bereits  eine  große  Anzahl  ihr
25jähriges  Arbeitsjubiläum  begehen  und  5  für  mehr  als  30  jährige  Tätigkeit  durch  das  Allgemeine  Ehrenzeichen ­
  des  sächsischen  Staates  ausgezeichnet  werden.
Dem  Seniorchef,  Herrn  H.  F.  Flemming,  wurde  das  Ritterkreuz  I.  Klasse  des  Königlich  Sächs.  Albrechtsordens
  durch  Se.  Majestät  den  König  von  Sachsen  verliehen.  Anläßlich  der  Sächsisch-Thüringischen  Industrieund
  Gewerbeausstellung  im  Jahre  1897  inFeipzig  erhielt  die  Firma  die  Große  Goldene  Medaille,  Ehrenpreis  der
Stadt  Feipzig,  die  einzighöchste  Auszeichnung,  die  für  diesen  Geschäftszweig  verliehen  wurde.

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V
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        H.  F.  Flemming,
Abteilung  1:  Flügel-  und  Pianomechanikenfabrik,
Abteilung  11:  Dampfsägewerk  und  Holzhandlung,
Leipzig-Leutzsch
Franz  Flemmingstraße  4.

[  /  N  [eit  etwa  Mitte  der  sechziger  J  ahre  des  vorigen  J  ahrhunderts  hat  die  deutsche  Industrie  bekanntlich
[  [  auf  allen  Gebieten  einen  starken  Aufschwung  genommen,  der  sie  mehr  als  je  zuvor  instand  setzte,
[  k  J  [  sich  mit  ihren  Erzeugnissen  denen  aller  übrigen  Industrieländer  ebenbürtig  an  die  Seite  zu  stellen
und  auf  das  Erfolgreichste  mit  ihnen  in  Wettbewerb  zu  treten.
Dem  Geschäftszweig,  den  die  Firma  H.  E.  Flemming,  Eeipzig-Eeutzsch  vertritt,  kam  dabei

Fläthenraum  22000  0  mtr.

Gesamtansicht
besonders  der  Umstand  zustatten,  daß  durch  die  militärische  Besetzung  Frankreichs  während  der  Kriegs]  ahre  1870
und  1871  der  geschäftliche  Verkehr  mit  diesem  Bande  längere  Zeit  hindurch  gänzlich  unterbrochen  war.  Die
deutsche  Pianoforte-Industrie  sah  sich  deshalb  genötigt,  ihren  Bedarf  an  Mechaniken  inzwischen  ausschließlich
aus  dem  eigenen  Bande  zu  beziehen,  was  zur  unmittelbaren  Folge  das  Aufblühen  dieses  Industriezweiges  hatte,
der  bis  dahin  in  Deutschland  nur  durch  einige  bedeutendere  Etablissements  vertreten  war.  Seitdem  hat  die
deutsche  Mechanikenindustrie  nicht  nur  ihre  herrschende  Stellung  im  Inlande  siegreich  behauptet,  sondern
auch  außerhalb  der  deutschen  Grenzen  mit  jedem  Jahre  neue  und  glänzende  Errungenschaften  aufzuweisen.
In  diese  Zeit  des  Aufblühens  des  genannten  Geschäftszweiges  fällt  die  Entstehung  der  Firma
H.  F.  Flemming,  die  von  dem  jetzigen  Seniorchef  des  Hauses,  Herrn  Hermann  Franz  Flemming,
im  Jahre  1874  gegründet  wurde.  Schon  im  Jahre  1876  sah  sich  die  Firma  zum  Bau  eines  eigenen
Fabrikgebäudes  genötigt.  Dieses  stellte  sich  binnen  kurzem  als  zu  klein  heraus,  so  daß  im  Jahre  1881  zu  einem
Neubau  geschritten  werden  mußte.  Es  folgten  noch  weitere  Vergrößerungen,  bis  sich  im  Jahre  1895  die  Firma
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