92 Stille Reserven. 2. Durch Überbewertung der Passiva. Selten werden Schul den höher bewertet; in anderen Fällen werden bereits verdiente Gewinne bilanzmäßig unsichtbar zurückgestellt Solche ,,un- verrechnete“ Gewinne, z. B. Konsortialgewinne, verschwinden iß der B. unter den Kreditoren 1 ); sie sind die stillen Reserven im engeren Sinne. „Eine andere Art, für solche stille Reserven vorzusorgen, besteht darin, daß erzielte Gewinne einstweilen unverrechnet bleiben. Eine Bank, die in einem besonders günstigen Jahre zahlreiche Konsortialgeschäfte erfolgreich abgewickelt hat, wird in der Regel geneigt sein, einen Teil der daraus erzielten Gewinne zu reservieren, sei es in Form von Abschreibungen auf andere Konsortialengagements oder indem sie irgendwo versteckt wer den. Diese Vorsorge ermöglicht natürlich, in schlechteren Jahren die auf solche Weise zurückgehaltenen Gewinne hervorzuholen und zur Aufbesserung der Erträgnisse zu verwenden. Es können dann niedrig zu Buch stehende Bestände abgestoßen und auf diese Weise eine Gewinnsteigerung erzielt werden, oder es werden die reservierten und versteckten Gewinne der Vorjahre nach träglich zur Verrechnung gebracht.“ Außer diesen unverrechneten Gewinnen können stille Re serven geschaffen werden: durch Einstellung von Rücklagen unter die Kreditoren, durch die Berechnung der aus noch ab- zunehmenden Rohstoffen bzw. Devisen bestehenden Verpflich tungen an das Ausland zu verhältnismäßig hohen Devisenkursen, durch Einstellung bestrittener Schulden; vgl. auch das 5. Bei spiel, 17. Abschnitt. Für die Bilanzkritik ist zu merken: Es gibt sichtbare und unsichtbare Abschreibungen, sichtbare und geheime Gewinne, versteckte Verluste, echte Kreditoren und „Gewinnkreditoren“, Verschiebungen innerhalb der einzelnen Bilanzposten, insbeson dere in der Ertragsbilanz. Es gibt „verschobene“ Gewinne unter den Debitoren: hohe Gewinne und solche, die nicht in Erscheinung treten sollen, werden auf Forderungen der Konzern- und Tochtergesellschaften abgeschoben, Forderungen an diese x ) Vgl. Moll, op. cit. S. 242 ft.; Passow, Die wirtschaftliche Bedeutung und Organisation der Aktiengesellschaft. Jena 1907. S. 89 ff.