<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Kurzer Bericht über Arbeiten zu Eignungsprüfungen für Flieger-Beobachter</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Wilhelm</forname>
            <surname>Benary</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1014961696</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        Sonderabdruck  aus  der
Zeitschrift  für  angewandte  Psychologie  Hd.  16
[Die  innen  auf  Jeder  Seite  in  Klammern  stehenden  Ziffern
geben  die  Band-  und  Seitenzahlen  der  Zeitschrift  an.]

Adressen  der  Schriftleitwng:
Dr.  Otto  Lipmann,  Kleinglienicke  bei  Potsdam,  WannseestrafJe.
Prof.  Dr.  W.  Stern,  Hamburg  13,  Bei  Sankt  Johannis  10.

1.

Das  Ziel  der  „Schriften“  ist:
möglichst  alle  wissenschaftlichen  Arbeiten  über  Psychologie  der  Bernfseignung
  und  des  Wirtschaftslebens  an  einer  Steile  zu  sammeln  und  sie
denjenigen,  die  für  die  Gesamtheit  der  Fragen  Interesse  haben  (als
da  sind:  Psychologen  und  Volkswirtschaftler,  Berufsberatungsstellen,  soziale,
wirtschaftliche  und  pädagogische  Organisationen)  im  Abonnement  zugänglich ­
  zu  machen,
die  einzelne  Arbeit  auf  möglichst  leichte  Art  dem  besonderen  Interessentenkreis ­
  des  in  ihr  behandelten  Themas  durch  Einzelvertrieb
zugänglich  zu  machen.

2.

1.
2.

3.

5.

7.

8.

Bisher  sind  die  folgenden  Hefte  der  „Schriften“  erschienen:
LIPMANN,  Wirtschaftspsychologie  und  psychologische  Berufsberatung.
Preis;  M.  1,2(3
W.  STERN,  Über  eine  psychoiogischeEignungspriifungfiirStraßenbahnfahreriuueu.
  Preis:  M.  —.60
LIPMANN  und  KRAIS,  Die  Berufseignung  der  Schriftsetzer.
Preis:  M.  1.60
HEINITZ,  Vorstudien  über  die  psychologischen  Arbeitsbedingungen
des  Maschinenschreibens.  Preis:  M.  2.10
ULRICH,  Die  psychologische  Analyse  der  höheren  Berufe  als  Grundlage ­
  einer  künftigen  Berufsberatung.  Preis:  M.  1.60
DÜCK,  Die  Berufseignung  der  Kauzleiangestellten.  Nebst  einer  Mitteilung ­
  von  Dr  Stefan  von  Mäday.  Preis;  M.  —.80
BRAUNSHAUSEN,  Psychologische  Personalbogen  als  Hilfsmittel  für
Pädagogik  und  Berufsberatung.  Preis:  Al.  1.50
BENARY,  KRONEELD,  E.  STERN,  SELZ,  Untersuchungen  über  die

psychische  Eignung  zum  Flugdienst.  Preis:  M.  4.50
9.  LIPMANN,  Die  psychische  Eignung  der  Funkentelegraphisten,
Preis;  M.  1.80
10.  MARTENS,  Psychologie  und  Verkehrswesen.  Preis:  M.  1.05
11.  LIPMANN  und  STOLZENBERG,  Methoden  zur  Auslese  hochwertiger
Facharbeiter  der  Metallindustrie.  Preis:  M.  3.60
12.  BENARY,  Eignungsprüfungen  für  Fliegerbeobachter  II  (Orientierungsfähigkeit).
  Preis:  M.  3.—
13.  STEINMETZ,  Fragen  zur  Erforschung  des  Wirtschaftslebens  und
HENNING,  Wirtschaftspsychologie.  Preis:  M.  B.60
Der  im  Oktober  1919  festgesetzte  Verleger-Teuerwngsaufschlag  ist  in  den
Preisen  inbegriffen.

:

x
        <pb n="2" />
        '*£
Bibliothek  %

[16,  250]

(Aus  dem  psychologischen  Laboratorium  der  Universität  Hamburg.)

Kurzer  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen
für  Flieger-Beobachter.

Von
W.  Benaet.

II.  Teil.

Mit  2  Tafeln.

Inhalt.
Einleitung.
2.  Bericht  über  Eignungsprüfungen  im  Sommer  1918  und  Protokolle.
I.  Allgemeines.
II.  Bio  einzelnen  Prüfungen  für:
a)  Wiedererkennen.
b)  Wegegedächtnis.
c)  Unterscheiden  ähnlicher  Figuren  aus  dem  unmittelbaren
Gedächtnis.
d)  Herauserkennen  einer  Gestalt  aus  einer  komplexen  Gesamtflgur.

e)  Finden  der  Richtung.
III.  Die  Leistungen  der  einzelnen  Prüflinge.
1.  Einleitung.
Im  ersten  Teil  dieses  Berichts 1  wurde  die  Veröffentlichung
er  technisch  einfachen  Prüfungen  der  Beobachtungsgabe ­
  und  Orientieruugsfähigkeit  in  Aussicht  gestellt,
le  im  Anschlufs  an  die  dort  (Abschnitt  III,  2)  gegebene  Analyse
soll  k° mmer  1918  von  mir  ausgearbeitet  wurden.  Im  folgenden
diese  Veröffentlichung  insoweit  erfolgen,  als  mit  diesen  Anhängen ­
  praktisch  gearbeitet  worden  ist.  Wie  auch  weiterhin
° n t,  handelt  es  sich  dabei  im  Verhältnis  zur  Gröfse  des
___^mkreises  um  erste  Versuche,  um  Stichproben,  nicht
I* 1  ZAngPs  15,  S.  161  ff.  und  diesen  Schriften  Heft  8.
1*
        <pb n="3" />
        4

W.  Bmary.

[16,  251]

systematische  Bearbeitung  der  in  Frage  kommenden  komplizierten ­
  Problemgruppen.  Da  diese  theoretische  Durcharbeitung
späteren  Studien  Vorbehalten  bleiben  soll,  ist  hier  auf  die  Mitteilung ­
  aller  Erwägungen  und  Versuche,  die  im  Zusammenhang
mit  den  vorliegenden  Prüfungen  angestellt  wurden,  verzichtet.
In  diesem  Rahmen  glaube  ich  einen  Überblick  am  besten
an  Hand  eines  Berichtes  geben  zu  können,  den  ich  an  die
Sanitätsabteilung  des  kommandierenden  Generals  der  Luftstreitkräfte ­
  einreichte.  Dieser  Bericht  betrifft  Eignungsprüfungen,  die
in  Hannover  in  den  letzten  August-  und  den  ersten  Septembertagen ­
  1918  durchgeführt  -wurden.  Ihm  ist  in  Tabellen  eine  Übersicht ­
  über  die  Ergebnisse  derselben  Prüfungen  an  einem  etwas
gröfseren  Kreis  von  Vpn,,  und  zwar  Nichtfliegern,  beigefügt.
Die  Vergleichsprüfungen  fanden  im  psychologischen  Laboratorium
in  Hamburg  statt,  w t o  auch  die  Ausarbeitung  der  Methodik  erfolgte. ­
  Diese  Mitteilungen  würden  aber  noch  keinen  Einblick
in  die  Fülle  psychologischer  Probleme  ermöglichen,  die  für  derartige ­
  Prüfungen  von  Bedeutung  sind,  und  gerade  diese  Probleme
sind  es,  die  meiner  Meinung  nach  für  zureichende  Eignungsprüfungen ­
  eine  gründliche  Bearbeitung  unbedingt  erfordern. ­

Um  einen  solchen  Einblick  und  zugleich  ein  Urteil  darüber
zu  ermöglichen,  inwieweit  in  den  vorliegenden  Prüfungen  charakteristiscne
  Verhaltungsweisen  der  Geprüften  getroffen  sind,
werden  deshalb  zu  den  im  Zimmer  durchgeführten  Versuchen
(zu  den  Versuchen  im  Flugzeug  war  es  nicht  möglich)  genaue
Protokolle  von  drei  psychologisch  geschulten  Vpn.  gegeben,  die
ich  nach  Abschlufs  der  Hamburger  Versuche  im  Sommer  1919
in  Frankfurt  a.  M.  erzielen  konnte.  Ich  bin  für  diese  Protokolle
den  Herren  Dr.  Gelb  (Vp.  20),  Dr.  Skubich  (Vp.  21)  und  Prof.
Dr.  Goldstein  (Vp.  22)  zu  besonderem  Dank  verpflichtet.  Jedem
Protokoll  ist  eine  kurze  Zusammenfassung  beigefügt,  die  jedoch
nur  einige  wichtige  Gesichtspunkte  herausheben  soll,  ohne  theoretisch ­
  dazu  Stellung  zu  nehmen.  Die  Schwierigkeit,  nicht  zu
wenig  und  nicht  zu  viel  zu  sagen  war  hier  grofs,  da  der  Rahmen
der  gestellten  Aufgabe  durchaus  innegehalteu  werden  sollte.
Dabei  kam  es  nicht  darauf  an,  völlig  neue  und  bisher  unbekannte
Tatsachen  aufzuzeigen,  sondern  sie  in  ihrem  besonderen  Zusammenhang ­
  und  Zweck  für  diese  bestimmten  Anforderungen
deutlich  zu  machen.
        <pb n="4" />
        [16,  252]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  5

Durch  die  Mitteilung  dieser  genauen  Protokolle  erschien  mir
der  Abdruck  der  von  den  Prüflingen  in  Plannover  gemachten
Angaben  überflüssig.  Sie  sind  deshalb  hier  weggelassen,  und
nur  die  quantitativen  Ergebnisse  der  Hannoverschen  Prüfungen
mit  den  zum  Verständnis  unbedingt  notwendigen  Erklärungen
sind  stehengeblieben.  Da  durch  die  ausführlichen  Protokolle  die
wichtigen  psychologischen  Momente  weitaus  klarer  hervortreten,
brauchte  dem  Leser  die  Durcharbeitung  eines  noch  umfangreicheren ­
  Tatsachenmaterials  nicht  zugemutet  zu  werden.
Es  mufs  jedoch  betont  werden,  dafs  es  nicht  genügt, ­
  diese  Protokolle  nur  zu  lesen,  und  dafs  vollends
oin  Beachten  allein  der  Zusammenfassungen  völlig
sinnlos  wäre.  Ihren  Zweck  können  die  Protokolle
nur  erfüllen,  wenn  der  Leser  an  Hand  der  beigegebenen ­
  Tafeln  die  Prüfungen  mit  den  Protokollen
fortlaufend  selbst  mitmacht.  Nur  so  kann  das  Verständnis ­
  für  Methode  und  Gegenstand  der  Prüfung
lebendig  werden.
Nach  dem  Gesagten  dürfte  es  völlig  klar  sein,  dafs  es  sich
hier  ebensowenig  wie  bei  dem  ersten  Teil  dieses  Berichts  um
fertige  Ergebnisse  handelt.  Es  ist  vielmehr  der  Versuch
gemacht,  einen  Weg  zum  Erkennen  der  wichtigen  Ge-S1
 chtspunkte  zu  finden.
Deshalb  ist  auch  der  vorliegende  Bericht  an  die  Sanitätsa
 bteilung  des  kommandierenden  Generals  der  Luftstreitkräfte  als
e m  erster  Versuch  angesehen  worden.  Seine  Wertungen  kamen
fdr  die  dienstliche  Beurteilung  der  Geprüften  nicht  in  Betracht.
■h  Bericht  über  Versuche  zur  psychologischen  Eignungsprüfung
Wr  Beobachter  bei  der  Elieger-Ersatzabteilung  5  in  Hannover.
I.  Allgemeines.
Die  Arbeiten  wurden  in  Hannover  an  4  Tagen  durchgeführt,
Vormittag  für  die  Reise  Hamburg-Hannover  und  ein
g  für  die  Rückreise  gebraucht  wurde.  Am  ersten  Nachnuttag ­
  übte  ich  mit  zwei  mir  zur  Verfügung  gestellten  Leuten
8  Auslegen  von  Sichtzeichen,  das  für  den  Versuch  d  (s.  u.)
n °twendig  ist,  und  flog  selbst,  um  für  diesen  Versuch  die  ge-^ueren
  Anweisungen  geben  zu  können.  In  den  übrig  bleibenden
/s  Arbeitstagen  wurden  folgende  Herren  geprüft:

wobei  ein
Nachmittf
        <pb n="5" />
        6

W.  Benary.

[16,  253]

1.  Leutnant  E.,  Beobachter-Vorschüler;  fertig  mit  dem  Lehrgang ­
  der  Beobachter-Vorschule,  unmittelbar  vor  Versetzung
zur  Beobachter-Schule.
2.  Leutnant  P.,  Beobachter-Vorschüler;  hatte  angefangen  als
Führer  zu  schulen,  mufste  aber  aufgeben  und  umschuien,
weil  es  ihm  unmöglich  ist,  bei  Nebel  oder  in  Wolken  zu
fliegen.
3.  Leutnant  S.,  Beobachter  ohne  Abzeichen,  Stammoffizier
der  Flieger-Ersatzabteilung,  im  Felde  nach  dem  4.  Feindflug ­
  abgeschossen.
4.  Leutnant  K.,  Beobachter  mit  Abzeichen,  Stammoffizier.
5.  Leutnant  M.,  Beobachter-Vorschüler;  noch  nicht  geflogen.
6.  Flieger  Ma.,  Beobachter-Vorschüler;  ist  schon  geflogen,
war  bei  der  Inspektion.  Zivilberuf:  Student  der  Geschichte. ­

7.  Offizierstellvertreter  A.,Beobachter-Vorschüler;  ist  14Tage
als  Fliegerschütze  ausgebildet  und  mehrmals  geflogen.
Zivilberuf:  Magistratsbeamter.
8.  Vizefeldwebel  L.,  Beobachter-Vorschüler;  als  Fliegerschütze ­
  und  Funker  ausgebildet  und  viel  geflogen.  Zivilberuf ­
  :  Ingenieur.
Die  Beobachter-Vorschüler,  aufser  Leutnant  E.,  beginnen
eben  erst  ihre  Ausbildung  als  Beobachter.  Eine  Beurteilung
über  sie  durch  die  Beobachter-Vorschule  ist  bisher  nicht  möglich,
soll  jedoch,  wenn  sie  nach  Schlafs  des  Lehrganges  erfolgt,  zum
Vergleich  mit  dem  durch  die  Prüfungen  gewonnenen  Urteil  hierher ­
  mitgeteilt  werden.  Es  wurden  5  verschiedene  Prüfungen
durchgeführt,  die  zusammen  für  jeden  Prüfling  8 / 4  Stunden  im
Zimmer  und  einen  kurzen  Platzflug  erforderten.  Leutnant  K.
konnte  nicht  an  allen  Prüfungen  teilnehmen,  da  er  dienstlich
zu  sehr  in  Anspruch  genommen  war.  Vizefeldwebel  L.  konnte
den  Flug  nicht  mehr  ausführen,  zu  dem  er  als  letzter  angesetzt
war,  weil  das  Fliegen  abgebrochen  werden  mufste.  Angewandt
wurden  die  in  meinem  Bericht  vom  29.  Juli  d.  J.  angegebenen
einfachen  Prüfungen,  mit  Ausnahme  der  dort  beschriebenen
Prüfung  für  das  Finden  der  Richtung,  die  durch  eine  andere
ersetzt  wurde. 1

1  Der  Inhalt  dieses  Berichtes  ebenso  wie  der  mehrerer  früherer  Berichte ­
  kann  hier  unberücksichtigt  bleiben;  nur  durch  einige  unwesentliche
        <pb n="6" />
        [16,  254J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  /'.  Flieger-Beobachter.  7

Bei  Beginn  der  Prüfungen  wurde  folgende  allgemeine  Anweisung ­
  gegeben:  „Es  sollen  hier  einige  Versuche  durchgeführt
werden.  Dazu  werde  ich  Ihnen  Aufgaben  stellen,  die  recht  verschieden ­
  von  denen  sind,  die  Sie  hier  sonst  bei  der  Ausbildung
zu  lösen  haben.  Ich  bitte  deshalb,  dafs  Sie  bei  der  Erklärung,
die  ich  Ihnen  vor  jedem  Versuch  gebe,  sofort  fragen,  wenn
Ihnen  irgend  etwas  noch  nicht  ganz  klar  ist,  damit  wir,  wenn
der  Versuch  beginnt,  uns  dann  auch  ganz  und  gar  verstanden
haben,  und  das  Ergebnis  nicht  durch  ein  Mifsverständnis  beeinträchtigt ­
  wird.“

II.  Die  einzelnen  Prüfungen.

Beabsichtigt  ist,  die  Beobachtungsgabe,  mit  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  Aufgaben  der  Orientierung,  durch  einige
technisch  einfache  Stichproben  einzelner  Leistungen  zu  prüfen.
Die  gestellten  Aufgaben  sollen  keine  .  fliegerische  Ausbildung
voraussetzen.

a)  Wiedererkennen.

Es  soll  die  Fähigkeit  geprüft  werden,  Gestalten,  die  in  einer
bestimmten  Lage  ohne  alle  ablenkenden  peripheren  Zutaten  zur
Einprägung  dargeboten  sind,  in  anderer  Lage  und  in  einem
gröfseren  Komplex  wiederzuerkennen;  dabei  mufs  die  Verwechslung ­
  mit  ähnlichen  Gestalten  vermieden  werden.  Diese  Leistung
wird  in  der  Praxis  bei  der  Orientierung  verlangt,  wenn  Strafsenkreuzungen, ­
  Dörfer  und  ähnliches,  die  als  Orientierungspunkte
dienen  sollen,  nach  der  Karte  im  Gelände,  oder  umgekehrt,  gesucht ­
  werden.  Die  Drehung  der  Gestalten  in  Karte  und  Gelände
gegeneinander  entsteht  durch  Verschiedenheit  der  Betrachtungsrichtung ­
  zu  beiden,  da  die  Karte  nicht  immer  nach  dem  Gelände
gedreht  sein  kann.
Die  im  Versuch  verwandten  Bildkarten  sind  nach  Luftbildern
gezeichnet.  Es  wurden  dabei  für  jede  Serie  zwei  oder  drei  Luftbilder ­
  zugrunde  gelegt,  und  die  in  diesen  enthaltenen  Elemente
Mehrfach  verwandt,  um  ähnliche  Partien  der  Bilder  zu  erhalten,
di®  das  Wiedererkennen  erschweren.  Von  der  Komplexion  des
wirklichen  Karten-  und  Landschaftsbildes  ist  abstrahiert,  nur

Elemente  sind  verwandt.  Wir  bezeichnen  die
a  7" u B°a  gegenüber  dem  eingereichten  Originaltexte  ist  im  folgenden
'hre  Angaben  bei  der  Beschreibung  der  Anordnungen  Bezug  gewonnen. ­
        <pb n="7" />
        8

W.  Benary.

[16,  255  ]

greiseren  (8  '/a  X  H  cm),  das  komplexe  Bild  tragenden  Karten
als  Sortierkarten,  die  kleineren  Karten  als  Vorlagen.  Es  sind
5  Serien  gezeichnet;  jede  Serie  besteht  aus  6  Sortierkarten  und
einer  Vorlage.  Die  Serien  gehören  zu  zwei  Gruppen:  erste
Gruppe  Serie  A,  B,  C;  zweite  Gruppe  Serie  D,  E.  Bei  der
zweiten  Gruppe  ist  das  Erkennen  des  Bildes  durch  Tupfen  mit
weifser  Tinte,  welche  die  Zeichnung  zum  Teil  verdecken,  erschwert. ­
  Dadurch  sollen  die  Verhältnisse  bei  undeutlicher  Sicht
nachgeahmt  werden,  die  manchen  Beobachter,  der  bei  klarer
Sicht  vollkommen  sicher  ist,  sehr  stark  zu  stören  vermögen.  Die
Bilder  der  Serie  A  und  E  sind  nach  Bahnanlagen  und  Wegenetzen ­
  gezeichnet  (z.  B.  dienten  bei  A  Luftbilder  der  Bahnhöfe
von  Braunschweig  und  Lehrte  als  Unterlagen),  Serie  B  und  D
nach  Grabenanlagen,  Serie  C  nach  Trichterfeldern.
Vgl.  Tafel  I,  Abbildungen  Versuch  a.  Die  Karten  liegen  so,
dafs  immer  zwei  Reihen  eine  Serie  bilden.  Die  Serien  liegen
von  oben  nach  unten  der  Reihe  nach  von  A  bis  E.  Die  erste
Zeile  enthält  Karte  1  —  3,  die  zweite  4—6;  links  die  Vorlage  zu
jeder  Serie.  Die  Abbildungen  zu  Serie  D  find  E  sind  leider  nicht
genau  entsprechend:  die  Verdeckung  durch  die  weifsen  Tupfen
war  auf  den  Karten  nicht  so  stark  wie  in  den  Abbildungen,
da  die  Tupfen  etwas  durchsichtig  waren,  was  sich  auf  der  Abbildung ­
  nicht  darstellen  liefs.
Zur  Prüfung  wird  der  Stofs  Sortierkarten,  die  der  Reihe
nach  von  Al  bis  E6  liegen,  mit  der  oben  liegenden  Karte  Al
dem  Prüfling  gezeigt  und  folgende  Anweisung  gegeben:  „Sie
sehen  hier  einen  Stofs  Karten,  von  denen  jede  ein  solches  Bild
trägt.  Diese  Bilder  sind  gezeichnet  nach  Luftbildern  von  Bahnen
und  Wegen,  wie  diese  Karte,  andere  nach  Gräben  und  Trichtern.
Ich  habe  hier  nun  noch  andere  Karten  (die  Vorlagen  werden,
nur  von  der  Rückseite,  gezeigt),  die  eine  Einzelheit,  ein  Detail,
darstellen,  das  in  einigen  dieser  (Sortier-)Karten  enthalten  ist,
in  anderen  nicht.  Sie  bekommen  die  Aufgabe,  herauszufinden,
auf  welchen  Karten  diese  Einzelheit  mit  in  dem  Bilde  enthalten ­
  ist.  ünd  zwar  mufs  sie  genau  so  sein  wie  auf  der  Vorlage, ­
  nicht  nur  ähnlich.  Sie  kann  aber  anders  gedreht  sein,
wie  auf  der  Vorlage,  aber  nur  gedreht,  nicht  als  Spiegelbild,
also  herumgeklappt;  verstehen  wir  uns  damit  richtig?  Wir  werden
es  nun  so  machen:  Ich  lege  Ihnen  hier  eine  Vorlage  mit  der
Einzelheit  hin,  um  die  es  sich  handelt,  und  zeige  Ihnen  dann
        <pb n="8" />
        Versuch  b
        <pb n="9" />
        CO

Ergebnis  :

Käme

Serie  A

Serie  B

Serie  C

Serie  D

Serie  E

Fehler

Richtige  Lösung

3e,  5f

3be,  4c£

2ad,  6c

4c,  6cf

2bc  1

+

—

Lt.  E.

3e,  5f

Ibe,  3e,  4f

lef,  2ade,  3de,
5be,  6c

4cb,  6cf

3c,  öde

6

1

Lt.  P.

3e,  öf

Ide,  3b,  4f

2ad,  öd,  6c

4  c,  6cf

2bc

2

0

Lt.  S.

3e,  5f

le,  2bc,  4f

5bc,  6c

fbc,  4c,  6cf

1b,  4a,  6e

7

3

Lt.  K.

3e,  6f

Ide,  2bc,  3bc,  4f

2ad,  6c

4c,  6cf

2bc

2

0

Flg.  Ma.

3e,  5f

3bc,  4f

2ad,  5b,  6c

3c,  4c

2b

2

1

Lt.  M.

3e,  5f

labd,  2bd,  3b
4f,  6de

6c

1b,  4e,  5bc,  6cf

1b,  2bc,  3d,  4a,
5f,  6e

11

2

Offiz.-Stellv.  A.

3e.  5f

2bc,  3be,  4cf

lef,  2ad,  3d,  4cf,
5be,  6c

Ibc,  4c

4a,  5f,  6a

9

2

Vizefeldwebel  L.

3e,  5f

1c,  2a,  3be,  4f,  6e

If,  5b,  6c

4  c,  5c,  6cf

1b,  5c,  6e

9

2

1  Die  Karte  E4,  welche  die  Vorlage  in  c  enthalten  sollte,  war  nicht  genau  gezeichnet,  und  es  wurde  deshalb  bei  der
Wertung  nicht  berücksichtigt,  dafs  keine  Vp.  4c  angab.

[Iß,  256  J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.
        <pb n="10" />
        10

W.  Benary.

[16,257]

der  Reihe  nach  hier  die  dazu  gehörenden  Bilder.  Sie  sehen,
dafs  jede  Karte  in  6  Vierecke  a,  b,  c,  d,  e,  f  eingeteilt  ist.  Wenn
Sie  nun  die  Figur  der  Vorlage  auf  einer  Karte  wiedererkennen,
so  geben  Sie  das  Viereck  oder  die  Vierecke  an,  in  dem  sie  liegt,
also  hier  a,  oder  hier  c  e,  ist  das  klar?  Wenn  Sie  sehen,  dafs
die  Figur  der  Vorlage  nicht  in  der  Karte  enthalten  ist,  so  sagen
Sie  es  bitte.  Sie  müssen  sich  bald  entscheiden,  denn  länger  als
.  eine  bestimmte  Zeit  kann  ich  Ihnen  die  Karte  nicht  liegen
lassen.“
Wenn  der  Prüfling  alles  verstanden  hat,  wird  ihm  erst  hie
Vorlage  vorgelegt,  die  während  des  Zeigens  der  dazugehörigen
Serie  Sortierkarten  liegen  bleibt.  Dann  werden  vom  VI.  die
Sortierkarten  der  Reihe  nach  daneben  vorgelegt,  die  folgende
immer  auf  die  vorige,  so  dafs  schliefslich  der  Stofs  in  umgekehrter ­
  Reihenfolge  liegt.  Vor  dem  Auslegen  der  Sortierkarten
läfst  man  ungefähr  15  Sek.  Zeit  zum  Ansehen  der  Vorlage.  Für
das  Betrachten  jeder  Karte  wird  bis  20  Sek.  Zeit  gelassen,  bei
Serie  C  bis  40  Sek.  Nach  der  Erledigung  von  Serie  A,  die  am
leichtesten  ist,  wird  der  Prüfling  noch  einmal  gefragt,  ob  er
über  alles  klar  ist.  Vorlagen  und  Sortierkarten  werden  stets  in
derselben  Lage  verwandt,  die  durch  die  auf  der  Rückseite
stehende  Bezeichnung  für  den  VI.  festgelegt  ist.  Der  Prüfling
darf  weder  die  Karten  noch  sich  selbst  drehen.  Wenn  der  Prüfling ­
  das  Viereck  angibt,  in  dem  er  die  Vorlage  wiedererkennt,
oder  auf  die  von  ihm  gemeinte  Stelle  zeigt,  wird  Karte  und
Viereck  vom  VI.  notiert.
s.  umstehende  Tabelle.
Als  Fehler  mit  +  ist  hier  die  Verwechslung  der  Vorlage
mit  einer  ähnlichen  Figur  bezeichnet,  mit  —  das  Nichtfinden
der  Vorlage.  Diese  Fehler  (—)  sind  im  allgemeinen  als  die
schwereren  innerhalb  jeder  Serie  anzusehen,  da  die  Verwechslung ­
  mit  ähnlichen  Gestalten  bei  manchen  Karten  sehr  nahegelegt ­
  ist,  während  ein  Nichtwiedererkennen  der  richtigen  Gestalt ­
  in  der  Sortierkarte  einen  deutlichen  Fehler  voraussetzt.
Die  einzelnen  Serien  bieten  verschiedene  Schwierigkeiten,  und
auch  zwischen  den  einzelnen  Karten  lassen  sich  geringe  Unterschiede ­
  nicht  vermeiden.  Nach  der  Zahl  der  gemachten
Fehler  ist  die  Ordnung  der  Serien  nach  zunehmender  Schwierigkeit ­
  :  A,  D,  B,  C,  E.  (Dieses  Ergebnis  stimmt  mit  den  Prüfungen
        <pb n="11" />
        [16,258]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  H

von  Nichtfliegern  überein.)  Das  Urteil  der  einzelnen  Prüflinge,
welche  Serie  die  gröfste  und  welche  die  geringste  Schwierigkeit
biete,  war  dagegen  verschieden:
Leichteste:  Schwerste:
E.:  A  D,  E
P.:  B  ?
S.:  A  C
K.:  A  E
Ma.:  A,  E  ?
M.:  A  C
A.:  A  B
Die  Leistungen  lassen  sich  in  3  Gruppen  ordnen.  Gut:  K.
D-,  Ma.  Mittel:  E.  Schlecht:  A.,  L.,  S.  und  M.
Ergebnisse  zum  Vergleich.
Die  Karte  E4  ist  neu  gezeichnet  und  von  Vp.  8  an  bei  der
e rtung  mit  berücksichtigt.  (4  c  richtige  Lösung.)
s.  umstehende  Tabelle.
.  #
,  Protokolle.
Vp.  20.
Vp.  hatte  diesen  Versuch  schon  einmal  3  Tage  vor  der
r °tokollaufnahme  gemacht  mit  folgendem  Ergebnis  (siehe  Tabelle
Vp.  20):
Vp.  war  im  ganzen  recht  sicher.  Zu  Serie  A  und  B  wurde
an gegeben,  dafs  sich  die  Vorlage  gut  einprägte  und  zunächst
na ch  dem  sehr  prägnanten  Vorstellungsbild  gesucht  wurde,  dann
er  eine  nähere  Analyse  vorgenommen  wurde,  wenn  das  Vorstellungsbild ­
  mit  der  gefundenen  Gestalt  in  der  Sortierkarte  zur
eckung  gebracht  werden  sollte.  Serie  C  wurde  als  ganz
an ders  wie  A  und  B  bezeichnet.  Vp.  fafste  die  Vorlagefigur
lc it  als  prägnante  Gestalt,  sondern  suchte  nach  Einzelheiten.
A] as  S anz e  Gebiet  der  Sortierkarte  wurde  nach  Zonen  abgesucht.
8  ln  Karte  2  die  Einzelheit  richtig  gefunden  wurde,  schnappte
eiß 01  ^gabe  der  Vp.  die  Vorlagefigur  mit  deutlicher  Bewegung
•  Iq  Serie  D  und  E  störte  die  Verdeckung  durch  die  weifsen
0  en  stark.  In  D6  wurde  die  richtige  Figur  gesehen,  doch
wur) 6  n ^ c bt  zum  positiven  Urteil  entschliefsen.  In  E
Teilt} 6  Vorla S e  u i c bt  als  Einheit  gefafst,  sondern  in  zwei
zerlegt.  Das  Wiedererkennen  war  deutlich  dadurch  ge-
        <pb n="12" />
        Vp.

Serie  A

Serie  H

Serie  C  -

Serie  D

Serie  E

+

—

1.

3e

6de

4bc,  6cf

Ibe,  Bef

3

6

2.

5f

3b

6c

4c

0

5

3.

3e,  5f

Ibe,  3be,  4f

2ad,  4f

4c,  6cf

3d,  4a,  Bde

5

2

4.

3e,  5f

4f,  Bb-6cf



5d

3

6

5.

3e,  Bf

2b,  3be,  4f

4e,  Bc

3d

3

4

6.

3e

2a,  4f

2ad,  6c

3bc,  6cf

2

4

7.

2de,  3e,  5f

lab,  3be,  4f.  6de

2ad,  Bb

Ibc,  6cf

2bc,  3d,  4a,  Bde

8

2

8.

3e,  5f

2b,  3b,  4f

4c,  6c

4c

1

3

9.

3e,  5f

4f

Ibc,  4c,  6c

2c,  4c

1

3

10.

3e,  5f

le,  3be,  4f

Ibc,  4c,  6c

2c,  4c

2

2

11.

3e,  5f

3be,  4f

2ad

4c,  6c

4c,  Bf,  6c

2

2

12.

3e,  5f

2b,  3be,  4f

2f,  6c

4c

4c

2

3

13.

3e,  6f

2b,  3be,  4f

2ad,  6d

3ab,  4c,  6cf

4c

3

2

14.

3e,  6f

3be,  4f

4c

0

5

15.

3e,  5f

3be,  4f,  öde

2ad,  6c

4c,  6cf

2c,  4a,  Bf,  6e

4

i

17.

3e,  5f

5f

2c,  6c

4c

3d,  4c

3

5

18.

3e,  Bf

3be,  4f

Bb,  6c

6c

5d

2

4

19.

3e,  Bf

le,  2a,  3b,  4f

6c

Ibc

3d,  4c

4

4

20.

3e,  Bf

3be,  4cf

2ad

4c

0

4

21.

3e,  Bf

le,  2b,  3b,  4f

4  c,  6c

2

4
        <pb n="13" />
        ['16.  260  ]  Bericht  über  Arbeiten  zw  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.

13

stört,  dafs  das  Vorstellungsbild  der  Vorlage  zu  grob  strukturiert ­
  war.
Bei  der  II.  Durchführung  der  Prüfung  wurden  die  Zeiten
der  ersten  Prüfung  nicht  innegehalten,  sondern  beliebig  verlängert. ­
  Dies  gibt  natürlich  der  Vp.  eine  sehr  grofse  Erleichterung, ­
  so  dafs  die  quantitativen  Ergebnisse  für  die  Tabelle  nicht
verwertbar  sind.
Bei  dieser  Wiederholung,  die  zum  Zweck  der  Protokollaufnahme ­
  vorgenommen  wurde,  verhielt  sich  Vp.  in  manchen  Beziehungen ­
  anders  als  das  erstemal.  Es  ist  zu  bemerken,  dafs
der  Vp.  in  den  Serien  C  und  E  nach  dem  ersten  früheren  Versuch ­
  die  damals  nicht  gefundenen  richtigen  Ergebnisse  gezeigt
worden  waren.  Das  Protokoll  enthält,  wenn  nichts  anderes  gesagt ­
  ist,  ausschliefslich  die  Angaben  der  Vp.

Serie  A.
Vorlage:  Bogenlinie  isoliert  aufgefafst.  Hauptsächlich  das  Kreuz-‘Otige
  gemerkt,  und  dafs  das  Kreuzartige  nicht  gleichschenklig  und  nicht
rechteckig  i st .
A*  !•  Nein.  Habe  nach  Schienen  das  Kreuzartige  gesucht,  nach  zweimaligem ­
  Herumdrehen  in  der  Vorstellung  nicht  gefunden.
A.  2.  Im  ersten  Moment  ja.  Dann  Kontrolle;  Halt;  hier  an  der  Grenze
zwischen  d  und  e  geht’s  zweimal  auseinander,  also  nicht.
A.  3.  Nein.  Wieder  nach  Schienen  herumgofahren.  Jetzt  nachdem
VL  fragt,  fertig?  Da  sage  ich:  Nicht  fertig.  Da  oben  rechts  in  c  ist  eine
°genlinie  und  das  könnte  es  sein.  Obgleich  ich  mir  die  Bogenlinie  als
solche  gar  nicht  besonders  als  Gestalt  eingeprägt  habe,  sieht  es  so  aus,  als
0  diese  Bogenlinie  jetzt  als  reproduzierendes  Moment  fungiert.  Jetzt  fällt
6  ein  Kreuz  auf  und  ein  Bogen.  Aber  etwas  scheint  doch  nicht  zu
Passen.  Ich  fange  jetzt  an,  die  Vorlagekarte  in  der  Vorstellung  zu  drehen,
will  niC ^ t  °ht  ist.  Ich  helfe  mir  mit  kinästhetischen  Vorstellungen.  Es
y  mc ht  gelingen.  Jetzt  gehe  ich  so  vor,  dafs  ich  den  Bogen  von  der
und  ag6karte  au ^  den  ®°S en  ' n  der  Sortierkarte  in  e  zur  Dockung  bringe
mit  ti * Jer ' e ^ e ’  °k  das  Andere  klappt.  Es  klappt  nicht.  Ich  versuche  es
ha'  ^ na ^ se '  Der  Winkel  rechts  oben  in  der  Reizkarte  pafst,  der  benachzel
  6  aUC ' 1 ’  c * er  dritte  scheint  auch  zu  passen.  Der  vierte  auch  —  als  ein-■g^ne
  'Vinkel.  Trotzdem  absolut  zweifelhaft,  ob  sich  das  Ganze  deckt
--  Störung  scheint  mir  zu  sein:  Erstens  die  Knickung  unten  in  e,
abei  enS ’  * n  d er  Vorlage  die  Schienen  grade  laufen,  in  der  Sortierkarte
Di e  1St  von  Dnks  unten  nach  rechts  oben  laufende  etwas  gebogen.
Winif^ Samte  * )re ' iun §  ist  nicht  festzuhalten.  Höchstens  klappen  zwei
‘  Al.:  Ist  Ihnen  nicht  die  Strenge  der  Analyse  und  die  weitgehende
^ le  hinderlich?)  Ja.
*  k  Ich  suche  wieder  herum  nach  Schienen,  und  diese  Karte  macht
'm  ersten  Moment  den  Eindruck:  Ein  grofses  Gewirr  von  Geauf
        <pb n="14" />
        W.  Benary.

14

[16,  261]

bogenen.  Alles  viel  zu  kompliziert  im  Verhältnis  zu  der  Vorlagekarte.
Nicht.  Fertig.
A.  5.  Im  ersten  Moment  oben  rechts  c,  da  ist  ja  das  Gekreuzte,  dann
Zweifel:  Es  fehlt  ja  die  Gebogene.  Sofort  unten  in  f  aufgefallen,  dafs  es
da  sein  mufs  und  hier  ziemliche  Sicherheit:  es  ist  das.  Die  Drehung  in
der  Vorstellung  gelingt  hier  besser,  —  vielleicht,  weil  es  sich  nur  um  eine
Drehung  um  90°  handelt  —.  Aber  doch  keine  absolute  Sicherheit.  Fertig.
A.  6.  Nein.  Fertig.
Serie  B.
Vorlage;  Ein  Dreieck.  Auf  der  einen  Seite  ein  gebogener  Winkel.
Links  unten  etwas  Gekreuztes.
B.  1,  Erster  Eindruck:  kann  alles  mögliche  sein.  In  a,  in  c,  in  e.
Nähere  Analyse  ergibt  sofort,  dafs  keines  stimmt.  Alle  Dreiecke  zu  klein.
B.  2.  Fällt  sofort  in  b  und  c  auf.  Könnte  es  sein.  Ich  drehe  es.  Es
scheint  zunächst  zu  klappen.  Dann  nein.  Erstens  weil  der  Winkel  in  c
innerhalb  der  gekreuzten  Linie  zu  spitz  ist,  was  erst  nach  einem  Vergleich
mit  der  Vorlagekarte  aufgefallen  ist.  Zweitens:  das  Dreieck  zu  klein.  Dann
etwas  in  a  aufgefallen,  was  aber  sicher  nicht  stimmt.
B.  3.  Sofort  auf  gef  allen  in  b  und  e.  Das  ist  es.  Es  palst  der  Winkel
zwischen  dem  Gekreuzten,  und  die  Drehung  gelingt,  nachdem  das  erst  gepulst ­
  hat.  Sehr  bequem.  Zentrale  Lage!
B.  4.  Auch  da  in  f  und  c,  sicher.  Es  klappt.  Fertig.
B.  5.  Ein  Gewirr.  Im  ersten  Moment  etwas  in  c  und  f.  Alles  andere
kommt,  weil  viel  zu  spitz  und  gerade,  nicht  in  Betracht.
B.  6.  Hier  sofort  d  und  c  aufgefallen.  Aber  das  Dreieck  hat  auch
eine  ganz  andere  Form,
(Bei  Serie  A  und  B  war  keine  Erinnerung  an  den  früheren  Versuch
festzustellen.)
Serie  C.
Vorlage:  Zwei  Reihen  von  Gruppen.  Zwei  Versmafse.  —  v jund
Daktylus.
C.  1.  Ich  suche  dort,  links  in  der  Mitte,  wo  ich  es  das  vorige  Mal
gefunden  zu  haben  glaube.  Jedoch  Enttäuschung.  Ich  suche  nach  dem
Daktylus,  vergebens.  Erinnere  mich,  dafs  ich  die  vorgestellte  Gruppe  um
180°  drehen  mufste.  Aber  auch  das  nutzt  nichts.  In  a  und  b  mufs  es
doch  irgendwo  sein,  denn  die  vier  passen.  Ich  kann’s  nicht  linden.  Wenn
ich  nicht  glaubte,  es  das  vorige  Mal  auf  Karte  1  gefunden  zu  haben,  hätte
ich  aber  glatt  nein  gesagt.
C.  2.  a  d.  Wieder  dort  gesucht,  wo  das  vorige  Mal,  und  sofort  gefunden ­
  (das  Wiedererkennen  der  ganzen  Situation  ist  deutlich).
C.  3.  Nein.  Leider  bin  ich  beeinflufst  durch  das  vorige  Mal.  Aber
es  sind  nirgendwo  Punkte,  die  auch  nur  einigermafsen  so  gruppiert  sind,
wie  auf  der  Vorlagekarte.  Das  war  aber  auch  beim  ersten  Mal  so.
C.  4.  Nein.  Alles  zu  eng  und  rechts  oben  ist  alles  zu  breit.
C.  5.  Auch  nicht.  Wieder  rechts  oben  gesucht.
C.  6.  Ja.  Diesmal  in  c  rechts  oben.
        <pb n="15" />
        [16,  262J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  15

Serie  D.
Vorlage:  Ein  Bogen  mit  einer  Gabel  dran  für  akustische  Versuche.
D.  1,  Die  weifsen  Klekse  stören  furchtbar.  Man  hat  den  Eindruck,
dafs  Charakteristisches  der  Vorlage  leicht  verdeckt  sein  kann.  Nein.
Nirgendwo  eine  Gabel.
1&amp;gt;.  2.  Ausgeschlossen.  Kontrolle:  ebenfalls  ausgeschlossen.
D.  3.  Nein.  Kein  Bogen  mit  einer  Gabel  dran,  wie  ich  es  auch  in
der  Vorstellung  drehen  möchte.
I)  .  4.  Ja.  Oben  in  c.  Sofort,  und  absolute  Sicherheit.
D.  5.  Glaubte  im  ersten  Moment:  oben  in  b  c.  Aber  gewifs  nicht.
Nein.  Es  müfste  denn  das  Charakteristische  ganz  verdeckt  sein.
J)  .  (1,  Ja.  ln  c  f.  Die  Drehung  enorm  leicht.

Serie  E.
Vorlage;  Das  sind  wieder  diese  Äste,  mit  einem  Strich  dazwischen.
E.  1.  Nicht.  Sofort.  Es  gibt  keine  solchen  Äste.
E.  2.  Ja.  b  c.  Gedreht  in  der  Vorstellung  und  es  klappt  sehr  gut.
E.  3.  Ausgeschlossen.  Lauter  Eisenbahnschienen  und  keine  Äste.
E.  4.  Nein.  Halt;  In  b  c  könnte  es  sein.  Aber  diese  Drehung  enorm
schwieriger.  Die  einzelnen  Äste  decken  sich  nicht  so  gut,  weil  hier  auf
der  Sortierkarte  folgende  Auffassung  vorliegt:  Ein  Strich,  auf  den  drei
Parallele  auflaufen,  was  in  der  Vorlagekarte  nicht  der  Fall  ist.  Die  Zentrierung ­
  ist  hier  in  der  Sortierkarte  und  in  der  Vorlage  vollständig  anders.
In  der  Vorlage:  Stamm  auf  Boden  mit  kurzen  Ästen  nach  rechts.  In  der
Sortierkarte:  drei  lange  Parallele  auf  eine  Querlinie  zulaufend.
E.  5.  Ausgeschlossen.
E.  6,  Nein.

Zusammenfassung.

A-  Von  der  Vorlage  ist  das  Kreuzsein  als  wesentliche  Gestalt
  aufgefafst,  der  Bogen  ist  ebenfalls  für  sich  genommen,
spielt  aber  zunächst  beim  Suchen  keine  Rolle.  Es  wird  nach
, er  bestimmten  Kreuzgestalt  gesucht,  aber  es  kann  ein  Wechsel
®mtreten;  als  in  dem  Komplex  der  Sortierkarte  ein  Bogen  aufh,
  11t,  wird  er  zum  Ausgangspunkt  des  genauen  Vergleichs,
‘tiaufhin  bleibt  in  dieser  Karte  der  Bogen  stärker  beachtet  als
sonst  (A3).  Sehr  deutlich  tritt  die  Veränderung  hervor,  welche
le  Gestalt  durch  die  ansetzenden  Teile  des  Komplexbildes  in-^fern
  erleidet,  als  Neigung  zur  Beachtung  anderer  einprägsamer
s - alte n  auftritt.  Da  Vp.  eine  Deckung  von  Vorlage  und  Gem
  der  Sortierkarte  versucht,  zeigt  sich  auch  hiergegen  die
der atlr ^ e  ® törun S’  Sie  bleibt  so  stark,  dafs  die  Übereinstimmung
zub  -^ e ^ e  n ’ c bt  ausreicht,  um  summativ  die  Deckung  fertigten ­
  oder  die  Grundlage  für  ein  sicheres  Urteil  zu  geben.
        <pb n="16" />
        W.  Benary.

[16,  263]

16
Bei  nur  kurzer  Beobachtung  der  Karte  im  ersten  Versuch  war
diese  Unsicherheit  nicht  aufgetreten,  es  war  dort  einfach  auf  den
Eindruck  der  Ähnlichkeit  hin  geurteilt  worden.
In  B.  ist  ebenfalls  eine  Gestaltqualität  das  Wesentliche,  ein
Merkmal  der  Struktur  wird  mit  gefafst.  Da  die  ganze  Gestalt
gut  merkbar  ist,  gelingt  Drehung  und  Herausfassen  sicher.
In  C  auf  Qualität  gehende  Hilfe  zum  Auffassen  der  Vorlage.
Im  Gegensatz  zu  den  anderen  Serien,  die  weniger  schwierig
waren,  deutliche  Erinnerung  an  den  ersten  Versuch.  Sie  zeigt
sich  durch  Richtung  der  Aufmerksamkeit  auf  eine  bestimmte
gemerkte  Zone;  der  Rest  des  komplexen  Bildes  der  Sortierkarte
tritt  gegen  diese  Zone  zurück.
D  wieder  leicht;  prägnante  Gestaltfassung  mit  Bezugnahme
auf  bekannten  Gegenstand.
In  E  wirkt  Erinnerung,  wie  in  der  anderen  besonders  schwierigen ­
  Serie  (C).  Gestaltfassung  ähnlich  wie  in  A.  Sehr  charakteristisch ­
  ist  der  Wechsel  der  Centrierung  in  E4,  vgl.  dazu  A3.
Es  ist  deutlich,  dafs  Vp.  sicher  Gestalten  fafst  und  damit
operiert.  Lauge  Analyse  und  Kontrolle  führen  leicht  zu  Unsicherheit, ­
  indem  die  auf  Einzelheiten  gehenden  Bedenken  in  den
Vordergrund  treten.
Yp.  21.
Auch  bei  dieser  Vp.  wurde  die  Prüfung  zweimal  durchgeführt ­
  und  das  Protokoll  bei  der  zweiten  Prüfung  aufgenommen.
Ergebnis  der  ersten  Prüfung  (vgl.  Tabelle  Vp.  21):
Die  Serien  A  und  B  wurden  sehr  schnell,  C  und  D  mittel
und  E  langsam  erledigt.  Die  Sicherheit  war  aufser  bei  C  und
E  grofs.  In  A  wurde  die  Vorlage  als  Kreuz  mit  Bogen  aufgefafst,
  in  B  als  gezackter  Bogen  (zum  Schiefsen)  mit  Sehne,  die
links  über  den  Bogen  weitergeht.  Diese  letztere  Einzelheit  wurde
aber  bei  den  ersten  Karten  noch  nicht  beachtet.  In  beiden
Serien  wurde  auf  der  Sortierkarte  nach  der  charakteristischen
Figur  der  Vorlage  gesucht.  Bei  C  wurde  die  Vorlage  als  Rhythmus ­
  gefafst:  1—2  —  1,  1  —  2.  Beim  Suchen  wollte  Vp.  ebenso
wie  vorher  Vorgehen,  es  ging  aber  nicht;  das  Ganze  strukturierte
j  sich  überhaupt  nicht,  so  dafs  Vp.  ganz  ratlos  war.  Die  Verdeckung ­
  in  D  und  E  wurde  als  wenig  störend  bezeichnet.  In
D  wurde  die  Vorlage  aufgefafst  als  Hirschgeweih  auf  Bogen,  in
E  wurde  nie  das  Ganze  simultan  aufgefafst,  sondern  immer  nur
        <pb n="17" />
        [16,  264]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  /'.  Flieger-Beobachter.  17

der  Teil  über  oder  unter  dem  Strich  beachtet.  Das  Vorstellungsbild
  war  daher  undeutlich  und  sehr  labil.

Serie  A.
Vorlage:  Ein  Kreuz,  dessen  einer  Balken  am  Schnittpunkt  geknickt
ist;  durch  den  Knick  laufender  flacher  Bogen.
A.  1.  Nach  dem  Kreuz  gesucht,  kein  Kreuz  gefunden.
A.  2.  Wie  1.  Gleich  nach  Einzelheiten  gesucht,  leicht  zu  sehen,  dafs
das  nicht  da  ist.
A.  3.  e.  Sofort  erkannt;  kontrollierte  nur,  ob  in  dem  einen  Kreuzbalken ­
  der  Knick  vorliegt,  und  ob  der  Bogen  durch  den  Kreuzungspunkt ­
  geht.
A.  4.  Nicht  so  leicht  zu  überschauen  wie  die  vorher  dargebotenen
Karten.  Gröfseres  Gewirr,  schwerer  die  bei  der  Vorlagekarte  gemerkten
markanten  Strukturen  aus  dem  Gewirr  herauszulesen.  Nach  längerer  Zeit
gelingt  es  doch  sehr  gut,  zu  sehen,  dafs  es  nicht  da  ist.  An  dem  Bogen
and  der  Gabel  in  d  blieb  ich  etwas  hängen.
A.  6.  Vielleicht  in  f  vorhanden,  doch  nicht  ganz  sicher,  da  die  Knickung
f  etwas  runder  ist,  als  in  der  Vorlage.  (VI.:  Angesetzte  Partien  können
an  dem  Bild  der  Vorlage  in  der  Sortierkarte  da  sein,  wenn  es  nur  in  derselben ­
  üröfse  wie  auf  der  Vorlage  da  ist.)  Dann  stimmt  es.
A.  6.  Nicht  vorhanden.
Serie  B.
Vorlage:  Ein  Bogen  mit  Sehne.  Im  Bogen  rechts  oben  eine  Einbuchtung. ­
  Links  gemerkt  sitzt  ein  Winkel,  der  aus  dem  Bogen  heraussteht, ­
  ohne  genauer  einzuprägen,  wie.  (VI.:  Erinnern  Sie  sich,  dafs  Sie  es
das,  vorige  Mal  auch  so  gefafst  hatten?)  Ja.
B.  1.  Es  fiel  sofort  in  e  eine  der  Vorlage  ähnliche  Figur  auf,  doch
abgelehnt,  da  die  Einbuchtung  bei  der  Vorlage  rechts  oben,  in  e  rechts
unten,  d.  h.  näher  an  der  Sehne  sitzt,  als  in  der  Vorlage.
B.  2.  In  b  nach  c,  sofortige  Übereinstimmung  mit  der  Vorlage  erkannt. ­
  Kontrolliert,  ob  Einbuchtung  und  Winkel  richtig  sitzen.  Dann
wieder  abgelehnt,  da  Sehne  nicht  die  Knickung  aufweist,  wie  Vorlage.
B.  B,  In  b  nach  e,  dieselben  Kontrollen  gemacht  wie  vorhin.  Überölnstimmung
  mit  der  Vorlage  sehr  deutlich.  Drehung  ist  nicht  notwendig.
Ich  erkenne  sofort,  ob  auf  der  Karte  eine  Konfiguration  ist,  die  als  Ganzes
Ähnlichkeit  mit  der  Vorlage  hat,  ohne  dafs  eine  Drehung  vorgenommen
wird.  Kontrolliere  dann  noch  die  obenerwähnten  markanten  Einzelheiten.
Stimmen  diese  überein,  dann  ist  das  Urteil  sicher.
B.  4,  In  f.  Dabei  nichts  Neues  gegen  vorige  Karte.  Sobald  mir  eine
Übereinstimmung  zwischen  Vorlage  und  Sortierkarte  vorzuliegen  scheint,

Bleibt
ob

alles  andere  fast  unbeachtet,  ich  orientiere  mich  nur  oberflächlich,
auf  der  Karte  etwa  noch  eine  der  Vorlage  ähnliche  Struktur  vorhanden
ls k  Auch  hier  spielt  die  Drehung  keine  Rollo.
B.  5.  Nicht  vorhanden.  Ich  durchlaufe  das  Gewirr,  und  finde  die
ein geprägt e  Gestalt  nicht.  Gar  keine  Ähnlichkeit.
Stritten,  Heft  12.  2
        <pb n="18" />
        18  W.  Binary.  [16,  265]

B.  6.  Im  ersten  Moment  fiel  mir  d  e  auf,  aber  sofort  abgelehnt,  da
in  der  Sortierkarte  Einzelheiten  nicht  stimmen.
Serie  C.
Vorlage:  Mich  stört,  dafs  2  Kreise  dicker  sind.  Die  beiden  dicken
Kreise  bekommen  dadurch  eine  Sonderstellung.  Ich  zerlege  die  Figur  in
2  Linien,  die  übereinander  stehen.  Die  obere  Linie  ist  zusammengesetzt
aus  1  —  2—1.  Dabei  gemerkt,  Abstand  zwischen  letzter  1  und  2  gröfser.
Zweite  Linie;  1  senkrecht  unter  Zwischenraum  1  —  2  erste  Linie.  2  schliefst
ungefähr  2  —  1  erste  Linie  ab,  reicht  aber  nicht  ganz  so  weit.
C.  I.  Ich  durchwandere  die  Karte,  und  suche  die  erste  Linie.  Ich
habe  ein  optisches  Bild  von  der  ersten  Linie,  das  ich  verschiedentlich  an
der  Vorlage  kontrolliere.  Habe  die  erste  Linie  gefunden,  aber  nicht  die
zweite.  In  c  f,  rechts  von  Linie  1  befindet  sich  eine  Linie,  die  mit  der
Vorlage  übereinstimmt,  aber  der  Abschlufs  hinten  liegt  in  gleicher  Höhe
mit  der  ersten  Linie,  was  nicht  sein  darf.
C.  2.  Suche  ebenso  wie  in  1  und  finde,  es  stimmt  in  d  a.  Es  fielen
mir  zunächst  die  Doppelkreise  in  der  zweiten  Linie  auf.  Aus  diesen  beiden
Kreisen  baute  sich  dann  die  Gesamtstruktur  auf.  Ich  ging  zunächst  zu
dem  Schlufs  der  ersten  Linie  über,  kontrollierte,  wie  er  zu  dem  Schlufs
der  zweiten  Linie  steht,  und  fand  Übereinstimmung  mit  Vorlage;  der  Rest
ergab  sich  dann  sehr  schnell,  er  baute  sich  ohne  Vergleich  mit  der  Vorlage ­
  unter  Gefühl  grofser  subjektiver  Sicherheit  auf.  (Auf  Frage  wird  angegeben, ­
  dafs  sich  das  Gesamtbild  der  Sortierkarte  nicht  strukturiert,
d.  h.  in  Bezirke,  die  irgendwie  übersichtlich  sind,  zerfällt.)
C.  3.  In  b  eine  Struktur  aufgefallen,  die  grofse  Ähnlichkeit  mit  der
Vorlage  hat,  die  zweite  Linie  stimmt  ungefähr,  d.  h.  die  Struktur  der
Linie  in  sich  stimmt,  doch  nicht  im  Verhältnis  zur  ersten  Linie.  Erste
Linie  ist  ähnlich  strukturiert  wie  Vorlage,  doch  die  Intervalle  verschieden,,
daher  abgelehnt.
C.  4.  Ich  durchwandere  die  Karte  und  versuche  verschiedene  Kreise
zu  Linie  1,  bzw.  2  zusammenzufassen.  Finde  verschiedentlich  Kreisgruppen,
die  Ähnlichkeit  mit  Linie  1  haben.  Suche  dann,  ob  Linie  2  sich  in  der
Nähe  dieser,  unter  Vorbehalt  als  Linie  1  aufgefafsten  Kreisgruppen  befindet, ­
  wenn  nicht,  untersuche  diesen  Bezirk  nicht  weiter,  sondern  gehe
zu  einem  anderen  über.  Nicht  vorhanden.
C.  5.  Erste  Linie  gefunden  in  d.  Zweite  Linie  nicht  vorhanden,  abgelehnt. ­
  Es  stört  dauernd,  dafs  die  Zweiergruppe  in  der  Vorlage  stärker
gedruckt  ist,  da  der  Eindruck  dominiert,  dafs  die  Zweiergruppe  in  der
zweiten  Linie  besonders  ausgezeichnet  ist.  Diese  Einstellung  war  besonders
bei  dieser  Sortierkarte  vorhanden.  Ich  suchte  und  fand  solche  Zweiergruppen ­
  verschiedentlich,  so  z.  B.  in  d,  in  b.  Alles  andere  stimmte  aber
nicht.  Nicht  vorhanden.
C.  6.  Es  gelingt  mir  nicht,  Linie  1  oder  Linie  2  zu  erkennen.  Versuche ­
  verschiedene  Kreise  gemäfs  der  Vorlage  zusammenzufassen,  wie  oben
angegeben.  Einmal  fiel  in  d  wieder  die  Zweiergruppe  auf,  aber  abgelehnt,,
weil  sie  ganz  allein  war.  Eine  der  Vorlage  ähnliche  Zusammenstellung  in
        <pb n="19" />
        [16,  266]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  19

2*

c  feilt  zuletzt  als  ähnlich  auf,  und  zwar  beruht  der  Ähnlichkeitseindruok
auf  den  Intervallen,  nicht  auf  der  Gesamtstruktur  der  Linien.  Ich
kontrolliere  nochmal  mit  der  Vorlage  und  finde,  es  stimmt.
(Es  wurden  für  die  Serie  C  aufserordentlich  lange  Zeiten  gebraucht.)
Serie  D.
Vorlage:  Wieder  wie  das  letzte  Mal,  Hirschgeweih  mit  Bogen.
I).  1.  Gewisse  Ähnlichkeit  mit  Vorlage  in  b  c  erkannt:  Verdeckung
stört  absolut  nicht.  Ähnlichkeit  abgelehnt,  da  oberhalb  des  Bogens  vor
Geweih  noch  ein  Winkel  sitzt.  Geweihäste  nicht  so  gekrümmt,  aber  die
Ähnlichkeit  als  Gabel  mit  Bogen  fiel  auf.  Nicht  vorhanden.
D.  2.  Nicht  vorhanden.  War  sofort  ziemlich  sicher,  dafs  es  auf  der
Karte  nicht  sein  könnte  und  zwar  deshalb,  weil  mir  auf  der  Sortierkarte
auffiel,  dafs  sehr  viel  Klein-Gezacktes  und  -Gewinkeltes  darauf  war,
I).  3.  War  zweifelhaft,  ob  in  b  e  ein  verdeckter  Bogen  oder  eine
Einie  da  ist.  Lehnte  ab,  weil  Bogen  nicht  vorhanden,  aber  es  war  Tendenz,
  den  ganzen  Bogen  zu  ergänzen.  Erst  später  fiel  mir  auf,  dafs  auch
a n  dem  Geweih  Verschiedenes  nicht  stimmt.
D*  4.  c.  Sofort  mit  Sicherheit  erkannt.
5.  Abgelehnt.  Ich  sehe  Stücke,  aber  nicht  die  Gesamtstruktur.
D-  6.  Abgelehnt.  Ich  sehe  nichts,  was  auch  nur  eine  entfernte  Ähnlichkeit ­
  mit  der  Vorlage  hätte.
(In  Serie  A—D  ist  die  Auffassung  der  Vorlage  noch  deutlich  beeinflufst
  von  der  ersten  Prüfung,  erst  in  B  ist  eine  Veränderung  vorgenommen.)
Serie  E.
Vorlage:  Doppelklaue,  getrennt  durch  die  Linie,  aber  als  Einheitliches; ­
  die  Linie  sitzt  so  irgendwie  dran.
E*  1*  Nicht  vorhanden.  Ich  suche  diese  Doppelklaue,  aber  sie  ist
weht  da.
2.  In  b  c  ein  der  Vorlage  Ähnliches  erkannt.  Abgelehnt,  da  Strich
nicht  durch  die  grolse  Öffnung  in  der  Doppelklaue  geht.
(Vl.:  Vergleichen  Sie  noch  einmal.)
Habe  anfangs  nur  eine  Ähnlichkeit  mit  der  Gesamtstruktur  gehabt
Un d  dabei  nicht  beachtet,  dafs  das  Obere  auch  eine  Klaue  ist,  d.  h.  nochgegabelt. ­
  Ich  hatte  nur  beachtet,  dafs  es  etwas  Gleichgerichtetes  war,
^  ’e  die  untere.  Ich  vergleiche  jetzt  mit  der  Vorlage,  und  sofort  bekommt
er  eben  beachtete  Bezirk  eine  andere  Struktur  und  zwar  die  Doppelklaue,
•lüls  jetzt  das  Urteil  sicher  wird.
E.  3.  Ich  sehe,  es  ist  viel  Krummes  da,  ich  suche  einen  geraden
mir  ’  ' n  ^  * st  e * ner -  Ha  sehe  ich  auch  die  Klaue  dabei.  Aber  jetzt  fällt
,  au f,  dafs  die  ganze  Klaue  darüber  ist,  und  nicht  ein  Teil  davon
atUr ^-  Abgelehnt
indem*  •*"  ^ rster  Gesamteindruck:  Viel  Klauen.  Verfahre  wie  vorhin,
in  c  rl  ' C ^  nac i l  einem  Strich,  der  durch  eine  Klaue  geht,  suche.  Finde
n  Strich  und  die  Klaue.  Sehe,  es  stimmt,  der  Strich  sitzt  rechts.
Angenommen.
        <pb n="20" />
        20

W.  Binary.

[16,  267]

E.  5.  In  d  Ähnlichkeit  mit  Vorlage:  Strich  mit  Klaue.  Unsicherheit,
ob  obere  Klaue  da  in  der  Vorlage  ist  (VI.:  Sehen  Sie  sich  genau  die
Vorlage  an.)  Ja.  Abgelehnt,  da  in  oberer  Klaue  der  markante  Knick  fehlt,
und  in  Sortierkarte  der  Strich  die  untere  Abzweigung  berührt.  Ich  suche
weiter.  In  f  Ähnlichkeit,  aber  schnell  abgelehnt.
E.  6.  Sofort  fiel  Ähnlichkeit  in  e  auf.  Doch  abgelehnt,  da  obere
Klaue  sich  nicht  spaltet.  Weiter  nichts  Ähnliches.
Zusammenfassung.
A.  Das  Kreuz  ist  die  Hauptsache  für  die  Einprägung,  doch
sind  die  einzelnen  Charakteristica  der  Struktur  von  Anfang
an  wichtig.  Wenn  diese  einzelnen  Merkmale  wiedergefunden
werden,  genügt  das  zum  sicheren  Beurteilen,  ohne  dafs  Deckung
oder  Drehung  versucht  wird.
Bei  B  Auffassung  gleichartig  wie  in  A.  Die  einzige  von
allen  Vpn.,  die  die  so  nahe  liegende  Auffassung  der  Gestalt  als
Dreieck  nicht  gewählt  hat.  ■  Wegen  dieser  vollständig  anderen
Zentrierung  wird  die  charakteristische  Kreuzung  an  der  linken
Ecke  labil  gefafst,  d.  h.  in  der  Ganzauffassung  ist  nichts  enthalten, ­
  was  die  besondere  Struktur  dieser  Einzelheit  irgendwie
nahelegt,  und  sie  wird  deshalb  schlecht  gemerkt.  Orientierung
wie  in  A.
In  C  gar  keine  Gestalt  gefafst,  sondern  summativ  nach  einzelnen ­
  Merkmalen  zusammengesetzt.  Charakteristisch  C2,  nachdem ­
  ein  Merkmal  gefunden  ist,  baut  sich  darauf  die  Struktur
auf.  Das  Gesamtbild  der  Sortierkarte  strukturiert  sich  nicht.  Das
Finden  steht  deutlich  im  Zusammenhang  mit  den  sehr  langen
gebrauchten  Zeiten.  Auch  bei  diesem  Suchen  nach  einzelnen
Teilen  wird  zunächst  nicht  „genau“  gesucht.
In  D  wird  auf  das  Gesamtbild  der  Sortierkarte  vor  allem
geachtet,  dabei  wird  mit  grofser  Entschiedenheit  ausgesprochen, ­
  dafs  in  D  6  die  Gestalt  nicht  vorhanden  wäre.
Wichtig  ist  E2:  Die  Veränderung  der  Auffassung  der  Vorlage ­
  verändert  auch  die  Struktur  der  wiedererkannten  Figur  im
Komplex.
Es  ist  deutlich,  dafs  Vp.  Gestalten  nicht  sehr  sicher  fafst,
die  Beachtung  einzelner  Merkmale  steht  im  Vordergründe.  Die
unlösbare  Beziehung  der  Einzelheit  zur  Ganzauf'fassung  ist  jedoch
in  C  2  und  E  2  gut  zu  beobachten.-  Das  geringe  Hervortreten
prägnanter  Gestaltauffassung  zeigt  sich  ebenso  in  der  Art  des
Suchens,  wo  ein  Operieren  mit  Ganzauffassungen  vermieden
        <pb n="21" />
        [16,  268]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  21

wird,  wie  in  dem  mehrfachen  Wechsel  der  Art  des  Suchens,  je
nachdem  wie  es  am  praktikabelsten  erscheint,  ferner  in  der  geringen ­
  Strukturierung  der  Komplexbilder.
Vp.  22.
Die  Prüfung  wurde  nur  einmal  durchgeführt  und  dabei
das  Protokoll  aufgenomraen.
Serie  A.
Vorlage:  Das,  was  mir  am  meisten  auf  fällt,  ist  dieses  Kreuz.
A.  1.  Für  das  Kreuz  habe  ich  hier  von  vornherein  keinen  Anhaltspunkt. ­

A.  2.  Es  ist  hier  nicht  darauf,  und  zwar  weil  kein  Kreuz  darauf  ist.
ln  d  habe  ich  gesehen,  dafs  etwas  irgendwie  Ähnliches  da  ist,  aber  gleich
gesehen,  dafs  es  nicht  dasselbe  ist,  weil  der  Bogen  fehlte.  Die  Ähnlichkeit ­
  bestand  hauptsächlich  darin,  dafs  der  Winkel  auf  der  Vorlage  oben
und  der  in  der  Sortierkarte  unten  ungefähr  gleich  waren,  ich  habe  mir
deswegen  das  Vorlagebild  in  der  Vorstellung  gedreht.  Die  Drehung  macht
keine  Schwierigkeit.  Ich  sah  eigentlich  nur  den  Winkel  und  den  habe  ich
8 °£ort  umgekehrt.
A,  3.  j) a  ist  es  ebenfalls  nicht  darauf.  In  e  fiel  mir  eine  Konfiguration ­
  auf,  hi e  dem  entspricht,  und  irritiert  hat  mich  dabei  der  Bogen,  —
inzwischen  bin  ich  anderer  Meinung  geworden.  Zuerst  hab’  ich’s  einen
Augenblick  dafür  gehalten,  war  aber  davon  abgekommen,  weil  die  Winkel
nicht  stimmen,  d.  h.  jetzt  sehe  ich,  dafs  die  Winkel  doch  stimmen.  Es  fiel
nur  hier  nicht  ganz  leicht,  die  Figur  zu  drehen,  und  zwar  war  die  Drehung,
c k  b-  das  Erfordernis,  die  Figur  in  der  Vorstellung  von  einer  anderen  Seite
a us  zu  sehen,  durch  die  Unregelmäfsigkeit  des  Kreuzes  in  der  Figur  erschwert, ­
  die  Figur  wurde  labil.  Der  Knick  der  Balken  scheint  mir  auf  der
orlage  anders  zu  sein  als  auf  der  Sortierkarte,  und  zwar  deshalb,  weil  auf
er  Sortierkarte  die  ansetzenden  Stücke  das  Gesamtbild  beeinflussen.  So
18  bei  d  a  e  ein  deutlich  hervortretendes  Viereck,  das  die  andere  Struktur
8 Ü)rt.  Und  diese  Störung  zog  die  Zentrierung  auf  sich.  Ebenso  störte  sehr
ß terk  der  Knick  unten  rechts  in  e.
A.  4.  Hier  ist  es  nicht  darauf,  und  zwar  deshalb  ist  es  nicht  darauf,
®i  für  mich  inzwischen  die  Vorlagefigur  eine  ganz  bestimmte  Einheit
geworden  ist;  und  nun  sehe  ich  gleich:  Hier  ist  es  nicht  darauf.
A-  5.  Es  fällt  mir  sofort  auf,  dafs  es  in  f  hineinpafst.  Ich  glaube
c  ,  dafs  es  pafst,  und  zw'ar  deshalb,  weil  ich  die  einzelnen  Winkel  verjj.
  en  habe,  und  das  stimmt.  Zum  Vergleich  habe  ich  etwas  gedreht,
o  Drehung  ist  hier  leichter,  weil  nicht  so  weit  gedreht  zu  werden  brauchte
Wle  vorhin.
flies  ii,^ 8  w * r d  jetzt  konstatiert,  dafs  die  Drehung  tatsächlich
hie  6  * 8 D  w * e  ^arte  3.  Es  zeigt  sich,  dafs  die  Drehung
80  viel  einfacher  ist,  weil  sie  bis  zu  der  ausgezeichneten ­

  S

wie

e okrechten  geht,  während  bei  der  Karte  3  eine  irgend-8
 °biefe  Struktur  herauskommt.  Zweitens  ist  aber  auch  das
        <pb n="22" />
        22

W.  Benary.

[16,  269]

Moment  sehr  wesentlich,  dafs  in  A.  5.  die  Vorlagefigur  in  f  quasi  isoliert
gegeben  ist,  während  sie  in  A.  3.  so.  stark  in  eine  Gesamtstruktur  eingegliedert ­
  ist,  dafs  ihre  Herauslösung  schon  einen  bestimmten  Widerstand
ergibt,  und  dadurch  die  Figur  labil  ist.)
Zum  Erkennen  der  Figur  bringe  ich  die  Winkel  zur  Deckung,  wobei
mir  aber  ein  Urteil  über  die  tatsächliche  Gleichheit  der  Winkel  durchaus
nicht  leicht  ist.  Trotzdem  kommt  eine  Deckung  zustande.  ,  Jetzt  möchte
ich  aber  sagen,  dafs  ich  doch  gleich  die  Hälfte  der  Figur,  die  auf  der  konkaven ­
  Seite  des  Bogens  liegt,  als  eins  gefafst  und  leicht  gedreht  habe.
Schwer  ist  aber,  und  bleibt  es  auch  dauernd,  die  eine  Hälfte  des  Winkels,
die  durch  die  Bogenlinie  durch  geschnitten  ist,  mit  der  anderen  zusammenzufassen ­
  und  dann  den  ganzen  Winkel''mit  der  Vorlage  zu  vergleichen.
A.  6.  Hier  ist  es  nicht  darauf,  und  zwar  entnehme  ich  das  daraus,
dafs  das  Kreuz  mit  dem  Bogen  nicht  darauf  ist.
Serie  B.
Vorlage:  Ein  Dreieck.  Besonders  aufgefallen  die  Einbuchtung  rechts.
Aufserdem,  dafs  es  nicht  in  Spitzen  auslief,  sondern  weitergeht,  d.  h.  jetzt
sehe  ich,  dafs  das  hur  an  einer  Seite  so  ist.  Zuerst  habe  ich  schon  gesehen, ­
  dafs  es  nicht  überall  ist,  aber  jetzt  beachte  ich  genauer,  wo.
1{.  1.  Es  ist  auf  der  Sortierkarte  etwas  Ähnliches,  was  aber  der  Figur
nicht  ganz  .  entspricht.  Die  Ähnlichkeit  wird  bestimmt  durch:  Dreieck,
Einbuchtung.  Dafs  es  nicht  entspricht,  sehe  ich  aus  der  Gröfse  (und  zwar
wurde  das  grofse  Dreieck  d  e  b  in  der  Sortierkarte  aufgefafst).,  Das
Dreieck  in  der  Sortierkarte  erschien  mir  zunächst  nicht  so  viel  gröfser,
dafs  ich  es  nicht  hätte  für  das  richtige  halten  können,  und  zwar  hatte  ich
den  Eindruck,  dafs  ich  dabei  durch  die  irgendwie  d  ar  au  fliegende,  durchlaufende ­
  Linie  bestimmt  war.  Diese  Linie  war  irgendwie  isoliert  vom
Dreieck,  aber  das  Dreieck  in  sich  blieb.  Ebenso  sehe  ich  eigentlich  erst
jetzt  das  kleine  Stück  der  durchlaufenden  Linie  in  b.  Das  Bestimmende
an  der  ganzen  Sache  ist  die  Einbuchtung  und  die  Dreieckhaftigkeit.  Alles
andere  war  so  unbestimmt,  dafs  es  gar  nicht  in  Betracht  kam.
B.  2.  i  Es  erscheinen  mir  2  Figuren  ähnlich,  aber  ich  sehe  von  vornherein ­
  ein,  dafs  sie  nicht  passen;  und  zwar  sind  sie  mir  deshalb  nicht
passend,  weil  hier  der  Winkel  an  der  einen  Ecke  irgendwie  anders  ist.  Als
ich  das  sah,  war  für  mich  die  Sache  erledigt.
B.  3.  Das  scheint  mir  von  vornherein  richtig  zu  sein  (b  e)  und  zwar
ist  das  erste,  was  mir  auffällt:  Dreieck,  Einbuchtung,  charakteristische
Ecke.  Dann  habe  ich  gesehen,  charakteristische  Ecke  mit  dem  Winkel  ist
gleich,  ohne  zu  drehen.  Dann  habe  ich  gesehen,  es  geht  richtig  weiter.
B.  4,  Es  ist  mir  gleich  Ähnlichkeit  in  f  in  die  Augen  gefallen.  Es
ist  schwer,  das  festzustellen;  ich  mufs  es  drehen,  und  ich  glaube,  es  ist
gleich.  Eine  Linie  fällt  mir  besonders  schwer  (die  Linie  auf  der  Vorlage
rechts  unten),  weil  ich  als  Verlängerung  einen  charakteristischen  Bogen
erwartete.
B.  5.  Es  ist  nicht  darauf.  Sofort  gesehen.
B.  6.  Hier  ist  es  auch  nicht  darauf.  Es  fällt  das  Dreieck  in  d  e  als
solches  auf.  Aber  ich  sehe  sofort,  dafs  es  nicht  richtig  ist.
        <pb n="23" />
        [16,  270]  Bericht  über  Arbeiten  zw  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.

2B

Serie  C.
Vorlage:  Zuerst  fiel  die  dicker  gedruckte  Zweiergruppe  heraus  und
■das  andere  war  Best.  Dann  habe  ich  aber  plötzlich  das  Ganze  als  Dreieck
und  Viereck  aufgefafst.
C.  1.  Erscheint  zunächst  als  Chaos,  wo  ich  gar  nichts  darauf  heraus
finden  kann.  Zuerst  könnte  ich  nichts  darüber  sagen,  jetzt  würde  ich
sagen,  es  ist  nicht  darauf  und  zwar  deshalb,  weil  ich  die  beiden  Konfigurationen ­
  (Dreieck  und  Viereck)  nirgends  darauf  zusammen  finde.
C.  2.  Da  ist  es  darauf  in  d  e.  Ich  habe  es  entdeckt  an  der  charakteristischen ­
  Form  des  Vierecks,  d.  h.  eigentlich  an  den  zwei  Doppelgruppen
iu  ihrer  charakteristischen  Struktur,  die  zunächst  irgendwie  beieinander
Waren  und  dann  zum  Viereck  wurden.  Dann  suchte  ich  das  Dreieck  dabei,
und  das  war  da.
C.  3.  Zunächst  würde  ich  wieder  sagen,  dafs  ich  gar  nichts  sagen
kann.  Es  fallen  einzelne  Figuren  auf,  Dreiecke  oder  solche  charakteristische
Vierecke,  und  ich  suche  dann,  ob  die  ganze  Konfiguration  da  ist.  Hier  ist
8 ^ e .  glaube  ich,  nicht  darauf.
C.  4.  Auch  hier  nicht  darauf.  Ich  überschaue  erst  das  Ganze.  Es

fällt

mir  als  charakteristisch  auf:  die  Doppelgruppe.  Dann  sehe  ich  aber

sofort,  dafs  diese  Doppelgruppe  nicht  palst.  Nun  suche  ich  nach  Doppelgru
 ppen  und  Dreieck,  in  etwas  systematischer  Weise.
5.  Hier  ist  es  auch  nicht  darauf,  und  zwar  glaube  ich  das  daher
® a 8en  zu  können,  da  keine  Doppelgruppe  von  der  charakteristischen  Art
18 t-  In  dem  Moment  fällt  mir  auf,  dafs  hier  eine  ist,  in  d  und  sogar
äuch  ein  Viereck  und  ein  Dreieck.  Aber  ich  sehe  gleich,  es  liegt  anders.
0.  6.  Es  fällt  sofort  das  Viereck  auf  (in  c),  aber  ich  sehe,  dafs  das
reieck  nicht  da  ist  (nach  oben  gezeigt).  Auch  in  a  b  ist  eine  etwas
ähnliche  Konfiguration.  Aber  sie  stimmt  auch  nicht.  Ich  glaube,  sie  ist
hier  nicht  darauf.
(VI:  Wollen  Sie  die  Gruppen  in  c  etwas  näher  ansehen,  mal  unter
* lnem  anderen  Gesichtspunkt?  Sehen  Sie  bitte  das  Viereck  in  der  Vor-S
 e  und  bringen  Sie  es  mit  dem  anderen  zur  Deckung.)
I’as  habe  ich  ja  auch,  aber  dann  fehlt  an  dem  Dreieck  ein  Ring.
(Bei  Zeigen  auf  das  Viereck  ergibt  sich,  dafs  in  c  nicht  das  richtige
Jeck  herausgegriffen,  war,  sondern  die  direkt  dar  u  nt  erliegen  de,Kon-Suratiou,
  die  also  nach  dem  Rande  zu  offen  ist.  Infolgedessen  sind  die
ei 8ten  beiden  Punkte  als  eine  Seite  des  gesuchten  Dreiecks  gefafst,  und
aus gesagt,  der  eine  Punkt  fehle.  Das  Viereck  ist  von  der  anderen  Seite
gesehen,  und  diese  basale  Verschiebung  ist  so  stark  und  so  fest,  dafs
JJe  Drehung  auch  nach  Zeigen  der  richtigen  Konfiguration
8c hwer  fällt.)  —
Wd  ^ a 6 e  nämlich  direkt  die  Neigung,  es  von  links  zu  sehen.  Und
daf  U . 1C ^  8  von  rechts  sehen  soll,  so  ist  das  erschwert.  Es  stört  mich  daran,
ich  das  Dreieck  von  einer  anderen  Seite  sehe,  und  das  ergibt  eine
Stark e  Erschwerung.
Serie  D.
scha  ,  ° rlage:  8 ind  für  mich  2  Dinge:  Ein  Berg,  auf  dem  eine  Gabel
u 'elt;  sie  s teht  nicht  ganz  fest.
        <pb n="24" />
        24

W.  Benary.

[16,  271]

I).  t.  Es  fallen  mir  Teile  auf,  die  dazu  gehören  und  ganz  äufserliche
Ähnlichkeit  haben,  z.  B.  in  f  etwas  irgendwie  Gegabeltes,  und  in  b  c  etwas
irgendwie  Ähnliches.  Aber  es  ist  nicht  darauf.  In  b  ist  ja  die  Bogenrichtung ­
  eine  andere.
D.  2.  Hier  ist  es  auch  nicht  darauf.  Es  pafst  einfach  nicht,  geht  einfach ­
  nicht  rein.
T).  3.  Hier  habe  ich  gleich  den  Eindruck,  dafs  es  besser  hineingeht.
Aber  es  pafst  auch  nicht.
1).  4.  Hier  ist  es  darauf  und  zwar  sehr  stark  charakteristisch.  Tritt
sofort  als  Ganzes  hervor.
I&amp;gt;.  5.  Hier  ist  es  nicht  darauf.
D.  6.  Hier  ist  es  darauf  in  c.  Das  ist  sehr  leicht  zu  drehen,  und
dreht  sich  als  Ganzes.  Das  ist  richtig.
Serie  E.
Vorlage;  Das  ist  ein  Hauptblutgefäfs  mit  Nebenblutgefäfsen,  da  geht
ein  Strich  durch,  und  zwar  ist  charakteristisch,  dafs  nur  Abgänge  auf  der
rechten  Seite  sind,  was  sonst  (d.  h.  beim  wirklichen  Gefäfs)  nicht  der
Fall  ist.
E.  1.  Es  ist  nicht  darauf.  Es  ist  eine  Ähnlichkeit  mit  der  Konfiguration ­
  in  e,  aber  ich  sehe,  die  Ähnlichkeit  ist  nur  oberflächlich.
E.  2.  Hier  ist  es  auch  nicht  darauf.  Es  pafst  nicht.
E.  3.  Es  ist  nicht  darauf.  Es  ist  in  d  etwas  Ähnliches,  aber  es  ist
zum  grofsen  Teil  nur  durch  die  Verdeckung  sehr  zweifelhaft.
E.  4.  Es  schien  mir  sofort,  als  wenn  es  in  a  hereingehörte.  Es
stimmt  aber  nicht.  An  dies  Hereingehören  dachte  ich  deswegen,  weil  das
Hauptblutgefäfs  mit  den  Nebengefäfsen  da  war,  ich  dachte,  es  wäre  einfach ­
  herumgedreht.  Dagegen  ist  es  in  c.  Ich  halte  es  dafür,  aber  es  hat
Schwierigkeit,  und  zwar  macht  mir  Schwierigkeit  die  Ecke  oben,  die  in
der  Vorlage  nicht  so  gewinkelt  ist.  Aber  die  Gesamtstruktur  war  als  Ganzes
sofort  charakteristisch.
E,  5.  Da  ist  es  nicht  darauf.  Etwas  ist  mir  aufgefallen,  als  -wenn  es
möglich  wäre,  das  ist  das  in  f;  da  fehlt  nur  oben  ein  Stück.  Es  hat  mit
der  Gesamtstruktur  grofse  Ähnlichkeit,  und  ich  mufs  in  Einzelheiten  suchen,
um  den  Unterschied  festzustellen.  Ich  suche  zunächst  nach  den  abgehenden
Gefäfsen  mit  dem  Strich  durch,  und  wie  es  oben  und  unten  weitergeht.
Das  ist  zunächst  undeutlich.  Bei  weiterem  Zusehen  sehe  ich  aber,  dafs  es
anders  weitergeht.
E.  6.  Sehe,  dafs  es  nicht  da  ist.  Es  hat  mit  der  Stelle  in  e  eine  gewisse ­
  Ähnlichkeit.  Das  Untere  könnte  stimmen,  aber  was  mich  irritiert,
ist,  dafs  das  oberste  Stück  anders  ist.
Zusammenfassung.
A.  Es  zeigt  sich,  dafs  während  des  Suchens  die  Auffassung
der  Vorlage  in  ihrer  Gestaltqualität  fester  wird.  Die  Ablehnung
der  Karten,  in  denen  die  Vorlage  nicht  enthalten  ist,  geht  leicht
vonstatten.  In  A  3  ist  die  Isolierung  der  Figur  durch  Wechsel
        <pb n="25" />
        [16,  272]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  25

der  Gestaltauffassung  erschwert,  auch  will  bei  der  Drehung  das
sichere  Festhalten  der  Gestaltvorstellung  nicht  gelingen,  weil  die
Unregelmäfsigkeit  des  Kreuzes  die  Vorstellung  labil  werden  läfst.
In  A  5  ist  die  Täuschung  über  den  Grad  der  Drehung  bemerkenswert. ­
  Deutlich  ist  die  Schwierigkeit  des  gestalt  -  abstrakten  Vergleichens
  bei  dem  geteilten  Winkel,  andererseits  die  Tendenz  zur
Bildung  einer  Gestalt  aus  der  durch  die  Betrachtung  bevorzugten
Seite  der  Struktur.
In  B.  gilt  für  die  Auffassung  der  Vorlage  dasselbe  wie  in
A,  doch  kommt  dieses  Moment  hier  schon  sehr  schnell  zur  Wirkung. ­
  In  B  1  ist  auffallend,  dafs  die  Gestaltqualität  des  Dreiecks ­
  eine  in  den  Ausmaßen  aufserordentlich  verschiedene  Konfiguration ­
  als  ähnlich  erscheinen  läfst.  Dabei  herrscht  die  Betonung ­
  der  Gesamtgestalt  derartig  vor,  dafs  durchlaufende  Linien
als  isoliert  gefalst  werden.  In  B  4  ist  eine  Schwierigkeit  dadurch
aufgetreten,  dafs  eine  Seite  des  Dreiecks  als  Bo  ge  nt  eil  aufgefafst
  war,  und  deshalb  als  Fortsetzung  im  Komplex  eine  Ergänzung ­
  zu  einem  Bogen  erwartet  wurde.
In  C  wird  die  Vorlage  in  zwei  prägnante,  eindeutig  einander
zugeordnete  Gestalten  gefalst.  Dadurch  geht  das  Suchen  im
allgemeinen  gut  vonstatten.  In  C  6  tritt  die  Schwierigkeit  der
Basalverschiebung  der  Gestalt,  d.  h.  der  Betrachtung  von  der
anderen  Seite,  und  ein  dadurch  nahegelegter  Wechsel  der  Zentrierung ­
  stark  in  die  Erscheinung.
D  wird  sehr  sicher  erledigt,  die  Auffassung  der  Vorlage  ist
nicht  etwa  labil.
In  E  ist  die  Auffassung  weniger  bestimmt,  ein  allgemeiner
Gesamtem  druck  herrscht  vor.
Deutlich  ist  das  Vorherrschen  prägnanter  Ganzauffassungen,
u nd  zwar  ist  die  Prägnanz  der  ersten  Auffassung  so  stark,  dafs
sie  einer  Veränderung,  und  dadurch  auch  dem  Operieren  mit
der  Gestalt,  einen  Widerstand  entgegensetzt.
b)  Wegegedächtnis.
Durch  den  Versuch  soll  das  Gedächtnis  für  einen  mit  voller
Aufmerksamkeit  beobachteten  Weg  geprüft  werden.  Die  Ver-Su
 chsanordnung  ist  folgende:
An  einem  Stativ  ist  in  einem  Winkel  von  80—90°  zur  Tischplatte ­
  ein  kegelförmiges  Diaphragma  aus  schwarzer  Pappe  mittels
eines  Pappringes  und  2  Klemmen  befestigt.  Die  untere  Öffnung
        <pb n="26" />
        26

W.  ßenary.

[16,  273J

des  Diaphragmas  hat  einen  Durchmesser  von  2  cm,  die  obere
von  23  cm.  Die  untere  Öffnung  befindet  sich  etwa  2 x / 2  cm  über
der  Tischplatte.  An  einem  zweiten  Stativ  ist  mittels  2  Winkelschrauben ­
  und  eines  kurzen  Eisenstabes  ein  Stock  befestigt,  an
dessen  vorderem  Ende  eine  senkrecht  schreibende  Registrierfeder
mit  Isolierband  angeklebt  ist.  Der  Stock  ist  um  den  wagerechten
Eisenstab  drehbar,  so  dafs  die  Feder  nach  unten  gedrückt  oder
gehoben  werden  kann.  Die  Feder  wird  so  gestellt,  dafs  sie  unter
dem  Diaphragma  in  dem  Gesichtsfeld  des  Prüflings  steht;  sie
ist  mit  roter  Tinte  gefüllt.
Es  wurde  für  den  Versuch  eine  Karte  gezeichnet,  auf  der
eine  grofse  Anzahl  verschiedengeformter  Dörfer  mit  dazwischenliegendem ­
  Wegnetz,  einige  grofse  Strafsen  und  Bahnen  eingezeichnet ­
  sind.  Diese  Karte  enthält  keine  Namen  und  kein
Gradnetz,  so  dafs  ihre  Drehung  nur  an  den  eingezeichneteu
Geländepunkten  oder  der  Begrenzung  erkannt  werden  kann,  und
eben  nur  diese  Anhaltspunkte  für  die  Orientierung  innerhalb
der  Karte  gegeben  sind.  Von  dieser  in  greisem  Mafse  gezeichneten ­
  Karte  wurde  eine  Aufnahme  im  Format  13X18  cm  hergestellt ­
  und  Abzüge  dieser  Aufnahme  für  die  Versuche  verwandt. ­
  Das  Karteribild  zeigt  ein  Gelände  in  sehr  starker  Vereinfachung, ­
  jedoch  sind  die  dargestellten  Einzelheiten  zur  Orientierung ­
  geeignet.
Die  Prüfung  wurde  an  den  einzelnen  Arbeitstagen  in  verschiedener ­
  Form  durchgeführt.  Zuerst  bei  E.,  P.,  S.  in  folgender
Form:  Dem  Prüfling  wird  ein  Ausschnitt  der  Karte  vorgelegt;
der  Ausschnitt  ist  rund  und  zeigt  nichts  von  der  Umrandung
des  Bildes,  so  dafs  die  peripheren  Anhaltspunkte  wegfallen.  Es
wird  dem  Prüfling  vom  VI.  darauf  ein  bestimmter  Weg  durch
sehr  langsames  Langfahren  mit  einem  Bleistift,  aber  ohne  Einzeichnung, ­
  2mal  gezeigt.  Diesen  Weg  hat  der  Prüfling  zu
merken  und  aus  dem  Gedächtnis  folgendermafsen  in  die  Karte
einzuzeichnen:  Er  beobachtet  durch  das  Diaphragma,  während
der  Versuchsleiter  einen  Abzug  der  ganzen  Karte,  der  auf  einem
Pappstreifen  mit  Markenpapier  befestigt  ist,  so  unter  der  Feder
hindurchschiebt,  dafs  diese  auf  der  Karte  einen  Weg  einzeichnet.
Der  VI.  sitzt  dem  Prüfling  gegenüber  und  schiebt  den  Streifen
mit  der  Karte  sehr  langsam  auf  ihn  zu.  Der  Prüfling  bedient
mit  einer  Hand  das  ihm  zugekehrte  Ende  des  Streifens,  und  hat
die  Aufgabe,  es  so  seitlich  zu  verschieben,  dafs  der  Weg,  der
        <pb n="27" />
        [16,  274J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  27
durch  die  Feder  eingezeichnet  wird,  der  vorher  gezeigte  Weg
wird.  Mit  der  anderen  Hand  kann  der  Prüfling  das  Stativ  mit
dem  Diaphragma  bewegen.  Wird  also  durch  das  Diaphragma
das  Gesichtsfeld  aufserordentlich  stark  eingeengt,  so  ist  durch
diese  Beweglichkeit  die  Möglichkeit  gegeben,  auch  eine  gröfsere
Fläche  abzusuchen.  Bei  der  geringen  Gröfse  der  Darstellung
auf  der  Karte,  die  für  die  praktische  Handlichkeit  günstig  ist,
soll  die  Einengung  des  Gesichtsfeldes  durch  das  Diaphragma  der
uatürlichen  Begrenzung  des  Sehfeldes  entsprechen,  das  ja  im
Gelände  momentan  auch  nur  einen  verschwindend  geringen
Ausschnitt  umfafst.  Den  kleinen  Mafsen  der  Karte  entsprechend
mufs  die  Geschwindigkeit,  mit  der  der  Yl.  den  Streifen  schiebt,
sehr  gering  sein.  Der  VI.  mufs  sich  diese  Geschwindigkeit  vorher ­
  sorgfältig  einüben,  ebenso  wie  er  die  einzelnen  Wege  genau
kennen  mufs.  Bei  der  Bewegung  des  Pappstreifens  durch  den
Früfling  mufs  der  VI.  darauf  achten,  dafs  er  die  gleichmäfsige
Geschwindigkeit  bestimmt,  und  der  Prüfling  sie  nicht  an
einigen  Stellen  beschleunigt  und  an  anderen  verlangsamt.
Vor  Beginn  der  Prüfung  wird  die  Anordnung  erklärt,  ohne
hals  die  Karte  gezeigt  wird.  Der  Prüfling  mufs  die  Bewegungen
hes  Stativs  mit  dem  Diaphragma  und  die  des  Streifens  einige
Male  ausführen,  und  mufs  wissen,  dafs  er  die  Feder  nicht  berühren ­
  darf.  Zum  Beginn  der  Einzeichnung  wird  die  Karte  so
gelegt,  dafs  die  Feder  auf  dem  richtigen  Anfangspunkt  des  gesuchten ­
  Weges  steht,  und  die  Richtung  des  Weges  der  der  Kartenverschiebung ­
  etwa  entgegengesetzt  ist,  dem  Prüfling  die  Anfangsrichtung ­
  also'  nahegelegt  ist.  Auf  diese  Weise  wurde  von  den
drei  Prüflingen  die  Eiuzeichnuug  der  Wege  1,  2,  3  verlangt,
Uü&amp;lt; J  zwar  in  derselben  Richtung,  in  der  die  Wege  vorher  gezeigt
waren.
Etwas  abgeändert  wurde  die  Prüfung  bei  Lt.  K.  Auch  hier
wurden  die  3  Wege  verlangt,  jedoch  wurden  Darbietung  und
Einzeichnung  gegenüber  der  Art  der  früheren  Versuche  vertauscht. ­
  Der  Prüfling  beobachtete  bei  der  Darbietung  durch
, as  Diaphragma;  die  Feder  war  ein  wenig  angehoben,  so  dafs
Sle  den  Weg  auzeigte,  aber  nichtein  zeichnete.  Es  wurden
Wle der  die  Kartenausschnitte,  diesmal  auf  Pappstreifen  befestigt,
^ er Wandt;  der  Weg  mufste  dann  mit  Bleistift  in  die  offene  ganze
rte  eingezeichnet  werden,  wobei  jedesmal  wieder  der  Anfangs-P
 u ukt  gegeben  wurde.  Diese  Änderung  der  Prüfung  war  als
        <pb n="28" />
        28

W.  Benary.

[16,  275]

(geringe)  Erschwerung  gedacht,  da  hier  Auffassung  und  Einprägung
  bereits  durch  die  Einengung  des  Gesichtsfeldes  schwierig
gestaltet  sind,  und  zu  erwarten  war,  dafs  hierdurch  leichter  Unsicherheit ­
  hervorgerufen  werden  würde  als  bei  der  ersten  Art
der  Anwendung.
Bei  der  Prüfung  von  Ma.,  M.,  A.,  L.  wurde  die  Aufgabe
weiter  erschwert.  Auffassen  und  Einzeichnen  wurde  unter
dem  Diaphragma  verlangt,  die  Darbietung  war  wie  bei  der
Prüfung  K.,  das  Einzeichnen  wurde  wie  in  den  ersten  Prüfungen
ausgeführt.  Die  Aufgabe  wurde  weiter  folgendermafsen  abgeändert; ­
  Es  wurde  die  Zeichnung  von  Weg  1  und  3  ebenso
wie  vorhin  verlangt,  darauf  Weg  2  und  4  (neu)  in  der  umgekehrten ­
  Richtung  wie  sie  gezeigt  waren,  also  vom  Endpunkt  zum
Ausgangspunkt  zurück.
Wenn  also  die  Aufgabe  auch  nicht  für  alle  Prüflinge  gleich
war,  so  lassen  sich  die  Ergebnisse  nach  der  Sicherheit  und
Zweckmäfsigkeit  der  Leistungen  doch  beurteilen  und  gruppieren
Gut:  K.,  Ma.;  Mittel:  S.,  P.,  A.,  L.;  Schlecht:  E.,  M.

Vp.

1.

2.

3.

4.

E.
P.
S.
2.
4.
5.
6.

r
k
e
f
d
f
k

r
r
e
k
f
f
k

d
k
r

I.  Art.

K.

r

r

r

II.  Art.

Ma.

r

r
r

r

r

M.

r

r

d

d

A.

e

k

r

k

L.

k

k

r

k

8.

r

r

k

d

III.  Art.

9.  ■

e

k

k

d

10.

?

r

r

e

11.

k

r

r

e

12.

e

r

e

e
        <pb n="29" />
        [16,  276J  Bericht  über  Arbeiten  zw  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  29

Ergebnisse  zum  Vergleich.
Die  Ergebnisse  sind  für  alle  Prüflinge  aufser  Vp.  20—22
in  einer  Tabelle  gegeben,  um  von  der  Wiedergabe  der  eingezeichneten ­
  Kurven  absehen  zu  können,  die  nur  für  Vpn.  20—22
auf  Tafel  I  gegeben  ist.  Die  Zusammenstellung  entspricht  den
3  Arten,  in  denen  die  Prüfung  durchgeführt  wurde.
(Vgl.  die  nebenstehende  Tabelle.)
Es  bedeutet;
r  =  richtig;  k  =  korrigiert,  d.  h.  der  Weg  ist  für  ein  Stück  verfehlt
aber  wiedergefunden;  e  =  Endpunkt  verfehlt;  f  =  stark  falsch;  d  =  desorientiert ­
  und  aufgegeben.

Protokolle.
Die  Protokolle  sind  jedesmal  nach  Einzeichnung  eines  Weges
aufgenommen.  Die  Darbietung  und  Einzeichnung  ist,  wenn
n ichts  anderes  angegeben,  ebenso  wie  bei  den  letzten
besprochenen  Prüfungen,  also  nach  Art  III  ausgeführt.  Vgl.
dazu  die  Wiedergabe  der  Einzeichnungen  auf  Tafel  I,  Versuch  b.
^ ül- t  bedeutet  die  punktierte  Linie  den  richtigen,  die  ausgezogene
Linie  den  von  der  Vp.  eingezeichneten  Weg.  Einzelne  in  den
Protokollen  besonders  hervorgehobene  Punkte  sind  im  Text  und
auf  den  Abbildungen  mit  Buchstaben,  der  Anfang  jedes  Weges
ist  mit  der  entsprechenden  Ziffer  bezeichnet.  Reihenfolge  der
Abbildungen  von  oben  nach  unten:  Einzeichnung  Vp.  20,  Vp.  21,
Vp.  22.

Vp.  20.
Weg  1.
Zunächst  ist  zu  sagen,  dafs  ich  fortwährend  gesucht  habe,  ein  Simultanbild ­
  zu  gewinnen,  also  welche  Gesamtform  des  Weges  resultiert.  .  Aus
einzelnen  sukzessiven  Stadien  dieses  Bild  zu  gewinnen  ist  in  diesem  Falle
schwer,  weil  das  Tempo  der  Verschiebung  zu  langsam  ist;  das  Zusammenbuchstabieren
  wird  dadurch  sehr  erschwert.  Infolgedessen  verschiebe  ich
den  Trichter  schnell  hin  und  her,  um  das  Simultanbild  zu  bekommen,  darf
aber  dabei  nicht  zu  weit  Zurückbleiben,  da  ich  sonst  in  die  Gefahr  komme,
den  gegangenen  Weg  zu  verpassen.
Jm  gewonnenen  Gesamtbild  kann  ich  deutlich  zwei  Hauptbestandteile
unterscheiden.  Einen  ersten,  der  sehr  sicher  war;  der  reichte  ungefähr
bis  vor  die  Hanptdrehung.  Dieser  erste  Hauptbestandteil  wurde  folgender-U'afaen
  eingeprägt:  Da  nach  der  ersten  kleinen  Drehung  nach  links  die
Fortsetzung  ungefähr  der  Ausgangsrichtung  parallel  verläuft,  sagte  ich  mir:
6in  Strahl  wird  in  eine  planparallele  Platte  hineingebrochen  und  tritt  para
 bnl,  aber  verschoben,  wieder  heraus.  Hur  ist  die  Parallelität  nicht  genau,
sondern  sie  divergiert  ein  wenig.  Der  Ausgangsstrahl  ist  ungefähr  2  bis
        <pb n="30" />
        30

W.  Bmary.

[16,  277]

2'/imal  so  lang  wie  der  einfallende  Strahl.  Dann  kommt  eine  kleine
Bauchung  nach  rechts.  Aber  im  allgemeinen  bleibt  doch  eine  Linksorientierung ­
  bestehen,  eine  Hauptrichtung  bleibt  vorhanden.  Bis  zur  Hauptbibgung
  ist  eine  deutliche  Hauptrichtung  da,  die  etwas  nach  links  geht.
Nach  der  Bauchung  geht  es  wieder  stark  nach  links.  Das  Simultanbild
war  das  einzig  mafsgebende,  mit  unglaublich  starken  kinästhetischen  Vorstellungen. ­
  Dörfer,  Wegegabeln  wurden  überhaupt  nicht  beachtet,  als  wenn
sie  überhaupt  nicht  da  wären,  sie  würden  mich  höchstens  stören.  Das  war
der  sichere  Teil,  jetzt  kommt  der  unsichere.  Und  die  Unsicherheit  war
durch  folgende  Umstände  bedingt:  Ich  habe  zwar  deutlich  gespürt,  es  ist
eine  starke  Biegung  nach  rechts  da,  aber  ich  habe  mit  dem  Trichter  so
lange  herumgesucht,  bis  ich  gewissermafsen  den  Kontakt  verloren  habe,
und  jetzt  war  die  Zusammenfugung  der  beiden  Teile  ungeheuer  schwer.
Auch  die  zweite  Darbietung  fügte  die  beiden  Teile  nicht  zusammen.  Dazu
Unsicherheit  dadurch,  dafs  die  Feder  bei  der  ersten  Darbietung  nicht
absolut  genau  über  dem  Wege  stand,  das  hat  sofort  sehr  stark  gestört.
Bei  der  Reproduktion  waren  die  Hauptrichtungen  absolut,  sicher.  Im
ersten  Bestandteile  auch  die  Einzelheiten.  Nun  kam  dazu,  dafs  ich  vergessen ­
  habe,  dafs  die  Feder  unbeweglich  ist.  Ich  machte  infolgedessen
eine  subjektiv  richtige,  aber  objektiv  falsche  Drehung.  Damit  war  alles
verloren.  Ich  wufste,  dafs  der  Weg  viel  zu  lang  wird,  und  wartete  auf
die  kleine  Endstation,  was  das  einzige  ist,,  das  ich  mir  als  Dorfform  gemerkt ­
  habe,  und  da  dieses  Dort  nicht  kam,  rutschte  ich  immer  weiter.
Weg  2.
Es  ist  etwas  prinzipiell  anderes,  den  Weg  nachzuzeichnen  (d.  h.  die
Feder  zu  bewegen),  oder  die  Unterlage  zu  verschieben.  Ich  habe  den  Weg
simultan  wieder  gehabt,  kolossal  stark  kinästhetisch,  infolgedessen  würde
ich  auf  einer  Tafel  direkt  die  motorische  Kurve  zeichnen.  Verschiebe  ich
jetzt  blofs  die  Unterlage,  so  geht  dieser  Hauptanhaltspunkt,  das  Kinästhetische,
  verloren,  d.  h.  die  ganze  Mühe  war  zwecklos,  die  ganze  Aufgabe
kommt  ganz  unvorbereitet.
Was  nun  das  Merken  des  Weges  anbetrifft,  so  ist  zu  sagen:  Zwei
Hauptteile,  getrennt  durch  grofse  Chaussee  und  Bahn.  Im  ersten  Teil  bis
zum  Bahngeleise  3  Dörfer  und  zwar  die  Lage  dieser  3  Dörfer  schon  so
vorgestellt,  wie  -wenn  ich  zurückgehen  würde.  Merke  also  immer  die
Knickung  nach  rechts,  nicht  nach  links.  Der  zweite  Teil  war  bedeutend ­
  schwieriger  zu  merken,  optisch.  Im  ersten  Teil  gleich  bei  den  beiden
Dörfern  Dreieck  der  Wegefigur  gemerkt.  Beide  Hauptteile  des  Weges  ganz
gesondert  gemerkt,  sie  hatten  nichts  miteinander  zu  tun.  Gemerkt,  dafs
Eisenbahn  und  Chaussee  dicht  beieinander  liegen,  und  zwar  bildeten
Strafse,  Bahn,  Dorf  eine  Dreiheit.  Ich  merkte  mir  aber  nicht  die  Reihenfolge ­
  des  Hinweges,  sondern  des  Rückweges.  Jetzt  war  es  schwieriger.
Ich  habe  mir  gedächtnismäfsig  eingeprägt,  dafs  es  hinter  dem  Dorf  nach
rechts  geht,  bis  zum  nächsten  Dorf.  Dann  ein  charakteristisches  dichteres
Gewirr,  wo  ich  mitten  durch  mufste.  Das  Wesentliche  ist,  dafs  es  die
Mitte  ist.  Dann  ist  keine  Abweichung  von  dem  Weg  da,  d.  h.  es  kommt
kein  starkes  Abbrechen  mehr.  Im  ersten  Teil  deutliche  Gesamtkurve.  Im
        <pb n="31" />
        Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  31

zweiten  Teil  auch  Tendenz  zur  Bildung  davon,  aber  da  war  es  viel  schwieri
 ger;  dabei  bei  weitem  stärkere  Betonung  der  Einzelheiten.
(Da  sich  bei  diesem  Weg  die  Art  der  Reproduktion  als  für  die  Vp.
gänzlich  ungeeignet  herausstellt,  wird  nun  für  die  nächsten  beiden  Wege
das  Verfahren  gewechselt,  indem  im  wesentlichen  auf  die  Prüfungsart  bei
Vp.  Lt.  K.  zurückgegangen  wird.  Es  wird  also  die  Darbietungsart  gelassen, ­
  dagegen  die  Einzeichnung  geändert  :  Es  wird  nicht  mehr  von  der
Vp.  die  Karte  bewegt,  sondern  mit  eigener  Bewegung  (mit  Federhalter)  in
die  Karte  eingezeichnet.  Es  wurde  nur  insofern  anders  als  bei  Vp.  K.  vorgegangen,
  als  nicht  die  ganze  Karte  freigelassen,  sondern  durch  ein  schwarzes,
lose  aufgelegtes  Papier  verdeckt  wurde,  in  dem  eine  kreisförmige  Öffnung
von  2  cm  Durchmesser  gelassen  war.  Dieses  Papier  wurde  von  der  Vp.
roit  dem  Federhalter  bewegt.)

Lauter  einzelne  Stadien  gemerkt,  unabhängig  voneinander,  summativ.
Und  zwar  möglichst  versucht,  zwischen  den  einzelnen  Summanden  keinerl
 0 i  zusammenhängende  Beziehung  zu  stiften.  Die  ersten  drei  oder  vier
Summanden  sehr  leicht  zu  merken,  in  der  letzten  Hälfte  aber  schwer,  weil
Ihr  die  Skandierung  der  einzelnen  Summanden  zu  schlechte  Anhaltspunkte
da  waren;  es  ging  da  irgendwie  gerade  aus.  Erstes  Stadium:  Anfangs-Punkt
  bis  grofse  Strafse.  Noch  dazu  erleichtert,  dafs  die  grofse  Strafse  an
e, n  Dorf  grenzt.  Zweites  Stadium:  Die  grofse  Strafse  entlang  in  zwei
S’ofsen  Schritten.  Erster  Schritt  bis  abzweigender  Weg,  zweiter  Schritt
18  nächstes  Dorf.  Drittes  Stadium:  Leichte  Biegung  nach  rechte,  mit  der
Aufgabe:  „Halte  dich  an  den  Weg,  und  kümmere  dich  um  gar  nichts.“
es  plötzlich  im  hellen  Feld,  etwa  im  rechten  Winkel  nach  links  abgeht.
  Jetzt  kommt  ein  neuer  Abschnitt:  Gerade  aus.  Ich  bleibe  auf  dem
' v eg-  Zur  Gesamtorientierung  erleichtert,  dafs  dieser  Weg  die  Bahn  kreuzt,
18  lc h  an  eine  Stelle  komme,  wo  ein  kleines  Dreieck  (d)  da  ist.  Da  mufs
lc h  rechts  abgehen,  und  jetzt  war’s  furchtbar  schwer,  dafs  es  nach  links
w |eder  abgeht.  Das  war  kinästhetisch  gemerkt  und  auch  sprachlich  asso-'
 ill ert.  Dafs  dieser  spezielle  Weg  genommen  wird,  liegt  einfach  daran,
.  8  er  nur  als  einziger  in  Frage  kommt.  Bis  zur  ersten  Schwierigkeit
g,n §  es  einigermafsen  leicht.  Und  jetzt  hatte  ich  den  Wunsch  voraus-^ugieifen,
  um  zu  sehen,  welche  einfachen  optischen  Strukturen  da  waren.
a  ^as  nicht  gelang,  habe  ich  mir  gesagt:  „Bleib  auf  dem  Weg“,  zentriert
einer  Hauptrichtung.  Das  letzte  Ende  war  sicher,  weil  ich  eben  auf
h em  W eg  blieb.  Nur  einmal  kam  ich  auf  eine  Abgabelung.  Gefunden
e  &amp;gt;ch  es  dann  wieder  dadurch,  dafs  ich  mir  die  Form  des  Enddorfes
habe.  Die  zweite  Darbietung  (zur  Einprägung)  erschien  als  ziem-Uli
  IVOen,,f  1,"  1.  n  .  rn  -1  r  i  ■  i,  ■  „t  ,3  :  j.  V  :  ~
        <pb n="32" />
        EHWMHHBMI

■

32

W.  Benary.

[16,  279]

Weg  4.
Ich  habe  wieder  versucht,  Stadien  zu  bilden.  Der  erste  Schritt  war
schwer  zu  merken,  er  war  lang  und  hatte  nur  das  deutlich,  dafs  man  ungefähr ­
  immer  auf  der  geradausgehenden  Linie  bleiben  mufste,  bis  auf  die
eine  Knickung  ganz  am  Anfang.  Dann  kam  ein  Eisenbahngeleise,  das  half
sehr.  Dann  bis  zu  einer  Hauptstrafse  einfach  „auf  dem  Weg  bleiben“,  und
von  der  Hauptstralse  wiederum  dasselbe  bis  zum  Ende.  Dieses  Einhalten
des  Weges  ist  nicht  so  gemeint,  dafs  ich  mir  irgendwelche  Hauptrichtungen ­
  im  grofsen  und  im  objektiven  Raum  merke,  sondern  ich  bleibe
auf  dem  Weg  von  Schritt  zu  Schritt.  Auch  hier  ist  etwas  Summatives.
Ob  der  Weg  Biegungen  macht,-  oder  dauernd  seine  Richtung  ändert,  ist
gleich.  Die  Raumkoordinaten  spielen  keine  Rolle.  Ich  weifs  auch  gar
nicht,  wo  es  hingeht.  Es  ist  so,  als  wenn  der  Weg  irgendwie  anders  wäre.
Davon  gab  es  im  ganzen  nur  zwei  Ausnahmen  (a  und  b).  In  der  zweiten
Hälfte  des  ersten  Stadiums,  und  ganz  am  Schlafs.  Beide  Ausnahmen  habe
ich  mir  gemerkt.  Beim  Rückweg  klappte  es  mit  der  ersten  Ausnahme,
und  ich  war  froh,  dafs  ich  bis  zur  Hauptstralse  gekommen  war.  Dann
war  ich  vollständig  unsicher  geworden,  ich  befand  mich  in  einer  ganz
fremden  Gegend  (es  war  aber  objektiv  richtig!].  Trotzdem  sagte
ich  mir:  Halte  dich  wenigstens  an  das  eine  Kriterium,  halte  dich  auf  dem
Weg.  Und  das  hielt  ich  bis  zum  Schlafs  durch.  Wufste,  dafs  also  ein
Fehler  da  sein  mufste,  denn  die  zweite  Ausnahme  kam  nicht.  Aber  jedes
Suchen  nach  dieser  zweiten  Ausnahme  war  absolut  aussichtslos,  denn  ich
hatte  gar  keine  Anhaltspunkte,  um  irgendwelche  Einzelheiten,  oder  sonst
irgend  etwas  wiederzuerkennen.  Bei  dem  Einhalten  des  Weges  handelte
es  sich  um  eine  kinästhetische  Struktur.  „Auf  dom  Weg  bleiben“  heifst,
den  Rumpf  nicht  nach  links  oder  rechts  drehen.  Ob  er  objektiv  allmählich ­
  Schwenkungen  macht,  und  wie  er  zu  irgendwelchen  abstrakten  Koordinaten ­
  steht,  ist  gleich.
Ein  Beweis  dafür,  dafs  das  Verhalten  vor  allem  auf  dem  Vorherrschen
kinästhetischer  Inhalte  und  auf  deren  Einprägung  beruht,  nicht  aber  auf
der  Einprägung  optischer  Totalbilder  oder  Summen  ist  1.  die  Unfähigkeit,
der  Aufgabe  in  der  Weise  nachzukommen,  wie  bei  Weg  1  und  3  verlangt
wurde,  und  2.  die  vollständige  Desorientierung,  wenn  die  kinästhetischen
Anhaltspunkte  verlorengehen;  dann  kann  nur  noch  nach  irgendwelchen
gedächtnismäfsig  eingeprägten,  aber  rein  abstrakten  Merkmalen  der  Versuch
zu  Ende  geführt  -werden.  Bei  einem  solchen  Verfahren  haben  Hinweg  und
Rückweg  überhaupt  nichts  mehr  miteinander  zu  tun.  Der  Rückweg  ist
gewissermafsen  eine  erstmalige  Leistung,  entsprechend  einer  sich  selbst
gegebenen  Instruktion.  Der  Hinweg  hat  also  blofs  die  Bedeutung,  dafs
überhaupt  diese  Instruktion  gegeben  werden  konnte  (so  wurde  bei  diesem
Weg  verfahren  von  der  Kreuzung  mit  der  grofsen  Strafse  ab  bis  zum
Schlufs).
Zusammenfassung.
Das  optische  und  das  kinästhetische  Moment  in  der  Orientierung ­
  treten  hier  deutlich  auseinander.  Ob  in  der  Praxis  des
        <pb n="33" />
        [16,  280]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  ßg

Fliegers  die  kinästhetischen  Auffassungen  für  die  Qfctsorienherung
  eine  entscheidende  Rolle  spielen  können,  ist  eitejFrag^^jhek  S  J
die  hier  unberücksichtigt  geblieben  ist.  Bei  den  Fliegerpiö|jungen
ln  Hannover  hatte  ich  die  Absicht,  mich  auf  das  Op^i^he
zu  beschränken;  der  vorliegende  Versuch  zeigt  alleh^ugsKißV^/
die  Unvollkommenheit  der  Versuchsanordnuug  in  dieser  Be :
ziehung.
Das  Vorherrschen  des  kinästhetischen  Faktors  für  die  Vp.
Vitt  klar  heraus.  Rein  optisch  sind  wenig  Einzelheiten  aufgefafst,
  dagegen  ist  ein  grofser  Reichtum  an  kinästhetischen  Auffassungen ­
  da.  Die  Neigung,  für  den  ganzen  Weg  oder  gröfsere
Strecken  Gesamtgestalten  zu  gewinnen,  ist  ebenso  vorhanden
wie  eine  summative  Auffassung.  Es  tritt  neben  einer  Orientierung ­
  im  objektiven  Raum  nach  objektiven  Richtungen  vor
allem  sehr  stark  die  Beachtung  des  egozentrischen  (rechts-links)
Koordinatensystems  hervor.  Sie  wird  oft  das  einzig  Mafsg
 e bende,  weder  an  die  Richtungen  im  objektiven  Raum,  noch
an  die  optischen  Gegebenheiten  wird  überhaupt  nur  gedacht.
Dafür  ist  Weg  4  durchaus  charakteristisch,  besonders  durch  die
»Ausnahmen“,  bei  denen  eine  spontane,  aktive  Drehung,  nicht
eine  passive  Drehung  durch  den  Weg  verlangt  wird.  Die  kinästhetische
  Auszeichnung  „des“  Weges  als  einer  Struktur  im
Egozentrischen  Raum,  ermöglicht  hier  sogar  eine  brauchbare
Leistung  bei  vollständiger  subjektiver  Unsicherheit,  weil  gar
keine  Bekanntheit  mit  der  Gegend  gewonnen  war.  Die  subjektive ­
  Sicherheit  gerade  infolge  der  Bekanntheitsqualität  der  Dinge
ln  Weg  3  wird  ja  von  der  Vp.  betont.  Aufserdem  werden  Wortass
 °ziationen  verwandt,  besonders  wenn  die  optischen  Hilfen
Khlen.  Darum  wird  gerade  bei  Weg  4  für  das  Rückwärtsfinden
&amp;lt;11®  »Instruktion“  wichtig,  bei  Weg  2  ist  es  bewufst  mit  optischen
Vorstellungen  versucht,  die  den  Rückweg  antizipieren  sollen.
Wenn  die  Vp.  (in  Weg  3)  die  zweite  Darbietung  zur  Einprägung
als  unwesentlich  bezeichnet,  so  ist  das  nur  so  zu  verstehen,  dafs
dadurch  die  Unsicherheit  des  zweiten  Wegteils  nicht  aufgehoben
^ lr L  Dagegen  soll  es  keinen  Widerspruch  dagegen  bedeuten,
ais  die  Bekanntheit  durch  die  zweite  Darbietung  gesteigert  wird.
21.
^ e S  !■  (Nur  einmalige  Darbietung.)
Lh  habe  mir  gemerkt:  Erster  Weg  links  ab.  Dann  geht  es  immer
e  a us,  zwischen  zwei  Dörfern  durch,  auf  ein  davorliegendes  Dorf
Sch «fteu.  Heft  12.  3
        <pb n="34" />
        34

W.  Benary.

[16,  281]

zu.  Dann  merkte  ich  mir,  dieses  Dorf  mufst  du  rechts  liegen  lassen.  Ich
wufste,  es  war  eine  Hauptrichtung  mit  kleinen  Schwankungen.  Erster
ausgezeichneter  Punkt:  links  ab  hinter  dem  ersten  Dorf.  Zweiter  ausgezeichneter ­
  Punkt:  zwischen  den  beiden  Dörfern  durch.  Dritter  ausgezeichneter ­
  Punkt:  das  dritte  Dorf  rechts  liegen  lassen,  dann  nicht  mehr
von  dem  vorgezeichneten  Weg  abweichen.  Wie  ich  diesen  Weg  recht»
gemerkt  habe,  kann  ich  nicht  sagen.  Ich  habe  weder  visuell  noch  motorisch ­
  irgend  ein  Erinnerungsbild  gehabt,  noch  habe  ich  die  Form  des  Weges
oder  der  Dörfer  beachtet.  Ich  habe  nur  ein  Gefühl  gehabt:  So  mufs  ich
gehen.
Weg  3.
Ich  merkte  mir,  es  geht  erst  geradeaus  über  ein  Dorf  weg,  dann
komme  ich  auf  eine  Hauptstralse,  Von  der  Hauptstrafse  mufste  ich  an
einer  Stelle,  auch  über  ein  Dorf,  rechts  wieder  ab.  Ob  es  das  erste  Dorf
war,  und  wie  das  aussah,  wufste  ich  dann  nicht  mehr.  Ich  ging  die  Hauptstrafse
  entlang,  und  kam  dann  an  eine  diese  Hauptstrafse  kreuzende  Hauptstrafse ­
  (a).  Ich  wufste,  dafs  ich  an  diese  zweite  Hauptstrafse  nicht  kommen
durfte  und  ging  deshalb  wieder  zurück.  Aufserdem  sah  ich  die  Bahn,  die
ich  vorher  nicht  gesehen  hatte.  Ich  kehrte  deswegen  um  und  überflog
das  erste  Dorf.  Dann,  wufste  ich,  geht  es  eine  Zeitlang  geradeaus,  bis  ungefähr ­
  an  die  nächste  Hauptstrafse.  Ich  merkte  mir,  dafs  ich  vor  der
zweiten  Plauptstrafse  über  ein  kleines  Dreieck  (Wegeflgur,  d)  kommen
mufste.  Das  fand  ich  anfangs  nicht.  Ging  über  die  Plauptstrafse  hinaus  (b)..
Dann  fiel  mir  ein,  dafs  diese  Wegefigur  noch  vor  dieser  Hauptstrafse  lag.
Ich  suchte  immer  weiter  nach  dem  Dreieck  und  als  ich  dabei  immer
weiter  von  der  Hauptstrafse  kam,  wurde  mir  die  Sache  zu  unsicher,  ich
kehrte  deswegen  um  (c)  (die  Bahn  wurde  gar  nicht  bemerkt)  und  kehrte
zunächst.zu  der  Hauptstrafse  zurück,  da  ich  wufste,  dafs  dieses  Wegedreieck ­
  noch  vor  der  Hauptstrafse  lag.  Als  ich  das  Wegedreieck  dann
sah,  ich  überkreuzte  an  dieser  Stelle  gerade  den  vorher  zurückgelegten
Weg  (c),  ging  ich  von  dort  auf  das  Dreieck  zu.  Ich  wufatd  dann  nur  noch
die  ungefähre  Hauptrichtung.  Den  Endpunkt  hatte  ich  mir  gemerkt,  weil
die  von  dort  auslaufenden  Wege  ungefähr  ein  Kreuz  bildeten.  (Der  richtige ­
  Endpunkt  wird  aber  verfehlt,  das  gemerkte  Kriterium  pafst  auch  auf
ein  anderes  Dorf  in  der  Nähe.)
Weg  2.
(Beim  Einzeichnen  versichert  Vp.  wiederholt,  dafs  sie  auch  von  der
Richtung  keine  Ahnung  habe  und  zeichnet  trotzdem  richtig  ein.)
Ich  hatte  erwartet,  dafs  die  Bewegung  von  mir  aus  in  umgekehrtem
Sinne  im  Vergleich  mit  den  vorigen  Versuchen  vollzogen  werden  soll.
Also  nicht,  dafs  ich  die  Karte  wieder  auf  mich  zuziehen  sollte.  Das  störte_
mich.  Ich  habe  aber  nicht  den  Eindruck,  dafs  durch  die  Umkehr  im
Übrigen  irgendwie  eine  Erschwerung  gegeben  werde.  Ich  handelte  ebenso
wie  vorher.  Gemerkt  habe  ich  mir  nur  einen  ausgezeichneten  Punkt,  näfflr
lieh  die  Kreuzung  meines  Weges  mit  Bahn  und  Hauptstrafse,  dann  noch
die  Form  des  Dorfes  am  Endpunkt.  Im  grofsen  Ganzen  habe  ich  mich
aber  nur  um  die  allgemeine  Richtung  gekümmert,  ohne  Einzelheiten  an J
        <pb n="35" />
        3*

[16  ,  282J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  35
geben  zu  können.  Ich  kann  auch  gar  keine  Angaben  über  Einzelheiten
machen.  Ich  habe  schon  möglichst  frühzeitig  den  ausgezeichneten  Punkt
gesucht,  und  mich  daraufzu  bewegt,  und  den  habe  ich  mir  sehr  genau  eingeprägt. ­

Weg  4.
Ich  hatte  mir  aus  dem  Anfangsbezirk  bei  der  Darbietung  mehreres
gemerkt,  zwei  Dorfformen  und  eine  Wegeform.  Ich  hatte  mir  auch  aus
dem  Endbezirk  bei  der  Darbietung  etwas  gemerkt,  konnte  mich  aber  dann
nicht  erinnern,  als  ich  den  Weg  rückwärts  unternehmen  wollte.  Ich  bin
ziemlich  planlos  vorgegangen  und  habe  gedacht;  Na,  du  -wirst  schon  etwas
finden,  was  du  kennst.  Als  ich  dann  sah,  dafs  ich  an  den  Rand  der  Karte
m  ganz  fremden  Bezirk  kam  (f),  bin  ich  wieder  umgekehrt,  bis  zu  einer
Stelle,  wo  ich  noch  einigermafsen  sicher  war  (g).  Von  dort  bog  ich  dann
in  der  Richtung  ab,  die  ich  für  die  richtige  Hauptricbtung  hielt,  kam  aber
wieder  in  ganz  unbekannte  Bezirke  und  gab  schliefslich  auf  (h),  weil  ich
kein  deutliches  Erinnerungsbild  für  den  richtigen  Weg  mehr  hatte.
Ich  habe  wohl  immer  (bei  allen  4  Wegen)  Ausgangs-  und  Endpunkt
al s  ausgezeichnete  Punkte  gefafst  und  mich  bemüht,  dazwischen  noch  1
0( ler  2  ausgezeichnete  Punkte  festzuhalten.  Auf  diese  ausgezeichneten
Punkte  wurde  dann  die  Hauptrichtung  zentriert,  die  dann  durch,  irgendwie
bekannte  Bezirke  ging.  Diese  Hauptrichtung  und  diese  allgemeine  Bekanntheit
  waren  mir  die  Hauptsache.

Zusammenfassung.
Vp.  fafst  ausgesprochen  wenig  Einzelheiten  auf;  wesentlich
ls t  die  am  Schlufs  des  Protokolls  gegebene  Erklärung.  Es  wird
w ecler  summativ  noch  als  Gesamtgestalt  ein  Bild  des  Weges  ge-SQcht,
  nur  die  Richtung  und  die  ausgezeichneten  Punkte  werden
be achtet.  Neben  dem  optischen  Wiedererkennen  ist  das  kinäst
 hetische  Moment  für  das  Finden  der  Richtung  zweifellos
wichtig.  Wenn  auch  keine  Angaben  darüber  gemacht  sind,  so
deutet  zumindest  die  zu  Anfang  von  Weg  2  gemachte  Angabe
bber  die  Bewegungsrichtung,  und  der  letzte  Fehler  in  Weg  4
b®i  g,  wo  die  Richtung  verwechselt  wird,  durchaus  darauf  hin.
Auch  die  sprachliche  Einprägung  ist  für  das  Behalten  der  ausgezeichneten ­
  Punkte  von  Bedeutung.  Für  das  Suchen  sind  für
* e  Vp.  ebenso  wie  im  Versuch  a  einzelne  charakteristische
^ tr ukturen  neben  einer  „allgemeinen“  Auffassung  wichtig.  Das
Jl 'gebnis  entspricht  genau  dieser  angewandten  Methode,  eine
Reichend  genaue  Wegefassung  kommt  nicht  zustande,  dagegen
ls *  die  Möglichkeit  zu  Korrekturen  durch  Rückkehr  zu  einem
ails gezeichueten  Punkte  sehr  grofs.
        <pb n="36" />
        36

W.  Benary.

[16,  283]

Vp.  22.
Weg  1.
Als  hinderlich  wurde  das  langsame  Tempo  der  Darbietung  empfunden.
Darum  habe  ich  durch  Verschiebung  des  Diaphragmas  hin  und  her  über
dem  Weg  möglichst  versucht,  den  ganzen  Weg  zu  übersehen.  Ich  wufste
nun,  der  Ausgangspunkt  und  der  Endpunkt  sind  Dörfer,  sonst  geht  der
Weg  immer  zwischen  Dörfern  durch.  Der  Weg  wurde  in  verschiedene
Zonen  eingeteilt.  Erste  Zone  etwa  bis  zur  dritten  Wegkreuzung,  und  das
wurde  im  Ganzen  als  bestimmte  Gestalt  aufgefafst.  Dann  ging’s  ungefähr
den  kürzesten  Weg  geradeaus  weiter,  und  zwar  wufste  ich,  an  dieser  Seite
vorbei  an  dem  längs  gestreckten  Dorf.  Dann,  wufste  ich,  kam  eine  Biegung
rechts.  Und  zwar  ist  nicht  das  Wesentliche  „rechts“,  sondern  nach  dieser
bestimmten  Richtung  anschaulich  abgehend  unterhalb  eines  Dorfes'.  Die
Form  des  Dorfes  hatte  ich  mir  nicht  gemerkt,  aber  ich  wufste,  die  Biegung
kommt  davor,  und  dann  geht’s  ■weiter,  bis  der  Weg  auf  ein  Dorf  trifft.  Ich
war  schon  nach  der  ersten  Darbietung  recht  sicher,  und  habe  bei  der
zweiten  Darbietung  nur  kontrolliert,  ob  die  Bekanntheit,  die  ich  gewonnen
hatte,  richtig  war.  Darum  wäre  mir  gerade  beim  zweiten  Male  lieber  ge--wesen,
  wenn  die  Bewegung  schnell  gewesen  wäre.  Im  ganzen  war  sicher
eine  Gesamtkurve  da.
Weg!  3.
Es  ist  eine  ungefähre  Hauptrichtung  da,  aber  die  Zusammensetzung
des  Weges  ist  summativ;  es  ist  nicht  einfach  eine  Gesamtstruktur  da,  wie
bei  dem  kurzen  Weg  1.  Es  war  sicher,  dafs  keine  ganz  scharfe  Biegung
von  dieser  Hauptrichtung  weg  vorkam.  Erstes  Stück  bis  an  den  grofsen
Weg.  Es  war  sehr  prägnant,  dafs  es  den  grofsen  Weg  entlang  ging;  dann
■  wufste  ich,  es  ging  nachher  zwischen  zwei  Dörfern  durch.  Der  Punkt,  an
dem  es  vom  grofsen  Weg  abging,  wurde  so  gefunden:  Es  gehen  von  dem
grofsen  Weg  zwei  kleine  Wege  ab.  An  dieser  Stelle  geht  er  ab,  und  ich
hatte  das  anschauliche  Bild,  dafs  die  zwei  nächsten  Dörfer  in  einer  Geaamtfigur
  drin  lagen.  Und  zwar  so,  dafs  zwei  Parallele  (kleine  Wege  a  und  b)
von  einer  Linie  geschnitten  werden,  und  diese  dritte  Linie  stellt  das
kommende  Wegstück  dar.  Dabei  lag  das  eine  Dorf  auf  der  einen  Seite  der
schneidenden  Linie  und  das  andere  Dorf  auf  der  anderen,  also  beide  in
Wechselwinkeln.  Beim  nächsten  wufste  ich,  es  geht  über  den  Streifen  von
Bahn  und  Weg  zwischen  zwei  Dörfern  etwa  in  der  Mitte  durch.  Nun  begann ­
  hier  eine  Schwierigkeit:  Es  ist  dem  geraden  Weitergehen  durch  die
Struktur  der  kommenden  kleinen  Wege  ein  „Hindernis“  vorgelagert  (c).
Diese  Wegegestalt,  also  dieses  Hindernis,  hatte  ich  anschaulich  herausgefafst,
  aber  ohne  die  Details  zu  beachten;  ich  wufste  nur,  es  ist  ungefähr
ein  unregelmäfsiges  Viereck.  Der  Weg  lief  darum  herum  und  von  dort
dann  über  den  Hauptweg  herüber,  und  ich  glaube,  ich  wufste,  dafs  es
rechts  an  dem  Dorf  am  Hauptweg  vorbeiging.  Von  da  aus  ging’s  weiter,
und  zwar  wurde  das  durch  das  Ziel  bestimmt,  nämlich  das  Enddorf  in
einer  viereckigen  Wegefigur  mit  Diagonalen.  Beim  Einzeichnen  erschien
das  Tempo  störend,  ich  hätte  gern  an  einzelnen  Punkten  Halt  gemacht,  um
einen  Gesamtüberblick  zu  bekommen.
        <pb n="37" />
        [16,  284]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  37

Weg  2.
Der  Weg  war  sehr  viel  schwerer.  Ich  habe  mich  nach  einzelnen
Bildern  orientiert.  Bei  der  Einprägung  habe  ich  mir  gemerkt,  dafs  es  über
die  Kreuzung  von  Weg  und  Bahn  geht,  die  eine  sehr  prägnante  Gestalt
bilden.  Der  Weg  bis  dahin  ist  auch  sehr  leicht.  Dann  ging  es  von  dem
Dorf  zum  nächsten  Dorf.  Dann  kommt  etwas  Unklares,  wo  ich  mir  gemerkt ­
  habe:  Du  mufst  dich  rechts  halten.  Und  wenn  diese  Zone  überwunden ­
  ist,  dann  ist  das  letzte  Stück  wieder  einfach.  Rückwärts  sieht  die
Sache  ganz  anders  aus.  Ich  wufste  nicht,  wie  ich  anfangen  sollte,  überhaupt ­
  nicht,  nach  welcher  Richtung,  nur  dafs  es  gerade  nicht  auf  der
grofsen  Strafse  war.  Bei  der  zweiten  Darbietung  habe  ich  mir  als  Hilfe
gemerkt,  dafs  durch  die  Wegeflgur  zwischen  vier  Dörfern  ein  Viereck  gegeben ­
  ist,  und  ich  nach  der  einen  Ecke  gehen  mufste.  Mit  dieser  Hilfe
■war  es  dann  leicht.  Nun  kam  das  Gewirr,  und  ich  wufste,  weil  ich  vorhin
rechts  gegangen  war,  mufste  ich  jetzt  links  gehen.  Ich  wufste  nicht  genau,
welchen  Weg,  die  beiden  kommenden  Dörfer  hatten  eine  Art  Anziehungskraft. ­
  Ich  wufste,  dafs  ich  nach  einem  Dorf  mufste,  aber  wie  das  Dorf
aussah,  hatte  icli  mir  nicht  gemerkt.  Ich  habe  den  Weg  aber  doch  richtig
gefunden.  Nun  kommt  eine  Schwierigkeit:  Die  Bahn  und  der  grofse  Weg
bilden  zwei  Dreiecke,  und  ich  glaube,  ich  habe  das  falsche  gewählt,  weil
noch  irgendwie  von  der  Darbietung  die  Reihenfolge  erst  Doppellinie
(grofse  Strafse),  dann  dicke  Linie  (Bahn)  noch  nachwirkte,  aber  ohne
Überlegung.  Dann  wufste  ich,  in  welche  Ecke  ich  hi'nmufste,  wufste,  dafs
der  Weg  falsch  war,  aber  zum  richtigen  Ziel  führte.  Als  ich  dann  am
Endp  nkt  war,  sah  ich  sofort,  welchen  Weg  ich  hätte  gehen  müssen,
denn  da  drehte  sich  die  Sache  gewissermafsen  um.
Weg  i.
(Durch  technische  Störung  entstand  eine  etwas  längere  Bause  zwischen
Darbietung  und  Einzeichnung.)
Erstes  Stück  bis  zu  dem  auffallend  gestalteten  Dorf,  von  dem  die
Form  gemerkt,  war.  Dann  ging  es  nach  der  Seite  ab,  und  zwar  war  die
Wegestruktur  gemerkt,  es  war  ein  unregelmäfsiges  Fünfeck.  Ich  wufste,
an  der  Peripherie  gings  entlang.  Dann  hatte  ich  mir  gemerkt,  dafs  ich
durch  ein  Vieleck  mit  vielen  Diagonalen  über  den  Schnittpunkt  der  Diagonalen ­
  (d)  durchmufste.  Dann  kam  wieder  eine  sehr  prägnante  Struktur,
ein  Becher  (e),  von  der  ich  wufste,  dafs  ich  da  über  die  Doppellinie  rüber
mufste.  Nun  wieder  ein  Schnittpunkt  von  mehreren  Wegen,  und  dann
gings  an  einem  Dorf  vorbei;  und  zwar  hatte  ich  mir  gemerkt;  Du  mufst
nachher  auf  dem  Rückweg  rechts  daran  Vorbeigehen,  und  das  ist  das  letzte
Dorf  vor  dem  Ende.  Ich  achtete  darauf,  dafs  es  nicht  die  Bahn  entlang
weiter  ging,  sondern  einen  anderen  Weg  daneben.  Beim  Rückweg  hatte
ich  den  Anfang,  bis  zu  der  Wegkreuzung  hinter  der  Bahn.  Dann  kam
eine  grofse  Schwierigkeit,  ich  fand  den  Becher  nicht  wieder,  und  suchte
deshalb  nach  der  nächsten  prägnanten  Struktur,  nämlich  dem  Vieleck  mit
den  vielen  Diagonalen,  und  da  kam  ich  in  ein  falsches  (f)  herein.  Ich
■wufste,  dafs  es  falsch  war,  aber  dafs  die  Richtung  im  allgemeinen  richtig
war.  Trotzdem  hat  mich  diese  Situation  sehr  irre  gemacht  und  beeinflufst.
        <pb n="38" />
        38

W.  Benary.

[16,285]

Ich  war  auch  in  bezug  auf  die  Richtung  dadurch  benachteiligt,  dafs  ich
die  ganze  Kartenlage  verschoben  hatte,  und  ich  suchte  deshalb,  in  der
Hauptrichtung  vorausgehend,  in  einer  falschen  Rich  t  u  ng  zum  Kartenbild. ­
  Ich  wufste  jetzt  noch  eine  Weile,  der  Weg  ist  falsch,  bis  ich  beim
Absuchen  das  sehr  charakteristische  grofse  Dorf  sah,  dessen  Form  ich  mir
schon  bei  der  Darbietung  prägnant  gemerkt  batte  (2,  Dorf  vom  Anfang).
Nun  ging  ich  den  nächsten  Weg  darauf  los,  und  von  dort  bis  zum  Schlufs
war  es  sicher,  sowohl  in  der  Richtung  wie  in  der  Form  des  Zieldorfes.
Es  ist  ganz  auffallend,  wie  schwer  beim  Rückweg  der  Anfang  ist.
Wenn  man  die  erste  Richtung  erst  hat,  dann  wird  es  leichter.  Sehr
wesentlich  ist  auch,  dafs  ich  durch  das  Abschneiden  der  Karte  bei  der
Darbietung  den  deutlichen  Eindruck  hatte:  hier  ist  ein  Ende,  während
man  bei  der  grofsen  Karte  zur  Einzeichnung  auf  einmal  neu  in  einer
grofsen  Fläche  darin  steht.
Zusammenfassung.
Das  optische  Moment  scheint  fast  ausschliefslich  zu  entscheiden. ­
  Die  Neigung  zu  Ganzauffassungen  herrscht  neben
einem  grofsen  Reichtum  einzelner  Gestalten  vor.  Auch  für  den
Weg  wird  die  Bildung  einer  Gesamtkurve  angestrebt,  doch  tritt
daneben  die  summative  Zusammensetzung  aus  einzelnen  Zonen
hervor.  Das  Richtungsmoment  tritt  in  Beziehung  zur  optischen
-  Erstrecktheit,  d.  h.  für  das  Finden  einer  Richtung  wird  eine
Gerichtetheit  der  gesehenen  Dinge,  z.  B.  Dörfform,
Bahn,  Wegefigur  mafsgebend;  optische  Hilfen  und  Wortauffassungen, ­
  wie  „rechts“  spielen  eine  Rolle.  Die  Prägnanz  der
Gestaltaulfassungen  und  der  Widerstand  der  Gestalten  gegen
Basalitätsverschiebung,  also  Betrachtung  von  einer  anderen  Seite,
tritt  ebenso  wie  in  allen  anderen  Versuchen  bei  der  Yp.  hervor
(Weg  2  und  4).  Das  Verhalten  der  Vp.  gegen  das  Tempo  von
Darbietung  und  Einzeichnung  ist  charakteristisch  für  die  Art  des
optischen  Verhaltens  (Weg  1  und  2),  ebenso  das  Wertlegen
auf  die  Isolierung  der  wichtigen  Gestalten  (Weg  4  Schlufsbemerkung),
  und  die  besonders  hervorgehobene  Schwierigkeit  der
Anfangsrichtung  beim  Rückweg,  die  ausgesprochen  optisch,  nicht
kinästhetisch  ist.
c)  Unterscheiden  ähnlicher  Figuren  aus  dem
unmittelbaren  Gedächtnis.
Die  Prüfung  wurde  mit  3  Serien  Karten  durchgeführt;  da
sich  jedoch  zeigte,  dafs  bei  der  1.  Serie  das  Ergebnis  nicht  eindeutig ­
  ist,  sind  hier  nur  die  beiden  anderen  Serien  (C,  D)  berücksichtigt. ­
        <pb n="39" />
        [16,  286]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  39

Versuch  c.

Dem  Prüfling  werden  die  mit  „Muster“  bezeichneten  Karten
gezeigt  und  folgende  Anweisungen  gegeben:  „Sie  sehen,  dafs
diese  Karten  auf  beiden  Seiten  Figuren  tragen.  Die  beiden
Figuren  einer  Karte  sind  manchmal  gleich,  manchmal  ein  wenig
verschieden,  aber  sehr  ähnlich.  Sie  sollen  diese  Karten  sortieren
in  solche,  die  ein  gleiches,  und  solche,  die  ein  ungleiches  Figurenpaar ­
  haben.  Ich  gebe  Ihnen  jede  Karte  eine  bestimmte  Zeit  in
die  Hand,  Sie  können  sie  umwenden  so  oft  Sie  wollen,  aber  bitte
nicht  biegen  oder  gegen  das  Licht  halten.  Die  Karten  mit
gleichen  Figuren  legen  Sie  auf  diesen  Zettel  (mit  „gleich“  bezeichnet), ­
  die  mit  ungleichen  Figuren  auf  diesen“  („ungleich“;
Tafel  II.

Cf

cz
A

C3
Ol

U
A

cs

cs
Kt

C7
A

cs
A

cs

C70
A

C11
o

C1Z

Dt

&amp;gt;

DZ
S-\



DS

3

08

DS

Dg

010

-

0  11
k  ;

D1Z
&amp;lt;A

C  1—4

C  5—8

C  9—12

D  1—4

D  5—8

D  9-12
        <pb n="40" />
        40

W.  Benary.

[10,  287]

die  beiden  Zettel  sind  nebeneinander  vor  dem  Prüfling  auf  den
Tisch  gelegt).  Der  Prüfling  hat  nun  zunächst  die  Muster  zu
beurteilen  (C  ist  ungleich,  D  gleich).  Es  wird  ihm  die  richtige
Lösung  gesagt  und  gezeigt,  dafs  bei  C  der  eine  Eckpunkt,  unten
links,  in  den  beiden  Figuren  verschieden  sitzt,  und  es  wird  darauf
hingewiesen,  dafs  die  vorkommenden  Unterschiede  von  derselben
Art  sind.
Vgl.  dazu  Tafel  II.  Die  Wiedergabe  entspricht  den  doppelseitig ­
  bedruckten  Karten.  Während  auf  der  vorderen  Seite  der
Tafel  die  Nummern  der  Karten  von  links  nach  rechts  laufen,
liegen  auf  der  Rückseite  die  entsprechenden  Figuren  von  rechts

Tafel  II.

&amp;lt;0

^3

&amp;amp;

IS

d

^A

&amp;lt;

^A

Versuch  c.
        <pb n="41" />
        116,  288J  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  41

nach  links,  so  dafs  jede  Einzelfigur  auf;  ihrer  Rückseite  die  mit
ihr  zu  vergleichene  Figur  hat.  Durch  Hin-  und  Herwenden  der
Tafel  läfst  sich  der  Vergleich  der  Figurenpaare  gut  durchführen.
Die  Originalgröfse  der  Karten  betrug  7  X  5  cm.
Bei  den  „ungleichen“  Karten  ist  ein  Eckpunkt  in  den  beiden
Figuren  um  1 / 2  cm  in  seiner  Lage  verschieden.  In  Serie  C  wird
jede  Karte  15  Sek.,  in  Serie  D  20  Sek.  dem  Prüfling  gelassen,
dann  unbedingt  Entscheidung  verlangt.  Es  ist  beabsichtigt,  die
Unterscheidungsfähigkeit  für  geringe  Gestaltunterschiede  zu
prüfen.  Dabei  ist  in  erster  Linie  an  die  Anforderungen  bei  der
Beobachtung  anderer  Flugzeuge  in  der  Luft  gedacht. 1

Serie  0

Serie  D

Ergebnisse:

Gleich
1

Ungleich

Gleich

Ungleich

Fehler

Richtig:

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,
10,  12

ö,  7,  8,  11,  12

1,  2,  3,  4,  6,
9,  10

E.

4,  6,  9,  11

1,  2,  3,  6,  7,
8,  10,  12

3,  4,  7,  8,
10,  11,  12

1,  2,  5,  6,  9

5

P.

1,  4,  11

2,  3,  5,  6,  7,
8,  9,  10,  12

.5,  4,  B,  7,
8,  11,  12

1,  2,  6,  9,  10

4

S.

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,
10,  12

2,  5,  6,  7,  8,
12

1,  3,  4,  9,  10
11

3

Ma.

1,  4,  5,  11

2,  3,  6,  7,  8,
9,  10,  12

3,  4,  5,  7,  8,
9,  11,  12

1,  2,  6,  10

4

M.

1,  4,  5,  7,
9,  11

2,  3,  6,  8,
10,  12

1,  2,  4,  6,  7,
8,  9,10,11,12

3,  6

6

A.

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,
10,  12

2,  4,  5,  7,  8,
10,  11,  12

1,  3,  6,  9

3

L.

1.  4,  5,  9,  11

2.  3,  6,  7,  8,
10,  12

3,  4,  5,  7,  8,
9,  11,  12

1,  2,  8,  10

3

Die  falschen  Urteile  sind  durch  Kurswdmck  gekennzeichnet;
die  meisten  Fehler  sind  durch  Nichtfinden  der  Ungleichheiten
bei  Serie  D  gemacht.  Die  Antworten,  welche  die  Prüflinge  auf
Befragen  über  ihre  Sicherheit  in  bezug  auf  die  Richtigkeit  ihrer
Leistungen  nach  dem  Versuch  gaben,  stimmten  mit  der  tatsächlichen ­
  Leistung  überein,  wenn  man  entsprechend  der  Fehlerzahl
gruppiert:  Gut:  A.,  L.,  S.;  Mittel:  P.,  Ma.;  Schwach:  E.,  N.
1  ln  bezug  auf  Unterscheidung  eigener  und  feindlicher  Flugzeuge.
Vgl-  Teil  I  dieser  Arbeit,  Abschn.  III,  2.
        <pb n="42" />
        42  W.  Benary.  [16,  289]

Ergebnisse  zum  Vergleich.

Vp.

Sen
Gleich

e  C
Ungleich

Sen
Gleich

e  U
Ungleich

Fehler

2.

1,  2,  4,  5,  8,
9,  11

3,  6,  7,  10,  12

.3,  4,  5.  7,  .8,
11,12

1,  2,  6,  9,  10

4

4.

1,  4,  8,  9,  10,11

2,  3,  o,  6,  7,  12

i,  5,  8,  9,  11,  12

2,  3,  4,  6,  7,  10

6

5.

1,  4,  5,  9,  11,  12

2,  3,  6,  7,  8,  10

2,,  5,  5,  7,  8,  9,
11,  12

1,  4,  6,  10

4

9.

5,  9,  11,  12

1,  2,  3,  4,  6,  7,
8,  10

3.  5,  6,  7,  8,  12

1,  2,  4,  9,  10,  11

6

10.

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,  10
12

3.  4,  5,  7,  8,
70,  12

1,  2,  6,  9,  11

4

11.

4,  11

1,  2,  3,  5,  6,  7,
8,  9,  10,  12

1,  4,  5,  8,  9,
11.  12

2,  3,  6,  7,  10

7

12.

1,  4,  5,  6,  9,  10

2,  3,  7,  8,  11,  12

1,  2,  4,  5,  7,
11,  12'

3,  6,  8,  9,  10

7

13.

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,
10,  12

6,  7,  8,  9,  10
11,  12

1,  2,  3,  4,  6

2

14.

1,  5,  9,  11

2,  3,  4,  6,  7,  8,
10,  12

2,  4,  5,  6,  7,  8,
9,  11,  12

1,  3,  10

5

15.

1,  5,  8,  9,11,12

2,  3,  4,  6,  7,  10

3,  5,  7,  8,  10,
11,  12

1,  2,  4,  6,  9

5

16,

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,  10,
12

4,  5,  7,  8,  11,  12

1,  2,  3,  6,  9,  10

1

17.

1,  4,  9,  11

2,  3,  5,  6,  7,  8,
10,  12

1,  5,  6,  8,
11,  12

2,  3,  7,  9,  10

5

18.

1,  5,  4,  5,  11

3,  6.  7,  8,  9,
10,  12

2,  5,  8,  11,  12

1,  3,  4,  6,  7,  9,
10

4

19.

1,  4,  6,  8,  9,
11,  12

2,  3,  5,  7,  10

1,  5,  6,  8,  10,
il,  12

2,  3,  4,  7,  9

8

20.

1,  4,  5,  7,  9,
11,  12

2,  3,  6,  8,  10

4,  5,  7,  8,  11,  12

1,  2,  3,  6,  9,  10

3

21.

4,  5,  8,  9,  11

1,  2,  3,  6,  7,
10,  12

3,  5,  6',  7,  8,
9,  11,  12

1,  2,  4,  10

5

22.

1,  4,  5,  9,  11

2,  3,  6,  7,  8,
10,  12

5,  7,  8,  11,  12

1,  2,  3,  4,  6,
9,  10

0

Protokolle.
Yp,  20.
Die  Prüfung  wurde  nur  einmal  durchgemacht,  und  dabei
das  Protokoll  aufgenommen.  Das  Urteil  wurde  aber  so  schnell
abgegeben,  dafs  die  Zeit  von  20  Sek.  zur  Entscheidung  durchgehend ­
  eingehalten  wurde.  Das  Ergebnis  ist  deshalb  auch  mit
in  die  Tabelle  aufgenoramen.
        <pb n="43" />
        [16,  290]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  43

C.  1.  Gleich.  Als  zwei  Dreiecke  und  als  Gesamtfigur  aufgefafst.  Abwechselnd ­
  wiedererkannt,  dafs  die  beiden  Dreiecke  dieselbe  gegenseitige
Lage  haben.  Deutlicher  Eindruck,  dafs  es  absolut  dasselbe  ist.
C.  2.  Ungleich.  Worin  die  Ungleichheit  besteht,  ist  schwer  im  ersten
Moment  zu  sagen.  (Das  Urteil  ist  sofort  da.)  Die  nähere  Analyse  ergibt
eine  Menge  verschiedener  Einzelheiten.  Der  Gesamtwinkel  unten  ist  auf
der  Rückseite  stumpfer,  die  Seite  rechts  ist  kürzer  und  ebenso  die  anderen
nach  unten  laufenden  Linien.
C.  3.  Ungleich.  Sofort  gesehen,  dafs  die  Höhe  des  oberen  Dreiecks
auf  der  Rückseite  bedeutend  gröfser  ist.
C.  4.  Gleich.  Beurteilt  nach  der  Gesamtrichtung  und  Erstreckung
der  Figur.
C.  5.  Gleich.  Kurz  darauf  Zweifel,  Kontrolle;  gleich,
C.  6.  Ungleich,  sofort  gemerkt.  Bei  der  Umkippung  sofort  deutlichen
Eindruck  gehabt,  dafs  der  Scheitelpunkt  des  oberen  Dreiecks  in  entgegengesetzter ­
  Richtung  liegt.  Beim  zw'eiten  Umdrehen  erstaunt,  dafs  es  gar
nicht  der  Fall  ist,  und  dafs  die  Figur  gleich  ist.  Beim  dritten  ümdrehen
wieder  gemerkt,  dafs  die  Figur  doch  ungleich  ist,  dafs  die  Verschiedenheit
aber  gar  nicht  oben,  sondern  unten  ist.
C.  7.  Gleich.  Nachher  kam  erst  einen  Moment  Zweifel,  aber  dann
Sicherheit.
0.  8.  Ungleich.  Hier  ist'auch  der  Scheitelpunkt  verschoben.
C.  9.  Im  ersten  Moment  ungleich,  und  zwar  deutlich.  Dann  wieder
nach  der  Vorderseite  gedreht,  und  gesagt:  doch  gleich.
C.  10.  Ungleich.  Das  linke  Dreieck  ist  anders.
C.  11.  Gleich.  Bei  dieser  Figur  sofort  auf  Scheitelpunkt  und  unteres
Dreieck  geachtet.
C.  12,  Gleich.  Und  zwar  namentlich  geurteilt  nach  der  geknickten
Basis.
D.  1.  Gleich.  Zwei  Flügel,  und  die  sind  absolut  sicher.  Jetzt  wird
gesehen,  sie  sind  doch  ungleich,  der  untere  rechte  Flügel  ist  anders.
1&amp;gt;.  2.  Ungleich.  Und  zwar  wiederum  bei  der  Rückwendung  aufgefallen. ­
  Im  ersten  Moment  gleich,  dann  bei  der  Zurückdrehung  gemerkt,
dafs  unteres  Dreieck  anders  ist;  die  Basis  ist  kürzer.
D.  3.  Ungleich.  Sofort  danach  Zweifel.  Es  ist  gleich.  Die  Gleichheit ­
  nach  dem  rechts  offenstehenden  Aufsenwinkel  beurteilt.  Jetzt  sage
ich  wieder  ungleich,  weil  der  untere  Schenkel  dieses  Winkels  auf  der
Rückseite  länger  ist.
D,  4.  Unsicher.  Ich  suclie  nach  einzelnen  Kriterien.  Gleich.
9.  5.  Gleich.  Dann  kontrolliere  ich,  ob  das  rechte  Dreieck  gleich
ist.  Es  ist  gleich.
D.  0.  Ungleich.  Irgendwo  oben  ist  es  anders.  Mir  scheint  die  linke
Seite  des  oberen  Dreiecks  auf  der  Rückseite  länger  zu  sein,  und  die  Höhe
des  oberen  Dreiecks  kürzer.  Deshalb  ungleich  —  und  dabei  ist  es  doch
gleich.  Aber  doch  Zweifel,  ob  gleich.  Bei  schneller  Drehung  deutliche
Scheinbewegung,  dafs  die  Spitze  links  oben  herausspringt.  Also  verschieden. ­

7.  Gleich.  Absolute  Sicherheit.
        <pb n="44" />
        44  w -  Benary.  [16,291J
D.  8.  Verschieden.  Ich  weifs  nicht,  warum  verschieden.  Es  ist
gleich.
D.  9.  Ungleich.  Linkes  Dreieck  ganz  andere.
D.  10.  Unsicher.  Verschieden.  Die  eine  Seite  steht  senkrecht,  die
andere  schräg.
D.  11.  Gleich.  Absolute  Deutlichkeit,  deutliches  Sich-decken.
D.  12.  Gleich.  Deckt  sich.
Zusammenfassung.
Die  Tabelle  zeigt,  dafs  Fehler  nur  durch  Übersehen  von
Ungleichheiten  gemacht  sind;  die  Urteilsabgabe  war  außergewöhnlich ­
  schnell.  Es  ist  eine  prägnante  Gestaltauffassung  da,
die  mit  der  zweiten  Figur  zur  Deckung  gebracht  wird.  Daher
kommt  es,  dafs  bei  dieser  Vp.  das  Gleichheitsurteil  ebenso  schnell
und  sicher  abgegeben  wird  wie  das  Urteil  „ungleich“,  es  ist
eben  ein  positiver  Gleichheitseindruck  da,  während  bei  den
anderen  Vpn.  meist  nur  das  Nichtbemerken  von  Ungleichheiten
konstatiert  wird.  Es  ist  charakteristisch,  dafs  hier  jede  Umdrehung
der  Karte  einen  neuen  Versuch  darstellt,  die  Figuren  zur
Deckung  zu  bringen,  und  dafs  daher  die  Urteile  verschiedentlich
bei  jeder  Drehung  verschieden  ausfallen;  so  besonders  bei  C.  6.
Nur  bei  D.  6  wird  ein  schnelles  Hin-  und  Herwenden  der  Karte
ausgeführt,  und  hier  führt  bei  der  versuchten  Deckung  der  Gestalten ­
  die  Verschiebung  des  einen  Eckpunktes  zu  einer  deutlichen ­
  Scheinbewegung.
Vp.  21.
Nach  Durchmachen  der  ganzen  Prüfung  unter  normalen
Versuchsbedingungen  gibt  Vp.  folgendes  an  (s.  Tabelle);
Bei  der  Beurteilung  der  Gleichheit,  bzw.  Ungleichheit  der  Figuren
war  mafsgebend  die  Schlankheit  bzw.  Gedrungenheit  der  einzelnen  Dreiecke. ­
  Ich  zerlegte  jede  Zeichnung  in  zwei  Dreiecke  und  untersuchte  nun
die  entsprechenden  Dreiecke  auf  beiden  Kartenseiten  auf  dieses  Kriterium
hin.  In  ganz  vereinzelten  Fällen,  ich  glaube  mich  zu  erinnern  1  oder
2  mal,  verglich  ich  die  Länge  bestimmter  herausgegriffener  Linien  miteinander. ­
  Schienen  mir  zwei  entsprechende  Dreiecke  verschieden  schlank,
bzw.  gedrungen  zu  sein,  so  urteilte  ich;  Verschieden.  War  dies  nicht  der
Fall,  so  resultierte  das  Urteil:  Gleich.
Darauf  werden  die  Karten  noch  einmal  zur  Aufnahme  der
Protokolle  dargeboten,  ohne  jetzt  die  Zeit  von  20  Sek.  einzuhalten. ­
  (Das  Ergebnis  dieses  Versuchs  ist  nicht  in  die  Tabelle
aufgenommen.)
C.  1.  Vgl.  das  obere  mit  dem  oberen  und  das  untere  mit  dem  unteren
Dreieck.  Es  resultiert  ein  gleicher  Eindruck,  doch  bin  ich  nicht  ganz
        <pb n="45" />
        [16,  292]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.

sicher.  Nach,  längerem  Betrachten  glaube  ich  sicher  zu  sein,  dafs  es  gleich
ist.  An  mein  Urteil  bei  der  Prüfung  vorhin  habe  ich  keine  Erinnerung.
C.  2.  Von  den  rechten  Dreiecken  erscheint  das  eine  gröfser  in  der
Fläche  als  das  andere.  Gleichzeitig  scheint  das  eine  schlanker  zu  sein  als
das  andere.  Ebenso  scheinen  die  linken  verschieden  grofs  zu  sein,  während
sie  geometrisch  ähnlich  bleiben.  (Vl.:  Können  Sie  sagen,  was  in  der
Zeichnung  geändert  ist?)  Der  unterste  Punkt  ist  verändert.
C.  3.  Ich  sehe  sofort,  dals  das  oberste  Dreieck  verschieden  ist.  Das
eine  ist  gedrungen,  das  andere  schlank.
C.  4.  (Nach  längerem  Vergleichen.  Urteil:)  Gleich,  Durch  Vergleichen ­
  der  beiden  Dreiecke.
C.  5.  Gleich.  Deutlicher  Eindruck  gleicher  Gedrungenheit  und  Gröfse.
C.  6.  Sofort  Eindruck,  dals  die  zweite  Figur  im  Ganzen  kleiner  ist
als  die  erste.  (Bei  weiterer  Betrachtung:)  Unteres  Dreieck  ist  kleiner.
C.  7.  Gleich.  Urteil  sicher.
C.  8.  Urteil  gleich.  Ich  ging  eben  anders  vor.  Ich  verglich  die  Abstände ­
  der  horizontalen  Linie  nach  den  gegenüberliegenden  Ecken.  Und
dann  verglich  ich  die  Länge  dieser  Horizontalen  und  fand  beides  gleich.
(VI.:  Wählen  Sie  sich  mal  einen  anderen  Gesichtspunkt.  Sind  denn  diese
Merkmale  ausreichend?)  Nein.  Die  Dreiecke  sind  verschieden.,  Der  obere
Eckpunkt  liegt  im  zweiten  Falle  mehr  nach  links.
C.  9.  Gleich.  Ich  verglich  die  einzelnen  Dreiecke  miteinander  im
Hinblick  auf  ihre  Gedrungenheit  und  verglich  die  Länge  verschiedener
Linien,  die  ich  wahllos  herausgriff,  miteinander.
C.  10.  Es  ist  ein  Unterschied  da,  und  zwar  liegen  im  zweiten  Falle
die  Dreiecke  nicht  so  symmetrisch  zur  gemeinsamen  Grundlinie  als  im
ersten  Falle.  Die  Gesamtachse  ist  irgendwie  anders.
C.  11.  Gleich.  Sehr  schwierig  ist  das  Urteil,  wenn  die  auf  der  gemeinsamen ­
  Grundlinie  errichteten  Dreiecke  einer  Figur  untereinander  sehr
verschieden  sind.
C.  12.  Ich  fasse  hier  die  beiden  Dreiecke  so  auf:  An  einer  gemeinsamen ­
  Mittellinie  sind  nach  rechts  und  links  zwei  Flügel.  Deutliche  Perspektive ­
  insofern,  als  die  Flügel  nach  hinten  gehen,  die  Mittellinie  liegt
vorn.  Gleichzeitig  Eindruck,  als  ob  in  dem  einen  Fall  der  untere  Flügel
gröfser  ist  als  in  dem  anderen.  Also  ungleich.
D.  1.  Ungleich.  Die  beiden  Dreiecke  sind  stark  isoliert.  Das  rechte
ist  breiter  als  das  entsprechende.
D.  2.  Ungleich.  Zunächst  Eindruck,  als  wenn  in  der  zu  vergleichenden ­
  Figur  die  Knickung  stärker  wäre,  als  in  der  anderen.  Dann  erst
Findruck  der  Verschiedenheit  der  unteren  Dreiecke.  Das  erste  ist  gröfser
u nd  spitzer,  das  zweite  ist  kleiner  und  stumpfer.
IL  3.  Ungleich.  Unteres  Dreieck  in  einem  Fall  schlanker;  deutlich.
1).  4.  Ebenso  wie  in  3.  und  zwar  scheint  das  linke  Dreieck  dieses
■''dal  länger.
H.  5.  Gleich.  Zwei  Dreiecke,  in  beiden  Fällen  Eindruck  eines  gleich-8chenkli
 c h en  Dreieckes,  eines  schlank,  eines  gedrungen.
1L  ö.  Gleich.  Ich  vergleiche  sukzessiv  die  Längen  der  entsprechenden ­
  Linien  miteinander.
        <pb n="46" />
        46

W.  Benary.

[16,  298]

D.  7.  Gleich.  Wie  in  voriger  Karte  (längeres  Vergleichen).
D.  8.  Gleich.  Ich  vergleiche  auf  jeder  Kartenseite  die  beiden  Dreiecke ­
  untereinander  in  derselben  Figur  und  fand,  dafs  das  rechte  etwas
kleiner  erscheint.  Ich  fand  in  der  anderen  Figur  dasselbe.  Urteilte  daher
gleich.
D.  9.  Linkes  Dreieck  verschieden,  in  der  Gesamtflgur  gesehen.  Bei
weiteren  Vergleichen  untere  Linie  als  verschieden  lang  erkannt.
D.  10.  Obere  Dreiecke  verschieden.  Zunächst  Unterschied  nicht  angebbar,
  dann  erkannt,  dafs  Verschiedenheit  in  der  Gröfse  des  Winkels  links
besteht.
D.  11.  Gleich.
D.  12.  Gleich.
Zusammenfassung.
Es  besteht  im  allgemeinen  die  Neigung  nach  dem  Gesamteindruck ­
  der  einzelnen  Dreiecke  unter  einem  bestimmten  Gesichtspunkt ­
  zu  vergleichen.  Einzelheiten  werden  dann  zur  Kontrolle
herangezogen;  doch  kann  auch  ein  charakteristisches  Konstruktionselement ­
  das  Primäre  sein,  und  das  Urteil  sich  danach  richten.
Die  Ungleichheit  wird  zuweilen  unmittelbar  gesehen,  die  Gleichheit ­
  nur  in  zwei  Fällen  (G  5  und  C  7),  sonst  wird  sie  nur  geurteilt.
Dieses  Urteil  kann  diskursiv  gebildet  werden  (D  6,  C  9),  oder  sich
auf  ein  als  charakteristisch  gefafstes  Merkmal  gründen  (D  5,  D'8).
Ist  in  einem  solchen  Fall  das  Merkmal  unzureichend,  d.  h.  ist
ein  Element  herausgefafst,  das  nicht  für  die  Gesamtstruktur  entscheidend ­
  ist,  so  kann  ein  falsches  Urteil  herauskommen,  das
bei  Wechsel  des  Gesichtspunkts  (der  in  verschiedener  Art  möglich ­
  wäre)  sofort  durch  das  richtige  Urteil  oder  das  Sehen  der
tatsächlichen  Ungleichheit  abgelöst  wird  (0  8).  Der  Eindruck  der
Ungleichheit  kann  zunächst  unbestimmt  sein  und  erst  allmählich
an  einer  bestimmten  Zone  oder  in  einem  bestimmbaren  Grade
heraustreten.  Die  Wichtigkeit  der  Zweiteilung  der  Gesamtfigur
in  Dreiecke  ist  verschieden,  wenn  auch  schliefslich  die  Dreiecke
immer  als  wesentliche  Träger  der  Struktur  aufgefafst  sind.  Aber
manchmal  ist  gerade  die  Art  ihrer  Zusammenfügung  beachtet;
in  anderen  Fällen  sind  sie  dagegen  stark  isoliert  aufgefafst.
Einmal  ist  das  besondere  Gröfsenverhältnis  der  beiden  Dreiecke
in  derselben  Figur  auf  einer  Kartenseite  beachtet,  einmal  die
Figur  perspektivisch  gesehen.
Es  ist  deutlich,  dafs  nicht  mit  prägnanten  Gestalten  operiert
wird.
        <pb n="47" />
        Yp.  22.
Prüfung  und  Protokollaufnahme  wie  bei  Vp.  20.
C.  1.  Gleich.  Zwei  Dreiecke;  kein  Gesamtbild.  Verglichen  habe  ich
die  einzelnen  Dreiecke  miteinander,  sie  schienen  mir  als  Ganze  in  ihrer
Struktur  gleich,  ich  kontrollierte  nur  nach,  ob  die  Höhe  gleich  ist,  und  das
stimmte.
C.  2.  Ungleich.  Und  zwar  sind  sie  nicht  gleich,  weil  die  mittlere
Linie  greiser  ist,  und  wenn  ich  nochmai  drehe,  sehe  ich,  -dafs  die  ganzen
Dreiecke  in  der  Gesamtheit  anders  sind.  Wenn  ich  das  Ganze  auf  die  Basis
hätte  stellen  können  (d.  h.  die  Karte  um  180°  gedreht  hätte),  hätte  ich’s
viel  schneller  gesehen.
C.  3.  Ungleich.  Und  zwar  besteht  die  Ungleichheit  darin,  dafs  das
obere  Dreieck  anders  ist.
C.  4.  Gleich.
C.  5.  Gleich.  Deutlicher  Gleichheitseindruck.  Ich  suche  zuerst,  ob
die  ganze  Gesamtform  stimmt.  Ich  versuche  zur  Deckung  zu  bringen,  und
zwar  nach  mehreren  Gesichtspunkten:  Grolseneindruck  von  Winkeln,  und
dann  der  diesen  Winkeln  gegenüberliegenden  Seiten.
C.  6.  Ungleich.  Es  fällt  sofort  auf,  dafs  die  ganze  Struktur  anders
ist.  Hier  ist  sofort  UmriJTs  als  verschieden  aufgefallen.  Ich  habe  hier  ein
Viereck  gesehen,  und  nicht  zwei  Dreiecke.
C.  7.  Ungleich,  und  zwar  habe  ich  hier  zwei  Dreiecke  gesehen,  und
habe  gesehen,  dafs  das  linke  kleiner  ist  als  das  andere,
C.  8.  Auch  verschieden.  Der  Winkel  oben  ist  anders.
C.  9.  Gleich.  Ich  sehe  es  perspektivisch,  als  etwas  mit  zwei  Flügeln.
C.  10.  Ungleich.  Jetzt  fällt  mir  gleich  das  Viereck  als  Ganzes  auf.
C.  11.  Gleich.  Die  Gesamtauffassung  wird  immer  leichter  und
prägnanter.
C.  12.  Dies  ist  gleich,  nein,  es  ist  verschieden.  Es  erschien  mir  zuerst
  gleich,  weil  ich  nur  auf  das  andere  Dreieck  geachtet  hatte.  Die  Verschiedenheit ­
  liegt  aber  im  Punkte  unten.
D.  1.  Verschieden.  Und  zwar  ist  sofort  der  Winkel  unten  rechts  als
verschieden  herausgesprungen,  während  sonst  die  Gesamtstruktur  gleich
schien.  Ich  habe  hier  die  Gesamtstruktur:  es  sind  zwei  Flügel  einer  Gegebenheit-

  2,  Verschieden.  In  der  Gesamtstruktur  scheint  es  zunächst  wieder
gleich,  aber  das  untere  Dreieck  ist  länger.
D.  3.  Verschieden.  Jetzt  ist  hier  das  Dreieck  unten  in  der  Vergleichsfi^ur
  länger.
D.  4.  Verschieden.  Es  war  in  der  Gesamtstruktur  sehr  ähnlich,  und
Äln s  stört  mich  sehr  stark:  Das  lange  spitze  Dreieck  scheint  in  der  Vergleichsfig
 Ur  j n  einem  anderen  Winkel  dran  zu  sitzen,  als  bei  der  zuerst  geien
  Figur.  Dadurch  erscheint  das  Dreieck  nach  unten  gezogen
wenn  sich  die  Dreiecke  gegeneinander  bewegen.
        <pb n="48" />
        D.  5.  Gleich.  Deutlich.
D.  (t.  Ungleich.  In  der  Gesamtstruktur  scheint  es  mir  wieder  sehr
ähnlich.  Die  Entscheidung  war  schwierig.;  Aber  oben  das  Dreieck  ist
länger.
D.  7.  Das  ist  gleich.  Deutlich.
1).  8.  Auch  deutlich  gleich.  Die  Gleichheit  springt  deutlich  heraus.
D.  9.  Es  springt  sehr  schnell  eine  Ungleichheit  heraus,  und  das  ist
jetzt  immer  so.  Ich  bin  immer  dann  zunächst  noch  nicht  klar,  worin  die
Ungleichheit  besteht,  aber  dals  sie  da  ist,  wird  gleich  gesehen.  Jedenfalls ­
  erlebe  ich  die  Ungleichheit  eher,  als  dals  ich  weils,  weshalb,
D.  10.  Auch  ungleich.  Sehr  schnell  gesehen,  worin  es  besteht.
D.  11.  Es  schien  mir  zunächst  vollständig  gleich.  Nachher  hatte  ich
den  Eindruck,  dafs  das  untere  Dreieck  länger  sein  könnte,  es  ist  aber  wohl
doch  gleich.  Wenn  ich  es  aber  verschieden  sehe,  dann  scheint  sich  alles
andere  auch  zu  ändern.  Es  gibt  direkt  Scheinbewegungen.  Das  obere
Dreieck  wird  dann  kürzer  und  rückt  nach  oben.  Aber  trotzdem  ist  es
gleich  und  das  sehe  ich  jetzt  deutlich.  Die  verschiedene  Einstellung  ist
unbedingt  wesentlich.  Und  zwar  habe  ich  wieder  den  Eindruck,  dafs  bei
der  zweiten  Figur  das  untere  Dreieck  die  Tendenz  hat,  nach  unten  zu
ziehen,  wenn  ich  mich  darauf  einstelle.
D.  12.  Sie  sind  beide  gleich.
Die  Urteile  wurden  fast  immer  sehr  schnell  und  sicher  abgegeben. ­

Zusammenfassung.
Bemerkenswert  ist  die  außerordentliche  Prägnanz  der  Gestaltfassung, ­
  die  sich  neben  der  Schnelligkeit  der  Leistung  auch
in  der  Deutlichkeit  der  angegebenen  Deckung  bei  gleichen  wie
ungleichen  Figurenpaaren  zeigt.  Besonders  charakteristisch  sind
die  Angaben  zu  D  4  und  D  11,  wo  sich  die  Beziehungen  zwischen
ausgesprochener  Ganzauffassung  und  den  von  einzelnen  Teil
Strukturen  gegebenen  Impulsen  zeigen,  also  dem  Umstand,  däfs
Einzelheiten  die  Gesamtgestalt  nach  ihrer  Eigenart  zu  bestimmen
suchen.  Für  die  vorwiegende  Wichtigkeit  der  Ganzauffassung
spricht  auch  die  Angabe  bei  D.  9,  dafs  der  deutliche  Eindruck
der  Ungleichheit  früher  da  ist,  als  das  Erkennen  der  Art  der
Ungleichheit.
Für  die  Art  der  Gestaltauffassung  der  Vp.  vgl.  besonders
dieses  Protokoll  mit  dem  zu  Versuch  d,  unter  Berücksichtigung
der  Verschiedenheit  von  1.  eine  sichere  Gestaltauffassung  haben,
und  2.  damit  operieren  können  (besonders  Drehung).
d)  Herauserkennen  einer  Gestalt  aus  einer  komplexen ­
  Gesamtfigur.
Es  soll  die  Fähigkeit  geprüft  werden,  eine  Gestalt,  die  für
sich  einzeln  aufgefafst  ist,  in  einem  Komplex  ähnlicher,  mit  ihr
        <pb n="49" />
        [16,  296]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  49

engverbundener.  Gestalten  zu  finden.  Die  Leistung  bezieht  sich
auf  Anforderungen  der  Erdbeobachtung,  das  Auffinden  einzelner
Gebäude,  Grabenstücke  usw.  beim  Artillerie-  und  Infanteriefliegen.
Im  Unterschied  zur  Prüfung  a  wird  hier  besonders  Abstraktionsfähigkeit ­
  1  verlangt,  außerdem  weifs  der  Prüfling,  dafe  die  gesuchte ­
  Einzelheit  irgendwo  in  dem  gegebenen  Komplex  vorhanden
ist.  Die  Prüfung  wird  erst  im  Zimmer,  dann  im  Flugzeug  ansgeführt. ­

Vgl.  Tafel  I,  Abbildungen  Versuch  d.
Beim  Versuch  im  Zimmer  wird  dem  Prüfling  der  Bogen
mit  Figur  5—8  voi'gelegt;  dazu  wird  folgende  Anweisung  gegeben ­
  :  „Sie  haben  hier  4  Figuren,  die,  wie  Sie  sehen,  mit  den
Nummern,5,  6,  7,  8  bezeichnet  sind.  Sie  sollen  auch  hier  wieder,
wie  bei  der  ersten  Prüfung,  eine  Einzelheit,  ein  Detail,  darin
wiederfinden,  die  auf  einer  anderen  Karte  gezeichnet  ist  und
Ihnen  gezeigt  wird.  Die  erste  Vorlage  mit  dieser  Einzelheit  gehört ­
  zur  ersten  Figur  (5),  die  zweite  zur  zweiten  (6)  usw.  Die
Einzelheit  ist  immer  in  dieser  Figur  enthalten,  Sie  sollen  also
nicht  suchen  ob,  sondern  wo  die  Einzelheit  in  der  Figur  enthalten ­
  ist.  Die  Figur  mufe  nicht  nur  ähnlich,  sondern  genau
gleich  sein;  sie  kann  wieder  irgendwie  gedreht,  darf  aber  nicht
das  Spiegelbild,  also  herumgeklappt  sein.  Sie  können  das  Blatt
mit  den  Figuren  drehen.  Ich  mache  Sie  noch  darauf  aufmerksam, ­
  dafe  die  Einzelheit  aus  drei  gleich  langen  Linien  zusammengesetzt ­
  ist,  und  dafe  auch  die  Figuren  auf  dem  Blatt  hier  aus
lauter  gleich  langen  Linien  bestehen.  In  der  Figur  kann  die
gesuchte  Einzelheit  irgendwie  mit  anderen  Einzelheiten  verbunden ­
  sein,  sie  kann  auch  von  anderen  Linien  gekreuzt
werden.  Sobald  Sie  die  Einzelheit  finden,  ziehen  Sie  sie  mit
Rotstift  nach.“
Die  Einzelheit,  die  auf  je  einer  Vorlagekarte  gezeichnet  ist,
wird  vom  VI.  vorgelegt  und  die  Zeit  vom  Vorlegen  bis  zum  beendeten ­
  Einzeichnen  aufgenommen.  Nach  dem  ganzen  Versuch
wird  dem  Prüfling  erklärt,  dafe  er  ihn  im  Flugzeug  zu  wiederholen ­
  hat,  dafe  dabei  die  Vorlagefiguren  durch  Sichtzeichen  auf

1  Weil  hier  die  Figuren  durch  solche  aus  gleichen  Elementen  zum
Verschwinden  gebracht  werden,  wie  dies  bei  Vexierbildern  zuweilen  der
Fall  ist.
Schriften.  Heft  13.  4
        <pb n="50" />
        50

W.  Binary.

[16,  297]

dem  Platz  ersetzt  werden,  er  den  Bogen  mit  den  Komplexfiguren
mit  ins  Flugzeug  bekommt,  und  nach  jedem  Einzeichnen  durch
Äbschiersen  einer  Leuchtkugel  das  nächste  Sichtzeichen  anzüfordern
  hat.  So  wird  sichergestellt,  dafs  vor  Beginn  der  Prüfung
im  Flugzeug  alles  genau  verstanden  ist.
Für  den  Versuch  im  Flugzeuge  kann  das  Auslegen  der
Sichtzeichen  auf  dem  Platz  mit  Infanterieflieger-Tüchern  oder
mit  Brettern  erfolgen.  Sind  keine  weifs  gestrichenen  Bretter
vorhanden,  so  kann  man  die  weifse  Farbe  durch  Aufheften  von
Zeitungspapier  genügend  deutlich  machen.  Das  Auslegen  der
Sichtzeiehen  ist  leicht  einzuüben,  die  Veränderung  des  ausliegenden ­
  Zeichens  in  das  nächste  kann  mit  Tüchern  von  zwei,
mit  Brettern  von  einem  Mann  in  wenigen  Sekunden  ausgeführt
werden.  Vor  dem  ersten  Zeichen  wurde  ein  T  ausgelegt,  so,
dafs  der  Prüfling  die  Anlegestelle,  die  ich  ihm  auch  vorher
von  der  Halle  aus  genau  zeigte,  während  des  Aufsteigens  im
Auge  behalten  konnte.  Das  Auslegen  des  ersten  Sichtzeichens
wird,  wenn  das  Flugzeug  in  der  nötigen  Höhe  aus  der  Geraden
über  den  Platz  zurückkommt,  durch  Leuchtkugel  angefordert.
Das  Flugzeug  wurde  stets  von  demselben  Führer  gesteuert,  einem
Fluglehrer,  der  genau  mit  der  Aufgabe  vertraut  war.  Es  wurde
in  500-  -1000  m  Höhe  geflogen,  wo  die  Zeichen  deutlich  sichtbar
waren.  Es  war  verabredet,  dafs  jedes  Zeichen  höchstens  5  Minuten ­
  ausliegt;  ist  dann  noch  kein  neues  augefordert,  so  wird
das  nächste  ausgelegt,  ist  es  das  letzte,  so  wird  es  in  das  „Nachhausezeichen“ ­
  geändert  (  ).  Wenn  nötig  ist  der  Prüfling
genau  über  den  Gebrauch  der  Leuchtpistole  im  Flugzeug  anzuweisen; ­
  man  mufs  darauf  achten,  dafs  es  gut  sichtbare  Leuchtkugeln ­
  sind,  da  sonst  leicht  Irrtümer  entstehen.  Es  müssen  genügend ­
  Patronen  mitgegebeu  werden,  damit  bei  einem  Versager
sofort  eine  zweite  abgeschossen  werden  kann.  Das  Blatt  mit
den  Figuren  wird  mit  Reifszwecken  auf  einem  dünnen,  glatten
Brett  von  entsprechender  Gröfse  aufgezogen  und  so  mitgegeben,
aufserdem  ein  doppelseitig  gespitzter  Buntstift.
Der  Versuch  im  Zimmer  wird  stets  vor  dem  im  Flugzeug
durchgeführt.  Es  soll  vor  allem  durch  den  Vergleich  der  Ergebnisse ­
  ermittelt  werden,  wie  die  Verhältnisse  beim  Fliegen  die
Leistung  beeinflussen.  Ich  halte  es  für  wesentlich,  dafs  der  Prüfling ­
  dabei  aus  dem  Flugzeug  heraus  zu  beobachten  hat,  da  er
sonst  von  den  besonderen  Einwirkungen  des  Fliegens  nicht  so
        <pb n="51" />
        [16,  298]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  51

4*

viel  merken  würde. 1  Die  Prüfung  kann  bei  einem  Platzflug
erledigt  werden,  der  auch  der  ärztlichen  Untersuchung  dienen
kann.  Anzustreben  ist,  dafs  der  Prüfling  vorher  schon  einmal
geflogen  ist  und  mit  der  Brille,  dem  Anschnallen  usw.  Bescheid
weifs.  Für  den  Gleitflug  nach  der  Erledigung  dieser  Prüfung,
wird  eine  andere  Aufgabe  gegeben,  so  dafs  der  Prüfling  sich
nicht  noch  nachträglich  mit  den  Figuren  beschäftigen  kann.
Erst  am  Start  erhält  er  den  Bogen  mit  den  Figuren,  und  gibt
ihn  schon  beim  Zurückrollen  an  den  Yersuchsleiter  wieder  ab;
so  wird  verhindert,  dafs  ein  Prüfling  dem  nächsten  seine  Einzeichnung ­
  zeigen,  oder  ihn  auf  die  Stelle  der  Einzeichnung  aufmerksam ­
  machen  kann.

Ergebnisse:  (Zahl  ==  Sekundenzahl,  r  —  richtige,  f  =  falsche
Lösung,  n  =  nicht  gefunden,  —  =  gestört).

Figur  Nh;

5

Im  Zimmer
6  '  7

8

1

Im  Flugzeug
2  !  3

4

E.

270  f

70  r

35  r

60  r

100  f

150  f

150  f

70  r

P.

40  r

105  r

85  f

45  r

45  r

60  r

120  r

35  r

S.

35  r

30  r

50  r

20  f

105  r

300  n

Ma.

40  r

60  r

20  r

35  r

120  f

200  r

?  r

—

M.

6  f

120  r

4Üf

65  r

—

—

—

?  f

A.

15  f

17  r

60  r

25  r

195  r

300  r

160  r

270  r

L.

55  r

25  r

HO  r

25  r

Das  ergibt  an  Zeit  und  Fehlern  zusammen:

In
Sekunden

Zimmer
'  r

f

Sekunden

Im  Fl
r

ugzeug
f

—

n

E.

435

3

1

470

i

3

P.

275

3

1

250

4

S.

135

3

1

405

1

i

Ma.

165

4

?

2

1

1

M.

231

2

2

?

1

3

A.

117

3

1

925

4

L.

215

4

,

„  *  Aus  diesem  Grunde  wurden  also  als  Prüfungen  im  Flugzeug  solche
werrl  1361  denen  eine  Beobachtung  nach  dem  Boden  zu  ausgeführt
fühlh  mu f s -  Hierbei  wird  die  Einwirkung  des  Fliegens  sehr  viel  stärker
et  iöar  werden,  als  wenn  der  Beobachter  seine  Aufmerksamkeit  nur  auf
d em as L lm  Flugzeug  konzentriert,  wobei  er  viel  weniger  bemerkt,  was  mit
g  t  .  .Stetig  vorgeht.  Allerdings  ist  hier  immer  mit  gröfseren  technischen
wierigk 6 ite n  zu  rechnen  als  bei  Prüfungen  der  zweiten  Art.
        <pb n="52" />
        maammmmm

52

W.  Benary.

[16,  299]

Da  es  sich  zeigte,  dafs  bei  dem  Versuch  im  Flugzeug  Störungen ­
  auftreten  können,  ist  es  angebracht,  den  Flug,  vielleicht
an  einem  anderen  Tage,  mit  anderen  Sichtzeichen  zu  wiederholen. ­
  Davon  mufste  diesmal  Abstand  genommen  werden,  da
das  nötige  Material  dazu  nicht  vorbereitet  war.  Unter  Berücksichtigung ­
  vor  allem  der  Fehlerzahl,  aber  auch  der  gebrauchten
Zeit 1  für  die  Wertung  der  Leistung,  ist  für  die  Prüfung  im
Flugzeug  im  Vergleich  zu  der  im  Zimmer  eine  Verbesserung
bei  P.,  eine  geringe  Herabsetzung  bei  Ä.  und  Ma.,  eine  erhebliche
Herabsetzung  bei  S.  und  E.,  ein  Versagen  bei  M.  festzustellen.
Ergebnisse  zum  Vergleich.

V P .

Beide  Bogen  sind  im  Zimmer  erledigt.
Figur

1  5

6

7

8

1

2

3

4

8.

25  r

15  r

42  f

130  r

80  r

110  r

80  r

30  f

9.

13  r

48  f

16  f

78  r

25  r

300  n

59  r

8  f

10.

41  r

40  f

31  r

66  f

57  r

42  r

24  r

56  i

11.

65  r

60  r

85  r

47  f

80  r

80  r

35  r

20  f

12.

35  r

25  r

300  n

10  r

170  r

104  r

33  f

27  r

16.

90  r

75  r

300  n

150  r

66  r

75  r

105  r

40  r

20.

10  r

20  r

40  r

240  r

50  r

180  n

45  r

90  r

21.

40  r

60  r

90  r

30  f

30  r

300  n

86  r

45  f

22.

10  r

120  r

110  r

80  r

120  r

90  r

180  r

20  r

Vp.

B&amp;lt;
Sek.

)gen  Fig.  5—8
r  ;  f

n

B&amp;lt;
Sek.

)gen  Fi*
r

?.  1-4
f

n

8.

212

3

1

300

3

1

9.

155

2

2

392

2

1

1

10.

177

2

2

179

3

1

11.

257

3

1

*  215

3

1

12.

370

3

i

334

3

1

16.

615

3

i

285

4

20.

310

4

365

3

1

21.

220

3

1

460

2

1

1

22,

320

4

410

4

1  Soweit  durch  Beobachtung  oder  durch  Aussage  des  Prüflings  qualitative ­
  Unterschiede  darin  erkennbar  wurden.
        <pb n="53" />
        [16,300]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  53
Der  Bogen  mit  Fig.  5—8  ist  vorangestellt,  um  die  Gleichheit ­
  mit  der  Tabelle  im  Bericht  an  die  Sanitätsabteilung  zu
wahren.  Im  Protokoll  geht  dagegen  die  Reihenfolge  der  Versuche ­
  nach  den  Nummern  der  Figuren.
Protokolle.
(Die  Protokolle  sind  nach  Erledigung  jeder  einzelnen  Figur  aufgenommen. ­
  Zu  den  Ergebnissen  vgl.  die  Tabelle.)
Vp.  20.
Vorlage  1.  Sehr  leichte  Vorlage.  Zwei  Teile:  Bin  T,  das  auf  dem
Kopf  steht,  und  eine  Schräge  dabei.
Figur;  Danach  gesucht.  Zuerst  aufgefallen,  dafs  viele  Ts  da  sind,  aber
der  schräge  Strich  fehlt.  Dann  drehe  ich  das  T  in  der  Vorstellung,  was
sehr  leicht  ist,  und  fand  schliefslich  das  angestrichene  (der  Bogen  wurde
nicht  gedreht).
Vorlage  2.  Ein  Dach,  an  dem  die  Spitze  fehlt.
Figur:  Nach  langem  Suchen  nicht  gefunden.  Versuchte  nach  der
Gröfse  des  Abstandes  an  der  Spitze  zu  suchen.  Fand  nirgendwo  diesen
Abstand.
(Dann  Ermahnung  des  VI.,  sich  nicht  auf  eine  Einzelheit  zu  verbeifsen.
Die  Störung  wird  beim  Suchen  immer  stärker,  so  dafs  nach  3  Minuten  aufgegeben ­
  wird.  Bei  Zeigen  der  gesuchten  Figur  wird  sie  zuerst  nicht  erkannt, ­
  dann  plötzlich  herausgefafst.)
Der  Winkel  oben  ist  so  unlösbar,  dafs  er  die  Gestalt  zerstört.
Vorlage  3.  Das  ist  schon  schwerer  zu  merken.  Ich  versuche,  eine
leicht  merkbare  Einheit  heraus  zu  bekommen.  Am  besten  langer  spitzer
Winkel,  und  schräge  Linie.
Figur:  Zunächst  unten  links,  dann  abgelehnt,  weil  der  spitze  Winkel
an  dem  schrägen  Strich  nicht  im  richtigen  Winkel  drahsitzt.  Da  ist  es.
Vorlage  4.  Das  ist  nicht  so  schwer,  das  ist  ein  leichter  Winkel.
Figur;  (Zum  ersten  Male  wird  der  Bogen  gedreht.)  Links;  aber  bei
Drehung  gesehen,  dafs  es  falsch  ist.  Rechts  unten.  Auch  falsch;  der
Strich  müfste  anders  laufen.  In  der  Mitte  oben,  auch  falsch;  immer,  weil
der  Strich  in  der  falschen  Richtung  läuft.  Da  ist  es.  Merkwürdigerweise
bei  diesem  Winkel  schon  ohne  die  Drehung  erkannt:  das  ist  das  Richtige
(Deckung  wurde  deutlich  erkannt.)
Vorlage  5.  Das  ist  wieder  ein'spitzer  Winkel  mit  einem  Strich,  der
au f  einem  Schenkel  steht.  Man  kann  es  als  lateinisches  T  mit  einem
^ tr ich  auffassen.
Figur:  Sofort  gesehen,  ein  lateinisches  T  mit  einem  Strich.  (VI:  Ist
es  das?)  Halt,  ich  mufs  erst  drehen.  Ja,  das  ist  es.
Vorlage  6.  Ein  rechter  Winkel,  ein  Dach,  mit  einem  Balken.
        <pb n="54" />
        54  W.  Benary.  [16,301]
Figur:  (Bogen  wird  einmal  gedreht  und  Deckung  erreicht.)  Es  ist
gesucht  nach  dem  Dach  mit  dem  Balken.
Vorlage  7.  Ein  stumpfer  Winkel  mit  einem  Querstrich  nach  innen
bei  dem  einen  Schenkel.
Figur:  (Bogen  einmal  gedreht  und  gefunden.)  Zweifelhaft.  Nach  Einzeichnung ­
  sicher.
Vorlage  8.  Spitzer  Winkel  mit  Strich  nach  aufsen.
Figur:  Rechts  oben  gesucht,  war  Spiegelbild,  und  Linie  steht  falsch.
Bogen  gedreht,  unten  gesucht,  wieder  Spiegelbild.
(Es  zeigt  sich  Schwierigkeit,  in  der  Vorstellung  zu  behalten,  nach
welcher  Seite  die  Winkel  offen  sind.)
In  der  Mitte  Ähnlichkeit,  aber  der  Strich  sitzt  falsch.  (Bogen  wird
mehrfach  gedreht.)  Ich  glaube,  diese  Winkelauffassung  mufs  ich  aufgeben.
Ich  fasse  die  Vorlage  jetzt  als  V  mit  einem  Strich.
(Nach  2  Minuten.)  So  viel  Vs  sind  da  drin,  und  inan  kann’s  nicht
finden;  Das  könnte  es  sein,  ein  V  mit  einem  Strich  dabei,  und  wenn  man
das  rot  einzeichnet,  dann  ist  es  ja  auch  richtig.
Zusammenfassung.
Deutlich  gleiches  Verhalten  wie  im  Versuch  a.  Die  sichere
Gestaltauffassung  der  Vorlage  und  die  gute  Drehfähigkeit  des
vorgestellten  Bildes  erleichtern  sehr  die  angestrebte  Deckung.  Die
Schwierigkeit  des  Isolierens  der  gefafsten  Struktur  ist  nur  in
einem  Fall  unüberwindlich  (Fig.  2).  Für  verschiedene  Gestalten
zeigt  sich  ein  verschiedener  Grad  der  Beständigkeit,  wenn  sie
den  Gestalten  im  Komplex  gegenüber  von  der  Vp.  in  der  Vorstellung ­
  festgehalten  werden  sollen  (Fig.  7  und  8).  Das  Labilsein ­
  dieser  Gestalten  in  der  Vorstellung  zeigt  sich  deutlich  darin,
dafs  sie  erst  durch  die  Einzeichnung  wieder  fest  werden,  und
eine  sichere  Deckung  zulassen.
Vp.  21.
Vorlage  1.  Eine  Gerade,  in  der  Mitte  eine  Senkrechte,  von  der  Mitte
der  Senkrechten  aus  unter  46°  eine  andere  Linie.  Im  ersten  Augenblick
war  es  eine  bestimmte  Gesamtfigur,  dann  nicht  mehr.  Bleibe  schliefslich
aber  doch  bei  der  Gesamtfigur.
Figur:  Suchte  zunächst  den  rechten  Winkel  und  fand  verschiedene.
Fand  auch  solche,  an  denen  ein  anderer  Winkel  dran  sitzt.  Lehnte  aber
ab,  da  entweder  an  der  falschen  Stelle,  oder  in  falscher  Winkelgröfse.  Sah,
dafs  in  dem  Eingezeichneten  die  Sache  stimmte.
Vorlage  2.  Gesamtflgur  Dreieck  mit  abgeschnittener  Spitze,  unten
rechts  und  links  geht  es  weiter.
Figur:  Ich  suche  das  oben  offene  Dreieck.  (Vp.  dreht  den  Bogen  sehr
viel,  und  sieht  nach  der  Vorlage.)  Das  oben  offene  Dreieck  wurde  mehr-
        <pb n="55" />
        [16,  302]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  55'
fach  gefunden,  aber  dann  stimmte  es  nicht,  ich  vermifste  die  darin  liegende
Linie.
(Vp.  gibt  nach  5  Minuten  auf.  Als  dann  die  gesuchte  Figur  vom
Vl.  gezeigt  wird,  wird  sie  plötzlich  für  Vp.  deutlich.  Bereits  nach  2  Minuten ­
  erfordert  das  Wiederfinden  aber  schon  eine  gewisse  Mühe.  Als  besondere ­
  Schwierigkeit  erscheint,  dafs  der  Winkel  links  unten  dominiert
und  dadurch  die  andere  Struktur  ausschliefst.)'
Vorlage  3.  Strich,  Richtung  rechts  oben,  die  in  der  Gesamtfigur  stark
heraustritt;  etwa  eine  nach  rechts  oben  offene  Dreifingerhand.
Figur:  Die  Gesamtfigur  strukturiert  sich  sofort  in  solche  Gerichtetheiten. ­
  Überall  werden  Linien  mit  Fingern  herausgegriöen  und  die  markante ­
  Dreiheit  wird  zuerst  beim  Spiegelbild,  dann  in  der  eingezeiehneten
(richtigen)  Figur  erkannt,  wo  sie  deutlich  heraussprang.
Vorlage  4.  Zwei  Auffassungen,  die  miteinander  stritten.  Leichter:
Winkel  mit  kreuzender  Linie  mit  rechts  irgend  etwas.
Figur:  Ich  ging  zunächst  von  der  Auffassung  rechter  Winkel  mit
kreuzender  Linie  aus;  nun  Schwierigkeiten,  weil  verschiedene  rechte  Winkel
mit  kreuzender  Linie  da  sind.  Dabei  war  die  Lage  der  kreuzenden  Linie
labil.  Ich  gab  daher  diese  Auffassung  auf,  und  prägte  mir  ein,  dafs  das
aulserhalb  des  Winkels  liegende  Stück  der  Linie  nach  dem  Scheitel  zu  verlief, ­
  und  zeichnete  trotzdem  das  falsche  ein.  (Das  wird  aber  erst  während
der  Protokollangabe  nach  längerer  Zeit  bemerkt.  Vorher  war  durchaus
noch  die  Einzeichnung  als  richtig  bezeichnet.  Bei  schärferer  Beachtung
des  zuletzt  angegebenen  Merkmales  des  Verlaufs  der  oberen  Linie  wird
nun  das  richtige  bei  nochmaligem  Suchen  bald  und  sicher  gefunden.)
Vorlage  5.  Spitzer  Winkel  mit  Senkrechter  auf  dem  einen  Schenkel.
Figur;  Zuerst  fiel  das  Spiegelbild  links  unten  auf.  Wurde  als  solches
sofort  erkannt.  Abgelehnt.  Suchte  den  rechten  Winkel.  Schlots  also  sämtliche ­
  Figuren,  die  aus  schief  zusammenlaufenden  Linien  bestehen,  beim
Suchen  aus.  Als  ich  den  rechten  Winkel  an  der  eingezeichneten  Figur
fand,  überzeugte  ich  mich  noch,  wie  der  Schenkel  des  spitzen  Winkels
verlief.
Vorlage  6.  Ein  rechter  Winkel,  dessen  rechter  Schenkel  auf  einem
Fufs  steht.
Figur:  Ich  suchte  unter  den  vielen  rechten  Winkeln,  an  denen  rechts
irgendwas  dran  sitzt.  Dieses  irgendwas  war  mir,  als  ich  anfing  zu  suchen,
nicht  mehr  recht  klar.  Ich  war  daher  geneigt,  eine  Figur  für  die’  gesuchte
anzugeben,  bei  der  ich  irgendwas  rechts  unten  am  Winkel  dran.,  sah  (links
unten);  dann  erinnerteich  mich  wieder,  dafs  das  rechts  unten  Dransitzende
eine  bestimmte  Richtung  haben  mufste.  So  waren  jetzt  bestimmte  Figuren
ausgeschlossen.  Beim  Einzeichnen  sicher,  später  plötzlicher  Zweifel;  ich
verglich  noch  einmal  die  Richtung  der  unteren  Linien  mit  der  Vorlage.
Vorlage  7.  Eine  Wanne  (der  stumpfe  Winkel  ist  gemeint,  wobei  die
Auffassung  durch  eine  vorgestellte  Drehung  nach  links  um  etwa,
beeinflufst  ist.)  Da  drin  eine  Linie.
Figur:  Ich  bemühte  mich  zunächst,  einen  stumpfen  Winkel  zu  suchen,
nachdem  ich  mich  vergebens  bemüht  hatte,  das  Ganze  zu  finden.  Ich  ging
        <pb n="56" />
        [16,303]

über  sämtlich«  rechte  und  spitze  Winkel  in  der  Figur  weg.  Als  ich  den
stumpfen  Winkel  hatte,  sah  ich.  dafs  oben  rechts  etwas  da  drin  safs.
Vorlage  8.  Ein  spitzer  Winkel,  der  auf  einem  schräg  laufenden
Strich  aufsitzt.  Ähnlichkeit  mit  Fechtabzeichen  (Uniformzeichen)  am  Arm.
Figur;  Ich  suchte  unter  den  vielen  spitzen  Winkeln  nach  solchen,
bei  denen  der  Scheitel  nach  rechts  lag,  und  bei  denen  eine  Linie  von  links
unten  nach  rechts  oben  lief.
(VI.:  Ist  die  Einzeichnung  sicher  richtig?)
Ja,
(Yb;  Wollen  Sie  beachten,  dafs  der  Strich  auf  die  Mitte  des  Winkelschenkels ­
  trifft.  Tut  er  das  bei  der  Einzeichnung?)
Nein.  Aber  ich  habe  auch  in  der  Vorlage,  den  Eindruck,  dafs  die  Linie
mehr  links  als  an  der  Mitte  einsetzt,  das  kann  aber  eine  optische  Täuschung
durch  die  Winkel  sein.  (Bei  nochmaligem  Suchen  wird  es  bald  gefunden.)

Zusammenfassung.
Bei  der  Gestaltfassung  dieselbe  Tendenz  wie  in  Versuch  a
und  b,  es  bleibt  leicht  etwas  labil  (Figur  4  und  6  zeigen  deutlich ­
  die  Wirkung  des  Labilen).  Gesucht  wird  wieder  vorwiegend
nach  Einzelheiten,  aber  eine  andere  Methode  gewählt,  wenn  es
praktikabel  erscheint.  Ist  eine  sehr  deutliche  Gestaltqualität  vorherrschend ­
  (Fig.  3),  so  strukturiert  sie  das  Ganze,  und  es  kommt
dann  eine  deutliche  Deckung,  nicht  ein  Gleichheitsurteil  zustande. ­

Die  Unmöglichkeit  der  Isolierung  in  Fig.  2  besteht  ebenso
wie  bei  Vp.  20.
Vp.  22.
Vorlage  1.  Aufgefafst  als  ein  T,  das  auf  dem  Kopf  steht,  und  bei
dem  in  der  Mitte  etwas  abgeht.
Figur:  Zuerst  fiel  ein  Spiegelbild  auf.  Dann  habe  ich  systematisch
das  ganze  Feld  nach  Zonen  abgesucht,  es  war  aber  sehr  Schwierig.  Als
die  Figur  dann  als  Ganzes  aufflel,  wurde  sie  sehr  deutlich.
Vorlage  2.  Als  Ganzes  aufgefafst,  als  ein  Dach.  Die  Gesamtgestalt
ist  sehr  prägnant.
Figur:  Die  Gestalt  trat  erst  hervor  bei  einer  Drehung  von  360°  Vom
Anfang  aus,  also  so,  dafs  die  Figur  auf  dem  Kopfe  steht.  Vorher,  als  die
Figur  richtig  orientiert  war,  habe  ich  sie  nicht  gesehen.  Ich  glaube,  dafs
da  die  verschiedenen  Linien  rechts  Oben  dran  gestört  haben  (also  nicht
der  Winkel  wie  bei  Vp.  20  und  Vp.  21).  Ich  habe  immer  das  Ganze  gesucht. ­
  Ich  habe  äucb  möglichst  den  ganzen  Komplex  zu  überschauen  gesucht, ­
  nur  eben  von  verschiedenen  Richtungen  aus.  Als  ich  die  Gestalt
dann  sah,  trat  sie  als  Ganzes  sehr  prägnant  hervor.
Vorlage  3.  Schräge  Linie,  in  der  Mitte  beginnen  zwei  Strahlen.
Figur;  Oben  rechts  eine  Figur  als  irgendwie  ähnlich  aufgefallen.
Dahn  eine  aridere.  Es  wurde  mir  schwer,  in  der  Vorlage,  bei  der  die  erste
        <pb n="57" />
        [16,  304]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  57
Schräge  als  Hauptlinie  gefafst  wurde,  die  Stellung  der  drei  Linien  zueinander ­
  festzuhalten.  loh  hätte  am  liebsten  die  Hauptlinie  vertikal
oder  horizontal  gestellt,  dann  hätte  ich  nur  die  Schrägheit  der  anderen
Strahlen  festzuhalten  brauchen.  Dafs  in  der  Vorlage  der  eine  Strahl  tatsächlich ­
  horizontal  liegt,  habe  ich  garnicht  gesehen,  und  es  spielte  auch
keine  Rolle.  Als  das  Ganze  als  solches  auffiel,  drehte  ich  den  Bogen  so,
dafs  die  Orientierung  gleich  war  -wie  in  der  Vorlage.  Bann  sah  ich  deutlich, ­
  dafs  es  stimmte.
Vorlage  4.  Rechter  AVinkel  und  eine  Linie,  ,die  mit  dem  einen
Schenkel  des  Winkels  ein  schräges  Kreuz  bildet.
Figur:  Es  war  mir  gleich  der  rechte  Winkel  auf  gef  allen  (der  auch
wirklich  zur  richtigen  Figur  gehört),  dann  habe  ich  probiert,  ob  das  Kreuz
richtig  ist.  Es  fielen  zwei  Kreuze  auf  (das  richtige  und  das  rveiter  rechts)
Diese  beiden  waren  so  prägnant,  weil  sie  Beiständen.  Die  Figur  links  oben
neben  der  richtigen  habe  ich  nicht  als  ähnlich  gefafst,  sondern  als  .  zwei
rechte  Winkel  mit  einer  Linie  durch.  Als  ich  den  Bogen  so  drehte,  dafs
die  Orientierung  mit  der  Vorlage  stimmte,  -war  ich  erst  einen  Moment
zweifelhaft,  aber  dann  trat  es  doch  deutlich  hervor,  dafs  es  stimmte.
Vorlage  5.  Aufgefafst  als  T,  das  auf  dem  Kopf  steht,  mit  Winkel
unten  dran.
Figur:  Das  richtige  fiel  sofort  auf,  ich  w r ar  nur  zuerst  zweifelhaft,
ob  die  Winkel  stimmten.  Bei  Drehung  sah  ich  dann  gleich,  dafs  sie
stimmten,  und  zwar  besonders  als  der  freie  Schenkel  des  Winkels  horizontal ­
  lag.
Vorlage  6.  Aufgefafst  als  ganze  Figur,  als  Winkel  mit  einem
Strich  dran.
Figur:  Gesucht  habe  ich  nur  das  Ganze,  aber  nach  einem  Eindruck,
dafs  unten  die  Linie  freisteht.  Es  hat  besonders  gestört,,  dafs  viele  ähnliche ­
  Strukturen  auffielen,  aber  immer  etwas  Störendes  dran  safs.  Aufserdem
  ist  schwierig  die  Lage  zu  fassen,  in  der  die  Gerade  au  dem  Winkel
dran  sitzt.  Deswegen  gelingt  die  Drehung  in  der  Vorstellung  nicht.  Auch
jetzt  nicht,  wo  ichs  habe.  Zur  Deckung  ist  nötig,  dafs  beide  Figuren  gleich
orientiert  sind.  Als  mir  die  Figur  in  der  Vorlage  (von  rechts  unten  gesehen) ­
  als  Ganzes  auffiel,  hatte,  ich  den  Eindruck,  dafs  es  stimmte;  aber,
ich  war  nicht  sicher,  ob  der  Winkel  der  ,  ansetzenden  Linie  stimmte,  Das
gelang  erst  bei  Drehung  des  Bogens.  Jetzt  (erst  etwa  4  Minuten  nach  dem
Finden]  gelingt  die  Drehung,  und  zwar  deswegen,  weil  ich  Jetzt  zu  einem
rechtwinkligen  Dreieck  mit  verlängerter  Hypotenuse  ergänze.  Dadurch
ist  die  einzelne  Linie  jetzt  fest  in  der  Struktur  verankert  und  nicht  mehr
labil.  Und  zwar  ist  es  auch  Jetzt  immer  noch  leichter,  die  Struktur  der
Vorlage,  bei  der  die  Hypotenuse  horizontal  steht,  auf  die  im  Komplex  zu
•lecken.  Bei  der  Drehung  ging  die  erkannte  Struktur  wieder  verloren,  so
&amp;lt;lals  ®ie  erst  wieder  neu  gefunden  werden  mufste.  Auch  bei  Drehung  des
Bogens  um  90 0  nach  links  erscheint  mir  die  Figur  als  gänzlich  anders,  und
erst  bei  weiterer  Drehung,  bei  ähnlicher  Orientierung  des  Winkels,  tritt
die  Gleichheit  wieder  hervor.
        <pb n="58" />
        58

W.  Benary.

[16,  305]

Vorlage  7.  Aufgefafst  als  Mulde,  wo  was  dran  ist.
Figur;  Es  fiel  sofort  die  Struktur  in  der  Mitte  auf,  die  aber  nicht
stimmte.  Sie  fiel  immer  wieder  auf,  trotzdem  ich  wufste,  dais  sie  nicht
stimmte,  und  störte  sehr  stark.  Die  richtige  ist  sehr  gestört  durch  die  ansetzenden ­
  Winkel.  Die  Struktur  ist  für  mich  nur  dann  da,  wenn  die  Grundlinie, ­
  die  Horizontale,  auch  wirklich  horizontal  ist.  Jetzt  kann  ichs
natürlich  auch  umgekehrt  sehen.  Störend  ist  auch  die  starke  Ergänzung
der  nach  unten  ansetzenden  Linie  zu  einer  Art  Rechteck.  Ich  hatte  die
Vorlagefigur  aufserordentlich  prägnant  und  dachte,  ich  würde  sie  sehr
schnell  finden.
Vorlage  8.  Aufgefafst  als  ein  Winkel,  wo  an  dem  einen  Schenkel
etwas  dran  sitzt,  und  das  war  sehr  schwer  festznhalten.
Figur;  Es  sind  furchtbar  viel  solcher  Winkel,  wo  was  dran  sitzt.
Ich  habe  immer  probiert,  ob  diese  dransitzende  Linie  in  der  Richtung
stimmte.  Als  ich  dann  den  Bogen  umgedreht  hatte,  kam  die  Figur  sehr
schnell  heraus,  und  zwar  war  das  Bestimmende  unbedingt  die  Horizontale. ­
  Wenn  ichs  schräg  gehalten  hätte,  hätte  ichs  wahrscheinlich  nicht
gefunden,  wahrscheinlich  auch  nicht  bei  einer  Drehung  um  90°.  Als  die
Horizontale  einmal  gefafst  war,  bauten  sich  die  beiden  anderen  Linien  in
ihren  Winkeln  dran  auf,  so  dafs  die  Gestalt  sehr  prägnant  wurde.
Zusammenfassung.
Auch  hier  ist  deutlich,  dafs  sich  Vp.  ebenso  verhält  wie  in
Versuch  a.  Die  Gestalten  werden  sicher  als  Ganze  aufgefafst,
doch  ist  das  Drehvermögen  schlecht,  weil  die  Gestalt  in  ihrer
spezifischen  optischen  Gegebenheit  festgehalten,  nicht  damit  operiert ­
  wird.  Dieses  Festhalten  an  der  bestimmten  Auffassung
der  Gestalt  widerstrebt  einmal  der  Basalverschiebung,  strebt  aber
selbst  nach  einer  Orientierung  in  ausgezeichneten,  einfachen
Richtungen;  Horizontale  und  Vertikale  zind  bevorzugt,  Schräge
führt  leicht  zu  Labilität,  d.  h.  die  schräg  orientierte  Gestalt  bewahrt ­
  in  der  Vorstellung  keine  Prägnanz  und  Beständigkeit
(Figur  3,  6,  7,  8).  Die  gute  Einprägung  der  Gestalt  führt  zu
prägnantem  Heraustreten  der  Figur,  wenn  sie  erst  einmal  im
Komplex  gefafst  ist,  und  zu  einem  Aufbau  der  Gesamtgestalt
von  dem  Fassen  einer  Linie  in  der  bevorzugten  horizontalen
Lage  aus  (Fig.  8).  ’  Auch  die  Auffassung  von  Hauptlinien  ist
in  dieser  Beziehung  charakteristisch,  und  es  stimmt  durchaus
dazu,  dafs  die  Deckung  nur  bei  gleicher  Orientierung  von  Vorlage ­
  und  Bogen  gelingt,  dafs  die  gefundene  Figur  sogar
während  einer  Drehung  wieder  verloren  geht  (Fig.  6)
und  erst  neu  wiedergefunden  werden  mufs.  Labilität  hängt
immer  mit  Schrägheit  zusammen,  da  die  Horizontale  und  Verti-
        <pb n="59" />
        [16,  806]  Bericht  über  Arbeiten  zw  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  59
kale  als  fundierende  Momente  der  Gestaltfassung,  nicht  nur  für
Linien  sondern  auch  für  Winkel,  Dach  usw.,  eine  besondere
Rolle  für  die  Verankerung  spielen.  (Der  Terminus  stammt,
wie  andere  hier  verwandte  —  Labilität,  Basalverschiebung  usw.  —
von  Max  Weetheimer.)  Es  ist  also  für  eine  feste,  prägnante
Zusammenfügung  einzeln  auffallender  Teilstrukturen  zu  einer
Ganzauffassung  in  der  Vorstellung  notwendig,  dafs  die  Teile
nicht  schief  stehen,  sondern  sich  in  einer  vertikalen  oder  horizontalen ­
  Hauptgerichtetheit  auffassen  lassen.  Interessant  ist  die
Hilfe  für  sichere  Verankerung  in  Fig.  6,  wo  die  Einheitsfassung ­
  der  Gesamtfigur  erreicht  wird,  und  dadurch  gleichzeitig
jede  Schiefstellung  der  Teile  gegeneinander  überwunden  wird.
Es  w r ar  niemals  Unsicherheit  bei  der  Vp.  darüber  zu  bemerken, ­
  ob  eine  herausgefafste  Figur  nun  wirklich  richtig  sei
oder  nicht.  Dagegen  konnte  die  Herausfassung  und  Beachtung
einer  anderen  Figur  im  Komplex,  trotz  des  Wissens  um  dieses
Anderssein,  eine  so  prägnante  Gestalt  erzeugen,  dafs  diese  mit
der  der  Vorlage  quasi  in  Konkurrenz  treten  und  dadurch  beim
weiteren  Suchen  sehr  hinderlich  werden  konnte  (Fig.  7).  Ähnliche ­
  Figuren  scheinen  beim  Suchen  verhältnismäfsig  wenig  gestört ­
  zu  haben  (nur  bei  Fig.  6  und  8  wird  das  hervorgehoben),  dagegen ­
  sind  ebenso  wie  in  Versuch  a  die  Isolierung  oder  starke
Verbindung  der  Figur  mit  anderen  Strukturen  im  Komplex  von
starkem  Einflufs  (Fig.  2,  4,  7).
e.  Finden  der  Richtung.
Es  handelt  sich  hierbei  um  eine  erste  Probe,  ob  mit  derartig
gi'oben  Mitteln  ein  Erfassen  individueller  Verschiedenheiten
möglich  scheint.  Beabsichtigt  war,  die  Auffassung  der  eigenen
Bewegungsrichtung  im  Flugzeug  unter  einfachen  Bedingungen,
bei  Orientierung  nach  einer  ausgezeichneten  Richtung  auf  dem
Platze  zu  prüfen.  Der  Flugzeugführer  kannte  die  Aufgabe  und
hatte  den  Auftrag,  beim  Gleitfiug  einige  Kurven  zu  drehen.  Das
Flugzeug  wurde  dabei  von  mir  beobachtet  und  die  geflogene
Kurve  gezeichnet;  zur  Kenntlichmachung  des  Flugzeuges  waren
an  den  Tragflächen  Wimpel  befestigt.  Als  Orientierungslinie
Wurden  die  drei  Hauptfiugzeughallen  gegeben,  die  in  einer  ge-1-
 aden  Linie  nebeneinander  an  der  einen  Seite  des  Platzes  liegen.
bKr  Prüfling  sollte  vom  Abschiefsen  der  letzten  Leuchtpatrone
Kir  Prüfung  d  bis  zur  Landung  seinen  Flugweg  in  bezug  auf
        <pb n="60" />
        60

W.  Benary.

[16,  307]

diese  Hallen  beobachten.  Es  war  ihm  gesagt,  dafs  er  nach  der
Landung  ein  Blatt  Papier  mit  drei  Linien,  die  die  Hallen  bedeuten ­
  sollten,  bekommen  würde,  und  dafs  er  darauf  die  Kurve
des  Gleitflugs  einzuzeichnen  hätte.
Auf  den  anliegenden  Blättern  (vgl.  Tafel  I)  •,  befindet  sich
die  Einzeichnung  des  Prüflings  (P)  und  meine  Kontrollzeichuung
  (K).  Piehtig  sind  die  Kurven  von  P.  und  A.;  die  seitliche
Verschiebung  zu  den  Hallen  kann  ebensogut  auf  unrichtiger
Beobachtung  von  mir  wie  vom  Prüfling  beruhen.  Bei  Ma.  ist
die  Schleife  an  die  falsche  Seite  gelegt  und  in  umgekehrter
Richtung  eingetragen,  bei  M.  ist  die  Kurve  etwas  vereinfacht.
Bei  E.  war  die  geflogene  Figur  zweifellos  die  komplizierteste;
der  Prüfling  konnte  mit  ihr  nicht  fertig  werden.  Er  hat  beim
Einzeichnen  die  Figur  einerseits  stark  vereinfacht,  indem  er  sie
gleichgerichtet  neben  die  Hallen  legte,  andererseits  die  beiden
Gegenwendungen  durch  wiederholte  Kurven  „irgendwie“  ersetzt.
Diese  Ergebnisse  der  ersten  Probe  der  Prüfung  zeigen  die
Möglichkeit,  bei  genauer  Anweisung  des  Führers  Versuchsbedingungen ­
  zu  schaffen,  die  verwertbare  und  vergleichbare  Ergebnisse ­
  erwarten  lassen.  Wünschenswert  wird  dabei  eine  Wiederholung ­
  der  Prüfung  sein,  so  dafs  die  Leistungen  bei  einer  einfachen ­
  und  einer  schwierigen  Kurve  geprüft  werden  können.
III.  Die  Leistungen  der  einzelnen  Prüflinge.
Eine  Voraussetzung  für  das  Gelingen  der  Prüfungen  besteht
darin,  dafs  die  Prüflinge  sich  bemühen  müssen,  die  Aufgaben
zu  lösen.  Diese  Vorbedingung  war  erfüllt;  nach  meiner  Beobachtung ­
  waren  alle  mit  Anstrengung  und  Interesse  bei  der
Arbeit.  Einen  Anreiz  dazu  gab  die  Schwierigkeit  der  Aufgaben.
Zur  Durchführung  von  Massenprüfungen  wäre  es  notwendig,
das  Material  zu  den  einzelnen  Aufgaben  in  verschiedener  Ausführung ­
  bereit  zu  halten,  damit  sich  nicht  Ergebnisse  herumsprechen ­
  können.  Auch  für  die  Sichtzeichen  ist  die  Möglichkeit
einer  Abwechslung  notwendig;  bei  den  wenigen  Prüfungen  in
Hannover  konnte  ich  es  auch  ohne  das  sicherstellen,  dafs  keiner
der  Prüflinge  vor  der  Prüfung  von  anderen  etwas  über  die
Zeichen  erfahren  konnte.
Bei  Zusammenstellung  der  in  den  einzelnen  Prüfungen  mitgeteilten ­
  Beurteilungen  ergeben  sich  folgende  Gesamtleistungen:
        <pb n="61" />
        [16,  808]  Bericht  über  Arbeiten  zu  Eignungsprüfungen  f.  Flieger-Beobachter.  61

Name

a

b

,  c

cl
P'if  V  ;  ■  ‘

Gesamt

K.

gut

gut

gut

Ma.

gut

gut

mittel

gut

gut

P.

gut

mittel

mittel

gut

gut

A.

schlecht

mittel

gut

gut

mittel

L.

schlecht

mittel

gut

gut 1

mittel

S.

schlecht

mittel

gut

mittel

mittel

E.

mittel

schlecht

schwach

mittel

schwach

M.

schlecht

schlecht

schwach

schlecht

schlecht

Da  es  sich  bei  den  Prüfungen  nur  um  Stichproben  aus  Teilgebieten ­
  handelt,  erhebt  auch  ihre  Zusammenstellung  keinen
Anspruch  auf  Vollständigkeit.  Die  Gesichtspunkte  für  •  ihren
Ausbau  lassen  sich  durch  die  fortschreitende  psychologische  Bearbeitung ­
  der  betreffenden  Gebiete  deutlicher  heraussteilen;  ihr
praktischer  Wert  läfst  sich  zunächst  nur  durch  möglichst  umfangreichen ­
  Vergleich  mit  der  im  Dienst  gewonnenen  Erfahrung
genauer  beurteilen.  Um  das  Ergebnis  sicherer  zu  gestalten,  ist
es  notwendig,  jedesmal  mehrere  Versuche  derselben  Art  zu  einer
Prüfung  zu  vereinen.  Ferner  würde  sich  die  Sicherheit  des  Ergebnisses ­
  der  Prüfungen  erhöhen,  wenn  sie  in  verschiedenen
Stadien  der  Ausbildung  bei  demselben  Prüfling  wiederholt  werden
könnten;  dies  wäre  schon  bei  einer  mehrtägigen  Probekommandierung
  der  Anwärter  am  Anfang  und  am  Ende  der  Zeit  leicht
durchführbar.
Leutnant  K.  war  der  einzige  bewährte  Beobachter,  der  an
den  Prüfungen  teilnahm.  Nach  seinen  eigenen  Angaben  hat
er  in  der  Praxis  bei  der  Orientierung,  selbst  unter  ungünstigen
Verhältnissen,  nie  besondere  Schwierigkeiten  gehabt.  Damit
stimmt  das  Ergebnis  der  Prüfung  a  und  b,  an  denen  K.  teilnahm, ­
  überein.
Eine  Beurteilung  der  Beobachtervorschule  liegt  bisher  nur
über  Leutnant  E.  vor;  auch  diese  stimmt  mit  dem  hier  gewonnenen ­
  Ergebnis  überein.  Die  Beurteilung  der  übrigen  Herren
durch  die  Beobachtervorschule  war  mir  zugesagt,  ist  aber  leider
nicht  eingesandt  -worden.
1  Im  Zimmer.
Bemerkung  zu  Tafel  I:  Die  Wiedergabe  der  beiden  Figurengruppen
zu  Versnob  d  in  verschiedenem  Mafsstab  ist  auf  ein  Versehen  zurückzuführen. ­
        <pb n="62" />
        VERLAG  VON  JOHANN  AMBROSIUS  BARTH  IN  LEIPZIG

Schriften  zur  Psychologie  der  Berufseignung ­
  und  des  Wirtschaftslebens
Herausgegeben  unter  Mitwirkung  von
M.  Urahn-Leipzig,  Q.  Deuchler-Tübingen,  J.  Dück-Innsbruok,  H.  Herkner-Berlin,
A.  Wallichs-Aachen,  P.  Weigl-München.
von
Otto  Lipmann  und  William  Stern
Heft  1:  Wirtschaftsphysiologie  und  phychologische  Berufsberatung.  Bin  Vortrag  von
Dr.  Otto  Lipmann-Kleinglienicke,  26  Seiten.  1918.  M.  1.20
„  2;  Über  eine  psychologische  Eignungsprüfung  für  Straßenbahnfahrerinnen  von
Professor  Dr.  William  S  tern  -Hamburg.  (Aus  dem  Psychologischen  Laboratorium
zu  Hamburg,  Arbeitsgemeinschaft  für  Psychologie  der  Berufseignung.)  16  Seiten.
1918.  M.  —.60
„  3:  Die  Berufseignung  der  Schriftsetzer.  Bericht  über  eine  Experimental  Untersuchung ­
  von  Dr.  Otto  Lipmann-Kleinglienicke.  Eignungsprüfungen  bei  der
Einführung  von  weiblichen  Ersatzkräften  in  das  Stuttgarter  Buchdruckgewerbe,
Juli  bis  August  1917,  von  Dora  Krais,  Lehrerin  der  Brauenmeldestelle  in
Stuttgart.  37  Seiten.  1918.  M.  1,60
„  4:  Vorstudien  über  die  psychologischen  Arbeitsbedingungen  des  Maschinen
Schreibens  von  Wilhelm  Heinitz-Hamburg.  (Aus  dem  Psychologischen
Laboratorium  zu  Hamburg,  Arbeitsgemeinschaft  für  Psychologie.)  56  Seiten.
„  5:  Die  psychologische  Analyse  der  höheren  Berufe  als  Grundlage  einer  künftigen
Berufsberatung  (nebst  einem  psychologischen  Schema  für  die  medizinische  Wissenschaft ­
  und  den  ärztlichen  Beruf)  von  Dr.  med.  Martha  Ulrich-Berlin.  38  Seiten.
1918.  Vergriffen.
„  ,  6;  Die  Berufseignung  der  Kanzleiangestellten  von  Prof.  Johannes  Dück-Innsbruck.
  (Nebst  einer  Mitteilung  von  Dr.  Stefan  von  Mäday.)  24S.  1919.  M.—.80
„  7:  Psychologische  Personalbogen  als  Hilfsmittel  für  Pädagogik  und  Berufsberatung
von  Dr.  N.  B  raun  sh  aus  en-Luxemburg.  34  Seiten.  1919.  M.  1.—
„  8:  Untersuchungen  über  die  psychische  Eignung  zum  Flugdienst  vonW.  Benary,
A.  Kronfeld,  E.  Stern,  0.  Selz.  142  Seiten.  1919.  M.  4.50
„  9-  Die  psychische  Eignung  der  Funkentelegraphisten  von  0.  Lipmann.  42  Seiten
1919.  M.  1.80

„  10:  Psychologie  und  Verkehrswesen  von  Hans  A.  Martens.  14  S.  1919.  M.  1.05
,1  11:  Methoden  zur  Auslese  hochwertiger  Facharbeiter  der  Metallindustrie  von
0.  Lipmann  u.  0.  Stolzenberg.  77  S.  1920.  M.  3.60
„  12:  Eignungsprüfungen  für  Fliegerbeobachter  II  von  W.  Benary.  62  S.  mit
1  Tafel.  1920.  _  M.  3.—
„  13:  Fragen  zur  Erforschung  des  Wirtschaftslebens  von  P.  Eudolf  Steinmetz.
Wirtschaftspsychologie  von  Hans  Henning.  62  S.  1920.  M.  3.60
„  14:  Zur  Organisation  der  Eignungspsychologie  von  Hildegard  Sachs.  16  S.
1920.  M.  2.80
Soziale  Praxis:  Mit  den  „Schriften“  wird  ein  doppelter  Zweck  verfolgt:  Sammlung
aller  einschlägigen  Schriften  an  einer  Stelle,  so  daß  sie  von  allen  an  dem  Gesamtkomplex
interessierten  Kreisen  im  Abonnement  fortlaufend  bezogen  werden  können;  die  einzelne
Arbeit  soll  aber  auch  dem  besonderen  Interessentenkreise  durch  Einzelvertrieb  zugänglich
sein.  —  In  der  Zeit  des  Wiederaufbaues  nach  dem.Kriege  wird  es  mehr  als  je  darauf  ankommen, ­
  die  richtige  Arbeitskraft  an  die  richtige  Stelle  zu  bringen.  Die  Nutzbarmachung
der  psychologischen  Forschung  für  die  Berufswahl  und  Berufsauslese  kann  daher  noch  recht
bedeutungsvoll  werden.
Der  im  Oktober'  1919  festgesetzte  Verleger-Tc-uerungszusehlag  ist  in  den  Dreisen  inbegriffen.
        <pb n="63" />
        Q.  CD
O  CD

ich  5  Minuten  auf.  Als  dann  die  gesuchte  Figur  vom
|  wird  sie  plötzlich  für  Vp.  deutlich.  Bereits  nach  2  Mi--..as
  Wiederflnden  aber  schon  eine  gewisse  Mühe.  Als  begkeit
  erscheint,  dafs  der  Winkel  links  unten  dominiert
andere  Struktur  ausschliefst.)'
Strich,  Richtung  rechts  oben,  die  in  der  Gesamtfigur  stark
eine  nach  rechts  oben  offene  Dreiflngerhand.
i  Gesamtfigur  strukturiert  sich  sofort  in  solche  Gerichtetwerden ­
  Linien  mit  Fingern  herausgegriffen  und  die  mar-’ird
  zuerst  beim  Spiegelbild,  dann  in  der  eingezeichneten
erkannt,  wo  sie  deutlich  heraussprang.
Zwei  Auffassungen,  die  miteinander  stritten.  Leichter:
zender  Linie  mit  rechts  irgend  etwas.
i  ging  zunächst  von  der  Auffassung  rechter  Winkel  mit
aus;  nun  Schwierigkeiten,  weil  verschiedene  rechte  Winkel
»Linie  da  sind.  Dabei  war  die  Lage  der  kreuzenden  Linie
iaher  diese  Auffassung  auf,  und  prägte  mir  ein,  dafs  das
r inkels  liegende  Stück  der  Linie  nach  dem  Scheitel  zu  verte ­
  trotzdem  das  falsche  ein.  (Das  wird  aber  erst  während
;abe  nach  längerer  Zeit  bemerkt.  Vorher  war  durchaus
jhnung  als  richtig  bezeichnet  Bei  schärferer  Beachtung
jgebenen  Merkmales  des  Verlaufs  der  oberen  Linie  wird
"  tei  nochmaligem  Suchen  bald  und  sicher  gefunden.)
Spitzer  Winkel  mit  Senkrechter  auf  dem  einen  Schenkel,
erst  fiel  das  Spiegelbild  links  unten  auf.  Wurde  als  solches
Abgelehnt.  Suchte  den  rechten  Winkel.  Schlofs  also  sämtlie
  aus  schief  zusammenlaufenden  Linien  bestehen,  beim
Is  ich  den  rechten  Winkel  an  der  eingezeichneten  Figur
ißh  m ich  noch,  wie  der  Schenkel  des  spitzen  Winkels
Ein  rechter  Winkel,  dessen  rechter  Schenkel  auf  einem
a.  suchte  unter  den  vielen  rechten  Winkeln,  an  denen  rechts
sitzt.  Dieses  irgendwas  war  mir,  als  ich  anflng  zu  suchen,
|t  klar.  Ich  war  daher  geneigt,  eine  Figur  für  die'  gesuchte
-ier  ich  irgendwas  rechts  unten  am  Winkel  dran,  sah  (links
.nnerte  ich  mich  wieder,  dafs  das  rechts  unten  Dransitzende
Richtung  haben  mufste.  So  waren  jetzt  bestimmte  Figuren
Beim  Einzeichnen  sicher,  später  plötzlicher  Zweifel;  ich
inmal  die  Richtung  der  unteren  Linien  mit  der  Vorlage.
L  Eine  Wanne  (der  stumpfe  Winkel  ist  gemeint,  wobei  die
ch  eine  yorgestellte  Drehung  nach  links  um  etwa
°  st.)  Da  drin  eine  Linie.
h  bemühte  mich  zunächst,  einen  stumpfen  Winkel  zu  suchen,
ich  vergebens  bemüht  hatte,  das  Ganze  zu  finden.  Ich  ging
        <pb n="64" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
