dabei an unfcrm Volk keineswegs zu verzweifeln, wir muffen aus den trüben Erfahrungen der Gegenwart lernen und durch die Nacht diefer Tage zu neuem Licht gelangen und neue Kraft fchöpfen zum Aufbau einer beffern Zukunft. Nur nebenher darf ich vielleicht auch darauf verweifen, wie angefichts aller diefer Zufammenhänge allein auf dem Gebiete der Lohnpolitik die Aufgaben der oberften Zentralbehörden natürlich gewachfen find. Was manchem draußen als künft- liche Aufblähung erfcheint, ¡ft nur ein unvermeidliches Pro dukt der Verhältniffe. Es find wahrhaftig keine leichten Aufgaben, die in unferm Falle den leitenden Organen des Staates zugefallen find. Die Schwierigkeiten diefer Aufgaben werden fich erft recht zeigen, wenn dem Aufftieg der Nominallöhne einmal eine entgegengefetzte Entwicklung folgen muß. Es foll auch keineswegs gefegt fein, dafz die einfchlägigen Arbeiten in dem vollen Umfange wie bisher von Staats organen gclciftet werden müffen. Im Gegenteil, manches wird auf Selbftverwaltung, Schiedsgerichte, Tarifämter ab- gefchobcn werden können und müffen. Aber alle diefc Einrichtungen find eben erft zu fchaffen und zu vervoll kommnen. Eine neue formale Verfaffung dem Dcutfchen Reiche zu geben, war verhältnismäßig leicht. Die fozialcn Konfe- quenzen aus den Ereigniffen der letzten Jahre zu ziehen, ift weit fchwieriger, insbefondere angefichts der traurigen Lage, in der fich die deutfehe Wirtfchaft infolge des Friedens vertrages befindet. Alles in allem genommen zeigt aber unfere Betrachtung von heute, daß das deutfehe Volk den Willen hat, zu leben und fich zu behaupten, und daß es trotz feiner gegenwärtigen Verelendung die fozialpolitifche Führung nicht zu ver lieren braucht und nicht verlieren will. 82