9 lohn und Warenpreis in eine fefte Beziehung zueinander zu bringen. Auch diefe Methode hat fich nicht bewährt. Die englifche Gewerkfchaftsbewegung ift bald davon abgekommen. Ihre Folge war einmal die völlige Abwälzung des Rifikos auf die Arbeiter und weiterhin die, dajz die Lohnregulierung [ich mechanifch und zwangsläufig vollzog. Diefem Zwang aber wollten fich die Arbeiter nicht unterwerfen. Sie legten fich mit Recht die Frage vor: „Wenn unfere Löhne zwangs läufig reguliert werden foilen, wozu brauchen wir dann noch Gewerkfchaften?“ .... So kehrte man trotz aller diefer Irrungen immer wieder zur gcwerkfchaftlichen Lohnpolitik zurück. Mafzftab für die Lohnforderungen bildete das Verlangen der Arbeiter nach einer angemeffenen, mit der Zeit aufftei- genden Lebenshaltung. Diefe wollte man dadurch fichern, dajz man dem Tariflohn den Charakter des Minimallohnes beilegte und durch zentrale Abfchiüffe das Gefamtgewerbe an diefen Minimallohn band und in dem dadurch gefaxten Rah- men die Konkurrenz ausfchlojz. Der Lohntarif wuchs fich alfo aus zu einem Inftrument von grojzer volkswirtfchaftlichcr und privatwirtfchaftlicher Bedeutung. Diefe Methode tariflicher Lohnregulierung hat fich nach langen Kämpfen auch in Deutfchland durchgefetzt. Ich will auch hier nicht auf Einzelheiten eingehen, fondern nur die grojzen Züge der Entwicklung aufweifen. Auch in Deutfeh. land ift der Gedanke, Lohnpolitik auf dem Wege der Zu fammen- faffung der Arbeiter aller Berufe zu treiben, fchon frühzeitig aufgetaucht, aber auch fchnell wieder fallen gclaffcn worden. Beton ders fchwer und lang u mftritten war bei uns die Frage, ob überhaupt dieTarif- politikGcmcinguidcrArbcitcrfchaftwcr- den dürfe, oder ob nicht vielmehr der klaffenbewujzte Sozialift fie grundfätzlich ablehnen oder höchftens als Palliativ -