63 erworben hat*). Die Pächter, die unter den neuen Erwerbern an erster Stelle stehen, hatten zumeist größere Erfahrung 3 ). Es ist auch kein Zufall, daß gar manches ostpreußische Rittergut damals in die Hand einer jener Salzburger Faniilien kam, deren musterhafter Wirtschaftsführung die Provinz so viel verdankt. Daß mannigfach auch zweifelhafte Elemente sich den billigen Erwerb zunutze machten, ist bekannt. In der Hauptsache hat aber doch die Zufuhr frischen Blutes der Provinz Segen gebracht^). Schön hat dies Hereinströmen neuer Kräfte begünstigt. Um die „Er haltung des alten Stammes der Nation" hat er sich so weit bemüht, als das ihm zur Verfügung stehende Unterstützungskapital es ermöglichte. Wo aber ein Gut subhastiert werden mußte, da behielt sein Grundsatz von 1807 Geltung, daß für den Staat derjenige der beste Eigentümer sei, der den meisten Kredit sowohl in Absicht seines Verniögens wie seiner Fähigkeiten aufzuweisen habe. So glauben wir auch Schöns eigensten Gedanken zu vernehmen, wenn wir in einer zeitgenössischen Schrift über Ostpreußen lesen: Für die unglücklichen Opfer der Subhastationen müßten andere eintreten „mit frischen Kräften und mit angemessenem Vermögen, sowohl in pekuniärer als auch in intellektueller Hinsicht"*). Schön hoffte namentlich, daß die niedrigen Preise, zu denen die Güter in Ostpreußen zum Verkauf kamen, eine große Zahl von Käufern aus dem übrigen Deutschland anlocken werde. Er hat versucht, für den Zuzug nach Preußen Propaganda zu machen und hat zu diesem Zwecke die Verbindungen benutzt, die er als junger Mann bei seiner Studienreise mit Landwirten Mitteldeutschlands angeknüpft hatte. So trat er auch in Beziehungen zu dem Kammerrat Avenarius in Halberstadt und bat ihn unter den Kauflustigen jener Gegend für die Provinz Preußen zu werben. Avenarius hat daraufhin unter Benutzung des von Schön mitgeteilten Materials, aber ohne sein Wissen die eben erwähnte Schrift „Über den Verkauf zahlreicher adelicher Güter in der Provinz Preußen" abgefaßt. i) Vgl. die Schilderung bei Theodor Freiherr v. d. Goltz, Geichichte der deutschen Landwirtschaft, 2. Bd. (1903), S. 16öff. -) Thaer, der 1819 Ostpreußen bereiste, urteilte: „Intelligenz und rrch 8 Urtheil über landwirtschaftliche Angelegenheiten habe ich in Ostpreußen und Lr , sehr viel angetroffen, besonders bei den Pächtern und Acquirenten er o Eher fehlt es an reger Thätigkeit; sie leben in einem Zustand von BehagUchk , welchem sie die Unternehmung von Verbesserungen, deren Werth ste wo) "n r herausziehen würde." Bericht an Schuckmann, 26. Sept. 1819. Geh. S - * ' 3 ) So das auf Theodor Freiherr v. d. Goltz zurückgehende Ur ei brechers, Grenzboten 1878 I S. 24. . 4 ) Ludwig Avenarius, Über den Verkauf zahlreicher adelicher Guter m Provinz Preußen, nebst einer gedrängten Beschreibung der zum Verkaufe g \ Güter selbst. Halberstadt 1827. S. 19.